Alle Beiträge von Jochen Plinganz

Table 19

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aka Table 19 – Liebe ist fehl am Platz, Jeffrey Blitz, FIN/USA 2017
Kinostart: 17.08.2017

„Table 19“, das ist der Tisch der Schande. Dort sitzen die ungebetenen, ins Abseits abgeschobenen Idioten, die sich auf einer Hochzeit nur lächerlich machen. Für die nicht gesellschaftsfähigen Misfits entwickelt der auf Comedy(-Serien) abonnierte Jeffrey Bitz („Rocket Science“) nach einem Script der Brüder Jay und Mark Duplass („Jeff, der noch zu Hause lebt“) viel Mitgefühl: Ein Herz für Loser. Nachdem dieser sympathische Outsider-Club (u.a. Lisa Kudrow aus „Reine Nervensache“) seine Fehler und Wunden offenbart hat, brechen sie aus, rauchen Gras und erobern sich selbst und die Liebe wieder.

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Life

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Daniel Espinosa, USA 2017
Kinostart: 23.03.2017

Als simples B-Movie hätte man „Life“ wohl geschluckt, mit dem der aus Schweden stammende Thriller-Regisseur Daniel Espinosa seine bisherige Dutzendware „Safe House“ und „Kind 44“ um einen weiteren belanglosen, streckenweise spannenden Eintrag ergänzt. Wenn nur die hochtrabenden philosophischen Anwandlungen über die Genese von Leben und Evolution nicht wären, schlecht abgeschaut bei Terrence Malicks „The Tree of Life“. Sie bleiben ein Fremdkörper – diese „nachdenklichen“ Abschnitte wirken so unbeholfen, dass es einen graust. Zumal einem die Charaktere egal sind.

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Jackie

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aka Jackie: Die First Lady, Pablo Larraín, RCH/F/USA 2016
Kinostart: 26.01.2017

Für sein englischsprachiges Debüt hat sich der Chilene Pablo Larraín (oscarnominiert für „No“) nach „Neruda“ wieder ein Biopic herausgesucht; an einem umfangreichen Porträt der ehemaligen First Lady und früheren Journalistin Jacqueline Kennedy zeigt er sich gleichwohl weniger interessiert als an einer Nahaufnahme, einem vielschichtigen Psychogramm, das auf eine Verklärung verzichtet. Vielmehr entwirft Noah Oppenheims in Venedig prämiertes Drehbuch einen zwiespältigen Charakter, den „Königin Amidala“ Natalie Portman mit oscarwürdiger Brillanz spielt.

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Allied

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Allied – Vertraute Fremde, Robert Zemeckis, GB/USA 2016
Kinostart: 22.12.2016

Robert Zemeckis hat einige Klassiker erschaffen, darunter „Forrest Gump“ und „Cast Away“ – mitunter aber auch Verzichtbares wie „Beowulf“ und „Polarexpress“. Irgendwo dazwischen liegt „Allied“, das die Spionagefront des Zweiten Weltkriegs in eine Liebesbeziehung verlegt. Es hilft dem romantischen Thriller allerdings wenig, im ersten Drittel als „Casablanca“ reloaded aufzutreten, eine Hommage mit Brad Pitt (wieder im Krieg nach „Inglorious Basterds“ und „Herz aus Stahl“) als Bogart und Marion Cotillard („Inception“) als Bergman.

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Die Insel der besonderen Kinder

Ransom Riggs Jugendfantasyvorlage passt ideal in Tim Burtons Gothic-Universum: bekannt, behäbig, (moderat) berührend

Die Insel der besonderen Kinder Cover

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, Tim Burton, USA 2016
Kinostart: 06.10.2016
Story: Als Großvater Abe gewaltsam stirbt, findet sein heranwachsender Enkel Jake heraus, dass seine Geschichte über ein Heim für übernatürlich begabte Kinder wahr ist. Auf einer walisischen Insel stecken sie unter der Obhut von Miss Peregrine in einer Zeitschleife anno 1943. Und werden von Monstern bedroht.
Von Jochen Plinganz

Wann ist Tim Burton eigentlich so langweilig und bieder geworden? Und trotzdem: Seine Verfilmung von Ransom Riggs Jugendfantasyabenteuer „Die Insel der besonderen Kinder“ ist besser als das Buch und die eigenen letzten Werke wie „Alice im Wunderland“. Wie eine Geschichte von Roald Dahl passt diese betuliche Wunderwelt in Burtons Repertoire, hat das Flair von Harry Potters Hogwarts und „X-Men“-ABC-Schützen.

