Brooklyn

Saoirse Ronan steht zwischen zwei Welten in einem romantischen, großartig gefühlvollen Emigrantendrama

Brooklyn Cover

aka Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, John Crowley, IRL/GB/CDN 2015
Kinostart: 21.01.2016, DVD/BD-Start: 09.06.2016
Story: Anfang der 1950er Jahre herrscht in Irland Perspektivlosigkeit, weshalb der lokale Pfarrer der jungen Eilis ein Ticket nach Brooklyn als Verkäuferin löst. Nach großem Heimweh lernt sie Klempner Tony kennen und blüht auf. Ein Schicksalsschlag bringt sie in die Heimat zurück, wo sie sich entscheiden muss.
Von Caroline Lin

Nach seinem hochgelobten Jugenddrama „Boy A“ gelingt John Crowley in seiner Adaption des gefeierten Romans von Colm Toibin genau jenes ausstatterisch erstklassige, bewegende (Liebes-)Melodram, das Todd Haynes‘ „Carol“ gerne gewesen wäre. Erst unauffällig, dann hervorragend inszeniert, findet „Brooklyn“ mit Anmut und Zärtlichkeit zu einer Hommage an die Immigranten, die Amerika mit aufgebaut haben.

In Nick Hornbys sensiblem Script um eine mauerblümelnde Musterschülerin, die vor Schüchternheit ihre Zunge verschluckt hat, findet die irischstämmige Saoirse Ronan die feinsten Nuancen, die sich in Gänsehaut- und Feuchte-Augen-Szenen niederschlagen. Mit reflektierter und nachdenklicher Note erfolgt ihr liebenswerter Briefwechsel mit Schwester Rose, die sich als tragischer Vollverstärker fürs Melodram erweist.

Zwischen zwei Welten, zwei Leben, zwei Männern

Crowley verfolgt aufmerksam, mitunter leicht weichgespült, wie ein Mädchen zum Schwan aufblüht und ausgerechnet dann zwischen zwei Welten, zwei Leben und zwei Männern steht. Ronan ist wieder in Hochform (okay, wann ist sie das nicht), der derzeit nicht minder angesagte Domhnall Gleeson („Alles eine Frage der Zeit“) ist auch dabei, aber als italienischer Schmelz-Charmeur sticht ihn Nachwuchskraft Emory Cohen aus.

Sein unwiderstehlicher Nuschel-Charme hat etwas vom Flair des jungen Marlon Brando. Andere Nebenparts sind als Unterhaltungsfaktor besetzt, komisch, wie die mütterliche Matrone oder biestige Mitbewohnerinnen, die sich ihr Maul beim Tratsch zerreißen. Die Stärke von Hornby liegt ferner in prickelnden bis entwaffnend ehrlichen Dialogpassagen, die von Crowley, nicht nur mit Streichereinsatz Gefühle sanft zu entfalten.

Reifung und Emanzipation

Die Entwicklungsreise vom verkrampften Spießerdorf ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist noch ein Stück weit besser als der bei uns unter Wert auf DVD veröffentlichte „The Immigrant“, der allerdings ein Abgesang auf den amerikanischen Traum war. Solche Schattenseiten werden in „Brooklyn“ nur gestreift, denn überwiegend handelt er von einer Reifung, einer Emanzipation und der Weitergabe des Spirits, es zu schaffen.

imdb ofdb

Ein Gedanke zu „Brooklyn“

  1. Was für ein Zufall! Den Film habe ich gestern gesehen 🙂 Du bringst es wunderbar auf den Punkt 🙂 Und Emory Cohen hat wirklich einen nuscheligen Charme – ich fand ihn großartig! 😀
    Liebe Grüße,
    Anna

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