Foxcatcher

Arthaus-Sportlerdrama der Gebeugten, deren Psychoschaden-Konstellation mit Steve Carell auf eine aktenkundige Tragödie hinausläuft

Foxcatcher Cover

Bennett Miller, USA 2014
Kinostart: 05.02.2015, DVD/BD-Start: 25.06.2015
Story: Mit Bruder Dave hat Ringer Matt 1984 olympisches Gold gewonnen und beginnt bei Millionär John Du Pont, dem letzten Spross einer Waffenhändlerdynastie, für Seoul 1988 im Team Foxcatcher zu trainieren. Als Dave auf Johns Landsitz nachzieht, sieht dieser ihn als Trainer- und Mentor-Rivalen um Matt.
Von Thorsten Krüger

Minimaler Plot, maximale Laufzeit: Bennet Miller verknüpft den True Crime aus „Capote“ mit dem Sportprofessionalismus aus „Moneyball“ zu seinem dritten biografisch orientierten Drama um die Abgründe menschlicher Ambitionen, was als Psycho-Chronik eines realen Mordfalls atypisch und angemessen eigen ausfällt, aber nicht eigen genug, um zu faszinieren. Das übernimmt ein mit seinen Rollen verschmelzendes Darsteller-Trio.

Da Ringen hier olympische Disziplin ist, tritt kein räudiger Mickey Rourke („Wrestler“) auf, sondern wabern Brüder-Konflikt und der fatale Einfluss falscher Freundschaft um Channing Tatum („White House Down“) als stiernackig-hamsterbackigen, einsilbigen Panzerschrank, der aus dem Schatten seines fürsorglichen Bruders Dave (Mark Ruffalo, „Die Unfassbaren“, hält sich hinter seinem Vollbart am meisten zurück) heraustreten will.

Ornithologe, der einen Vogel hat

Die Show gehört zumeist Comedian Steve Carell („Jungfrau (40), männlich, sucht…“) als schwer reicher und schwer gestörter Ornithologe, der mehr als nur einen Vogel hat. Der eigenartige Kauz mit Habichtnase und Spitznamen „Adler“ hat Minderwertigkeitsprobleme wegen Mutti (Vanessa Redgrave), ein Napoleon-Komplex wie ein Kind, das bärenstarke Jungs zum spielen will. Diese Homoerotik bleibt aber lediglich implizit.

Das der kranke profilneurotische Norman-Bates-Typ gefährlich ist, auch weil er gerne mit Schusswaffen herumballert, merkt der Zuschauer sofort. Der Film aber passt sich der geistig schweren Beschränktheit von Matt an, der die Warnsignale so wenig deutet wie Dave. An der anspruchsvollen, aber statischen Konstellation, das Ringen zweier „Väter“ um einen Sohn, köchelt Miller nun kühl herum, ohne so recht etwas zu gebären.

Hält bedrohliche Spannung

So zeigt er einem zehn Mal, was man schon beim ersten Exempel versteht, ohne es weiterzuentwickeln. Da geizt das Drehbuch, hält aber seine Spannung von lauernder, unterschwelliger, unausgesprochener Bedrohlichkeit. Im langsamen Rhythmus eines dunkel-unverzierten Bildwerks, das immer bewölkt scheint, läuft dennoch alles auf ein knausriges Vehikel hinaus, das den Darstellern unbedingt einen Preis bei der Academy sichern soll.

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