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Verräter wie wir

Stellan Skarsgård und Ewan McGregor überzeugen menschlich in einer John-le-Carré-Adaption mit starker emotionaler Suspense

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Our Kind of Traitor, Susanna White, GB/F 2016
Kinostart: 07.07.2016
Story: Dima, Geldwäscher Nr. 1 für die Russenmafia, muss aus gutem Grund um das Leben seiner Familie fürchten und nutzt in Marrakesch die Zufallsbekanntschaft mit Lyrik-Dozent Perry, um mit dem britischen Geheimdienst MI5 einen Asyl-Deal einzufädeln. Als der scheitert, entschließt sich Perry zu helfen.
Von Jochen Plinganz

Die seit der Jahrtausendwende bereits fünfte Adaption eines Spionageromans von Altmeister John le Carré sitzt nicht mehr so unentschlossen zwischen den Stühlen wie zuletzt „A Most Wanted Man“, sondern findet unter Verzicht auf Action-Standards zu einem Thriller, der personell und emotional so gut funktioniert, dass es sich bei „Verräter wie wir“ um die wohl beste Verfilmung von le Carrés Post-Kalten-Kriegs-Werk handelt.

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Money Monster

George Clooney und Julia Roberts als Geiseln in einem Thriller, der satirisch Zeitkritik übt und der Gier-Gesellschaft den Spiegel vorhält

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Jodie Foster, USA 2016
Kinostart: 26.05.2016
Story: Der windige Showmaster Lee erteilt in seiner Börsensendung Aktientipps, durch die Kleinanleger Kyle sein Vermögen verloren hat. Deshalb stürmt er das Studio, legt Lee einen Sprengstoffgürtel an und verlangt Antworten. Produzentin Nancy lässt die Kameras laufen, die Polizei rückt mit Scharfschützen an.
Von Jochen Plinganz

Ein Wutbürger nimmt Geiseln und ist in Echtzeit live auf Sendung – ein lupenreines Thriller-Konzept, dessen psychologische Extremsituation viel mit dem koreanischen „The Terror Live“ gemein hat. Nur liefert „Money Monster“ trotz zunächst plakativer Gangart kein Börsen-Bashing. Statt simpler Antworten hält uns die spannende wie unterhaltsame Tour de Force den Spiegel vor und liefert ein Stück Zeit- und Gesellschaftkritik ab.

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Triple 9

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John Hillcoat, USA 2016
Kinostart: 05.05.2016, DVD/BD-Start: 14.09.2016

Der Polizeicode 999, kurz „Triple 9“, bedeutet die Ermordung eines Kollegen. Die Copkiller sind aber nicht nur verkommene Verbrecher – sie sind selbst Polizisten in Atlanta und unterscheiden sich kaum von den Gangs und der Russenmafia, die sie in Gestalt einer Matriarchin (Kate Winselt als Ice Queen) zu Raubüberfällen zwingt. Ein idealistischer Neuzugang (Bens Bruder Casey Affleck, „Saints“) und sein Onkel, der drogensüchtige Ermittler Allen (Woody Harrelson überzieht als sleaziger „True Detective“), kommen ihnen auf die Schliche.

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The Hateful 8

QTs Winterwestern bietet Suspense und Spielfreude auf engstem Raum, schädigt sich aber mit Selbstgefälligkeit und Splatter-Unfug

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The Hateful Eight, Quentin Tarantino, USA 2015
Kinostart: 28.01.2016, DVD/BD-Start: 30.05.2016
Story: Kopfgeldjäger Warren will im winterlichen Wyoming Verbrecherin Daisy schnappen, die sich in der Obhut eines beinharten Konkurrenten befindet. Sie alle müssen vor einem herannahenden Blizzard Zuflucht in einer einsamen Blockhütte suchen. Dort warten bereits fünf weitere Gestalten. Keiner traut dem anderen – zu Recht.
Von Jochen Plinganz

Passend zur achten Regiearbeit betitelt, verbindet „The Hateful 8“ Tarantinos ersten Western „Django Unchained“ (plus Samuel L. Jackson) mit seinem Regie-Erstling „Reservoir Dogs“ (für manche immer noch sein bester Film): Er sperrt Bluthunde in eine Hütte und sieht zu, wie sie sich gegenseitig zerfleischen. Aus dem Debüt sind auch Tim Roth (in der Christoph-Waltz-Rolle) und ein herrlich verschlagener Michael Madsen dabei.

