Alle Beiträge von Jochen Plinganz

Das ewige Leben

Der vierte Brenner-Krimi mit bewährtem Team macht Josef Hader schwarzhumorig vom Sozial- zum Mordfall, den er selbst aufklärt

Das ewige Leben Cover

Wolfgang Murnberger, A 2015
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 17.09.2015
Story: Verwahrlost und mittellos kehrt Simon Brenner ins leerstehende, abrissreife Elternhaus in Graz zurück, wo er vergrätzte Jugendfreunde wiedersieht: Trödelhändler Köck und Polizeichef Aschenbrenner. Was zu Brenners Selbstmord führt, auf die Intensivstation zu Dr. Irrsiegler und einer ganzen Mordreihe.
Von Jochen Plinganz

Seit Wolfgang Murnberger vor 15 Jahren erstmals Wolf Haas’ legendären Schmäh-Detektiv mit „Komm, süßer Tod“ zum Alpen-Kinohit formte, hat er im Laufe der Lenze über „Silentium“ (2004) und „Der Knochenmann“ (2009) immer mehr das Tempo gedrosselt. „Das ewige Leben“ ist bei einer langsam laufenden, sarkastischen Sozialstudie angekommen, eine Clochard-Komödie, aus der sich allmählich ein Kriminalthriller herausschält.

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Blackhat

Michael Mann führt im Action-Autorenfilmstil einen globalen Anti-Cyberterror-Thriller mit Chris „Thor“ Hemsworth aus

Blackhat Cover

Michael Mann, USA 2015
Kinostart: 05.02.2015, DVD/BD-Start: 18.06.2015
Story: Das für 15 Jahre einsitzende Hackergenie Hathaway nutzt seine Chance auf Straferlass, als ihn sein chinesischer Ex-MIT-Gefährte Chen für die geheimdienstliche Jagd nach einem Hacker anwirbt, der ein asiatisches AKW und eine US-Börse demoliert hat. Chens Schwester verliebt sich dabei in Hathaway.
Von Jochen Plinganz

Hollywoods Männerthriller-Auteur Michael Mann nähert sich nach „Miami Vice“ und „Public Enemies“ per patentiertem Digitalkamera-Einsatz wieder der Essenz von „Collateral“ und „Heat“. Ohne Pulp, Pop und Pomp gelingt „Blackhat“ der Spagat zwischen Geheimdienst-Thriller und privatem Liebesmelodram, wobei Mann seine opake bis schwammige Story, die auch einige Längen ausweist, tief in kühle Emo-Atmo tunkt.

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American Sniper

Bradley Cooper passt perfekt als Sniper-Legende Chris Kyle, dem Clint Eastwood eine souveräne, aber unkritische Biografie widmet

American Sniper Cover

Clint Eastwood, USA 2014
Kinostart: 26.02.2015, DVD/BD-Start: 25.06.2015
Story: Schon als Kind bewies Chris Kyle im Familienkreis sein großes Talent bei der Jagd. Später beginnt er in der US Army die gnadenlose Navy-SEAL-Ausbildung zum Scharfschützen, wonach der Patriot mehrfach in den Irak beordert und dort zur Legende wird. Von Familie und Heimat entfremdet er sich.
Von Jochen Plinganz

Nach seinem Weltkriegs-Double-Feature „Letters from Iwo Jima“ und „Flags of Our Fathers“ zieht der republikanische Regisseur Clint Eastwood wieder in den Krieg. Seines Rufs als Patriot zum Trotz versteigt er sich in keiner Pathos-Verklärung à la „Lone Survivor“. Die Kriegsaction-Bio eines US-Irakkriegshelden endet erst beim landesweiten Beerdigungs-Zug mit Strammstehen, konkrete Sinnfragen werden dennoch keine gestellt.

