Veil of Twilight

Nordische Mittelalter-Mord-Mystery in grandiosen Nebel- und Trollwäldern, aber mit unbefriedigend-eindimensionalem Ablauf

Veil of Twilight Cover

Skumringslandet, Paul Magnus Lundø, N 2014
ohne deutschen Start
Story: Als der schreibkundige Vilhelm 1348 aus Paris in sein norwegisches Heimatdorf Garsli zurückkehrt, ist sein verschwundener Bruder Ansgar wegen Hexerei von der Kirche exkommuniziert worden, die Hof und Mine übernommen haben. Der brutale Bergtor jagt ihn. Und eine Mordserie dezimiert die Einwohner.
Von Max Renn

Die norwegische Medieval Murder Mystery von Paul Magnus Lundø („Mengaloth“) verbindet den Mittellalterkrimi „Der Name der Rose“ mit dem mystischen Abenteuer „Der 13. Krieger“. „Veil of Twilight“ wählt dafür die Volksmärchenweise einer nordischen Saga, die er mit authentisch nachgebautem Dorf und düsteren Bergwäldern superb intensiviert, mit zu kurz kommender Story und Figuren aber wieder abwürgt.

Lundø würzt sein erstaunlich preiswertes Historienszenario mit unheimlicher Troll-Mythologie, lässt im optisch-ausstatterisch fabelhaften „Veil of Twilight“ aber in der Schwebe, was er sein möchte: Eine Dark Fantasy wie Christophe Gans‘ „Pakt der Wölfe“, ein atemloses B-Actionadventure wie Neil Marshalls „Centuion“, beunruhigender Horror wie Antti-Jussi Annilas „Sauna“ oder so naturnah-indigen wie Nils Gaups „Pathfinder“.

Verwunschene Landschaft, moosüberwuchertes Dorf

Am Ende ist „Veil of Twilight“ gar nichts richtig, weil er alle diese Ansätze verfolgt, tatsächlich aber ein historisches Drama sein will, wofür schlicht die Substanz fehlt – sowohl vom knappen Plot als auch den eindimensionalen Charakteren; permanent sind Dialoge und Szenen zu kurz gehalten, als dass sich daraus eine engere Bindung ergeben könnte, oder sich Platz für Entwicklungen zwischen den hölzernen Akteuren auftäte.

Nur an dem feucht-kühlen Unterholz und den dunklen Höhlen im Tann kann man sich nicht satt sehen. Wie der gierige Klerus seinen Bluthund (der Däne Kim Bodnia, „In China essen sie Hunde“) Zeuginnen totfoltern und Besitztümer verbrecherisch rauben lässt, bleibt als Kirchenkritik lau und dramaturgisch unbefriedigend. Die verwunschene Landschaft und das moosüberwucherte Dorf spielen hingegen in einer anderen Liga.

imdb ofdb

Trailer nur auf Norwegisch (klingt echt lustig)

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