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Unter dem Sand

Verschleppte Kindersoldaten graben im Akkord nach Sprengfallen: packende dänische Lektion in Deutschenhass und (In)Humanität

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Under sandet, aka Land of Mine, Martin Zandvliet, DK/D 2015
Kinostart: 07.04.2016, DVD/BD-Start: 22.09.2016
Story: Mai 1945. Vierzehn zum Volkssturm eingezogenen Hitlerjungen müssen als Kriegsgefangene wie viele andere Deutsche die Strände Dänemarks von im Sand vergrabenen Landminen befreien – mit bloßer Hand, ohne Schutz und Verpflegung. Fast alle sterben unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Von Jochen Plinganz

Deutsche Opfer im Zweiten Weltkrieg? Eine Randnotiz, die in der hiesigen (cineastischen) Geschichtsschreibung kaum Platz hat, wo man sich darin überbietet, die eigene Schuld auszuwalzen. Dass die Rache der Sieger keineswegs ohne ausgiebige Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieb, macht dieses suspensegeladene Drama, das den Horror unter freiem Idyll-Himmel kurz nach der bedingungslosen Kapitulation schildert, eindringlich klar.

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Er ist wieder da

Die (Medien)Satire über die Auferstehung von Deutschlands populärster wie berüchtigster Geschichtsperson verflacht zu oft zur Klamotte

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aka Look Who’s Back, David Wnendt, D 2015
Kinostart: 08.10.2015, DVD/BD-Start: 07.04.2016
Story: Mitten in Berlin erwacht Adolf Hitler 70 Jahre nach seinem Selbstmord und stapft verwirrt durch die Straßen. Ein arbeitsloser TV-Reporter bringt ihn als Stand-Up-Comedian groß heraus. Hitler startet eine Karriere bei einem Privatsender und tourt durch das Land. Keiner ahnt, dass der Führer Großes vorhat.
Von Jochen Plinganz

Die groß angekündigte Kinoadaption des gleichnamigen Megasellers von Timur Vermes ist ein politisch korrekter Film, der sich fälschlicherweise für politisch unkorrekt hält. So ernsthaft der hühnenhafte Burgtheater-Schauspieler Oliver Masucci auch den Adolf Hitler mimt, mit seinem dünnen Bärtchen und den kantigen Gesichtszügen sieht er wie ein SS-Mann aus – er ist kein Vergleich zu Bruno Ganz‘ Glanzparade in „Der Untergang“.

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A Royal Night

What a Night: Coming-of-Age-Komödie, die märchenhaft in beschwingter Champagnerlaune Mythenbildung für Royalisten betreibt

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A Royal Night Out, Julian Jarrold, GB 2015
Kinostart: 01.10.2015
Story: London, 8. Mai 1945. Nach sechs Jahren im goldenen Käfig des Buckingham Palace büchsen die Prinzessinnen Elizabeth und Margaret aus, um sich unerkannt unter die ausgelassen Menschen zu mischen. Als die beschwipste Margaret verloren geht, sucht Elizabeth sie mit Bomberpilot Jack im Trubel der Siegesnacht.
Von Jochen Plinganz

Julian Jarrold zieht es nach „Wiedersehen mit Brideshead“ zurück zum stilvollen Period Piece, das am VE-Day, dem Victory in Europe Day, eine Episode aus dem Leben der späteren Queen Elizabeth als romantischen Schwank mit ernsten Untertönen weiterspinnt. Mit der Leichtfüßigkeit einer Verwechslungskomödie folgt er zwei Prinzessinnen auf Freiersfüßen und ihrer beschwingten Odyssee durch eine unvergessliche Nacht.

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Minions

Go Banana: Die gelben Chaoten wuseln durch ihre eigene Slapstickparade mit befürchtet schmächtiger Geschichte

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Kyle Balda, Pierre Coffin, USA 2015
Kinostart: 02.07.2015, DVD/BD-Start: 12.11.2015
Story: Seit Anbeginn der Zeiten dienen die Einzeller Minions den schrecklichsten Unholden, die durch ihr Ungeschick meist vorzeitig ableben. Napoleons Armee hat das Völkchen in eine Eishöhle vertrieben, von wo aus Kevin, Stuart und Bob 1968 nach New York aufbrechen, um die Superschurkin zu suchen.
Von Jochen Plinganz

Wenn Sidekicks einen eigenen Kinoauftritt erhalten, fehlt mitunter Charme („Die Pinguine aus Madagascar“) und viel Story bleibt an ihrem Treiben oft auch nicht haften. Bei den Minions, den wuseligen Wichten aus den beiden „Ich – Einfach unverbesserlich“-Teilen, mangelt es nicht an Ersterem, aber Humor und Figuren übertünchen die dünn-durchwachsene Handlung nur bedingt, eine Lässlichkeit um eine arglistige Superschurkin.

