Alle Beiträge von Gnaghi

Salvo

Liebe in Zeiten der Mafia: Ein kaltblütiger Hitman lernt mit dem Herzen sehen in einer still berührenden Romanze ohne Zukunft

Salvo 2013 Cover

Fabio Grassadonia, Antonio Piazza, I/F 2013
ohne deutschen Start
Story: Mafiapräzisionskiller Salvo hat gerade ein Attentatsversuch auf seinen Boss vereitelt und den Urheber, einen Rivalen, zur Strecke gebracht. Dessen blinde Schwester Rita auch zu töten, bringt er nicht übers Herz und sperrt sie in einer Industriebrache ein. Was seinem Arbeitgeber nicht lange verborgen bleibt.
Von Gnaghi

Sie ist blind, er (beinahe) stumm und beide ein todesromantisches Traumpaar in einer trostlosen „Gomorrha“-Gegend, die den gnadenlosen Hintergrund eines introspektiven Stilllebens über die Ausweglosigkeit eines kleinen Rädchens im unaufhaltsamen Getriebe des organisierten Verbrechens in Italien bildet. Wehe dem, der sehen lernt und das Licht des Humanismus erblickt, warnen Fabio Grassadonia und Antonio Piazza.

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Die Mafia mordet nur im Sommer

Prägnant, aber nicht elementar: semi-autobiografische Coming-of-Age-Romcom vor dem Hintergrund grausamer Mafiamorde auf Sizilien

The Mafia Only Kills in Summer Cover

La mafia uccide solo d’estate, aka The Mafia Only Kills in Summer, Pif (Pierfrancesco Diliberto), I 2013
Kinostart: 04.06.2015
Story: Palermo in den 70ern. Schon als kleiner Junge ist Arturo Fan von Giulio Andreotti und versucht erfolglos die schöne Flora zu erobern, die sich für einen anderen interessiert. In der Stadt mordet die Mafia unterdessen rege, verübt Verbrechen, die Arturos Leben beeinflussen und seine journalistischen Ambitionen wecken.
Von Gnaghi

Matteo Garrones „Gomorrha“ als Tragikomödie, die zu oft zur Klamotte verkommt: Pierfrancesco Diliberto, unter seinem Künstlernamen Pif ein bekannter TV-Comedian und Politkommentator, rafft autobiografisch jahrzehntelange Mobster-Morde in Palermo. Seine Hymne an die zahllosen Anschlagstoten bewegt nur leicht, wo sie erschüttern müsste, wurde dennoch als beste Komödie beim Europäischen Filmpreis 2014 ausgezeichnet.

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Serena

Jennifer Lawrence als verletzlich-starke Femme Fatale in einem halbgaren Retro-Ehedrama, das seine Leidenschaften nicht recht kanalisiert

Serena Cover

Susanne Bier, USA/F/CZ 2014
Kinostart: 18.12.2014, DVD/BD-Start: 07.05.2015
Story: 1929, in den Smoky Mountains in North Carolina: Als George die selbstbewusste Serena heiratet, erhält er Frau und Geschäftspartnerin für sein Holzimperium. Das wankt gefährlich wegen Wirtschaftskrise, Umweltschützern, dem verräterischen Buchanan, einem unehelichen Kind – und der eifersüchtigen Serena.
Von Gnaghi

Die dänische Oscargewinnerin Susanne Bier („Brothers“, „Nach der Hochzeit“) hat sich Ron Rashs Roman von 2008 vorgenommen und dem „Die Tribute von Panem“-Star Lawrence sowie Bradley „Hangover“ Cooper ihren dritten gemeinsamen Auftritt nach „Silver Linings“ und „American Hustle“ beschert. Lawrence zeigt wieder ihr spezielles Schauspiel-Charisma, aber das Projekt lag nicht grundlos zwei Jahre lang auf Eis.

