Freunde fürs Leben

Berührendes Drama, das mit leisem Humor und großer Wirkung Abschied von Freunden und Leben nimmt

Freunde fürs Leben Cover

Truman, Cesc Gay, E/RA 2015
Kinostart: 25.02.2016
Story: Tomás kommt aus Kanada nach Madrid zu einer Vier-Tages-Visite seines langjährigen Freundes Julián. Der will nämlich die Chemotherapie abbrechen und die letzten Dinge regeln. Nachdem Tomás ihn nicht umstimmen kann, begleitet er ihn dabei, wie er sich von Umfeld, Sohn und geliebtem Hund verabschiedet.
Von Sir Real

„Jeder stirbt, wie er kann“: Südamerikas Schauspielstar Ricardo Darín („Wild Tales“) geht zu Herzen in einem unaufdringlichen, aber hervorragenden und denkwürdigen Drama (mit einem Spritzer Komödie) über selbstbestimmtes Sterben. „Freunde fürs Leben“ ist alles andere als ein Krebs-/Sterbefilm, vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem, was zählt: Freunde, Familie, Liebe – und dem Mut, wie man abtreten will.

Denn als Tomás (Javier Cámara, „Sprich mit ihr“) erscheint, um Julián umzustimmen, hat dieser bereits ein Jahr überlegt. Sein Entschluss, die Chemo zu beenden und kein Krankenhaus mehr zu besuchen, steht fest. Also respektiert Tomás die Entscheidung und steht ihm bei. Daraus entwickelt Cesc Gay („Ein Freitag in Barcelona“) einen ganz entspannte Geschichte über das Gesellschaftstabu Tod und Sterben mit augenzwinkernder Komik.

Immer stärker rührende Momente

Ein wenig fühlt man sich an das kleine Meisterwerk „Still Life“ erinnert, zumindest was die Fähigkeit betrifft, immer stärker rührende Momente hervorzubringen, ohne jedes Pathos und Schmalz. Daríns Julián, ein Theatermime mit Don-Juan-Aura, ist zunächst ungemein gelassen und abgeklärt, während Tomás befangen und beunruhigt wirkt. Aber als Julián seine heißgeliebte Bulldogge Truman abgeben will, wird er sentimental.

Wie er Schuld(en) begleicht, seinen Sohn in Amsterdam besucht und dort vieles unausgesprochen lässt, entwickelt eine stille Wucht, in der Humoresken wie der Besuch im Beerdigungsinstitut sowohl auflockern als auch noch nachdenklicher machen („was am Ende übrig bleibt, ist wenig“). Juliáns Umfeld reagiert oft anders als erwartet, meist überraschend menschlich, und weiß viel besser Bescheid, als Julián es glauben mag.

Kathartische Wirkung auf leisen Sohlen

Vieles, was ungesagt bleibt, schlaucht, aber es hat eine kathartische Wirkung, die in „Freunde fürs Leben“ auf leisen Sohlen daherkommt. Gay regt an, selbst darüber nachzudenken und schafft es, in der Vier-Tages-Zeitspanne kein Thesenstück wie „Das Meer in mir“ erschöpfend durchzudiskutieren, sondern Humanismus, Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und menschliche Verbundenheit ganz beiläufig nahezubringen.

imdb ofdb

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