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Heil

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Dietrich Brüggemann, D 2015
Kinostart: 16.07.2015, DVD/BD-Start: 17.12.2015

Wahnsinn Deutschland: Dietrich Brüggemann („3 Zimmer/Küche/Bad“) wechselt nach seiner strengen wie anstrengenden Autorenfilm-Passion „Kreuzweg“ radikal die Richtung und teilt in einer Satire-Komödie deftig aus gegen Rechte und Linke, gegen Medien, Intellektuelle, TV-Talks und Kulturbetrieb (einschließlich Christoph Schlingensief), Politiker und den Verfassungsschutz. „Heil“ gleicht einer Ausgabe der Satirepostille Titanic („Wer kennt diesen Mann?“) mit dem Humor des MAD-Magazins.

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The Asylum

Gleichermaßen deftig komische wie blutige B-Horrorthrillerfarce, in der Marcus Nispel den Teufel Pogo tanzen lässt

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aka ExitUs – Play It Backwards, aka Exeter, aka Backmask, Marcus Nispel, USA 2015
DVD/BD: noch kein Starttermin
Story: Eine Gruppe Teens soll für Pfarrer Conway das seit einem Feuer verlassene Exeter Asylum renovieren. In dem verwüsteten Trakt, der für Menschenexperimente berüchtigt war, feiern sie heftig Party und erwecken mit übernatürlichen Ritualen einen Dämon, der von Patricks Bruder Rory Besitz ergreift.
Von Jochen Plinganz

Nach seinem Misserfolg „Conan“ begnügt sich der deutschstämmige Remake-Maniac Marcus Nispel mit einem niedrig budgetierten B-Picture, finanziert von Genreproduzenten („Extraterrestrial“, „Insidious“). Dank „Texas Chainsaw Massacre“, „Pathfinder“ und „Freitag, der 13.“ sind die Erwartungen an ihn niedrig, womit seine unbekümmerte „Evil Dead“-Hommage in „Session 9“-Kulissen überraschend unterhaltsam ausfällt.

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Parallels

Exzellente, fantasieanregende Science-Fiction-Mystery um vier Twens, die durch die „Lost“-Dimensionen springen

Parallels Cover

Christopher Leone, USA 2015
ohne deutschen Start
Story: Boxer Ronan folgt der Mailboxnachricht seines Vaters, dem er vor Jahren den Rücken kehrte. Mit seiner Schwester Beatrix und Nachbar Harry betritt er ein leerstehendes Hochhaus in der City – und landet in einer Parallelwelt, wo er Polly trifft, die mit dem Gebäude alle 36 Stunden in eine andere Welt springt.
Von Jochen Plinganz

Ein mysteriöses Gebäude ist das Tor zu unendlich vielen Parallelwelten, ähnlichen und fremden, und vier Mittzwanziger die Passagiere eines Trips ohne (rasche) Wiederkehr. Ursprünglich sollte „Parallels“ die Pilotfolge einer Netflix-Serie von Fox Digital werden, die ihn aber zum eigenständigen 83-Minüter umtauften. Das Spielfilmdebüt von Christopher Leone ist damit eine der interessantesten SciFi-Serien, die es nie geben wird.

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The Reconstruction of William Zero

Indie-SciFi, die für wenig Geld ein Thrillerdrama um multiple geklonte Identitäten und existenzielle Schuldlast entwickelt

The Reconstruction of William Zero Cover

Dan Bush, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Nachdem er vor vier Jahren seinen eigenen kleinen Sohn auf dem Weg zur Arbeit totfuhr, klont sich William, Genetiker beim Forschungskonzern Next Corporation, in einem anonymen Vorstadthäuschen illegal selbst. Sein verstörtes Ebenbild bricht aus, um Williams Exfrau Jules aufzusuchen.
Von Jochen Plinganz

2007 war Dan Bush an dem originellen Triptychon „The Signal“ beteiligt, dann kam nichts Nennenswertes mehr von ihm. Das gilt auch für den unauffälligen „The Reconstruction of William Zero“, der unter der Haube allerdings eine ziemlich intelligente Story aufweist, die schizophren mit mehreren Klon-Persönlichkeiten spielt, aber zu Low Budget (und ohne jeden Effekt) ist, um die Replikanten-Mär wirklich packend zu gestalten.

