10 Milliarden

10 Milliarden Cover

10 Milliarden – wie werden wir alle satt?, Valentin Thurn, D 2015
Kinostart: 16.04.2015

Als Erzähler, Kommentator und Interviewer führt Autor/Regisseur Valentin Thurn durch den Nachfolger seines schonungslosen „Taste the Waste“. So eindrücklich er 2011 die globale Lebensmittelverschwendung anprangerte, kann er in seiner zweiten Doku „10 Milliarden – wie werden wir alle satt?“ die Frage der Versorgung von im Jahr 2050 erwarteten zehn Milliarden Menschen nicht beantworten. Einmal, weil seine einschläfernde Stimme (er hätte sich wirklich einen professionellen Sprecher leisten sollen) sich zum saumseligen Stil addiert.

Zum anderen, weil er zwar pseudo-naiv wie Michael Moore auftritt, dessen Chuzpe und Konfrontation aber auslässt, seine Gesprächspartnern nicht widerspricht, sondern Einwände nur als Off-Kommentar anbringt. Hält sich der Provokationsfaktor damit in engen Grenzen, klärt Thurn immerhin umfassend über die Grundlagen der Lebensmittelproduktion auf. Ruhig geht er die Zusammenhänge durch und entlarvt Lebenslügen, Irrsinn und Paradoxien der Agrarindustrie, denen er zu Recht vorwirft, dass sie „in einem großen Produktivitätsfeuerwerk alle Ressourcen plündern und dann nichts mehr übrig lassen“.

Etwas mehr Schärfe hätte Thurn gut getan

Die ersten zwei Drittel ist „10 Milliarden“ kritisch und hinterfragt bzw. widerlegt alle Halbwahrheiten der Massenproduktion, zeigt das Elend der Massentierhaltung, wenn 40 Millionen unwertes Hühnerleben allein in Deutschland getötet wird – jährlich. Dabei bleibt er leider so sachlich, dass es weder erschüttert noch empört. So wie der globale Bodendiebstahl, die Spekulationen an den Rohstoffmärkten sowie Gen- und Hi-Tech-Lösungen, die nur den Reichen, aber nicht den Armen helfen.

Etwas mehr Schärfe hätte Thurn gut getan; im letzten Drittel legt er zudem alle Kritikfähigkeit ab und stimmt ins Loblied auf lokale Bioproduktion ein ohne einen einzige Nachfrage. Ein blauäugiger Glaube ans Utopia bemächtigt sich hier „10 Milliarden“, dessen Informationsgehalt unterm Strich gerade einmal dem eines fundierten Spiegel-Artikels entspricht. Demnach kann man die dösige Doku nur jenen bedingungslos ans Herz legen, die über das Thema nahezu uninformiert sind.

Caroline Lin

imdb ofdb

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