Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1

Das dritte Abenteuer der SciFi-Reihe mit Jennifer Lawrence ist ein düster-behäbiges Kriegsdrama, das darauf wartet abzuheben.

Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1 Cover

The Hunger Games: Mockingjay – Part 1, Francis Lawrence, USA 2014
Kinostart: 20.11.2014, DVD/BD-Start: 26.03.2015
Story: Im zerstört geglaubten, unterbunkerten Distrikt 13 kommen Katniss, ihre Familie und die überlebenden Tribute unter, wo Präsidentin Coin Katniss überzeugt, das Symbol der Rebellion zu werden. Ihre Liebe, der vom Kapitol gefangen gehaltene Peeta, sendet dieweil unter Zwang Falschinformationen aus.
Von Thorsten Krüger

In inzwischen vertrauter Profitgier-Routine wurde Suzanne Collins‘ Buchtrilogie auf vier Blockbuster aufgeblasen, womit die in zwei Hälften aufgeteilte dritte Dystopie sich in bester Gesellschaft von „Harry Potter“, „Twilight“ und dem „Hobbit“ befindet. Im mit Stars gespickten, behäbig ausgebreiteten Kriegsdrama mit gelegentlichen SF-Elementen wartet man darauf, dass es richtig losgeht. Aber das passiert erst in einem Jahr.

Damit beschränkt sich Francis Lawrence, dessen zweiter und bislang bester Teil aufwühlend humanistisch war, auf einen 123-minütigen Trailer mit Cliffhanger für den erst nächsten November erscheinenden Abschluss. Ohne große Dynamiken, aber grundsolide entfesselt er eine nur von wenigen Actionscharmützeln angeheizte Propagandaschlacht mit allen Finessen um den eskalierenden Bürgerkrieg zwischen Distrikten und Kapitol.

Cover-Girl der Revolution

Jennifer Lawrence verschießt als Cover-Girl der Revolution Rambo-explosiv-Pfeile, bei ihren Emo-Ausbrüchen wäre weniger mehr gewesen. Auch wenn ihr Heimatdistrikt im Aleppo-Look nur ein Schauplatz der mannigfaltigen Kriegsverbrechen von Präsident Snow ist, der als Baschar al-Assad-Figur mit diesem an Grausamkeit gleichzieht und die Zivilbevölkerung munter massakriert respektive ausführlichen Bombenterror betreibt.

Doch so richtig lohnenswert in der beträchtlichen Starriege ist eigentlich nur die Leistung des kurz vor Abschluss der Dreharbeiten verstorbenen Philip Seymour Hoffman („A Most Wanted Man“). In der tröpfelnden Story fällt das Propaganda-Duell so viel elaborierter und artifizieller aus, als was Putins Russia Today oder die Köpf-Clips des IS veranstalten. Hinzu kommt die Werbe-Satire mit einem Filmteam und die affektierte Effie.

Anrührendes Pathos

Dies bricht mit weitgehend unfreiwilliger Komik das Geschehen auf und ist am meisten misslungen, während das anrührende Pathos mit seiner Emotionalität glückt, allerdings vor Kitsch nicht gefeit ist und seinen Hang zum Über- bis Melodramatischen überspannt. Katniss zwischen zwei Männern wirkt abgegriffen, wie man psychisch nicht zerbricht, wenn eine Giftschlange mit einem spielt, hätte intensiver untersucht werden dürfen.

Und dann klingen die Ansprachen an die „people of panem“ dauernd wie an die „people of Pan-Am“. Die heben auch nicht mehr ab.

4 Gedanken zu „Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1“

  1. Ich habe schon nach dem ersten Teil aufgegeben Interesse für diese Trilogie zu entwickeln. Auch wenn ich den Film ganz sicher nicht anschauen werde, rege ich furchtbar über solche „123 minütigen Trailer“ auf. Was ich bisher gehört habe, hätte man Teil 1 auch loker in 45 min packen können… Abzocke. Grrrrr :/

  2. Sehr treffende Rezension
    😀 Und das mit Pan-Am dachte ich mir auch die ganze Zeit als ich im Presreening saß. Dürfte sich dann aber im deutschen erledigen.

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