Alle Beiträge von David McAllan

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Die Zeitschleifen-Suspense im Outfit eines Romantic Teen Movies entwickelt melodramatische Facetten und emotionale Qualitäten

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie Cover

Before I Fall, Ry Russo-Young, USA 2017
Kinostart: 01.06.2017
Story: Irgendwo im US-Nordwesten gehört die 17-jährige Sam dem It-Girl-Quartett ihrer High School an. Auf der Heimfahrt von einer Freitag-Abend-Party verunglücken sie tödlich. Woraufhin Sam morgens aufwacht und den letzten Tag ihres Lebens immer wieder erlebt. Und anfängt, alles zu hinterfragen.
Von David McAllan

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ als Teenage Angst Mystery mit (Nächsten)Liebesbotschaft: Macht man sich die Mühe, hinter die Teen-Pastiche von „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ zu schauen, findet man mehr als nur Sisyphos-Motive mit „Butterfly Effect“. Dann verwandeln sich Stereotypen in ein gefühlvolles Coming of Age, ein Abschiednehmen, wie man von seinen Liebsten erinnert werden möchte.

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The Founder

Alles nur geklaut: Das Faszinosum des Amerikanischen Traums in aller Ambivalenz, Energie und den Schattenseiten am Beispiel von McDonald’s

The Founder Cover

John Lee Hancock, USA 2016
Kinostart: 20.04.2017
Story: Als der erfolglose Multi-Mix-Vertreter Ray Kroc 1954 in Kalifornien auf das Fast-Food-Restaurant der Gebrüder McDonalds stößt, wittert er seine Chance: Er will das revolutionäre Konzept als Franchise über ganz Amerika ausbreiten, beißt sich an den Brüdern aber die Zähne aus – bis er sie rücksichtslos ausbootet.
Von David McAllan

Was ist eigentlich der Amerikanische Traum? „The Founder“ gibt Antworten, die die Mär vom Tellerwäscher zum Millionär konstruieren und zugleich dekonstruieren: Der Texaner John Lee Hancock („Saving Mr. Banks“, „Blind Side“) zeigt nach einer Vorlage von „Turbo“-Autor Robert Siegel die positiven wie die negativen Seiten des Erfolgs als Geschichte einer Ideologie, bei der die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt.

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Les cowboys

Das Euro-Arthaus-Update des John-Wayne-Klassikers „Der schwarze Falke“ ist ein leises Identitätsmelodram um kulturelle Grenzen

Les cowboys Cover

Thomas Bidegain, F 2015
ohne deutschen Start
Story: 1994. Kelly, die 16-jährige Tochter der Ballands, verschwindet auf einem französischen Rodeofest spurlos. Da niemand hilft, sucht Vater Alain sie auf eigene Faust. Die Spur führt zu Kellys heimlichen arabischen Freund, in radikalislamische Viertel Europas, dann nach Pakistan – eine Suche, die Alain ruiniert.
Von David McAllan

Für sein Regiedebüt „Les cowboys“ hat Frankreichs profilierter Drehbuchautor Thomas Bidegain, bekannt für Werke wie „Ein Prophet“ oder „Der Geschmack von Rost und Knochen“, John Fords berühmten Western bzw. Alan Le Mays Vorlage in die heutige Zeit transferiert. Seine viele Jahre umspannende Odyssee legt den Finger auf eine Wunde, wenn aus Indianern radikale Muslime in der Ära vor und nach dem 11. September werden.

