A Royal Night

What a Night: Coming-of-Age-Komödie, die märchenhaft in beschwingter Champagnerlaune Mythenbildung für Royalisten betreibt

A Royal Night Cover

A Royal Night Out, Julian Jarrold, GB 2015
Kinostart: 01.10.2015
Story: London, 8. Mai 1945. Nach sechs Jahren im goldenen Käfig des Buckingham Palace büchsen die Prinzessinnen Elizabeth und Margaret aus, um sich unerkannt unter die ausgelassen Menschen zu mischen. Als die beschwipste Margaret verloren geht, sucht Elizabeth sie mit Bomberpilot Jack im Trubel der Siegesnacht.
Von Jochen Plinganz

Julian Jarrold zieht es nach „Wiedersehen mit Brideshead“ zurück zum stilvollen Period Piece, das am VE-Day, dem Victory in Europe Day, eine Episode aus dem Leben der späteren Queen Elizabeth als romantischen Schwank mit ernsten Untertönen weiterspinnt. Mit der Leichtfüßigkeit einer Verwechslungskomödie folgt er zwei Prinzessinnen auf Freiersfüßen und ihrer beschwingten Odyssee durch eine unvergessliche Nacht.

„A Royal Night“ bietet perlende Champagnerstimmung und Mythenbildung für Royalisten, gestaltet sein Fish-Out-of-Water-Szenario unwiderstehlich charmant und bringt die Magie von Prinzessinnen-Märchen an, als invertierte Variation von „Plötzlich Prinzessin“ und „Notting Hill“. Denn die Windsor-Schwestern im Teenie-Backfisch-Alter verirren sich vorwiegend inkognito im Jubel und Trubel aus Jazz, Swing und authentischer Nostalgie.

Sarah Gadon empfiehlt sich als nächste Kate Winslet

Während die süße Bel Powley als Margaret sorglos von einer Fährnis in die nächste schlittert und etwas eindimensional den Slapstick-Motor geben muss, darf sich die wandelbare Sarah Gadon („Enemy“) als nächste Kate Winslet empfehlen und als verantwortungsbewusste Elizabeth den widerwilligen jungen Arbeiter Jack rekrutieren (Jack Reynor, „Transformers 4“), woraus sich unterwegs eine scheue Romanze anbahnt.

Rupert Everett und Emily Watson runden die Cast als besorgtes Königselternpaar ab. Das Schicksal der Deutschen interessiert naturgemäß niemanden, aber Jacks traumatischer Einsatz als Bomberpilot verleiht eine nachdenkliche Note. Die Screwball-Ansätze, die sich aus vordergründigen Gegensätzen zwischen Prinzessin und Soldat speisen, führen in ein Coming-of-Age-Abenteuer, bei dem sie sich gegenseitig die Nacht retten.

Hinreißende Schwärmerei, die ansteckt

„A Royal Night“ ist kein Disney-Werk, es bringt seine Fantasie auch ohne Träumerei wunderbar zu Ende, wahrt außerdem das Bilderverbot, wenn sich Jack und Elizabeth nur Off Screen küssen – Adel und Arbeiter, die göttliche und menschliche Sphäre müssen getrennt bleiben. Die Briten und ihr Verhältnis zu den Royals eben, es ist ein hinreißendes, dessen Schwärmerei ansteckt. Sogar ein Bordellbesitzer wird da zum Gentleman.

imdb ofdb

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