Reversal

Reversal Cover

aka Bound to Vengeance, José Manuel Cravioto, USA 2015
ohne deutschen Start

Rape & Revenge war gestern. José Manuel Cravioto, der Dokus und zuletzt den mexikanischen Crime-Actioner „El Más Buscado“ drehte, wählt eine wahrhaftige weibliche Perspektive für seinen Thriller „Reversal“, der nicht einfach nur den Spieß umdreht und wie in „I Spit on Your Grave 2“ Sadisten exquisit totfoltert, sondern in der Fahrt bis ans Ende einer schummrig Schwarz-Braun-Rot glimmenden Nacht einen Schritt weiter geht und seine 21-jährige Protagonistin Eve (die kaum bekannte Tina Ivlev) mit verzweifelter Entschlossenheit das teuflische Werk eines Psychopathen beenden lässt.

Nachdem sie sich aus dessen Folterverlies befreien konnte, entdeckt sie Fotos von Dutzenden Opfern und zwingt, frisch geduscht und bewaffnet, den smarten, gutaussehenden und jungen Kerl dazu, sie in seinem Van durch die Wüstenstadt zu kutschieren, um ein Versteck nach dem anderen aufzubrechen. Während der sich überlegen fühlende Peiniger (Richard Tyson, Nebenrolle in „Black Hawk Down“) sie mit teuflischer List auszutricksen versucht, findet Eve ein Schreckenskabinett nach dem anderen vor und begreift allmählich die Dimensionen, die bis in Frauenhandel und Zuhälterei reichen.

Emotional verheerende Überraschungen

Einige Gequälte sind jenseits aller Erlösung und sterben auf unfreiwillig komische Art – offenbar ordnet sich das Verhalten einer nihilistischen These unter, was skurrile Ergebnisse zeitigt. Der langsame Rhythmus betont indes eher das Dramatisch-Verstörende denn das Reißerisch-Vulgäre. Trotz aller Grimmigkeit – mit etwas Fantasie kann man von einem femininen „96 Houser/Taken“ sprechen – gelingt „Reversal“ eine einfühlsame Identifikation mit Eve, die keine kalte Rachemaschine ist, sondern die unmenschlichen Verbrechensstrukturen auf eigene Faust zerschlagen will und dabei ein paar emotional verheerende Überraschungen erlebt.

Ihr Ziel ist es, die männliche Gewalt zu stoppen und die Frauen retten, was oft genug wunderbare Exploitation mit nie ausgewalzten Blutstürzen Vorschub leistet, bei der Drecksäcke deftig ins Gras beißen müssen. Eve wird weder eine heilige Hure wie „Ms. 45“ noch „Die Fremde in dir“ oder gar übernatürlich wie in „Savaged“, was Cravioto insgesamt vortrefflich und weit über dem Level durchzieht, unter kurios-kultigem Gebrauch von Songs wie „Wind of Change“ und „Herida de Amor“.

David McAllan

imdb ofdb

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