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Lights Out

Familien-Horror: psychologisch starker Schocker um ein Schattenwesen, das die Angehörigen einer Depressiven heimsucht

Lights Out Cover

David F. Sandberg, USA 2016
Kinostart: 04.08.2016, DVD/BD-Start:15.12.2016
Story: Als ihr kleiner Halbbruder Martin von dem gleichen Geist heimgesucht wird, wegen dem Rebecca ihre psychisch labile Mutter Sophie verließ, nimmt sie ihn zu sich. Mit Freund Bret versucht sie das dunkle Geheimnis aufzuklären, das Sophie mit Diana verbindet, die nur erscheint, wenn die Lichter aus sind.
Von David McAllan

Licht aus – ein weibliches Schattenwesen ist im Raum. Licht an – es ist verschwunden. Basierend auf seinem viralen 3-Minüter von 2013 setzt Debütant David F. Sandberg dieses visuelle Konzept furchteinflößend gut um. Den sehr attraktiv besetzten „Lights Out“ produzierte „Conjuring“-Beschwörer James Wan, Eric Heisserer („Nightmare“-Remake) schrieb das Skript für ein Debüt, das Horror und Familienstory fies verwebt.

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Before I Wake

Mike Flanagan strickt nach bewährten Mustern eine Traum-Horror-Fantasy und verspricht Innovation, die nicht eintrifft

Before I Wake Cover

Mike Flanagan, USA 2016
Kinostart: 10.11.2016
Story: Seitdem ihr Sohn in der Badewanne ertrank, sind Jessie und Mark untröstlich. Als sie Waisenkind Cody adoptieren, der bereits in mehreren Pflegefamilien war, beginnen glückliche Tage. Bis nachts Schmetterlinge auftauchen – und ihr verstorbenes Kind. Denn Codys Träume, gute wie böse, werden real.
Von David McAllan

Schon mit dem Spiegel-Schrecken „Oculus“ verhieß Mike Flanagan mehr, als er halten konnte. Sein Home-Horror „Before I Wake“ um ein Kind, dessen Gabe ein Fluch wird, weil sich seine Traumaträume zu tödlichen Bedrohungen manifestieren, hat die gleichen Probleme – ist aber noch konventioneller gestrickt. Die namhafte B-Cast Thomas Jane („Wie ein weißer Vogel …“) und Kate Bosworth („Still Alice“) hilft da leider auch nicht.

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Bite

Bite Cover

Chad Archibald, CDN 2015
ohne deutschen Start

1989 erschien „Curse II: The Bite“ (bei uns nur „The Bite“ betitelt), in dem der Arm des Protagonisten nach einem Schlangenbiss zur Anakonda mutierte. Die Effekte des kaum bekannten B-Schockers stammten von Screaming Mad George (das ist mal ein Künstlername!) und derartige Transformationseffekte stehen auch im Zentrum von „Bite“. Als zweite, größere Referenz drängt sich „Die Fliege“ von David Cronenberg auf, dessen Landsmann Chad Archibald („The Drownsman“) zum wiederholten Male im dunklen Genre tätig wird und seinen Meister zitiert.

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Green Room

Punks vs. Skins: illuster besetzter, unerbittlicher Belagerungsthriller, der zum blutigen Todeskampf durchstartet

Green Room Cover

Jeremy Saulnier, USA 2015
Kinostart: 02.06.2016
Story: Als eine unbekannte Punkband bei ihrem Auftritt im Südstaaten-Hinterwald vor Skinheads die falsche Tür öffnet, werden sie Zeuge eines Mordes und in das Zimmer gesperrt, bis die Polizei wieder abgezogen ist. Im Anschluss macht sich die Nazi-Gang daran, den Musikern rund um Pat den Hals umzudrehen.
Von David McAllan

Erst on the road, dann in the room: Anton Yelchin („Star Trek“, „Odd Thomas“) steht abgerissenen Kneipenpunkern vor, die beim Ersatz-Gig an eine Bande krimineller Neonazis unter Führung von „X-Men“-Professor Patrick Stewart geraten, die skrupellos Menschen morden, um damit größere Verbrechen zu kaschieren. Dank Teppichmessern und Kampfhunden tut die Gewalt in den naturtrüben Bildern von „Green Room“ richtig weh.