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Tusk

Tusk Cover

Kevin Smith, USA 2014
DVD/BD-Start: 07.05.2015

Indie-Slacker Kevin Smith („Clerks“, „Jay und Silent Bob schlagen zurück“) hat sein Spaß-Terrain schon im satirischen Sektenschocker „Red State“ verlassen und folgt dem abschüssigen Pfad ins Abartige einige Schritte weiter. Smith hat offenbar Tom Six’ „The Human Centipede“ gesehen und kreuzt ihn mit Fabrice Du Welz’ „Calvaire“ zu einer Komödie der grotesken Grausamkeiten, auch wenn er zunächst einen Geeks-turn-Pricks-Jux signalisiert, wo zwei Podcaster-Jackasses sich auf derbe Weise über andere lustig machen. Aber der nächste Gag geht auf ihre Kosten.

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Sea Fog

Der authentisch-atmosphärische Moralthriller um eine menschliche Tragödie auf hoher See ist verdient Koreas Auslandsoscarbeitrag 2015

Sea Fog Cover

Haemoo, Shim Sung-bo, ROK 2014
ohne deutschen Start
Story: 1998. Als sie nach einem Maschinenschaden knapp bei Kasse sind, entschließt sich der ungehobelte Kapitän eines Fischerkutters mit seiner einheimischen Crew Immigranten via China einzuschmuggeln. Der junge Maschinist Dong-sik verliebt sich sofort in die schöne Hung mei. Dann geschieht eine Katastrophe.
Von Gnaghi

Nachdem Bong Joon-ho mit seiner internationalen Premiere „Snowpiercer“ zurecht nicht zufrieden war, produzierte und schrieb er diesen im Sozialmilieu verorteten Verbund aus Humanismusdrama und Moralthriller, den sein langjähriger Autor Shim Sung-bo (Script zu „Memories of Murder“) mit erstklassigem Handwerk als stimmungsvolle, klaustrophobische und spannende Trawler-Tragödie auf düsterer See ausführt.

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Ouija

Ouija Cover

aka Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel, Stiles White, USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 04.06.2015

Die Teenie-Geisterhorrormystery um das namensgebende Hexenbrett ist bei weitem nicht so übel, wie sie klingt, haufenweise Verrisse amerikanischer Kritiker und der Trailer suggerieren. Die von Michael Bay koproduzierte Werbung fürs Hasbro-Spielbrett ist anders als deren Actionfiguren und -games „Transformers“, „G.I. Joe“ und „Battleship“ ein Halloween-Artikel und elementares Gimmick dutzender übernatürlicher Begegnungen, mehrfach sogar eigener Topos wie in Kevin Tenneys „Witchboard“-Reihe.

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Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Nicole Kidman überzeugt ungeschminkt in einem häuslich-privaten „Memento“-Psychothriller, in dem Wahrheit schmerzt und Lüge tötet.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. Cover

Before I Go to Sleep, Rowan Joffe, GB/F/S 2014
Kinostart: 13.11.2014, DVD/BD-Start:26.03.2015, DVD/BD-Start: 26.03.2015
Story: Jeden morgen erwacht Christine und hat den Tag zuvor vergessen. Stets ist sie schockiert, wenn ihr Ben erklärt, dass sie kein Single Mitte 20, sondern 40 ist und mit ihm seit 14 Jahren verheiratet. Dann ruft ihr Therapeut Dr. Nash an und erinnert sie an ihr heimliches Videotagebuch, das Ben als Lügner entlarvt.
Von Gnaghi

Die von Ridley Scott produzierte Adaption des namensgleichen britischen Thrillerbestsellers (von Steve Watson 2011 verfasst), besucht Christopher Nolans „Memento“-Terrain wie eine unaufdringlich-bedachte, dunkle Ausgabe der Konzept-Komödie „50 erste Dates“. In perfekter Rhythmik enthüllt Rowan Joffe viele kleine und schließlich einen heftigen Twist, was die Identitäts-Mystery zum abgründigen Psychothriller zuspitzt.