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Traitors

Rebellen in Marokko: Starkes Frauen- und Gesellschaftsporträt via eines realistischen Traffic-Thrillers mit berührender Punk-Power

Traitors 2013 Cover

Sean Gullette, MA/USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Die 25-jährige Malika führt die ausschließlich weibliche Punkband „Traitors“ an – kein leichtes Mandat im muslimisch-patriarchal geprägten Tanger. Um Geld für ihre von der Räumung bedrohte Familie und ein Demoalbum der Band aufzutreiben, nimmt sie einen riskanten Fahrer-Job als Drogenkurier an.
Von Jochen Plinganz

Der für seine Rolle in Darren Aronofskys „Pi“ bekannte Bostoner Sean Gullette weitet seinen Kurzfilm „Traitors“ – erneut mit der exzellenten Chaimae Ben Acha in der Nachwuchspreisverdächtigen Hauptrolle – zum gleichnamigen Genrespiel in der nordmarokkanischen Hafenstadt Tanger aus. Statt für einen Musikfilm steht die rebellische Mentalität des Punk Pate für ein Sozialporträt und den Ausbruch unterdrückter Frauen.

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Von glücklichen Schafen

Familiendrama um zwei durch chauvinistische Denkweise beschränkte Migranten, die eine emanzipierte Angehörige verachten

Von glücklichen Schafen Cover

Kadir Sözen, D 2014
Kinostart: 26.03.2015
Story: Die von ihrer türkischen Familie verstoßene Elmas hat für ihre junge Tochter Sevgi und den 16-jährigen Can ein liebevolles Heim geschaffen. Als Can entdeckt, dass sie dies heimlich als Prostituierte finanziert, dreht er durch, reißt mit der ahnungslosen Sevgi zum mürrischen Opa aus, der Elmas ebenso verachtet.
Von Jochen Plinganz

Handwerklich braucht sich der Deutschtürke Kadir Sözen („Winterblume“) nicht verstecken, aber bei seinem Drehbuch sind Hopfen und Malz verloren. Schematische Abzweigungen, dürftige Dialoge, Emotionen und Szenen stehen hervorragenden Darstellern gegenüber, die in einem mal wieder sehr deutschen Problemfilm feststecken, obwohl es darin um die importierte Frauenfeindlichkeit muslimischer Migranten geht.

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The Gambler

Mark Wahlberg als ultimative Geldvernichtungsmaschine: elegant-amüsante Show und Selbstzerstörungs-Märchen der Sorte surreal-sophisticated

The Gambler Cover

Rupert Wyatt, USA 2014
Kinostart: 15.01.2015, DVD/BD-Start: 28.05.2015
Story: Der mit seiner Studentin Amy anbandelne, zynische Literaturprofessor Jim führt nachts ein Doppelleben am Black-Jack-Tisch, wo er bereits 240.000 Dollar verzockt hat. Er steht bei drei Kredithaien in der Kreide, will nun Afros und Koreaner gegen Mafiosi Frank ausspielen. Ihm bleibt eine Woche.
Von Jochen Plinganz

„Planet der Affen: PRevolution“-Regisseur Rupert Wyatt setzt bei seinem Remake von „Spieler ohne Skrupel“ weniger auf den von New Hollywood beeinflussten Halbwelt-Realismus, sondern auf die Showaspekte und entspannte Eleganz, die gechillt, cool und viril einen Teppich für Mark Wahlberg („Ted“, „Transformers 4: Ära des Untergangs“) ausrollt, der in James Caans Fußstapfen die Sucht nach Unglück personifiziert.

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Herz aus Stahl

Kompromissloses Zweiter-Weltkriegs-Actiondrama um die Verrohung von Brad Pitts Panzerbesatzung im brutalen Endkampf um das Dritte Reich

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Fury, David Ayer, GB/CHN/USA 2014
Kinostart: 01.01.2015, DVD/BD-Start: 07.05.2015
Story: Nach dem Verlust eines Mitglieds komplettiert der ahnungslose Sachbearbeiter Ellison die fünfköpfige Besatzung von Don „Wardaddy“ Colliers Sherman-M4-Panzer. Sie kämpfen im April 1945 gegen Hitlers letztes Aufgebot auf deutschem Boden, rücken von Dorf zu Dorf vor, bis sie einer Übermacht begegnen.
Von Jochen Plinganz

David Ayer, als Autor für „Training Day“ und Regisseur für „End of Watch“ gefeiert, für den idiotischen „Sabotage“ indes gescholten, wechselt von Straßenbanden zum Schlachtfeld Deutschland kurz vor der Kapitulation der Wehrmacht. Der Hardboiled-Kriegsfilm über die Entmenschlichung der Frontschweine zeigt erstmals realistisch, dass auch GIs keine verklärten Befreier waren, sondern Kriegsverbrecher wie alle anderen auch.

