Big Fish & Begonia

In prächtigen Farben und Emotionen leuchtender Anime aus China, ein mythisches Fantasyabenteuer um eine alle Grenzen sprengende Liebe

Big Fish & Begonia Cover

Dayu haitang, Liang Xuan, Zhang Chun, CHN 2016
Kinostart: 03.02.2019
Story: Das Mädchen Chun aus einem magischen Zwischenreich soll an ihrem 17. Geburtstag in Gestalt eines roten Delfins für sieben Tage die Welt der Menschen erkunden. Als Fischerjunge Kun sie dort vor dem Tod rettet, dabei aber selbst ertrinkt, geht Chun einen folgenschweren Pakt mit dem Seelensammler ein.
Von Caroline Lin

Der schönste Film, den Japans Anime-Legende Hayao Miyazakinicht selbst gedreht hat, kommt aus China und heißt „Big Fish & Begonia“. In seiner Heimat lief er bereits vor zwei Jahren erfolgreich in den Kinos und mixt für westliche Sehgewohnheiten nicht ganz einfach chinesische Mythen und Sagen mit zeitgenössischer Fantasy, 2D-Trick und 3D-Animation zu einem Coming-of-Age-Abenteuer, das tränenreich melodramatisch auftrumpft.

Das Regie-Duo Liang Xuan und Zhang Chun vereint fast alle wichtigen Aufgaben hinter der Kamera ihres binnen zwölf Lenzen via Crowd Funding entstandenen, in allen Farben leuchtenden Reigens um die große Liebe, Geister und Fabeltiere. Die (sexuell) peinlichst jugendfreie, aber dennoch mit ernstem, meist dramatischem Tonfall an Erwachsene gerichtete Sage dreht ordentlich am Samsara, dem ewigen buddhistischen Kreislaufrad.

Walt Disney und Hayao Miyazaki

Es geht also um Wiedergeburt und Leiden, schreibt dabei den sense of wonder groß und vermengt keineswegs frei von Kitsch und Pathos Meeresmärchen (mehr Walt Disney denn Hans Christian Andersen), in erster Linie „Arielle, die Meerjungfrau“ und Miyazakis Fabelwelten wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ und noch manche weitere, ferner finden sich noch Anklänge an „Arrietty“ und „Die Reise nach Agartha“.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man jedenfalls meinen, „Big Fish & Begonia“ sei eine reinrassige Studio-Ghibli-Produktion angesichts typischer Merkmale wie der willensstarken weiblichen Hauptfigur und einer ökologisch gefärbten Mythenwelt. Die Ähnlichkeit des als roten Delfin wiedergeborenen Jungen mit dem chinesischen Delfin (rosafarben), der inzwischen als ausgestorben gilt, ist sicher nicht rein zufällig.

Ausgeprägtes Fantasy-Melodram

A Chinese Ghost Story: Kaum beschwört Kun fremde Mächte, zieht dies eine Kette katastrophaler Komplikation nach sich – es geht fortan immer um Leben und Tod, darunter machen Xuan und Chun es nicht. Sie tragen bei Opfer und Dramatik dick auf, Effekte und Musik unterstreichen jede Emotion, kein sentimentaler Augenblick darf für sich allein wirken. Was dennoch als lässliche (zumal weit verbreitete) Sünde durchgehen kann.

The Power of Love: Ein tragisches Beziehungsdreieck zieht sich durch eine nicht immer leicht zu folgende Geschichte, in der die drei Hauptfiguren bereits knapp, die Nebenpersonen gar geizig charakterisiert sind. Die Liebe über Dimensionen hinweg hat einiges vom in unserem Kulturkreis kaum bekannten südkoreanischen „The Gingko Bed“, einem ausgeprägten Fantasy-Melodram, hier im Stile der gewaltigen Naturgeist-Epen Miyazakis.

imdb ofdb

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.