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Spotlight

Souveräner wie erschütternder Journalisten-Thriller mit Top-Besetzung über die Aufdeckung eines kirchlichen Missbrauchsskandals

Spotlight Cover

Tom McCarthy, USA 2015
Kinostart: 25.02.2016, DVD/BD-Start: 30.06.2016
Story: Als Marty Baron 2001 Chefredakteur des Boston Globe wird, setzt er das Spotlight-Team von Walter Robinson auf eine Reihe von Kindesmissbrauchsfällen durch Priester an. Die Journalisten decken massive Verbrechen auf, die die katholische Kirche in Boston seit Jahrzehnten unter den Tisch kehrt.
Von David McAllan

Der bislang nicht sonderlich auffällig gewordene, zuletzt mit der Adam-Sandler-Fantasy „The Cobbler“ immerhin gefällige Tom McCarthy, trifft mit dem Tatsachen nachempfundenen „Spotlight“ ins Schwarze. Ihm gelingt ein authentischer Journalismus-Film par excellence, der mit seiner Zunft selbstkritisch ins Gericht geht und sich mit hochklassigen Darstellerauftritten komplex-erwachsen einem Kehlen zuschnürendem Thema verschreibt.

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Ich und Earl und das Mädchen

Witzige Indie-Dramödie um ein Coming of Age mit Krankheitsfall: verspielt skurril, romantikfrei, aber herzzerreißend

Ich und Earl und das Mädchen Cover

Me and Earl and the Dying Girl, Alfonso Gomez-Rejon, USA 2015
Kinostart: 19.11.2015, DVD/BD-Start: 24.03.2016
Story: Der 17-jährige Greg hat es sich mit seinem Kumpel Earl gemütlich eingerichtet und dreht komische Kurzfilme. Auf Drängen seiner Eltern soll er die schwer an Leukämie erkrankte Mitschülerin Rachel besuchen. Beide freunden sich unerwartet an, was Gregs Schulalltag und sein Leben gehörig verändert.
Von David McAllan

Keine „(500) Days of Summer“, sondern etwa 160 Tage einer herbstlich anmutenden „doomed friendship“ – also Freundschaft, nicht Romanze -, sind das Thema eines Indie-Favoriten, der in einem kitschfreien Coming of Age wie ein Inhaltsverwandter von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (dem besten Teenfilm der letzten Jahre) und im Tonfall wie ein Bruder des schonungslos offenen „The Perks of Being a Wallflower“ auftritt.

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Reversal

Reversal Cover

aka Bound to Vengeance, José Manuel Cravioto, USA 2015
ohne deutschen Start

Rape & Revenge war gestern. José Manuel Cravioto, der Dokus und zuletzt den mexikanischen Crime-Actioner „El Más Buscado“ drehte, wählt eine wahrhaftige weibliche Perspektive für seinen Thriller „Reversal“, der nicht einfach nur den Spieß umdreht und wie in „I Spit on Your Grave 2“ Sadisten exquisit totfoltert, sondern in der Fahrt bis ans Ende einer schummrig Schwarz-Braun-Rot glimmenden Nacht einen Schritt weiter geht und seine 21-jährige Protagonistin Eve (die kaum bekannte Tina Ivlev) mit verzweifelter Entschlossenheit das teuflische Werk eines Psychopathen beenden lässt.

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Poltergeist

Das Remake des Spukeffektfeuerwerks folgt mit hinterlistigem Humor den unheimlichen Fußstapfen von „Insidious“

Poltergeist Cover

Gil Kenan, USA 2015
Kinostart: 28.05.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015
Story: Als die Bowens aus finanziellen Gründen in ein preisgünstigeres Heim umziehen müssen, ist es schon bewohnt: Eine unheimliche Jenseitsmacht fällt ihre drei Kinder an und saugt Nesthäkchen Madison durch ein Loch in der Wand fort. Parapsychologen und ein TV-Geisterjäger sollen sie zurückholen.
Von David McAllan

Fraglos braucht niemand ein Remake von „Poltergeist“, der Hooper/Spielberg-Produktion von 1982, ein grelles Geisterbahnspektakel der populären Sorte, in dem nicht nur eine Familie archetypisch mit einer Lichteffektschau terrorisiert wurde, sondern das auch eine Satire auf, bisweilen auch Komödie über Vorstadtleben und Fernsehkonsum bot. Das modernisierte Spukspektakel weiß mit mehr Chills & Thrills zu gefallen.

