Es

Andy Muschiettis fulminante Adaption von Stephen Kings Horrorclown-Klassiker hat das gewisse Es-was

Es Cover

It, Andy Muschietti, USA 2017
Kinostart: 28.09.2017
Story: Derry 1988. Seit dem Verschwinden seines kleinen Bruders versucht der 13-jährige Bill herauszufinden, was geschah. Mit sechs Gleichaltrigen des Loser-Clubs erwehrt er sich Erwachsener und eines grauenvollen Monsters, das in der Kanalisation unter der Stadt lebt und in Gestalt eines Clowns Kinder frisst.
Von Thorsten Krüger

American Horror Story: Andy Muschietti („Mama“) hat geschafft, was lange als unmöglich galt – eine gelungene Stephen-King-Verfilmung. Seine Version von „Es“ funktioniert sowohl als Coming-of-Age-Drama wie auch als Horrorschocker. Als Monsterclown Pennywise ist Bill Skarsgård („Atomic Blonde“) scary as hell und intensiviert mit fiesem Gebiss den kackigen Kampf von sieben Kids gegen die Dämonen der Kindheit.

Die Handlung hat Muschietti von 1958 ins Jahr 1988 verlegt und beschränkt sich auf diese Zeitebene. Akzentuiert, einfühlsam und auf Augenhöhe (auch beim Humor) begegnet er seiner Verlierer-Clique, die sich findet und kleine Siege gegen Eltern und Ältere (speziell Gewaltfreak Henry) erringt. Erwachsene sind auf eine vernichtende Art grausam und der echte Horror – aber der bekannteste Killerclown der Popkulturgeschichte erst recht.

Erzeugt richtig Gänsehaut

„Es“ läuft rund, denn Muschietti ist handwerklich äußerst fähig, wagt sich nie über risikoarme Konventionen hinaus, aber das ist auch kein Muss. So geht ein fulminanter Konsens-Hit, mehr aber auch nicht. Effektvoll injiziert er starke Schreckensschübe auf „Conjuring“-Niveau: Der bisweilen heftige Monsteralarm mit surrealen Wucherungen erzeugt richtig Gänsehaut. Aber er elektrisiert nicht nur mit Grauen – sondern auch mit Gefühl.

In dem nostalgischen Gemenge aus „Stand By Me“ und „Breakfast Club“ erinnert die 15-jährige Sophia Lillis („A Midsummer Night’s Dream“) nicht von ungefähr an Molly Ringwald (und die junge Nancy Allen) und erweist sich als großartige Entdeckung: Ihre Figur der sexuell missbrauchten Beverly ist emotional eine Offenbarung. Aber auch Stotter-Bill (Jaeden Lieberher, „Midnight Special“) und seine Schuldgefühle gehen ziemlich nahe.

Alles stimmt an der Kinoversion

Nach jüngst missratenen Kind-Adaptionen wie „Der dunkle Turm“, der drögen TV-Serie „Der Nebel“ sowie jahrelangen Problemen während der Preproduction stand nicht zu erwarten, dass „Es“ ein massenkompatibles Erfolgs-Design aufweisen würde, dass ihn zur Box-Office-Hoffnung des US-Kinoherbstes macht. Aber dieser „Goonies“-Trupp mit Liebe zum charakterlichen Detail kann (auch mit popkulturellem Witz) überzeugen.

Jeder King-Leser hat sein eigenes Lieblingsbuch, meines ist „Es“. Entsprechend unzufrieden war ich mit dem mäßigen TV-Zweiteiler von 1990, Tim Curry hin oder her. Diesmal aber stimmt alles an der späten Kinoversion des voluminösem Meisterstücks von 1986. Wenn man etwas bemängeln will, dann vielleicht das Schock-Powerplay. Weniger ist mitunter mehr. In einer der besten King-Verfilmungen überhaupt. Die sich als Teil 1 outet.

imdb ofdb

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