Late Phases

Rentner vs. Werwolf – trotz wilder Kreaturen kein Schocker, sondern vorwiegend ein Ruhestands-Drama mit dem klasse Nick Damici

Late Phases Cover

Adrián García Bogliano, USA 2014
DVD/BD-Start: 01.06.2015
Story: Kaum hat sein distanzierter Sohn Will den frisch verwitweten, blinden Vietnam-Veteran Ambrose in einer bewachten, properen Rentersiedlung untergebracht, greift ein Werwolf an und tötet Hund und Nachbarin. Die Polizei schenkt dieser Version keinen Glauben. So lässt sich Ambrose Silberkugeln gießen.
Von David McAllan

Der spanische Genrefilmer Adrián García Bogliano, bekannt geworden durch den bei uns kürzlich veröffentlichten „Here Comes the Devil“, trotzt wieder erprobten Versatzstücken ein Stück Individualität ab. Wofür er sich auch bei dem stets zuverlässigen Nick Damici bedanken kann, der sowohl als Schauspieler wie auch als Drehbuchautor für Jim Mickle bei „We Are What We Are“ sowie „Cold in July“ ordentliche Arbeit leistete.

Seine Figur als Grumpy Old Man zwischen Clint Eastwood und Charles Bronson verleiht dem ansonsten nicht nennenswert ambitionierten Werk etwas dauerhaft Semi-Interessantes. Es gerät nie so kunstvoll-betörend wie das Coming-of-Age „When Animals Dream“, so partytrashig rockig wie „WolfCop“ oder so grimmig-spannend wie „Wer“, verwendet Elemente daraus aber zu einem B-Movie – und zwar einem ganz speziellen.

Porträt eines Abgeschobenen

Da tauchen einerseits komische Seiten auf, wenn die Polizei andere Sorgen als Tierangriffe hat und die Bewohner sich lieber über den unbequemen Unruhestifter echauffieren als über die regelmäßigen Vollmondmorde. Dann ist der sture, brüske Ambrose das sarkastische Zentrum einer Satire auf die Crescent Bay Retirment Community, wo alte Menschen abgeladen werden, um beim Sterben ihre Angehörigen nicht zu stören.

Deshalb ist „Late Phases“ kein Schocker, sondern mehr das Porträt eines Abgeschobenen, woraus sich ein völlig unsentimentales, hervorragend trockenes Vater-Sohn-Drama speist. Ein melodisch-stimmungsstarker Mysteryscore sowie das sonnengoldene Rotstichbild begleiten eine kleine allegorische Auseinandersetzung mit dem Wirken von Kirche, Pfaffen, Gewalt und Glaube, wenn auch unvertieft wie Ambroses Geruchssinn.

Eher kurios als horrend

Da die von Effektkünstler Robert Kurtzman entworfenen Old-School-Kreaturen von Beginn an zu sehen sind, fehlt einiger Thrill, zumal sie einem Trash-Comic entsprungen scheinen. Neben blutigen Leichen komplettiert ein Splatterfinale, das damit eher kurios als horrend zu Werke geht, mit Käsigkeit den unebenen Eindruck. Aber es ist die eigenwillige Rentergeschichte mit stilvollem Abgang, die dies unverdrossen aufwertet.

2 Gedanken zu „Late Phases“

  1. „[…] verleiht dem ansonsten nicht nennenswert ambitionierten Werk etwas dauerhaft Semi-Interessantes.“ Hahaha! Das ist der Lacher in den Feierabend.

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