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Alex of Venice

Angenehme Indie-Dramödie, in der Mary Elizabeth Winstead auf emotional-nachdenklicher Selbstentdeckung zu großer Form findet

Alex of Venice Cover

Chris Messina, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Aus Frust über seine undankbare „Hausfrauen“-Rolle nimmt sich George eine Ehe-Auszeit, womit Umweltanwältin und Workaholic Alex mit ihrem alternden Vater Roger und dem schulpflichtigen Sohn Dakota überfordert ist. Dazu stehen ihre lebenslustige Schwester Lily und private Veränderungen vor der Tür.
Von David McAllan

Der vielbeschäftigte Schauspieler Chris Messina („Cake“, „Argo“, „Vicky Cristina Barcelona“) lässt in seinem Regiedebüt Kollegin Winstead den Vortritt und dient in einer Nebenrolle als vor den Verhältnissen flüchtender Hausmann als Katalysator für eine Selbstfindung der reiferen Sorte, die sich nicht größer macht als sie ist und warmherzig die von Herausforderungen geprägte Suche nach Familie, Nähe und erfülltem Leben begleitet.

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Run All Night

Im handfesten New Yorker Nacht-Thriller kämpft ein von Killern gehetzter Liam Neeson glaubhaft um das Leben seiner Angehörigen

Run All Night Cover

Jaume Collet-Serra, USA 2015
Kinostart: 16.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Auftragskillerwrack Conlon wird von Mafiapate Maguire aus alter Freundschaft geduldet. Damit ist es vorbei, als Conlon Maguires psychotischen Filius tötet, bevor dieser seinen Sohn Mike erschießen kann. Maguire schwört Rache: Auftragskiller jagen die beiden zur Großfahndung Ausgeschriebenen.
Von David McAllan

Atemlos durch die Nacht: Mit der Actionroutine von „Unknown Identity“, aber von „Auge um Auge“-Autor Brad Ingelsby weniger ambitioniert als „Non-Stop“ geschrieben, geht die dritte Kooperation von Liam Neeson und Jaume Collet-Serra auf eine Hetzjagd durch New York. Der Nacht-Thriller „Run All Night“ beherrscht sein moderat modernisiertes Old-School-Handwerk und erzielt mehr Tiefe als eigentlich vorhanden.

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Clown

Ein Fundstück: Von Eli Roth produzierter Body Horror um einen Mann, der zum kinderfressenden Monster mutiert

Clown Cover

Jon Watts, USA/CDN 2014
DVD/BD-Start: 01.03.2016
Story: Als der Überraschungsclown absagt, zieht der liebende Familienvater und Immobilienmakler Kent ein solches Kostüm aus der Truhe eines leerstehenden Hauses an, um seinem Sohn eine Geburtstagsfreude zu bereiten. Nur um festzustellen, dass er es nicht mehr ausziehen kann und sich in eine Chimäre verwandelt.
Von David McAllan

Kein Scherz: Das Horrordrama um Dummo the Clown ist kein Slasher-Trash mit Killer-Kaspern, sondern eine tragische Transformation, die ihre originelle Ausgangsidee (fast) bis zum bitteren Ende intensiv und emotional sensibel ausführt, ohne Schrecken und Blutzoll abzukürzen. Die nicht kafkaeske, sondern dämonische Verwandlung basiert auf einem Fake-Trailer, den Jon Watts und Christopher D. Ford 2010 ins Netz stellten.

