Lion

Ein junger Mann sucht seine Familie, die er vor 20 Jahren verlor: aufwühlendes, herzerschütterndes Drama mit Star-Unterstützung

Lion Cover

aka Lion: Der lange Weg nach Hause, Garth Davis, AUS/USA/GB 2016
Kinostart: 23.03.2017
Story: Durch einen unglücklichen Zufall gerät der 5-jährige Inder Saroo in einem Geisterzug, der ihn ins entfernte Kalkutta bringt. Dort landet er erst auf der Straße, dann in einem Waisenhaus, wo ihn ein australisches Pärchen nach Hobart adoptiert. 20 Jahre später forscht er wieder nach seiner verlorenen Mutter.
Von Thorsten Krüger

Basierend auf dem autobiografischen Roman „A Long Way Home“ von Saroo Brierley nimmt sich der australische Serien-Regisseur Garth Davis („Top of the Lake“) einer herzergreifende Geschichte von einem verlorenen Jungen an, der nach über 25 Jahren (Google Earth sei Dank) seine Familie wiederfindet. Ein unbedingt aufwühlendes Erlebnis, das von Rührseligkeiten absieht und dadurch als emotionaler Thriller einschlägt.

„Lion“ verdient die sechs Oscarnominierungen, speziell Atmosphäre, Regie und Musik sind superb. Letztere transportiert alle Gefühle, ohne dabei als Kitschverstärker zu fungieren, eine eingängig-hypnotisch Partitur. Die Suche, die 1986 beginnt und erst 2012 endet, überbrückt besser als Titel„Les cowboys“ und mindestens so gut wie „Rabbit-Proof Fence“ jede emotionale Distanz. Der erdige Straßenlook zieht von Beginn an in seinen Bann.

Leerstelle in seinem Herzen

Diese erste Dreiviertelstunde gleicht Florian Gallenbergers oscargekröntem Kurzfilmmeisterwerk „Schatten der Zeit“, wenn in fast mythischem Realismus ein unzertrennliches Brüderpaar auftritt, das tragisch getrennt wird. Auf Augenhöhe folgen wir dem kleinen Saroo (Sunny Pawar), wie er in einer fremden Stadt, wo man eine fremde Sprache spricht, umherirrt, Kinderjäger, Gewalterfahrungen und Dickens’sche Sozialzustände erlebt.

Bevor dies eine Variation von „So weit die Füße tragen“ ergibt, endet die Odyssee, als ihn überaus freundliche Kleinbürger ins tasmanische Hobart adoptierten (Nicole Kidman und David Wenham). Aber 20 Jahre später plagen Saroo (jetzt: Dev Patel aus „Slumdog Millionär“) Erinnerungen wie bei Marcel Proust. Was die Leerstelle in seinem Herzen an Entfremdung anrichtet und an Identitätsfragen aufwirft, löst schwere innere Kämpfe aus.

Suche, die 1986 beginnt und 2012 endet

Diese bewegen, da nimmt man auch in Kauf, dass die Nebenfiguren (und die Schauspieler, darunter Rooney Mara) etwas untergehen. Aber es ist schwer vorstellbar, dass dieses Jahr noch ein anderer Film so ein emotionales, aufwühlendes Finish aufbieten kann. Mag Naroo Brierleys halbe Lebensgeschichte auch weitgehend glücklich enden, dramatische Zahlen liefert der Abspann: In Indien gehen 80.000 Kinder verloren. Pro Jahr.

imdb ofdb

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