Den Menschen so fern

Viggo Mortensen auf einem elementaren Fußmarsch, der vor karger Wüstenwildnis über den Algerienkrieg reflektiert

Den Menschen so fern Cover

Loin des hommes, aka Far From Men, David Oelhoffen, F 2014
Kinostart: 09.07.2015
Story: Algerien 1954. Ex-Major Daru hat sich in ein einsames Tal im Atlasgebirge zurückgezogen, wo er einheimische Kinder unterrichtet. Als ihm ein französischer Soldat den Mörder Mohammed übergibt, muss er ihn vor dem Blutrache-Mob schützen. Beide fliehen in die Berge und geraten zwischen die Fronten.
Von Caroline Lin

Der „Herr der Ringe“-Aragorn hat einen Hang zu existenzialistischen Rollen, in denen ihn meist eine düstere Vergangenheit einholt („A History of Violence“). Dazu passt David Oelhoffens Zwei-Personen-Drama „Den Menschen so fern“ perfekt. Nach Albert Camus‘ Novelle „Der Gast“ produzierte Mortensen das kammerspielartige Kriegsdrama (meist) unter freiem Himmel vor imponierender, karger Bergwüstenwildnis selbst.

Nicht nur die Handlung ist einem Western entlehnt (und zwar „3:10 to Yuma“), auch Gewehre, Pferde und Männer weisen eine solch substanzielle, klassische Atmosphäre auf. Aber Oelhoffen („In Your Wake“) verzichtet auf alle Stilismen, womit von der atemberaubenden, staubigen Sergio-Leone-Weite das Zeitliche, die historische Essenz übrig bleibt. In konzentriertem Purismus lässt er die endlose, lebensfeindliche Landschaft wirken.

Auf der Flucht vor der Gewalt

Zwischen Welten: Mortensen, der als Algerienfranzose im Original akzentfreies Französisch parliert, und Reda Kateb („Ein Prophet“) entwickeln eine leise Männerfreundschaft, die der diskrete Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis nicht emotionalisiert. Ein einfacher Aufrechter, der einen schicksalsergebenen, sanften Bauern vor dem Teufelskreis der Blutrache retten will, sind das unsentimentale Duo auf der Flucht vor der Gewalt.

Ihr existenzialistischer Fußmarsch wird durch die persönlichen Hintergründe zur melancholischen Meditation über den Algerienkrieg. Wie der Konflikt nationale Identitäten zersplittert und kulturelle Ambivalenzen erzeugt, das prägt sich in dieser Wanderung durch einen eiskalten Winter zu heulendem Wind ein. Nur nach dem Kriegsverbrechen verliert „Den Menschen so fern“ etwas seine Linie – die Wildnis beeindruckt indes weiter.

imdb ofdb

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