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The Cobbler

In der magisch-realistischen und liebenswert nostalgischen Fantasykomödie wird Adam Sandler rührend zum Pate einfacher Leute

The Cobbler Cover

aka Cobbler – Der Schuhmagier, Thomas McCarthy, USA 2914
DVD/BD-Start: 04.05.2015
Story: Der abgehängte Trott des jüdischen Schusters Max in seiner Klitsche der Lower East Side erhält schlagartig Schwung, als er im Keller eine wundersame Nähmaschine entdeckt, mit der er die Gestalt seiner Kunden annimmt, solange er deren Schuhe anzieht. Damit kommt er lokalen Kriminellen in die Quere.
Von David McAllan

So einfühlsam wie sein Indie-Debüt, die New-Jersey-Tragikomödie „Station Agent“, ist Thomas McCarthys vierter Regie-Job „The Cobbler“ zwar nicht. Seine Vorliebe für Sozialdramen mit Herz für den kleinen Mann äußern sich in einer Fantasykomödie zum Schmunzeln und Liebhaben, an der die US-Kritik kaum ein gutes Haar ließ, damit dem rührenden, topbesetzten Wunderspaß des magischen Realismus aber nicht gerecht wird.

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Blackwood

Blackwood Cover

Adam Wimpenny, GB 2014
ohne deutschen Start

Die Brit-Goth-Welle rollt weiter (siehe „The Quiet Ones“ und „The Borderlands“) und auch der Londoner TV-Serien-Regisseur Adam Wimpenny nutzt das vertraute rurale Haunted-House-Terrain, spielt aber nur mit dessen Instrumentarium – überaus effektiv -, um den Fortgang einer dramatischen Psychose nachzuzeichnen. Nicht ganz so klassisch wie „Die Frau in Schwarz 2“ oder „The Awakening“ geht „Blackwood“ den Neueinzug ins große Spukhaus auf dem Land an, wo sich Hochschuldozent Ben (Ed Stoppard) von seinem Nervenzusammenbruch erholen will, aber auf ein Geheimnis stößt, das schon andere vor ihm in den Wahnsinn getrieben hat.

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The Great Hypnotist

The Great Hypnotist Cover

Cui mian da shi, Leste Chen, CHN 2014
ohne deutschen Start

„I see dead people“ – ein Satz, den man ja noch nie in einer psychologisch-übernatürlichen Mystery gehört hat. Der Taiwanese Leste Chen, der 2005 den passablen Fluchhaushorror „The Heirloom“ entwarf und seit längerem in China dreht, wo auch „The Great Hypnotist“ entstand, vermengt „The Sixth Sense“ mit „Spellbound“ (dt: „Ich kämpfe um dich“) und „Inception“ zu einem grundsoliden, nicht immer überzeugenden Therapiesitzungs-Duell um Schuld, Verdrängung und Vergebung, bei dem die „Shutter Island“-Frage auftaucht, wer Arzt und wer Patient ist.

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Siren

Das Parfum: verwunschene Liebesgeschichte um das traurig-magische Schicksal einer Frau, deren Duft Männern den Verstand raubt

Siren Cover

Jesse Peyronel, USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Auf einem verwilderten Grundstück am Rande einer Kleinstadt lebt die zurückgezogene Leigh, die seit ihrer Jugend Pheromone verströmt, die Männer gewalttätig verrückt nach ihr machen. Als der geruchsblinde Handwerker Guy aufkreuzt, verlieben sich beide, aber das US-Militär will ihr Elixier als Biowaffe.
Von David McAllan

Grenouille wäre begeistert gewesen: „Das Parfum“ dieser Frau bringt alle Menschen um den Verstand. Wie eine Sirene der griechischen Mythologie verführt sie jeden, nur nicht mit Gesang, sondern ihrem Geruch. Jesse Peyronels selbst verfasstes Indie-Debüt „Siren“ schenkt ihr die mysteriös-magische Aura einer Märchenfigur, die in einer mörderischen Tragödie um Vertrauen und Verrat ihrem bizarren Gendefekt ausgeliefert ist.

