Roseville

Unschlagbar unheimliche bulgarische Horrormystery um eine gespenstische Naturkraft, die fünf Menschen in den Wahnsinn treibt

Roseville Cover

Vila Roza, Martin Makariev, BG 2013
ohne deutschen Start
Story: Herbst 1985: Die frisch verheirateten Vasko und Nadya fahren in die abgelegene Berghütte Roseville mitten im dicht bewaldeten Balkangebirge. Nur Gastgeber George, seine Vertraute Dora und der US-Fotograf Stephen sind vor Ort. Und eine alte kahle Eiche, die finstere Halluzinationen auslöst.
Von Thorsten Krüger

Bulgarien dient vielen internationalen Produktionen als beliebtes Billiglohnland („The Expendables 3“ und „Autómata“ entstanden hier letztens), der – angeblich – erste genuine Horrorthriller aus dem südosteuropäischen Staat hingegen erblickte erst vor Kurzem das Licht der Welt: Der sonst mit TV-Serien beschäftigte Martin Makariev bringt mit „Roseville“ keinen Schock-Snack, sondern stimmungsschwer dunkel-rätselhafte Phantastik an.

Trotz des Jahres 1985 ist von Sozialismus nichts zu spüren; der mit in seiner Heimat bekannten Mimen besetzte Chiller atmet die Atmosphäre einer mystischen Natur und ihrem alptraumhaften Einfluss, wobei er deutlich westlichen Mustern folgt und sich vage an Pupi Avati („Zeder“), John Carpenter („Die Fürsten der Dunkelheit“), Robert Sigl („Laurin“), Robin Hardy („The Wicker Man“) und den Werken H.P. Lovecrafts orientiert.

Finster-fröstelige Bedrohung

In düsterer Farbarmut stellt sich das ideale Set, das abgelegene Jagdhaus Roseville im Balkangebirge (Stara Planina) dar, ehemals Lieblingsferienort der Monarchenfamilie von Zar Boris III. Sechs Jahre zuvor fand eine mysteriöse Geheimexpedition zu „The Old White Man“ statt, so der Name der uralten, knarzigen Eiche – der einzigen auf dem Balkan -, dem angeblich Zentrum der Welt und Mittelpunkt der Prophezeiung der Seherin Vanga.

Eingerahmt hat dies Makariev mit den Dokuaufnahmen eines bis heute ungelösten fünffachen Mordfalls, für den die Polizei keine Erklärung hat. Die Handlung von „Roseville“ selbst indes basiert auf dem „Material“ und ist als Spielfilm inszeniert; Found-Footage-Phobiker können also beruhigt sein. In den von psychologischen Spannungen geprägten Aufenthalt schleicht sich nun finster-fröstelig die Bedrohung einer mächtigen Entität.

Formt Gedanken des Bösen aus

Fortan sind die Fünf nicht mehr sie selbst und haben es schwer, Herr ihrer Sinne und ihres Willens zu bleiben. Eine namenlose Kraft erwacht und manifestiert sich in Alpträumen und Schlafwandeln, Begleiterscheinungen sind ein Wolf, der keiner ist und ein Dreiecks-Symbol. Angstvoll sehen die Gäste, wie ihr Handeln auf eine Offenbarung zusteuert, hegen teuflische Mordpläne, während draußen dieser Baum vor dem Waldrand im Nebel steht.

Lux est tenebris invictus: „Roseville“ hat sein kriechendes Grauen gut im Griff, formt Gedanken des Bösen aus, ohne je zu konkret zu werden. Die Bedrohlichkeit entsteht mit durch gute Soundeffekte, die nicht so elaboriert wie in „The Conjuring“ ausfallen, aber ähnlich ins Mark ziehen. Mag die Story auch nicht das Neueste sein und prosaische Abschnitte kennen, der Unbehagenshorror ist ernst gemeint und gemacht, klar mehr als B-Ware.

imdb ofdb

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