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Alleluia – Ein mörderisches Paar

Amour transgressive: ein Mörderpärchen in einem fiebrigen Borderliner-Psychodrama mit True-Crime-Ambiente

 Alleluia Cover

Alléluia, Fabrice Du Welz, B/F 2014
DVD/BD-Start: 07.10.2015
Story: Als die von ihrem Mann verlassene Pathologin Gloria sich durch eine Partner-Annonce heillos in den Hochstapler Michel verliebt, lässt sie ihre Tochter bei einer Nachbarin und zieht mit dem manischen Verführer los, um dessen Heirats-Opfer, die er um ihr Vermögen erleichtern will, eifersüchtig zu zerstückeln.
Von Jochen Plinganz

„Alléluia“, der mit dem regengrauen Cop-Thriller „Colt 45“ zweite Output im Jahre 2014 des belgischen Extremfilmers Fabrice Du Welz („Vinyan“), ist eine krude Ode an zwei Sexualgewalttäter und verlagert die bereits mehrfach adaptierte Geschichte der Lonely Hearts Killers Martha Beck und Raymond Fernandez ins französischsprachige Europa – eine fanatische Psychopathen-Triebbeziehung in flirrend-grobkörniger 16mm-Rohheit.

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Ein Junge namens Titli

In dem nur phasenweise eindringlichen indischen Noir-Drama im Arthausmodus lassen die inneren Konflikte unbeteiligt

Ein Junge namens Titli Cover

Titli, Kanu Behl, IND 2014
Kinostart: 28.05.2015
Story: Titli ist der Jüngste einer Kriminellen-Sippe aus Delhis Slumbezirk. Seine beiden Brüder zwingen ihn bei brutalen Überfällen mitzuwirken. Als er fliehen will, zwangsverheiraten sie ihn mit Neelu. Mit der gleichermaßen unglücklichen Braut schließt er heimlich einen Pakt, der Verwandtschaft zu entkommen.
Von Jochen Plinganz

Obschon „Ein Junge namens Titli“ von Bollywood-Mogul Aditya Chopra koproduziert wurde, vertritt er eine Gegenästhetik zur Flamboyanz: Kanu Behl geht weiter seinem Doku-Realismus nach und bringt ein festivalkompatibles Arthaus-Sozialdrama mit Film-Noir-Handlung an. Eigentlich eine feine Kombination, wenn es nicht schlechtweg unmöglich wäre, für Menschen Mitleid zu empfinden, die selbst kein Mitleid kennen.

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The Gunman

Euro-Actionthriller, der sein Politthema nur als Exploitationsbasis für einen Army-(Nah)Kampf mit Sean Penn nutzt

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Pierre Morel, E/GB/F 2015
Kinostart: 30.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Vor acht Jahren assassinierte Söldner Jim in einer Black Op den Bergbauminister des Bürgerkriegslandes DR Kongo, weshalb er seine Geliebte Annie verlassen musste, die in Partner Felix‘ Armen landete. Nun eliminiert Jims Ex-Auftraggeber alle Mitwisser von einst: Killer jagen ihn und Annie durch Barcelona.
Von Jochen Plinganz

Pierre Morel, Vollstrecker der grimmig-hyperbrutalen „96 Hours/Taken“-Reihe, kann Action und sonst wenig. Da trifft es sich schlecht, dass die Noir-Vorlage des französischen Krimiautoren Jean-Patrick Manchette („Wespennest“) viel Wert auf komplexe Charaktere, Stimmungslagen und politischen Kontext legt. Die sind in „The Gunman“ ungelenkes Exploitationsmaterial zwischen Actionthriller-Anfällen mit wummernden Waffen.

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Afrika – Das magische Königreich

Afrika – Das magische Königreich Cover

Enchanted Kingdom, Patrick Morris, Neil Nightingale, GB 2014
Kinostart: 05.03.2015

Hochglanzdoku der BBC-Earth, mit der Patrick Morris („Galapagos“) und Neil Nightingale („Dinosaurier 3D“) die Premium-Natur Afrikas als familienfreundliche Hymne auf die Freude am Leben feiern. In „Afrika – Das magische Königreich“ ist von bedrohter Umwelt nichts zu finden, die Kommentare (Original: Idris Elba, deutsch: Christian Brückner) versorgen nur mit wenigen simplen Informationen, damit einer schwelgerisch-sinnlichen Erlebniswelt aus Attraktionen und Sehenswürdigkeiten nichts im Wege steht.

