Tomb Raider

Zeitgemäß sexismusfreies Abenteuer-Reboot, das mit Alicia Vikander als menschlich bewegender Nachwuchs-Indiana-Jones punktet

Tomb Raider Cover

Roar Uthaug, GB/US 2018
Kinostart: 15.03.2018
Story: Seit vor sieben Jahren ihr geliebter Vater Richard bei der Suche nach der Grabinsel der Zauberin Himiko in japanischen Gewässern spurlos verschwand, weigert sich die junge Lara Croft das Alleinerbe des Firmenimperiums anzutreten. Doch dann entdeckt sie seine Videobotschaft – und bricht nach Fernost auf.
Von Thorsten Krüger

2001 bediente Angelina Jolie in „Lara Croft: Tomb Raider“ als berühmte Videogame-Ikone in einem seelenlosen Kommerzkalkül der künstlerisch untersten Schublade als feuchter Ballerspiel-Traum noch sämtliche männliche Fantasien. Diese wurden, feministisch auf der Höhe der Hollywood-Zeit, ersatzlos gestrichen, denn erfreulicherweise steht im Reboot das Menschliche im Mittelpunkt, was das Bestechende an „Tomb Raider“ ist.

Dem Norweger Roar Uthaug, der sich mit dem Katastrophenthriller „The Wave“ empfahl, gelingt es, sich auf Biografie und Charakter, auf die ersten Gehversuche eine mutigen Miss ohne Superkräfte zu konzentrieren. Lara ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, schlägt sich als Fahrradkurier in London durch und knabbert schwer am Verlust des Vaters. Die talentierte Schwedin Alicia Vikander („Ex Machina“) spielt sie bravourös verletzlich.

Ein Mensch aus Fleisch und Blut

Sie ist keine taffe Heldin, sondern muss als Rucksacktouristin erst in ihre Rolle hineinwachsen, um dann nach Dan-Brown-Manier Rätsel zu lösen (wenig spannend) und als weibliche Indiana-Jones-Version zu reüssieren (recht stereotyp). Zur Seite steht ihr Hongkong-Actionstar Daniel Wu, der schon in einer anderen guten Gameverfilmung auftrat: „Warcraft: The Beginning“. Die Chemie stimmt, aber mehr als ein Flirt ist nicht drin.

Was „Tomb Raider“ wirklich auszeichnet, ist die nahegehende Vater-Tochter-Beziehung, die, in einigen Rückblenden, emotional richtig stark wirkt. Dominic West („Pride“) als adliger Abenteurer harmoniert wunderbar mit Alicia Vikander. Sobald sich Uthaug aber der Action zuwendet, steht ein Jump‘n‘Run an, ein Geschicklichkeits-Contest, der sich all der üblichen Elemente bedient, die man aus jedem anderen Adventure zur Genüge kennt.

Überraschungsfreier Hindernisparcours

Warum nur? Keine Schatzsuche ohne Höhle (eine an den Tom-Cruise-Flop angelehnte „Die Mumie“-Grabkammer), wo nicht der Steinboden in die Tiefe stürzt. Wenn ihr aus München mal einen gellenden Schrei hört: Das bin ich, wenn ich so etwas wieder sehe. Ach ja, fehlt noch der böse Wicht: Walton Goggins („The Hateful 8“) spielt ihn eiskalt mordend wie einen KZ-Kommandanten mit irren George-Eastman-Man-Eater-Blick. Bizarr.

So ist „Tomb Raider“ in der ersten Hälfte besonders gut, weil die Figur menschlich wirkt, Trauer um und Liebe zu ihrem Vater sensibel gelingen. Je mehr Fahrt das Abenteuer dann aufnimmt, desto pflichtschuldiger wird ein überraschungsfreies, wenngleich souveränes Geländeprogramm abgespult, ein Hindernisparcours, der durchaus kurzweilig ist, aber vergleichsweise altbacken. Und der dem emotionalen Können klar hinterherhinkt.

imdb ofdb

2 Gedanken zu „Tomb Raider“

  1. Mir hat die Vater-Tochter-Beziehung auch sehr gut gefallen und ist mal was anderes. In den Angelina Jolie-Lara Croft-Verfilmungen taucht ihr Vater nur als Geist aus der Vergangenheit bzw. als Stichwortgeber auf. Ich fand es großartig, dass Dominic West auch ein bißchen was zu tun bekam. Das letzte Drittel (ausgerechnet das mit Rätsellösungen und Fallen im Boden) gefiel mir am wenigsten.

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