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Con Game – Kenne deine Feinde

Wild, roh, rau, unbekümmert: Donovan Marshs südafrikanischer Indie-Heist-Thriller ist ein waschechter Actiongeheimtipp.

iNumber Number Cover

iNumber Number, aka Avenged, Donovan Marsh, ZA 2013
DVD/BD-Start: 03.11.2014
Story: Der von seinem korrupten Chef um die verdiente Belohnung geprellte, bis dahin gesetzestreue Cop Chili infiltriert die berüchtigte Bande von Gangsterboss Mambane, der einen Überfall auf einen Geldtransporter vorbereitet. Chili will abkassieren, aber sein Partner Shoes fällt Mambane als Geisel in die Hände.
Von Gnaghi

Der für wenig Geld im kriminalitätsverseuchten Johannesburg und Soweto entstandene, vitale Actionthriller von dem zuvor mit den beiden Internatskomödienteilen „Spud“ bekannt gewordenen Südafrikaner Donovan Marsh ist ein schmuddelig-spannender Reißer, so grimmig wie unterhaltsam. Ein Township-Knüller, wie es „Zulu“ gern gewesen wäre, ohne dessen Polit-Überbau, allein mit Schweiß, Schmutz und Waffen.

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Annabelle

Das Spin-Off von „The Conjuring“ hat auf seinem Weg zu „Rosemary’s Baby“ wenig Plot, aber sorgfältig-starken Schrecken.

Annabelle Cover

John R. Leonetti, USA 2014
Kinostart: 09.10.2014, DVD/BD-Start: 19.02.2015
Story: 1969. Die rechtschaffenen Kirchgänger John und Mia erwarten ihr erstes Kind. Als der Medizinstudent seiner schwangeren Frau die Puppe Annabelle schenkt, attackiert ein Satanskult beide mit Messern. Nach ihrem Umzug von Santa Monica nach Pasadena geht das Grauen weiter – es steckt in Annabelle.
Von Gnaghi

Wer in „Dracula Untold“ zurecht den Horror vermisste, findet ihn im Solo-Auftritt der hässlichen Riesenpuppe, die sich niemand freiwillig in sein Zimmer stellen würde. Bevor 2015 der Nachfolger des sensationellen Vintage-Horrorhits „The Conjuring“ erscheint, schenkt dessen Team der Schwester von Chucky („Child’s Play“) ein Spin-Off. James Wan rochiert zum Produzenten, sein Kameramann John R. Leonetti zum Spielleiter.

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WolfCop

WolfCop Cover

Lowell Dean, CDN 2014
DVD/BD-Start: 03.11.2014

„Teen Wolf“ für arbeitsscheue Säufer – Loser-Komödie und Monster Movie vereint der Kanadier Lowell Dean gewitzt und weit smarter als andere Vertreter der B- respektive C-Liga. Ein beachtlicher Qualitätssprung nach dem Slasher „13 Eerie“, wieder voller Kenntnis des Genres, nur diesmal passt die rotzrockige Attitüde, das Gespür für Komik und die Hingabe zum Detail, die sich in handgemachten Schleim- und Splatter-Effekten niederschlägt. Charme pur!

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Katakomben

Katakomben Cover

As Above, So Below, John Erick Dowdle, USA 2014
Kinostart: 11.09.2014, DVD/BD-Start: 15.01.2015

Heute schon gelacht? Die beste unfreiwillige Komödie des Jahres, der herrlich lächerliche „Katakomben“, läd dazu ein. Erreichte John Erick Dowdle mit dem Fahrstuhl-Psychohorror „Devil“ noch diabolisches Vergnügen, fielen seine Found-Footage-Filme „The Poughkeepsie Tapes“ und das „[Rec]“-Remake „Quarantäne“ qualitativ weit zurück. Ausgerechnet dieses Konzept wendet er erneut an und verfasst, wieder mit seinem Bruder, einen formelhaften Abstieg zum Tor zur Hölle, wo eine Spiegelwelt wartet, die in „Upside Down“ so viel grandioser ausgearbeitet war.

