Irrational Man

Zwischen Eros-Komödie und Schuld-und-Sühne-Drama: Woody Allens perfekter Mord ist eine nur halb geglückte Philosophie-Lektion

Irrational Man Cover

Woody Allen, USA 2015
Kinostart: 12.11.2015, DVD/BD-Start: 17.03.2016
Story: Alkoholiker und Philosophieprofessor Abe beginnt am Newport-College zu lehren, wo ihm Studentin Jill verfällt. Als er einen moralisch gerechtfertigten, perfekten Mord plant, erwachen seine Lebensgeister, Impotenz und Alkoholismus enden. Aber die Tat bringt unerwartet ein neues Dilemma mit sich.
Von Thorsten Krüger

Für seine Arbeit Nummer 46 hat Stadtneurotiker Woody Allen ausgerechnet das perfekte Verbrechen erkoren, eingebettet ins Milieu einer Eros-Komödie am College, ausgeführt aber wie ein traktatschweres Dostojewski-Drama. Die Spannung seines „Match Point“ vermag „Irrational Man“ nicht zu entfesseln, obwohl er nach Art eines Film Noir respektive der Krimi-Mentalität – aber nicht Stil – eines Alfred Hitchcock vorgeht.

Seine Ausrichtung an „Der Fremde im Zug“ ähnelt vom Niveau am ehesten „Cassandras Traum“ und entfaltet sich zunächst wie eine Kreuzung aus Campus-Gossip rund um Attraktivität und Sexus sowie einer Philosophie-Vorlesung über Allens liebste Nihilisten und Existenzialisten. Diese bleiben erst theoretische Schlagworte und werden bei der Umwandlung zur praktischen Lehrstunde zu einer Lektion, die alle Ambiguität verliert.

Fixiert sich zu sehr auf die (Un)Moralfrage

Die Mordphantasien eines selbstzerstörerischen Misanthropen, gespielt von Joaquin Phoenix als Schmerbauch-Depressiver mit einem Schlag bei Frauen, sind solange anregend, wie ihm Kollegin (Parker Posey) und Musterschülerin (Emma Stone) nachlaufen und seiner aufgesetzten Düsternis verfallen. Als er die Tat realisiert, verengt sich „Irrational Man“ zu sehr auf die (Un)Moralfrage und vergisst darüber viele interessante Ebenen.

Die irgendwie furchtbar unerotische Stone, seit „Magic in the Moonlight“ offenbar Allens aktuelle Muse, wird selbige für den wieder sehr gut aufgelegten Phoenix („Her“) und bringt mit der Ignoranz ihres Spießertums alles ins Rollen. Schön sind die wechselnden, gut charakterisierenden Erzählstimmen, die Antwort auf moralische Dilemmata aber fällt so eindeutig und konservativ aus wie diese liberal nur verbrämte Vorlesung.

imdb ofdb

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