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A Girl Walks Home Alone at Night

Musikalisch hypnotisches Indie-Nocturno, das in kraftvollem Schwarzweiß eine poetische Romanze zum Tschador-Vampir entfaltet

A Girl Walks Home Alone at Night Cover

Ana Lily Amirpour, USA 2014
Kinostart: 23.04.2015, DVD/BD-Start: 27.08.2015
Story: Bad City, eine Stadt im Iran. Arash hat wegen seines heroinsüchtigen Vaters Geld und Auto an den Drogendealer und Zuhälter Saeed verloren. Als eine Vampirin Saeed tötet, holt sich Arash alles zurück, vertickt die Drogen selbst und verliebt sich in das schöne Mädchen, ohne zu ahnen, was sie ist.
Von David McAllan

Der auf Persisch entstandene Spielfilm-Erstling der iranischstämmigen, in London geborenen Amerikanerin Ana Lily Amirpour erweitert ihren gleichnamigen Kurzfilm von 2011 zur irreführenden Selbstbeschreibung „Iranian Vampire Spaghetti Western“. Vielmehr ist „A Girl Walks Home Alone at Night“ eine Version von „Only Lovers Left Alive“ nur im viel raueren Schwarzweiß-Stil von Jarmuschs Frühwerk („Down By Law“).

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The Kingdom of Dreams and Madness

The Kingdom of Dreams and Madness Cover

Yume to kyôki no ôkoku, Mami Sunada, J 2013
ohne deutschen Start

Da sitzt er und skizziert rasant, Japans legendärer Zeichentrick-Tenno Hayao Miyazaki („Prinzessin Mononoke“, „Nausicaä“) im Dokumentarfilm „The Kingdom of Dreams and Madness“. Mit weißem Haar, ebensolchem gestutztem Vollbart und Grafikerschürze scherzt er mit seiner Assistentin, der beredte, umgängliche Kreativkönig und Mitbesitzer des berühmten Studio Ghibli, bei der Arbeit zu seinem wehmütigen Abschiedsfilm „Wie der Wind sich hebt“. Parallel dazu produziert Mitbegründer Isao Takahata, ohne den es die Firma nicht gäbe, sein letztes Werk, „Die Legende der Prinzessin Kaguya“, obwohl ihm selbst Miyazaki nachsagt, er könne keinen Film vollenden.

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The Pyramid

The Pyramid Cover

aka The Pyramid – Grab des Grauens, Grégory Levasseur, USA 2014
Kinostart: 16.04.2015

Der Franzose Grégory Levasseur, für Horror-Impresario Alexandre Aja (hiervon Produzent) als Stammdrehbuchautor von „High Tension“ bis „Maniac“ tätig, wählt für seine Regie-Geburt „The Pyramid“ ein fremdes Script und ist damit denkbar schlecht versorgt. Eine viertel Stunde lang besteht die Hoffnung, dass aus dem archäologischen Sensationsfunde 250 Meilen südlich von Kairo etwas Interessantes werden könnte. Eine uralte Pyramide von 180 Meter Kantenlänge und aus nur drei Seiten bestehend steckt im Sand vergraben wie die umgedrehte Kirche in „Exorzist: Der Anfang“ und erweckt die Unheilatmosphäre des Pazuzu-Vorspanns vom ersten „Exorzisten“.

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Whiplash

Der sadomasochistische Psychokrieg zwischen Jazzdiktator und Talentschüler ist ein intensives Schauspielduell

Whiplash Cover

Damien Chazelle, USA 2014
Kinostart: 19.02.2015, DVD/BD-Start: 19.06.2015
Story: Der 19-jährige Andrew ordnet seinem Ziel, der beste Jazzdrummer zu werden, alles unter. Als der Einzelgänger an einem New Yorker Konservatorium in die Elite-Big-Band des berüchtigten Fletcher aufgenommen wird, beginnt ein Kräftemessen, das Andrews Privatleben und Gesundheit ruiniert.
Von David McAllan

Qualen für die Kunst: Nachwuchskraft Miles Teller, auf der Watchlist seit „The Spectacular Now“, liefert sich als besessener Musikschüler ein Psychokrieg, bis mehr als nur die Hände bluten mit seinem Musiklehrer J.K. Simmons, der sonst nur in Nebenrollen wie „Labor Day“ Akzente setzen darf. Als gnadenloser Diktator bietet er eine Show, die R. Lee Ermeys Menschenschindertyp in Kubricks „Full Metal Jacket“ entspricht.