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Die Pinguine aus Madagascar

Die Pinguine aus Madagascar Cover

Penguins of Madagascar, Eric Darnell, Simon J. Smith, USA 2014
Kinostart: 27.11.2014, DVD/BD-Start: 02.04.2015

Wer sich als Sidekick und Szenendieb in einer Animationsreihe bewährt, muss sich noch lange nicht als tragfähiges Konzept eines eigenen Abenteuers erweisen. Nach drei tierischen „Madagascar“-Abenteuern – der vierte Teil lässt noch bis 2018 auf sich warten – folgt das Solo des coolen Pinguin-Quartetts. Ihr Spin-Off darf in Form einer sich durch erfindungsreich die Popkultur zitierenden Agentenactionparodie („nicolas-cage them!“) das Dreamworks-Franchise weiter melken, neben TV-Serien, Kurzfilmen und Computerspielen.

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Life Itself

Life Itself Cover

Steve James, USA 2014
ohne deutschen Start

Beim Bestreben, die Biografie von Amerikas populärsten Filmkritiker Roger Ebert in eine Doku zu fassen, begleitete Steve James unbeabsichtigt die letzten Monate des 2013 im Alter von 70 Jahren an Schilddrüsenkrebs verstorbenen Publizisten, der seit den 60er Jahren für die Chicago Sun-Times Filme rezensierte. Obwohl er Eberts Leben nachzeichnet, porträtiert James vornehmlich die Liebe seiner Frau Chaz, die den von seiner Erkrankung Gezeichneten und bereits 2006 Verstummten – ihm fehlt der Unterkiefer, ein Anblick nur für Unerschrockene – pflegt.

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Magic in the Moonlight

Woody Allens nostalgische Riviera-Romcom zwischen Colin Firth und Emma Stone ist liebevoll bissig, aber relativ schlicht.

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Woody Allen, USA 2014
Kinostart: 04.12.2014
Story: 1928. Von einem Auftritt in Berlin reist der britische Illusionist und Zyniker Stanley Crawford an die Côte d’Azur, um das bei reichen Bekannten wohnende junge Medium Sophie Baker des Betrugs zu überführen. Sophies Charme unterminiert Crawfords unbestechliche Skepsis. Seine Gefühle blühen auf.
Von Jochen Plinganz

Ein abgeklärter Sarkastiker, der das Übersinnliche verachtet, wird eines Besseren belehrt – so beginnen sonst Horrorfilme, aber in seiner 49. Regiearbeit sucht Allen den eklatanten Kontrast zum depressiven „Blue Jasmine“. Es zieht den inzwischen 78-Jährigen wieder nach Europa, so leichtfüßig wie „Midnight in Paris“ und „To Rome With Love“, zu einer köstlichen, wenn auch unterkomplexen Romantik-Komödie.

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Die Präsenz

Liv Lisa Fries verbringt zehn Tage auf einer Spuk-Burg im teutonischen Found-Footage-Horror nach bekannten Mustern.

Die Präsenz Cover

Daniele Grieco, D 2014
Kinostart: 31.10.2014, DVD/BD-Start: 30.10.2015
Story: Markus nimmt seine Freundin Rebecca mit auf einen Überraschungsausflug. Mit seinem Kumpel Lukas verbringen sie eine Woche unbefugt auf der leerstehenden Burg Hohnau, dem angeblich verfluchten Schauplatz eines Familienmordes. Anthropologie-Student Markus erhofft sich Einsichten zu Übernatürlichem.
Von Jochen Plinganz

Das Originellste an Daniele Griecos zweitem Regie-Gig ist die Herkunft des Indie-Horrors sowie eine clevere Online-Kampagne, die dafür selbstbewusst nicht als ein, sondern der deutsche Horrorfilm wirbt. Was angesichts zwar nur vereinzelter Exemplare der letzten Jahre wie Marvin Krens „Rammbock“ und „Blutgletscher“, dazu „Der letzte Angestellte“ oder „Urban Explorer“ nicht stimmt. Ganz zu Schweigen von Österreich.

