The Imitation Game

Mitreißendes Codeknacker-Drama, das brillant-berührend das britische Mathe-Genie porträtiert – einen vergessen Helden des Zweiten Weltkriegs

The Imitation Game Cover

aka The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben, Morten Tyldum, GB/USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 17.06.2015
Story: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs akquiriert der britische Geheimdienst Cambridge-Mathematiker Alan Turing. Er soll den als unlösbar geltenden Enigma-Code der Wehrmacht knacken. Der arrogante Crack bringt das Team und die Vorgesetzten gegen sich auf. Nur die junge Kollegin Joan hält zu ihm.
Von Caroline Lin

Das nach „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zweite Biopic eines Cambridge-Genies binnen kurzer Zeit hat die gleichen emotionalen Qualitäten wie das Porträt von Stephen Hawking, fügt im Falle des Mathematikers Alan Turing neben oscarwürdiger Schauspielexzellenz noch treffsicheren Humor, Thrillerspannung und die Tragik eines unbesungenen Helden hinzu, der wegen seiner Homosexualität in den Selbstmord getrieben wurde.

Wo Michael Apted 2001 mit der unnötig verschachtelten Spionage-Romanze „Enigma – Das Geheimnis“ noch müde herumkrebste, weiß der Norweger Morten Tyldum („Headhunters“) in seinem internationalen Ersteinsatz mühelos mitzureißen, sowohl niveauvoll lustig mit köstlichen Dialogpointen, als auch hochspannend im Wettlauf gegen Zeit und Tod, gefühlvoll dramatisch und um persönliche Geheimnisse wissend.

Ein empfindsamer Mensch

Nach Andrew Hodges‘ Buch „Alan Turing: The Enigma“ entspinnt sich eine konventionelle, aber hochklassige, jene Tage komplett entstaubende Charakterstudie rund um ein autistischen Genius (Benedict Cumberbatch aus der „Hobbit“-Trilogie und „Inside Wikileaks“ zeigt, wieso er einer der momentan Besten ist). Der kann alles dechiffrieren, die (nonverbale) menschliche Kommunikation bleibt ihm jedoch verschlossen.

„The Imitation Game“ ist der Titel von Turings Aufsatz darüber, wie man Menschen von Maschinen unterscheiden kann – der Turing-Test, bekannt geworden durch „Blade Runner“. Tyldum indes lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Turing ein empfindsamer Mensch ist, aber so unorthodox, dreist und arrogant, dass ihn jeder hasst – außer der einzigen Frau im Team (sagenhaft: Keira Knightley, zuletzt in „Jack Ryan: Shadow Recruit“).

Der erste Computer

Sie hat den Charme, der ihm fehlt und sieht in ihm einen Seelenverwandten, was eine platonische Zuneigung mit traurigem Ende auslöst. Gemeinsam errichten sie den ersten Computer, ein ratternder Riesenrechner, genannt Christopher, nach Turings verstorbener Jugendliebe, vorgestellt in berührenden Rückblenden. Mit dem Bau dieser Universalmaschine rücken die prophetischen Träume eines Wissenschaftlers in den Vordergrund.

Unter den Augen eines MI6-Funktionärs (Mark Strong, „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“) hilft ein „Heil bloody Hitler“ und der Zufall, dass Deutschland den Krieg verliert. Der NS wird durch Kryptologen und Kreuzworträtsel besiegt – nicht als Erfolgs-Epos, sondern als Spionage- und Kriegsdrama im Bletchley Park, was eine sehr nachdenkliche Perspektive Krieg und Gewalt gegenüber einnimmt sowie einige Gewissheiten hinterfragt.

Erst 2013 begnadigt

Tyldum überrascht fortwährend, vom einander Austricksen bis zum Gottspiel mit Statistik, die keinen Konvoi rettet, aber den Krieg gewinnt. Bitterer Abschluss ist die Enttarnung von Turings Homosexualität und wie ihn Strafe und chemische Kastration in den Suizid treiben. Massenmörder Bomber-Harris erhielt für den Bombenkrieg Orden. Turing, der Millionen rettete, blieb 50 Jahre Staatsgeheimnis. Er wurde erst 2013 (!) begnadigt.

8 Gedanken zu „The Imitation Game“

  1. Im Editor ist standardmäßig bei Bildern eine Verlinkung eingestellt. Einfach abschalten: entweder direkt bei Bildeigenschaften oder über die Medienansicht/Eigenschaften rechts unten. LG, Thorsten

  2. Es ist nicht der erste Computer, weil seine Turing Machine kein Computer ist.

    Massenmörder ist auch eine ziemlich krasse Wertung, die wenig mit dem Film ansich zu tun an.

  3. Autistisch? Nein, sehe ich nicht so. Und „begnadigt“? Er bekam eine „Entchuldigung“, keine Begnadigung, das ist schon noch mal ein Unterschied.

    Der Film war solide, die Schauspieler gut. Die Geschichte hinter dem Film ist wirklich erzählenswert, aber ich fand den Film arg konform. Er bringt einem Turing als Persönlichkeit nicht wirklich näher (außer, dass man ihn jetzt überhaupt einmal kennenlernt, denn wer kannte seine Geschichte vorher schon?)

    Und Keira Knightleys Rolle: Welche Rolle hat sie in der Dechriffrierung Enigmas denn nun gespielt? Bei den Jungs mitmachen durfte sie ja nicht, wie man im Film sieht. Also eine starke Frau(enrolle) sieht für mich anders aus.

    Meine Filmbesprechung: https://schauwerte.wordpress.com/2014/11/18/the-imitation-game-believe-the-hype/

  4. Ich freue mich sehr auf den Film und kanns kaum noch erwarten – teilweise auch aus professioneller Neugier, Was Turing widerfahren ist, ist einfach tragisch. Mal abgesehen davon, dass ich die Person sowieso interessant finde, ist der Umstand, dass er von Benedict Cumberbatch gespielt wird, noch ein Riesen-Extra-Sahnehäubchen.

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