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Leprechaun: Origins

Leprechaun: Origins Cover

Zach Lipovsky, USA 2014
ohne deutschen Start

Wenn das Reboot eher fantasielosem Recycling gleicht, wird es schwer mit einer angemessenen Würdigung einer langlebigen Low-Budget-Horror-Reihe (einer mit dem vermutlich schlechtesten imdb-Ranking) auf ihrem Weg vom B-Movie zum Direct-to-Video-Abstellregal bräsiger Schuppen. Warwick Davis, bislang unerschütterliche sechs Mal als übellauniger Naturgeist der irischen Mythologie selbst beim Wechsel in den Orbit und die Homeboy-Hood dabei, entsagte einer Teilnahme im nach zehn Jahren Pause siebten Teil der losen Serie um den „Killerkobold“ (deutscher Beititel des Erstlings von 1993 – mit Jennifer Aniston in ihrer ersten Kinohauptrolle!).

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The Rover

The Rover Cover

David Michôd, AUS/USA 2014
DVD/BD-Start: 15.10.2014

Der Mann, der nur seinen Hund beerdigen wollte: Nach dem Thrillerdrama „Königreich des Verbrechens“ castet der Australier David Michôd wieder seinen Landsmann Guy Pearce („Memento“). Nunmehr für einen kaltblütig-nihilistischen Endzeit-Roadmovie-Noir, der einem kontemporären, tristen Indie-Drama mit minimalistischer Narration näher steht als „Mad Max“-Action-Trash. Es mutet an wie eine Fusion der John-Hillcoat-Werke „The Propostion“ und „The Road“ – ein postapokalyptischer Staubwestern in einem Outback der Hoffnungslosigkeit.

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Metalhead

Wiederholt nahegehendes Coming-of-Age um eine traurige Teenie-Braut, die ihren Schmerz in einem isländischen Kuhdorf hinausschreit.

Metalhead Cover

Málmhaus, Ragnar Bragason, IS 2013
DVD/BD-Start: 28.11.2014
Story: Als Hera 12 ist, wird ihr angebeteter Bruder durch einen Mähdrescherunfall aus dem Leben gerissen. Hera übernimmt seine Persona – Lederjacke und E-Gitarre -, um Trauer und Wut mit Heavy-Metal-Riffs auszudrücken. Nach Ende ihrer Schulzeit nimmt ihre Rebellion destruktive Ausmaße an.
Von Gnaghi

Erbaulich-Rührseliges für die Wacken-Fraktion sendet einer der profiliertesten Regisseure Islands, Ragnar Bragason („Fiasko“, „Kinder“), in den Äther: Die traurige Rebellion eines missverstandenen Teenagers (zum Niederknien: Thora Bjorg Helga aus Baltasar Kormákurs „The Deep“), ein in wenigen Strichen genau getroffenes Coming of Age eines Schwarzen Schafs im ländlichen Spießer-Milieu mitten in den 80er Jahren.

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Hercules

Muskelmassiv Dwayne Johnson im antiken Actionabenteuer, das Humor, Familienwerte und Traumata patent-kompakt verpackt.

Hercules Cover

Brett Ratner, USA 2014
Kinostart: 04.09.2014, DVD/BD-Start: 02.01.2015
Story: Mit seiner eingespielten Söldnertruppe nährt Herkules seinen Ruf als Halbgott, der Sagenungeheuer tötet. Als ihn König Cotys gegen bare Goldmünze engagiert, Thrakien vom brandschatzenden Warlord Rhesus zu befreien, bildet Herkules eine unerfahrene Bauernarmee aus – und erlebt eine böse Überraschung.
Von Gnaghi

Als vor wenigen Monaten Renny Harlins unironisch-unterirdischer „The Legend of Hercules“ erschien, was das Gejammer groß (wir stimmten mit ein). Die deutlich mehr Hoffnungen weckende Version von Brett Ratner, der mit seiner „Rush Hour“-Reihe und „X-Men – Der letzte Widerstand“ belanglos blieb, ist zwar keine Erleuchtung, aber immerhin mehr als ein anständiges, klassisch aufgezogenes Abenteuer für die ganze Familie.