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Horns

Horns Cover

Alexandre Aja, USA/CDN 2013
Kinostart: 06.08.2015, DVD/BD-Start: 17.12.2015

„Harry Potter“ Daniel Radcliffe wachsen über Nacht Hörner und er spricht wieder mit Schlangen. Womit er zum Teufelskerlchen, aber leider nicht zum heißen „Hellboy“ mutiert, sondern die Trauertrompete bläst und in seiner Kleinstadt als Paria von allen verteufelt wird. Auch wenn er sich in „Die Frau in Schwarz“ besser zu präsentieren wusste: Radcliffes Iggy ist so ziemlich der einzige Charakter, der einem nicht egal ist in Horror-Impresario Alexandre Ajas („High Tension“) amerikanisch-kanadischer Adaption des Dark-Fantasy-Romans „Teufelszeug“ von Joe Hill (der Sohn von Stephen King). Ig, der neben der Leiche seiner Freundin Merrin (der sonst so bezaubernden Juno Temple, zuletzt als Feenstimme in „Maleficent“ tätig, fehlt der Pfiff) aufwacht, hat eine Murder Mystery zu lösen und die ganze Stadt gegen sich.

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Dracula Untold

Dracula als liebender Familienvater, der Monster erschafft, um Türkenhorden aufzuhalten. Tragische Mittelalter-Horror-Fantasy zum Schmunzeln.

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Gary Shore, USA 2014
Kinostart: 02.10.2014, DVD/BD-Start: 12.02.2015
Story: Einst wurde Vlad als Kindersoldat von den Türken misshandelt, 1462 fordern diese von dem tributpflichtigen Fürsten 1000 Knaben plus seinen Sohn. Um deren brutales Riesenheer aufzuhalten, schließt Vlad einen Pakt mit einem Höhlendämon, um Superkräfte zu erhalten. Diese haben grauenvolle Nebenwirkungen.
Von Jochen Plinganz

Das Zeitalter der Comic-Superhelden zieht auch am Dracula-Mythos nicht spurlos vorüber. Bram Stokers legendäre Figur wird unter der Produktionsfirma, die „The Dark Knight“ schuf, zur gravitätischen Graphic Novel, zum Prequel – quasi Dracula Begins. Das mittelalterliche Fantasy-Actiondrama mit B-Besetzung hat Werbeclipper/Debütant Gary Shore kontur- und handschriftslos routiniert-uneigenständig ausbedungen.

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Extraterrestrial

Invasion vom Mars: Versiert-effektvolle wie vordergründig-klischeelastige B-Horrorthriller(komödie) um Aliens auf Menschenfang.

Extraterrestrial Cover

Colin Minihan, CDN 2014
DVD/BD-Start: 02.04.2015
Story: Das Wochenende von Fotografin April und ihrem Freund Kyle in der elterlichen Waldhütte ist ruiniert, als sie ihn ausgerechnet bei seinem Heiratsantrag verlassen will. Dann stürzt auch noch ein UFO ab. Eine Jagd auf die beiden, Kyles Partyfreunde und die angrenzende Gemeinde von Sheriff Murphy beginnt.
Von Jochen Plinganz

Gegenüber ihren beiden paranormalen „Grave Encounters“ haben sich die Kanadier Colin Minihan und Stuart Ortiz, besser bekannt unter dem bescheuerten Künstlernamen „The Vicious Brothers“, nicht allzu sehr gesteigert. Immerhin trimmen sie ihr gut getrickstes B-Movie gekonnt auf den Effekt, entwickeln mit dramatischem Spannungs-Stil deutlich mehr Thrill und Horror als Komödie und ziehen alle Register, die das Genre hergibt.

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Who Am I – Kein System ist sicher

Strikt auf Kassenhit gestylter Hacker-Thriller cum Psychodrama – trotz namhafter Besetzung nur effekthascherischer Schwachsinn.

