The Hateful 8

QTs Winterwestern bietet Suspense und Spielfreude auf engstem Raum, schädigt sich aber mit Selbstgefälligkeit und Splatter-Unfug

The Hateful 8 Cover

The Hateful Eight, Quentin Tarantino, USA 2015
Kinostart: 28.01.2016, DVD/BD-Start: 30.05.2016
Story: Kopfgeldjäger Warren will im winterlichen Wyoming Verbrecherin Daisy schnappen, die sich in der Obhut eines beinharten Konkurrenten befindet. Sie alle müssen vor einem herannahenden Blizzard Zuflucht in einer einsamen Blockhütte suchen. Dort warten bereits fünf weitere Gestalten. Keiner traut dem anderen – zu Recht.
Von Jochen Plinganz

Passend zur achten Regiearbeit betitelt, verbindet „The Hateful 8“ Tarantinos ersten Western „Django Unchained“ (plus Samuel L. Jackson) mit seinem Regie-Erstling „Reservoir Dogs“ (für manche immer noch sein bester Film): Er sperrt Bluthunde in eine Hütte und sieht zu, wie sie sich gegenseitig zerfleischen. Aus dem Debüt sind auch Tim Roth (in der Christoph-Waltz-Rolle) und ein herrlich verschlagener Michael Madsen dabei.

Wozu QT auf 70mm dreht, wenn er nur zu Beginn Winterpanoramen zeigt und danach ein Kammerspiel veranstaltet, bleibt ebenso wenig nachvollziehbar wie seine Unfähigkeit, den hervorragenden Score von Ennio Morricone, der ein wenig Gothic-Touch verleiht, vorteilhaft einzusetzen. Beides bleibt verschenkt, wenn ein Schneesturm à la Carpenters „The Thing“ (inklusive Kurt Russell) aufzieht und die Spannung langsam hochkocht.

Viel zu narzisstisch

Gewiss bildet QT seine eigene Entertainment-Klasse. Er ist ein grandioser Schwafelmeister, der seine Son-of-a-Gun-Slang-Orgasmen und den Hang zu schrägen, grotesk-komischen Details aber hemmungslos überzieht. So schön die krumme Typensammlung, so fabelhaft die Spielfreude der Akteure, so suspensereich die vorübergehende Closed Room Murder Mystery nach Agatha Christie – „The Hateful 8“ ist viel zu narzisstisch.

So lange alle Beteiligten dieses Theaterstücks sich auf dem Weg dorthin zusammenfinden und QTs Tendenz zu anekdotischen Alltagsaphorismen ausbuchstabieren, hat das seine Art. Rückblenden sowie Tricks und Kniffe sorgen zudem für etwas Raffinesse. Sobald aber der blutrote Splatter-Eimer darüber ausgeschüttet wird, ist es einfach aus und nur noch fade. Dann nerven die unsympathischen Figuren, deren Schicksal einen nicht kratzt.

Verliert sich im Blutmatsch

Das hat nichts von Leone, Corbucci oder QTs selbst erklärten Vorbild Howard Hawks (der übrigens das Original von „The Thing“ inszenierte). Gags wie „The Lincoln Letter“ verlieren sich dann in Blut und Trash, wobei miese Kerle und Gewalt gegen die einzige Frau (Jennifer Jason Leigh) sauer aufstoßen. „The Hateful 8“ hat das halbe Drehbuch, dafür die doppelte Laufzeit von „Reservoir Dogs“. Und selbst der wies schon Längen auf.

imdb ofdb

3 Gedanken zu „The Hateful 8“

  1. Es scheint so, als würde Tarantino die Luft aus gehen. Ich bin eigentlich auch ein Fan seiner Filme, aber The Hateful 8 hat mich auch irgendwie nicht vom Hocker gerissen… Wie oben beschrieben zuviele Längen und zu wenig Pep. Da hilft auch kein blutiges Gemetzel 😀

  2. Eine Enttäuschung, anders kann man es nicht sagen, leider. Wenn ich wenigstens einmal gelacht hätte, aber nichts. Zu Story und Charaktere braucht man nichts weiter verlieren, wurde ja in dem Artikel schon erwähnt. Naja, vielleicht beim nächsten Mal oder ich schau mir nochmal Django an 😉

  3. Danke!, leider schätze ich diese Arbeit ähnlich ein. Das durchbringen eines scheinbar besonderen Egos, aufgeteilt auf ein paar Protagonisten, mit deren Hilfe und Härte man „es“ durchzelebriert und nach oben bringen möchte … i like „The Thing“ … und ich zahle dann Zuschläge und Überlänge damit „es“ nach oben kommt – herrlich

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