Planet der Affen: Survival

Ape-Pocalypse Now: anteilnehmende, düstere Science-Fantasy zwischen (Vietnam)Krieg, KZ-Drama und Bibelmotiven

Planet der Affen: Survival Cover

War for the Planet of the Apes, Matt Reeves, USA 2017
Kinostart: 03.08.2017
Story: Ein wahnsinnig gewordener Colonel jagt zwei Jahre, nachdem Koba ihm den Krieg erklärt hat, weiter den Stamm des friedfertigen Caesar. Als er seine Familie tötet und seinen Sohn entführt, bricht Caesar mit ein paar Gefährten auf, ihn zu befreien. Doch sein Volk landet in Gefangenschaft, während eine Armee naht.
Von Thorsten Krüger

Als einziges erwachsenes Blockbuster-Franchise steht die „Planet der Affen“-Reihe wie ein Fels in der Brandung alberner Comic-Kreaturen und verteidigt diese Position auch im dritten Part, den Teil-zwei-Regisseur Matt Reeves („Cloverfield“) erneut bewegend inszeniert, aber den Verdienst mit einem Übermaß an Bedeutungsschwere gefährdet. Das bislang düsterste Kapitel – in Gewand und Kost – reicht nicht ganz an die Vorgänger heran.

Lange Zeit scheint „Planet der Affen: Survival“ diese sogar zu übertreffen: Nach einem Vietnam-Kriegsfilm-Einstand, wo Affen wie Rothäute/Schlitzaugen abgeschlachtet werden, andere aus Überlebensinstinkt als einheimische Führer sie verraten, regieren Rassismus, Vorurteile und Entmenschlichung. Ein Perspektivwechsel zu Caesar etabliert dann Familie, Freundschaft, Zugehörigkeit und verteilt alle Sympathien klar.

Alptraumhafte Pastoralen

Weil die Menschen unmenschlich geworden sind, sind Affen nun empfindsame Wesen mit Herz, Anstand und Mitleid, während nur ein kleines, durch die Affengrippe stumm gewordenes Mädchen (Amiah Miller aus „Lights Out“) als einzige ihrer Spezies Gnade zeigen darf. Folgerichtig sind die per Motion Capture animierten Caesar (Gollum Andy Serkis), Maurice (Karin Konoval) & Co. auch mimisch die klar besseren Schauspieler.

Eine erhabene Kamera zaubert pastöse Fresken von dunkler Waldpracht herbei, gemäldehaft wie in Öl auf Leinwand. Das Dystopische ist zunächst naturnah postapokalpytisch, der Ausritt in eine Winterlandschaft wie aus einem John-Ford-Western. Reeves verdichtet die Szenerie zu alptraumhaften Pastoralen, bis ein Konzentrationslagerdrama mit Folter und Misshandlung übernimmt: „Gesprengte Ketten“ trifft auf „Die Brücke am Kwai“.

Ein Lagerkommandant wie in „Schindlers Liste“

Dann wird aus der „Apocalypse Now“-Version ein Holocaustfilm, bei dem sich Woody Harrelson („Die Tribute von Panem“) sowohl als Marlon Brandos Colonel Kurtz wie auch als Ralph Fiennes‘ Lagerkommandant Amon Goeth in „Schindlers Liste“ geriert. Eine Straffung hätte geholfen, denn „Planet der Affen: Survival“ reitet nun auf seinem Gleichnis bzw. Lehrstück herum und leidet schwer unter seiner gravitätischen Gewichtigkeit.

Völlig unpassend ist Steve Zahns Auftritt als Bad Ape, der nur zehn Minuten lang tragikomische, danach entbehrliche Comic Relief hätte definitiv gestrichen werden müssen. Und die berührendsten Momente mit dem stummen Mädchen werden durch einen miesen Musikeinsatz, der auf die Tränendrüse drückt, beinahe ruiniert. Da ist das Schwelgen in Bibelmotiven wie dem Auszug ins gelobte Land nach der Schlacht die reinste Wohltat.

imdb ofdb

3 Gedanken zu „Planet der Affen: Survival“

  1. Bad Ape war doch das Beste am ganzen Film. Gerade weil die Geschichte so brutal und düster ist, war ich froh einen Charakter dabeizuhaben, der diese Momente etwas auflockert.

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