Er ist wieder da

Die (Medien)Satire über die Auferstehung von Deutschlands populärster wie berüchtigster Geschichtsperson verflacht zu oft zur Klamotte

Er ist wieder da Cover

aka Look Who’s Back, David Wnendt, D 2015
Kinostart: 08.10.2015, DVD/BD-Start: 07.04.2016
Story: Mitten in Berlin erwacht Adolf Hitler 70 Jahre nach seinem Selbstmord und stapft verwirrt durch die Straßen. Ein arbeitsloser TV-Reporter bringt ihn als Stand-Up-Comedian groß heraus. Hitler startet eine Karriere bei einem Privatsender und tourt durch das Land. Keiner ahnt, dass der Führer Großes vorhat.
Von Jochen Plinganz

Die groß angekündigte Kinoadaption des gleichnamigen Megasellers von Timur Vermes ist ein politisch korrekter Film, der sich fälschlicherweise für politisch unkorrekt hält. So ernsthaft der hühnenhafte Burgtheater-Schauspieler Oliver Masucci auch den Adolf Hitler mimt, mit seinem dünnen Bärtchen und den kantigen Gesichtszügen sieht er wie ein SS-Mann aus – er ist kein Vergleich zu Bruno Ganz‘ Glanzparade in „Der Untergang“.

Gleiches gilt für die Komödie von David Wnendt („Feuchtgebiete“), der das literarische Provokatiönchen „Er ist wieder da“ um Begegnungen des Führers mit seinem Volk anno 2014 erweitert – sie wurden mit versteckter Kamera gedreht und sind Realsatire wie „Borat“, nur leider nicht halb so gewagt und unverschämt. Zu selten fungiert der GröFaZ als Chimäre und Chiffre für die heutige Republik, zu selten karikiert er die moderne Kultur.

Traut sich keine Doppelbödigkeit, keine Haltung zu

Das Bösartigste, das Hitler tun darf, ist einen beißwütigen Hund zu erschießen. Ansonsten begnügt sich Wnendt, der schon in „Kriegerin“ alle Vorurteile gegen die rechte Szene pflegte, damit, Knallköpfe für billige Pointen vorzuführen und die übliche Diffamierung der Rechten als Kasperl vorzunehmen. Eine niveauvolle Auseinandersetzung etwa inhaltlicher Natur wie in „Die Welle“ findet im banalen Querfeldein nicht statt.

Mit Christoph Maria Herbst, der als Stromberg-Typ mal wieder intrigieren muss, gibt es wohlfeile wie schwache Sticheleien zum Trash-TV, ein paar bessere zur Demokratie, eine richtig Satire wird’s dennoch nicht, dafür streckt Wnendt alle Szenen mit Vollpfosten Fabian (Fabian Busch, „Der Vorleser“) zur peinlichen Klamotte. „Er ist wieder da“ traut sich keine Doppelbödigkeit oder Haltung zu, sondern wurstelt und merkelt sich so durch.

Aktualität des Gezeigten gerade gewaltig überholt

Alles ist postmodern und unangreifbar, ufert zur (Selbst)Parodie aus, die dicke Holocaust-Moral darf nicht fehlen, Didaktik muss sein. Hitler sagt „lange nicht mehr so gelacht“. Wir sagen: Doch, gerade erst bei „Heil“, der mehr und Wilderes gewagt hat. Nach 70 Jahren neurotischer Vergangenheitswälzerei ist der (beliebige Zahl einsetzen)te Beitrag dazu kein bisschen origineller oder überzeugender als der große Rest.

„Er ist wieder da“ ist weder besser noch schlechter als der Durchschnitt. Von provokanten Sätzen wie „Haben Sie sich nie gefragt, warum mir die Leute folgen? Weil sie im Kern genauso sind wie ich“, fehlt es zu häufig, um Geschmack und Selbstverständnis ernsthaft zu verletzen. Ganz davon abgesehen, dass Pegida und vor allem die Flüchtlingskrise die Aktualität des Gezeigten gerade gewaltig überholt haben. Da ist Timing leider alles.

imdb ofdb

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