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Lucia de B.

Lucia de B. Cover

Paula van der Oest, NL/S 2014
ohne deutschen Start

Das niederländische Auslandsoscar-Shortlist-Drama „Lucia de B.“ von Paula van der Oest („Zus & zo“, „The Domino Effect“) handelt von dem bekanntesten Fehlurteil in der jüngeren Justizgeschichte des Landes. Oest fasst zusammen, wie die Kinderkrankenschwester Lucia de Berk 2003 durch ein unanfechtbares Lebenslänglich-Urteil für sieben angebliche Morde trotz wackliger Beweislage zum Opfer eines unfassbaren Justizirrtums wird, bis zu ihrer endgültigen Rehabilitation 2010. Womit sie über sechs Jahre unschuldig als „Kinderserienkillerin“ im Gefängnis einsaß und in dieser Zeit alle Hoffnung verlor, weil jede Berufung scheiterte.

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Die neue Wildnis

Die neue Wildnis Cover

De nieuwe wildernis, aka The New Wilderness, Ruben Smit, Mark Verkerk, NL 2013
Kinostart: 09.04.2015, DVD/BD-Start: 09.10.2015

Die Naturdoku von Ruben Smit und Mark Verkerk („Himalaya Alert“) findet „Die neue Wildnis“ im Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen, einem verlassenen Polder ganz in der Nähe von Amsterdam, wo sich binnen weniger Jahrzehnte eine Grasebene am Meer zum Paradies für heimische Arten entwickelte – und das in den Niederlanden, dem am dichtesten bevölkerten Land Europas, wo „Die neue Wildnis“ zum erfolgreichsten Kinohit des vergangenen Jahres wurde.

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Das ewige Leben

Der vierte Brenner-Krimi mit bewährtem Team macht Josef Hader schwarzhumorig vom Sozial- zum Mordfall, den er selbst aufklärt

Das ewige Leben Cover

Wolfgang Murnberger, A 2015
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 17.09.2015
Story: Verwahrlost und mittellos kehrt Simon Brenner ins leerstehende, abrissreife Elternhaus in Graz zurück, wo er vergrätzte Jugendfreunde wiedersieht: Trödelhändler Köck und Polizeichef Aschenbrenner. Was zu Brenners Selbstmord führt, auf die Intensivstation zu Dr. Irrsiegler und einer ganzen Mordreihe.
Von Jochen Plinganz

Seit Wolfgang Murnberger vor 15 Jahren erstmals Wolf Haas‘ legendären Schmäh-Detektiv mit „Komm, süßer Tod“ zum Alpen-Kinohit formte, hat er im Laufe der Lenze über „Silentium“ (2004) und „Der Knochenmann“ (2009) immer mehr das Tempo gedrosselt. „Das ewige Leben“ ist bei einer langsam laufenden, sarkastischen Sozialstudie angekommen, eine Clochard-Komödie, aus der sich allmählich ein Kriminalthriller herausschält.

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Blackhat

Michael Mann führt im Action-Autorenfilmstil einen globalen Anti-Cyberterror-Thriller mit Chris „Thor“ Hemsworth aus

Blackhat Cover

Michael Mann, USA 2015
Kinostart: 05.02.2015, DVD/BD-Start: 18.06.2015
Story: Das für 15 Jahre einsitzende Hackergenie Hathaway nutzt seine Chance auf Straferlass, als ihn sein chinesischer Ex-MIT-Gefährte Chen für die geheimdienstliche Jagd nach einem Hacker anwirbt, der ein asiatisches AKW und eine US-Börse demoliert hat. Chens Schwester verliebt sich dabei in Hathaway.
Von Jochen Plinganz

Hollywoods Männerthriller-Auteur Michael Mann nähert sich nach „Miami Vice“ und „Public Enemies“ per patentiertem Digitalkamera-Einsatz wieder der Essenz von „Collateral“ und „Heat“. Ohne Pulp, Pop und Pomp gelingt „Blackhat“ der Spagat zwischen Geheimdienst-Thriller und privatem Liebesmelodram, wobei Mann seine opake bis schwammige Story, die auch einige Längen ausweist, tief in kühle Emo-Atmo tunkt.

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