A Most Violent Year

Bei J.C. Chandor steht einem redlichen Kaufmann das Wasser bis zum Hals – in einer Crime City wie von Sidney Lumet erdacht

A Most Violent Year Cover

J.C. Chandor, USA 2014
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 05.08.2015
Story: 1981 haben Kriminalität und Winter New York in ihrem festen Griff. Zahlreiche Überfälle und Drohungen der Konkurrenz zum Trotz wenden Heizöllieferfirmeninhaber Abel samt Gattin Anna nicht die branchenüblichen schmutzigen Tricks an, auch wenn die Steuerbehörden ihnen in die Suppe spucken.
Von Caroline Lin

Nach seinem Segeltörn „All Is Lost“ kehrt J.C. Chandor, Sohn eines Investmentbankers, wieder zurück zum Wirtschaftsthrillerterrain von „Der große Crash – Margin Call“. Im wie immer selbst geschriebenen Crime-Drama „A Most Violent Year“ erreicht er ungeachtet der hervorragenden Schauspiel-Crew – Oscar Isaac als rechtschaffener Firmenchef, Jessica Chastain als seine resolute Frau – jedoch nicht die Stärke seines Debüts.

Die IMDb listet als erstes Genre „Action“. Dabei ist „A Most Violent Year“ sicherlich das Gegenteil davon. Chandor beugt sich keinem Geschwindigkeitsdiktat, erzählt die Geschichte eines Geschäftsmanns, der den Anstandspfad auch dann nicht verlässt, als seine Fahrer und Familie mit Waffen und Überfällen der Konkurrenten eingeschüchtert werden, ohne Vorwärtsdrang – bis man irgendwann selbst anschieben will.

Nach Verschwörung riechende Anschlagsserie

Im erdfarben-dunklen, winterschmutzigen New York des Jahres 1981, das als eines der schlimmsten in die Kriminalitätsstatistik einging, breitet „A Most Violent Year“ im Retro-Look eine nach Verschwörung riechende Anschlagsserie aus, in deren Folge Staatsanwaltschaft und skrupellose Branchenganoven einen Aufsteiger um sein Lebenswerk bringen wollen – der mit Rückendeckung seiner Frau trickreich um sein Geschäft ringt.

All dies vermittelt Chandor im Stil eines Edellangweilers, dem Zug und Thrill markant abgehen; wie sich Old-School-Lauterkeit gegen moderne Gewaltmethodik durchsetzt, ist zweifellos gut gespielt und angenehm komplexe, an Erwachsene adressierte Unterhaltung. Chastains und Isaacs letzte Filme, „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ und „Die zwei Gesichter des Januars“, imponierten auf ihre Art dennoch jeweils mehr.

imdb ofdb

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