Knight of Cups

Hochkarätig besetzter, hohler Bilderbogen, mit dem Terrence Malick einmal mehr über Sinnfragen meditiert, aber keine Antwort findet

Knight of Cups Cover

Terrence Malick, USA 2015
Kinostart: 10.09.2015, DVD/BD-Start: 14.01.2016
Story: Seit sich Erfolgsautor Rick von seiner Frau Nancy getrennt hat, schweift er durch die ausschweifenden Partys von Hollywood. In der Welt des schönen Scheins sucht er Lebenssinn und lässt sich unentwegt mit Frauen ein. Doch weder Models, Stripperinnen noch Verheiratete können seine innere Leere füllen.
Von Caroline Lin

Der „Knight of Cups“, der Glücksritter des Tarot-Blatts, dessen Karten die Kapitel bezeichnen, ist „Batman“ Christian Bale, der, elegant gekleidet, schweigsam und sich sich gekehrt durch seine Existenz und den Film führt, mehr als schlaftrunkener Beobachter, denn als aktiver Partizipant. Wie „To the Wonder“ und „The Tree of Life“ dreht Malick einen weiteren Vers seines ewig gleichen Themas, komplett als Gedankenstrom.

Seine neuerliche Sinnsuche erzeugt ein bildgewaltiges Rauschen, eine feierlich-spirituelle Tiefsinnigkeit zu Orgel-Orgiastik, gefilmt im extremen Unmittelbar-Manierismus. Wen das nervt, der kann heimgehen, aber der rastlose Rhythmus der Montage weiß durchaus zu entzücken. Malick beruft sich stets auf die Mitwirkung des Kosmos‘, der Schöpfungsgewalt, handelt wieder Leben und Liebe ab, kurzum, ALLES. Großgeschrieben.

Egozentrische Nabelschau, die um sich selbst kreist

Und doch ist „Knight of Cups“ nur eine egozentrische Nabelschau, die um sich selbst kreist. Rick bleibt ohne echten Kontakt zu anderen und zur Welt, alles ist bruchstückhaft und fremd, was Dialoge auf hohles Geschwätz reduziert. Auch kommen keine Charaktere vor, eher schon Typisierungen (misanthropischer Vater, körperbetonter Bruder), ohne Bret-Easton-Ellis-Qualitäten zu gebären, bestenfalls forcierte Gezwungenheit.

Malicks Stil oszilliert zwischen erhaben und nichtig, oft beides zugleich: In tiefreligiösem Duktus erhebt er alles zum Mysterium, was schließlich in reine Beliebigkeit mündet. Vor allem Frauen. Dem Mann fällt nicht besseres ein, als mit Cate Blanchett, Freida Pinto, Natalie Portman und anderen erstklassigen Aktricen Fangen zu spielen. Geht’s noch? Vieles kommt bei Malick diesmal nicht über recht kindliche Vorstellungen hinaus.

Das existenziell Erschütternde hat sich verflüchtigt

„Du lebst in einer Fantasiewelt“: Im Reigen aus Autos, Partys, Frauen und Geld ist es schwierig, mit den Luxusproblemchen dieser Sorglos-Existenz zu fühlen. Die große innere Leere juckt einen nicht. „We have so much love inside that never gets out“ – ausgerechnet diese Emotionen wachsen partout nicht rüber. „Knight of Cups“ kann an der unerträglichen Leichtigkeit des Seins nicht übersetzen, was ihn daran so fasziniert.

Es bleibt ein hübsch anzusehender, prätentiöser Essay mit dem Motto „No Woman, No Cry“. Malicks Andacht zwischen Natur und Kultur bleibt bestehen, das existenziell Erschütternde aus „The Thin Red Line“ aber hat sich verflüchtigt.

imdb ofdb

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