Halloween

David Gordon Greens ambitionierter, aber arg durchwachsener Anschluss an Carpenters Slasher-Ikone setzt sich zwischen alle Stühle

Halloween Cover

David Gordon Green, USA 2018
Kinostart: 25.10.2018
Story: 40 Jahre auf den Tag genau, als er Laurie Strode zu ermorden versuchte, bricht Serienkiller Michael Myers aus der Anstalt aus, um zu Halloween 2018 eine Blutspur nach Haddonfield zu ziehen. Sein Ziel: das ehemalige Opfer Laurie, dessen Leben er ruinierte, ihre Tochter und die halbwüchsige Enkelin.
Von Thorsten Krüger

Vier Jahrzehnte nach John Carpenters stilbildenden Schlitzer-Thriller drückt Universal/Miramax/Blumhouse den Reset-Knopf bei „Halloween“. Die von Carpenter und Jamie Lee Curtis produzierte „Fortsetzung“ ignoriert alle Nachfolger (derer es eine erkleckliche Fülle gibt), darunter Rob Zombies passables Remake von 2007, und setzt ambitioniert am Original an. Das Ergebnis will über gute Ansätze jedoch einfach nicht hinauskommen.

Da ist einerseits Curtis als paranoide Witwe Laurie, die unter dem Sarah-Connor-Effekt leidet: In „Terminator 2“ galt jene als verrückt, weil sie sich als Survival-/Waffennärrin auf die Apokalypse vorbereitete. In ähnlicher Manier hat sich Laurie von ihrer Tochter und Enkelin entfremdet, bis die Nemesis Michael Myers aufkreuzt und sie, bestens vorbereitet, martialisch den Kampf aufnimmt. Nur kann James Cameron so etwas viel besser.

Faszination am Bösen

Das ist das große Manko von „Halloween“: David Gordon Green („Prince Avalanche“) mag in vielen Genres, bei TV-Serien und im Indie-Sektor zuhause sein, hier setzt er sich zwischen alle Stühle. Allerdings auch auf Basis eines Drehbuchsrezepts, das er mit zwei weiteren Köchen verdorben hat. Jeder scheint seiner eigenen Intention gefolgt zu sein, womit sich drei verschiedene Richtungen ergeben, die sich einfach nicht vereinen lassen.

Einerseits die action- und thrillbetonte Rachestory. Dann eine Mär mit schaurig-stimmungsvollem Deko-Flair, mythischem Geraune von der Faszination am Bösen schlechthin und seiner Verkörperung als Boogeyman. Und ein übelst stupider Slasher mit blöde kreischenden Teenieopfern, völlig unpassendem Witzchen und Rumgeblödel, das jede Atmosphäre zerstört, ferner garniert mit einigen ärgerlichen Falsche-Alarm-Schocks.

Ikonografisch orientierungslos

Ein verstörendes Crescendo samt brillant analogem Titeldesign zur superben Musik – nach diesem verheißungsvollen Auftakt stolpert „Halloween“ ikonografisch orientierungslos in grobe Storyniederungen, die gerade in ihren psychologischen Aspekten holzschnittartig klobig ausfallen, wie Lauries Beziehung zu ihrer Familie. Recht unelegant changiert Green zwischen den drei divergierenden Komponenten, mit durchwachsenem Resultat.

Wenn man sich ansieht, wie „It Follows“ Bedrohung erzeugt und auf Augenhöhe mit den Kids agiert, wie kürzlich „Boys in the Trees“ das magisch Verwunschene des Coming of Age aufspürt oder wie clever Meta-Slasher „Warte, bis es dunkel wird“ dieses Themenspektrum aufgreift, ist Greens „Halloween“ ein echter Rückschritt, der trotz manchen Einfalls und Carpenters genialem, neuem Hypno-Score nur in Stücken funktioniert.

imdb ofdb

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.