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Cold in July

Ansehnlicher Southern Noir, der nicht immer fugenlos auf die Spur der Dixie-Mafia und einem Snuff-Pornoring führt.

Cold in July Cover

Jim Mickle, USA/FR 2014
DVD/BD-Start: 05.03.2015
Story: Der sanftmütige Richard erschießt hypernervös und im Affekt einen nächtlichen Einbrecher. Daraufhin bedroht dessen Verbrechervater Russel seine Familie. Als Richard entdeckt, dass der Tote gar nicht Russels Sohn war und die Polizei einiges vertuscht, forscht er mit ihm und Privatdetektiv Jim nach.
Von Gnaghi

Auch nach dem Hinterland-Kannibalendrama „We Are What We Are“ setzt Jim Mickle seinen Kurs der Unberechenbarkeit fort und dient den in Osttexas 1989 spielenden Roman von Joe R. Lansdale an, der auch die Vorlage für „Bubba Ho-tep“ schrieb. Das Verbrechensdrama hat ein namhaftes Darsteller-Trio, einigen Suspense sowie einen hörenswerten 80er-Synthie-Mystery-Score, der zu feiner Film-Noir-Atmosphäre verhilft.

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5 Zimmer Küche Sarg

Milde amüsante WG-Buddykomödie im Doku-Stil um vier liebenswert-lächerliche Blutsauger und ihre Alltagssorgen.

5 Zimmer Küche Sarg Cover

What We Do in the Shadows, Jemaine Clement, Taika Waititi, NZ 2014
Kinostart: 30.10.2014, DVD/BD-Start: 03.06.2015
Story: Nachdem man für ihre Sicherheit bürgt, berichtet im neuseeländischen Wellington ein Fernsehteam für einige Wochen aus der Wohngemeinschaft vierer Vampire. Der fast 380-jährige Viago führt bereitwillig durch ihre Routinen, der unbedachte Frischling Nick bringt seinen sterblichen Kumpel Stu mit.
Von Gnaghi

Die neuseeländischen Multitalente Jemaine Clement und Taika Waititi, bekannt für ihre musikalische TV-Comedy-Serie „Flight of the Conchords“, wenden das Prinzip der Mockumentary ihres Landsmanns Peter Jackson aus „Forgotten Silver“ an – statt Filmemacher mit Vampir-WG. Mehr oder minder komisch und melancholisch geht es zu im ohne nennenswerten Spannungsbogen auskommenden Treiben eines Familien-Coming-of-Age.

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Der Tod weint rote Tränen

Berauschend-exquisiter Kunst-Giallo der „Amer“-Schöpfer, die ein experimentierfreudiges, labyrinthisches Mysterium auffahren.

The Strange Colour of Your Body's Tears Cover

L’étrange couleur des larmes de ton corps, aka The Strange Colour of Your Body’s Tears, Hélène Cattet, Bruno Forzani, B/F/L 2013
DVD/BD-Start: 29.01.2015
Story: Der von einer Geschäftsreise aus Frankfurt heimkehrende Dan findet sein Brüsseler Apartment von Innen verriegelt vor. Von seiner Frau fehlt jede Spur. Hinter den Mauern des Hauses geht Merkwürdiges vor, glaubt Nachbarin Dora aus der siebten Etage, derweil Kommissar Vincentelli an Dans Tür pocht.
Von Gnaghi

So barock, wie ein formvollendetes Jugendstil-Gebäude nur sein kann, taucht das belgische Kreativteam Hélène Cattet und Bruno Forzani mehr denn je in einen reinen Rausch der Formen und Farben ein, um mit den Fetischen und Motiven des italienischen Giallo-Genres Kunst herzustellen. Ihr edel-psychedelischer, so flamboyanter wie desorientierender Stil gerät furios und längst nicht mehr so chloroformiert wie noch bei „Amer“.

