Tusk

Tusk Cover

Kevin Smith, USA 2014
DVD/BD-Start: 07.05.2015

Indie-Slacker Kevin Smith („Clerks“, „Jay und Silent Bob schlagen zurück“) hat sein Spaß-Terrain schon im satirischen Sektenschocker „Red State“ verlassen und folgt dem abschüssigen Pfad ins Abartige einige Schritte weiter. Smith hat offenbar Tom Six‘ „The Human Centipede“ gesehen und kreuzt ihn mit Fabrice Du Welz‘ „Calvaire“ zu einer Komödie der grotesken Grausamkeiten, auch wenn er zunächst einen Geeks-turn-Pricks-Jux signalisiert, wo zwei Podcaster-Jackasses sich auf derbe Weise über andere lustig machen. Aber der nächste Gag geht auf ihre Kosten.

Die in der Midnight Madness von Toronto vorgestellte, in nur zwei Wochen abgedrehte Low-Budget-Geschichte von Wallace, dem Walrossmann basiert auf Ausgabe 259 von Smiths wöchentlicher Podcast-Reihe. Sie handelt von einem respektlosen Online-Reporter (Justin Long, „Drag Me to Hell“), der das „Kill Bill Kid“ interviewen möchte und statt dessen in einem einsamen Haus im kanadischen Manitoba auf den mysteriösen, kultivierten Rollstuhl-Exzentriker Howard Howe trifft, dem B-Veteran Michael Parks („Django Unchained“) echtes Kultpotenzial verleiht.

Ein bizarrer Beziehungsfilm

Der Seefahrer erzählt nicht nur seine faszinierenden Abenteuer, sondern ist auch irrer Hobby-Chirurg, der seinem Anwesen ein „Texas Chainsaw Massacre“-Feeling in dunklem Barock verleiht. Wallace befindet sich in der Hand eines Wahnsinnigen, der eine tierisch-menschliche Liebesbeziehung anstrebt, ihm die Beine amputiert und zu einem Walross umoperiert, um ihn als Tier in seinem versteckten Aquarium zu halten: „Tusk“ heißt Walross-Stoßzahn. Smith beweist in dieser conte cruel, wie gut krank mit komisch harmoniert. Obwohl die Effekte von der Kapazität Robert Kurtzman („Late Phases“) stammen, finden Horrortaten meist im Kopf statt, werden aber mit Gusto verbal evoziert.

Sobald diese „Die Fliege“-Verwandlung vollzogen ist, geschieht eigentlich nichts mehr. „Sixth Sense“-Kinderstar Haley Joel Osment („I’ll Follow You Down“) als Ted und Genesis Rodriguez („Baymax“) als Wallace’s Freundin spüren ihn mithilfe eines Schnäuzer-Ex-Cops auf (inkognito: Johnny Depp in seiner schrägsten und auch ödesten Rolle), bis diese story of madness im Zoo endet. Ein bizarrer Beziehungsfilm, nach Art einer Anekdote, durchaus eines Quentin Tarantino (der ursprünglich den Detektiv spielen sollte) würdig.

Gnaghi

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