The Kingdom of Dreams and Madness

The Kingdom of Dreams and Madness Cover

Yume to kyôki no ôkoku, Mami Sunada, J 2013
ohne deutschen Start

Da sitzt er und skizziert rasant, Japans legendärer Zeichentrick-Tenno Hayao Miyazaki („Prinzessin Mononoke“, „Nausicaä“) im Dokumentarfilm „The Kingdom of Dreams and Madness“. Mit weißem Haar, ebensolchem gestutztem Vollbart und Grafikerschürze scherzt er mit seiner Assistentin, der beredte, umgängliche Kreativkönig und Mitbesitzer des berühmten Studio Ghibli, bei der Arbeit zu seinem wehmütigen Abschiedsfilm „Wie der Wind sich hebt“. Parallel dazu produziert Mitbegründer Isao Takahata, ohne den es die Firma nicht gäbe, sein letztes Werk, „Die Legende der Prinzessin Kaguya“, obwohl ihm selbst Miyazaki nachsagt, er könne keinen Film vollenden.

Die Japanerin Mami Sunada wohnt ganz informell und subtil weiten Teilen des Produktionsprozesses vom Storyboard zum fertigen Film aus der Perspektive von „Miya-san“ bei: ein Must-See für Anime-Fans. Mami fungiert diskret als Erzählerin, fängt in natürlicher Beiläufigkeit den Arbeitsalltag des Filmstudios mit 400 Beschäftigten ein, von denen 100 an „Wie der Wind sich hebt“ arbeiten. Statt technischer Details, struktureller Übersicht (und leider auch ohne Filmausschnitte aus Miyazakis Œuvre) hält „The Kingdom of Dreams and Madness“ einen munter montierten Bilderstrom aufrecht, der die freundliche Rivalität von Takahata und Miyazaki schildert, vor allem aber ein nuanciertes Porträt des Meisters entwirft.

Miyazakis Magie beflügelt wieder

Unter den Augen einer weißen Katze – dem Firmenmaskottchen – sowie dem Totoro-Stofftier (aus „Mein Nachbar Totoro“) erweist sich Miya-san als selbstkritischer Zweifler, der seinen Beruf als großes Hobby ansieht, sich als exzentrisch und manisch-depressiv betrachtet, ein Mann des 20. Jahrhunderts, der die industrielle Zivilisation für verrückt hält und zwanglos philosophiert und sinniert. Auch wenn er glaubt, das Studio werde nach seinem Ausstieg unter der Leitung seines Sohns Goro („Der Mohnblumenberg“) auseinanderfallen – Mami findet zu leichten Klavierklängen nicht nur viele kleine Motive und Zwischentöne, sie erlaubt es Miyazakis Charisma sich zu entfalten. Es beflügelt und berührt, ganz wie die Magie seiner unvergessenen Filme.

David McAllan

imdb ofdb

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