Life Itself

Life Itself Cover

Steve James, USA 2014
ohne deutschen Start

Beim Bestreben, die Biografie von Amerikas populärsten Filmkritiker Roger Ebert in eine Doku zu fassen, begleitete Steve James unbeabsichtigt die letzten Monate des 2013 im Alter von 70 Jahren an Schilddrüsenkrebs verstorbenen Publizisten, der seit den 60er Jahren für die Chicago Sun-Times Filme rezensierte. Obwohl er Eberts Leben nachzeichnet, porträtiert James vornehmlich die Liebe seiner Frau Chaz, die den von seiner Erkrankung Gezeichneten und bereits 2006 Verstummten – ihm fehlt der Unterkiefer, ein Anblick nur für Unerschrockene – pflegt.

Dazwischen würdigen ihn Werner Herzog und Martin Scorsese, doch von solcherart Stimmen gibt es viel zu wenig. Material im Überfluss kommt dafür aus seiner legendären TV-Sendung „Siskel & Ebert“, wo er sich mit dem 1999 plötzlich an einem Gehirntumor verstorbenen Gene Siskel wie Laurel & Hardy zankt, zwei kleine Jungs im Sandkasten, deren Markenzeichen „two thumps up“ die Filmkritik vulgarisierte, Ebert aber einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame einbrachte.

Mangelnde Tiefe und Analyse

Den Einfluss von Pauline Kael oder von Kollege Jonathan Rosenbaum auf den Träger des Pulitzer Preises ist intellektuell wenig erhellend, und auch sein Lebenslauf alles andere als ausgewogen oder kompendisch. Von seinen Drehbüchern wird nur eines erwähnt, die Show „Ebert & Roeper“ gar nicht. Wirft man Ebert als Mainstreamschreiber gerne mangelnde Tiefe und Analyse vor, gilt dies noch viel mehr für James‘ Doku, die zwar kein Kniefall vor einer nationalen Berühmtheit geworden ist, aber Heikleres als sein überwundener Alkoholismus kommt nicht vor.

James bringt nicht mehr als solides Gewerk an, weder geistig noch emotional tiefschürfend wie der unlängst vorgestellte „To Be Takei“. „Filme sind Empathie-Maschinen“ heißt es anfangs – davon spürt man hierin nichts und auch die Zitate aus Eberts Texten sind ausbaufähig. Ein Mosaik all jener so ausgefallenen und wunderbaren Filme, die einen Cineasten im Laufe der Zeit bewegt haben, wären ein Weg gewesen, ins Herz eines Kinomenschen zu reisen (und dort auch anzukommen).

Roger Ebert lässt sich besser entdecken auf seiner Archivseite www.rogerebert.com, verwaltet von seiner Witwe.

Jochen Plinganz

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