Goldstone

Der humanistisch bewegende Thriller um Zwangsprostitution im Outback vereint meisterlich Film Noir und Western

Goldstone Cover

Ivan Sen, AUS 2016
ohne deutschen Start
Story: Der alkoholsüchtige Aborigine-Detektiv Jay besucht auf der Spur eines vermissten Mädchens die in der Wüste gelegene Grenzstadt Goldstone, die quasi Eigentum des ansässigen Tagebaukonzerns ist. Der naive Cop Josh entdeckt, wie Bürgermeisterin und scharf schießende Security vor seiner Nase mit Menschen handeln.
Von Max Renn

Vor Kurzem erst hatten wir „Last Cab to Darwin“ zu unseren Favoriten 2016 gekürt, nun folgt gleich ein weiterer Titel aus Australien: „Goldstone“ (nicht zu verwechseln mit dem Abenteuerdrama „Gold“ mit Matthew McConaughey), vereint meisterlich Film Noir, Krimi und Western zu einem sorgfältig aufgebauten Thriller über human trafficking, Menschenhandel mit chinesischen Zwangsprostituierten: stimmig, humanistisch, bewegend.

Ivan Sen, Regisseur mit Aborigine-Wurzeln, legt in seiner Quasi-Fortsetzung zu „Mystery Road“ geschickt wieder die leidvolle Geschichte seines Volkes dar, den Ureinwohnern Australiens. Er flicht ihr tragisches Schicksal en passant ein, während sein Plot-Fokus auf dem Profit liegt, der eiskalt mit Menschen generiert wird. Die Anbetung des „Geldgottes“ verbindet beide Themen in einem humanistischen Ansatz, der langsam einwirkt.

„True Detective“im Outback

In „Goldstone“ klingt Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ ebenso an wie John Sturges‘ „Stadt in Angst“. Oder auch „True Detective“, verlegt ins staubtrockene Outback. Ohne stilistisch zu protzen, spricht das Szenario für sich und weckt nicht wenige (Western-)Assoziationen (wie jüngst „Hell or High Water“). Zugleich besitzt Sens eigenes Script die (moralische) Komplexität eines Film Noir – unter Verzicht auf Haudrauf-Methoden.

Vielmehr baut Sen behutsam die Spannung auf und schafft das (Un)Sittenporträt eines korrupten und moralisch bankrotten Ortes, der sich ohne weiteres als Exempel für ganz Australien versteht. Die Suche des entwurzelten Jay nach seiner Herkunft führt das traurige Dasein der Ureinwohner vor Augen, die von der Regierung in alle Winde verstreut wurden. Der bewegende, tragende Score bringt diese bittere wie mythische Note zur Reife.

Wieso Menschen Schlechtes tun

Alex Russell („Carrie“) passt ebenso perfekt als ahnungslos-gutgläubiger Cop, wie Aaron Pedersen („Mystery Road“), der ihm die Augen öffnet, auf dass beide einen Saustall ausmisten; Australiens Grande Dame Jacki Weaver (auch in „Last Cab to Darwin“) brilliert als manipulative Schickse mit Wolfsgrinsen, und auch „Herr der Ringe“-Faramir David Wenham (demnächst in „Lion“ zu sehen) gibt der Banalität des Bösen ein Gesicht.

„Goldstone“ verleiht den Verbrechern dreidimensionale Charaktere, wenn er auch bei ihnen die biografische Motivation erklärt, wieso solche Menschen Schlechtes tun – aus Darwinistischer Anpassung ebenso wie aus Opportunismus und Feigheit. Diese zu besiegen und dem üblen Lauf der Welt etwas entgegenzusetzen, ein schönes Mädchen (Michelle Lim Davidson) zu retten, das ist eine reizvoll romantische Dimension.

imdb ofdb

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