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The Device

„Akte X“ respektive „Xtro“ als Low-Budget-Psychohorrordrama um das Grauen einer unheimlichen Begegnung der dritten Art

The Device Cover

Jeremy Berg, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: 12 Jahre lang hat Abby mit ihrer Schwester Rebecca nicht gesprochen, die einst entführt und vergewaltigt wurde. Als sie die Asche ihrer Mutter in dem Waldhaus verstreuen, finden sie eine schwarze Kugel, die rasch einen ungesunden Einfluss auf Abbys Verlobten Calvin ausübt und Rebeccas Trauma aufreißt.
Von David McAllan

Wer etwas Originelles möchte, wagt sich an den experimentellen „Under the Skin“für den Hausgebrauch geeignet, aber doch in erheblichem Maße ungemütlich und unheimlich hingegen betritt Indie-Filmer Jeremy Berg nach seinem Goth-Horror-Einstand „The Invoking“ erforschtes „Akte X“-Terrain, um dort mit „The Device“ sukzessive die Inklusion von Familiendrama, SciFi und psychologischem Schrecken vorzunehmen.

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Das Mädchen Hirut

Äthiopisches Low-Budget-Laiendrama, dessen schlechtes Handwerk in keinem Verhältnis zur wichtigen politisch-sozialen Botschaft steht

Das Mädchen Hirut Cover

Difret, Zeresenay Mehari, ETH/USA 2014
Kinostart: 12.03.2015, DVD/BD-Start: 15.07.2015
Story: 1996 in einem äthiopischen Dorf: Eine Reiter-Bande entführt die erst 14-jährige Hirut, sperrt sie ein, schlägt und vergewaltigt sie. Als sie mit einem Täter zwangsverheiratet werden soll, kann sie fliehen und erschießt ihn in Notwehr. Dafür will das Dorf sie zum Tode verurteilen. Frauenrechtsanwältin Meaza verteidigt sie.
Von David McAllan

Die schlicht gebaute Abarbeitung des Präzedenzfalls von Hirut Assefa emotionalisiert allein wegen des Inhalts (was die Publikumspreise erklärt); denn das Drama von Zeresenay Mehari ist eine gut gemeinte, aber schlecht gemachte Trockenstulle über eine gewalttätige, frauenverachtende Tradition. In der Postproduktion stieg UN-Botschafterin Angelina Jolie als Finanzier ein, was einiges an (Festival)Aufmerksamkeit einbrachte.

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The Best of Me

Durchwachsene Zweite-Chance-Romanze, die Nicholas-Sparks-Fans mit einem konstruierten Melodram manipuliert

The Best of Me Cover

aka The Best of Me – Mein Weg zu dir, Michael Hoffman, USA 2014
Kinostart: 08.01.2015, DVD/BD-Start: 13.05.2015
Story: 1992 überwand das High-School-Liebespaar Dawson und Amanda alle Klassenschranken, bis eine tödliche Tragödie sie trennte. 21 Jahre später bringt sie die Beerdigung von Dawsons Ersatzvater Tuck zurück ins idyllische Louisiana. Amanda hat Dawson nie verziehen, aber beide lieben sich noch immer.
Von David McAllan

Die neunte Bestsellerverfilmung von Sparks, der amerikanischen Ausgabe von Rosamund Pilcher, realisiert durch ein eingeübtes Produzententeam, hat nicht den großen Gefühlsrausch des Vorgängers „Safe Haven“, sondern fügt die Bausteine früherer Sparks-Werke zu einem Romantik-Melo zusammen, das mal ins Herz trifft, mal auf die Füße tritt und, da fürs weibliche Publikum optimiert, einige Kitschresistenz erfordert.

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