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Another Me

Effekthascherische Girlie-Mysteryversion von „Black Swan“ mit einer Prise (Asia-)Geistergrusel.

Another Me Cover

aka Another Me – Mein zweites Ich, Isabel Coixet, GB/SP 2013
Kinostart: 04.09.2014, DVD/BD-Start: 22.01.2015
Story: Seit Fays Vater an MS erkrankt im Rollstuhl sitzt, droht die Ehe an einer Affäre ihrer Mutter zu zerbrechen. Als Fay die Rolle der Lady Macbeth am Schultheater erhält, stellt ihr die neidische Monica nach. Gefährlicher noch ist Fays auch anderen erscheinende Doppelgängerin, die sich in ihr Leben drängt.
Von Gnaghi

„Wir sind hier nicht bei Hitchcock!“, empört sich die alte Kassandra Mrs. Brennan (Geraldine Chaplin). In der Tat nicht: Mit Overacting im „Psycho“-Modus geht der Versuch eines Teeniethrillers zwischen Zielgruppen-Hochglanz und rau-dunklem Teint auch als Telenovela-Psychodrama und Tussi-verliert-den-Verstand-Mystery durch. Eine reine stilistische Spielerei, die ernste Dramatik bemüht, aber kaum Substanz bietet.

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Enchanted Doll

Psychologische Gruselmystery, die überinszeniert, aber schräg und schick Schizophrenie, Verlust und Verdrängung vermengt.

Enchanted Doll Cover

Gui Xian Sheng, Wang Song, C 2014
ohne deutschen Start
Story: Nach der Scheidung versucht der mit gespaltener Persönlichkeit lebende Schriftsteller Brando sich mit seiner 13-jährigen Tochter Zippo zu versöhnen, indem er mit ihr einige Tage in einer Bergvilla verbringt. Ein stummer Gärtner und die sexy Schwester des Besitzers lösen seltsame Geschehnisse aus.
Von Gnaghi

Diktaturen mögen keine Horrorfilme, vermutlich, da sie ihr subversiven Potenzial fürchten, die unkontrollierbare Beschwörung des Unterbewusstseins. Mir ist keiner aus Nazideutschland bekannt, dieweil die Weimarer Republik für ihre kunstvolle „dämonische Leinwand“ weltberühmt war. Gleiches gilt für Festlandchina, aus dem mir bislang nur „Suffocation“ begegnete, der selbsternannte „first chinese psycho movie“.

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Tim’s Vermeer

Tim's Vermeer Cover

Teller (Raymond Joseph Teller), USA 2013
DVD/BD-Start: 03.07.2014

„My friend Tim painted a Vermeer. In a warehouse in San Antonio.“ Wie der mit einer Firma für visuelle Hollywood-Effekte reich gewordene Unternehmer Tim Jenison, der noch nie einen Pinsel in der Hand hielt, ein Meisterwerk des holländischen Barockmalers Jan Vermeer bis ins kleinste Detail gleichwertig reproduziert, fasst das amerikanische Doku-Duo Penn & Teller (alias Penn Jillette und Raymond Joseph Teller) auf faszinierende, hintergründig humorvolle und fein ironische Art rundum herrlich zusammen.

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Zoran – Mein Neffe der Idiot

Weinselige Charakterschweinkomödie, die arthausig-skurril einen temperamentvollen Troll aus dem Depressionssaufen holt.

