Don’t Breathe

Suspense auf Socken: kompromisslos-klaustrophobischer Low-Budget-Nägelbeißer vom „Evil Dead“-Regisseur

Don't Breathe Cover

Fede Alvarez, USA 2016
Kinostart: 08.09.2016
Story: White-Trash-Braut Rocky und zwei Komplizen wollen mit einem Raubzug das verrottete Detroit verlassen und haben sich mit einem blinden Irak-Veteran ein vermeintlich leichtes Opfer ausgesucht. Doch der einsame Mann ist keineswegs wehrlos und verwandelt sein altes Haus in eine finstere Todesfalle.
Von Thorsten Krüger

Mit einem Großteil des Produktionsteams seines hartgesottenen „Evil Dead“-Remakes (inklusive Hauptdarstellerin Jena Levy) legt der Uruguayer Regisseur Fede Alvarez einen kleinen, leicht schmuddligen B-Thriller nach. Was „Lights Out“ als übernatürlicher Horror nutzt, wendet „Don’t Breathe“ als Thriller menschlicher Verbrechen und Abgründe an: Dunkelheit. Ganz im Sinne des Vorbilds „Warte, bis es dunkel ist“ von 1967.

Statt Audrey Hepburn wird hier „Avatar“-Widersacher Stephen Lang überfallen, entpuppt sich aber als perverser Psycho mit Leichen im Keller. Auch deshalb überschreitet „Don’t Breathe“ in seinem klaustrophobischen Hindernis-Parcours die Grenze zum Horror. Das Home-Invasion-Motiv à la „Panic Room“ kippt um in einen Ausbruchsversuch aus dem Gefängnis, in das der sadistische Besitzer seine verrammelte Bude verwandelt.

Zatoichi, der blinde Samurai

Mit einem 10-Millionen-Budget (so viel hat auch ein anderer B-Movie-Hit unlängst gekostet: „The Purge 3“) lässt „Don’t Breathe“ den anfänglichen sozialrealistischen Background rasch für ein schnörkelloses Low-Budget-Szenario fallen, bei dem ein gierig und unvorsichtig agierendes Diebestrio auf einen paranoiden, vom Verlust seiner Tochter übelst traumatisierten Sicherheitsfanatiker stößt, der wie Zatoichi, der blinde Samurai, zuschlägt.

Die Verbissenheit, mit der alle vier Beteiligten und ein Rottweiler ringen, weist in seinem verzweifelten Todeskampf und dem derben Malträtieren der Körper Bloodshed-Elemente asiatischer Noir-Actionthriller auf. Alvarez setzt mit agiler Kameraarbeit strikt auf Realismus, Angstschweiß und Glaubwürdigkeit. Am eindringlichsten wirkt das Katz- und Mausspiel, wenn Lang als gnadenloser Nihilist unerträgliche Ausweglosigkeit verbreitet.

Realismus, Angstschweiß und Glaubwürdigkeit

Wenn man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören kann, ist „Don’t Breathe“ am stärksten. Aber er hätte besser „Warte, bis es dunkel ist“ und das Nachtsicht-Finale von „Das Schweigen der Lämmer“ genauer studiert. Alvarez will zu viel und erliegt der Versuchung, sich selbst zu überbieten und ein paar unnötige Volten zu schlagen. Dann sind Wehrlosigkeit und Hirnlosigkeit dreier Räuber gegenüber einem Blinden schon arg übertrieben.

imdb ofdb

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