Star Wars: Die letzten Jedi

Helden in ihrer dunkelsten Stunde: furioses Eskapismus-Spektakel, das nahtlos die hohen Standards von „Episode VII“ weiterführt

Star Wars: Die letzten Jedi Cover

Star Wars: The Last Jedi, Rian Johnson, US 2017
Kinostart: 14.12.2017
Story: Während Rey Luke Skywalker dazu bringen will, sie zu unterrichten, hat der Erste Orden um Snoke und Kylo Ren den Rebellenstützpunkt geortet und attackiert ihn mit Sternenzerstörern. Unter schweren Verlusten flieht Commander Leias Flotte. Poe und Finn ersinnen einen waghalsigen Rettungsplan.
Von Max Renn

Mehr Action, mehr Humor, mehr Figuren, mehr Emotionen – Rian Johnson („Brick“, „Looper“) liefert mit „Star Wars: Die letzten Jedi“ eine Vollbedienung für Fans und geht noch ein paar Schritte weiter weg von George Lucas’ erster Trilogie. Gewiss überfrachtet, nicht immer rund, aber immer wieder bewegend und begeisternd zeigt sich ein fulminantes Entertainment-Paket, das seine Wundertüte zur Weihnachtszeit ausschüttet.

Es ist nur konsequent, dass die imdb das optisch superbe, actionreiche Abenteuer als Fantasy und nicht Science Fiction rubriziert. „Episode 8“ knüpft inhaltlich und stilistisch direkt an „Episode 7“ an und führt dessen Wandlung des Lucas’schen Universums weiter fort. Einige Parallelen zu „Das Imperium schlägt zurück“ sind offensichtlich, aber Johnson, der auch das Drehbuch verfasste, will mehr. Von dieser Bewegtheit profitiert das Epos.

Rührt immer wieder zu Tränen

Klar ist das wohlkalkuliert. Na und? Das sind andere Blockbuster erst recht – aber selten gelingt ihnen so vieles (was für einige käsige Abschnitte mehr als entschädigt), selten erweisen sie sich als so vital. Man muss sich vor Augen halten: „Star Wars“ bot eigentlich Eskapismus für Kinder und Jugendliche, ist aber auch eine Religion für (mehr oder minder) Erwachsene geworden. Der Spagat dazwischen sorgt für einige Schwankungen.

Dann wechselt der Tonfall von komisch zu tragisch, von psychologisch zu comichaft, von komplex zu simpel. Trotz satter 152 Minuten Laufzeit wirkt „Star Wars: Die letzten Jedi“ in seiner Figurenfülle überladen, hängt auch mal durch und schafft es dennoch nicht, auch nur einen Moment der inneren Ruhe zu erzeugen. Aber weil die Figuren mit wahrem Heldenmut in ärgster Not immer wieder zu Tränen rühren, verzeiht man das alles gerne.

Treibt den Generationenwechsel voran

Johnson treibt den Generationenwechsel weiter voran – das bedeutet Abschied von Veteranen. Andererseits tauchen altbekannte Gesichter immer wieder auf, was einige der schwächsten und überflüssigsten Szenen ergibt, derweil neue Figuren reüssieren – Laura Dern („Wild“) als Vizeadmiral ist okay, Benicio Del Toro („Sicario“) als Safeknacker schon eine Adresse und Kelly Tran als heldenhafte Technikerin ein emotionales Wunder.

Sie steht Pate für den femininen Ausbau der Reihe, aber auch für die berührenden Momente, die „Episode 7“ schon groß machten. Situationskomik und Dialogwitz sind mitunter so frech, dass mancher Moment aus „Spaceballs“ stammen könnte. Eine gefährliche Gratwanderung zwischen Ernst und Ironie, unter der vor allem General Hux (Domhnall Gleeson, „Alles eine Frage der Zeit“) zu leiden hat, den Johnson der Lächerlichkeit preisgibt.

Dynamischer und frischer denn je

Dennoch meistert er den Spagat zwischen Überraschungen und Erwartungen, Innovation und Nostalgie. Die Kraft der Macht jedenfalls lässt erzittern. Die Wahrheit verwischt die klaren Grenzen zwischen Gut und Böse. Daisy Ridley ist weiterhin ein Phänomen – und ja, diverse Mitstreiter ebenfalls, dieser Film (Carrie Fishers letzter) und die ganze Reihe, die dynamischer und frischer denn je wirkt, vierzig Jahre nach Entstehung.

Der mittelprächtige Ableger „Rogue One“ ist schon vergessen.

imdb ofdb

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