Zoran - Mein Neffe der Idiot Cover

Zoran il mio nipote scemo, Matteo Oleotto, I 2013
Kinostart: 19.06.2014, DVD/BD-Start: 05.12.2014
Story: Der versoffene Misanthrop Paolo verbringt die Tage in der Stammtaverne seines nordostitalienischen Dorfes, als er von einer vergessenen slowenischen Tante den 15-jährigen Zoran erbt. Den hält er für einen Idioten, bis er sein Darts-Talent entdeckt, mit dem er reich werden und seine Ex zurückgewinnen will.
Von Gnaghi

Nach dem Natur- und Geisterhorror „Across the River“ kommt binnen kurzem ein zweiter Film aus der nordostitalienischen Region um Friaul in unsere Kinos. Matteo Oleottos Spielfilmerstling bedingt freilich nicht Furcht, sondern Vergnügen und funktioniert als erdfarbene Charakterstudie, in dem die Leistung von Giuseppe Battiston („Brot & Tulpen“, zuletzt in „Venezianische Freundschaft“) ein beachtlich boshaftes Vergnügen bereitet.

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Mr. Jones

Mr. Jones Cover

Karl Mueller, USA 2013
DVD/BD-Start: 13.08.2014

Schon wieder ein kleiner Indie-Chiller, der das Zeug zum großem unheimlichen Wurf hätte, aber statt dessen spüren lässt, wie sehr sich Found Footage inzwischen totgelaufen hat. Der Selfie-Horror beginnt mit Scott (Jon Foster) und Penny (Sarah Jones), die sich für ein Jahr in eine Berghütte zurückgezogen haben, um ihre Beziehung zu kitten. Derweil will der überehrgeizige Bursche mit gutem Equipment – dessen wackelfreie Bildqualität verwöhnt – die ultimative Naturdoku drehen, was sich wie eine Parodie auf oder Hommage an Terence Malicks „The Tree of Life“ ausnimmt.

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Oculus

Klassisches Gänsehautgarn: Solide Horrormystery, die geschickt einen Traumathriller um einen verfluchten Spiegel webt.

Oculus Cover

Mike Flanagan, USA 2013
DVD/BD-Start: 26.11.2014
Story: Vor elf Jahren ermordete Tims Vater seine Frau, wofür der Junge ihn erschoss. Nun wird der 21-jährige aus der Psychiatrie entlassen, wo ihn seine Schwester Kaylie erwartet. Sie hält einen alten Spiegel für die Ursache der Verbrechen und will Tim im leerstehenden Elternhaus ihre Theorie beweisen.
Von Gnaghi

Mika Flanagan ließ vor drei Jahren mit der No-Budget-Mystery „Absentia“ aufhorchen, dessen rohen Look er nun gegen ein geschliffenes Design eintauscht. Er baut seinen eigenen Kurzfilm auf Spielfilmlänge aus und verlegt sich dabei von mehreren geplanten Episoden auf nur eine. Diese nimmt Anleihen bei „Into the Mirror“ und dessen Remake „Mirrors“ in einem psychologischen Kammerspiel mit unheimlicher Atmosphäre.

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The Sacrament

Im Found-Footage-Stil verlegt Ti West den Massensuizid von Jonestown in die Gegenwart. Anständig, aber nicht mehr.

The Sacrament Cover

Ti West, USA 2013
DVD/BD-Start: 06.11.2014
Story: Sam und Jake sind Reporter für VICE und ihr Fotograf Patrick hat eine Schwester, die sich in die Parish-Sekte nach Südamerika verabschiedet hat. Grund genug für eine Story. Das Journalisten-Trio findet das versteckte Paradies des manipulativen Father und löst mit seiner Anwesenheit eine Katastrophe aus.
Von Gnaghi

Umberot Lenzis „Eaten Alive“ stand zuletzt doppelt Pate – einmal für Eli Roth, Gefährte und Förderer (und in diesem Fall Produzent) der Horror-Hoffnung Ti West. Wo Roth mit „The Green Inferno“ den Kannibalenaspekt des berüchtigten Billig-Exploiters betont, orientiert sich sein Protégé an dem Horror der Selbstmord-Sekte, was schon seinerzeit auf dem Massenmord des Sektengurus Jim Jones 1978 in Guyana basierte.

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