Who Am I Cover

Baran bo Odar, D 2014
Kinostart: 25.09.2014, DVD/BD-Start: 16.04.2015
Story: Computerfreak Benjamin ist ein einsamer Nobody. Bis er den großkotzigen Max trifft und mit dessen Kumpels Stephan und Paul eine Hacker-Gruppe gründet, die mit Spaßaktionen berüchtigt wird. Als sie den BND hacken, geraten sie in einen Mordfall und landen auf der Fahndungsliste von Ermittlerin Lindberg.
Von Jochen Plinganz

Nach dem von Baran bo Odar („Das letzte Schweigen“) mitverfassten und überinszenierten, aufgedonnerten Nachtglanzthriller nach der turbogestylten Designvorlage „gefährlich“ steht fest: Es gibt nur ein gutes deutsches Hackerdrama – Hans-Christian Schmids „23“. Der technisch aufwendige, handwerklich arg schludrige Pop-Reißer indes beleidigt fortwährend die Intelligenz, ist bei ausgeschaltetem Gehirn aber goutierbar.

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To Be Takei

Bewegende Doku über George Takei, der seinen „Star Trek“-Ruhm nutzt, um für Schwule und die Aufarbeitung der US-Geschichte einzutreten.

To Be Takei Cover

Jennifer M. Kroot, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Seine Kindheit im Zweiten Weltkrieg verbrachte der in Los Angeles geborene George Takei, Sohn japanischer Einwanderer, in einem US-Konzentrationslager. Später hielt der bühnenbegeisterte Jungmime seine Homosexualität geheim und wurde als Hikaru Sulu in der SF-Serie „Raumschiff Enterprise“ berühmt.
Von Jochen Plinganz

Nach anfänglichen „Star Trek“-Witzeleien wähnte ich mich zunächst in einer kirren Fandom-Huldigung an den Steuermann des legendären Raumschiffes und wollte bereits abschalten. Doch dann brachen die beiden großen Themen des inzwischen 77-jährige Kaliforniers, Akteur und Aktivist, durch: Sein Engagement für Bürgerrechte – die Gleichberechtigung Homosexueller sowie das Erinnern an rassistisches Unrecht.

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Waar

Viel Show und wenig Substanz in einem pakistanischen Hochglanz-Actionthriller über den War on Terror.

Waar Cover

aka To Strike, Bilal Lashari, PK 2013
ohne deutschen Start
Story: Als sich Indizien für einen großen Terroranschlag verdichten, wird der wegen dem Tod seiner Familie in den Ruhestand gegangene Geheimdienst-Major Rizvi reaktiviert, um seinen Erzfeind Ramal auszuschalten. Und die über die Kaschmir-Grenze eingesickerten Kämpfer, die auf das Herz des Staates abzielen.
Von Jochen Plinganz

Der als Meilenstein in der nicht gerade für ihre Filmkultur bekannten muslimischen Atommacht Pakistan gefeierte Kino-Hit ist eine Verherrlichung von Waffen, Geheimpolizei und Streitkräften („waar“ heißt auf Urdu „losschlagen“): Heroischer Patriotismus mit der Extraportion Pathos sind Ehrensache, wenn das auf modernen Blockbuster getrimmte Debüt von Bilal Lashari mal bei Hollywood, mal bei Bollywood abkupfert.

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The War Around Us

22 Tage Krieg: Zwei Reporter schildern schonungslos ehrlich, wie sie das menschliche Leid der Zivilbevölkerung in Gaza erlebten.

The War Around Us Cover

Abdallah Omeish, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Im November 2008, als die Welt gerade mit der Finanzkrise beschäftigt ist, erschüttern israelische Luftangriffe den Gazastreifen. Lediglich die beiden CNN-Reporter Ayman Mohyeldin und Sherine Tadros sind zufällig vor Ort und berichten trotz Nachrichtensperren von Bombardements auf Wohngebiete und UN-Gebäude.
Von Jochen Plinganz

Der Anlass könnte nicht aktueller sein: All die Zerstörung, die Abdallah Omeish, Co-Realisator der HBO-Mini-Serie „Augenzeugen“, in seiner Doku über die Erfahrungen der beiden damaligen CNN-Reporter zeigt, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was sich dort momentan abspielt. Der US-Ägypter Ayman Mohyeldin und seine damals neue, britische Kollegin Sherine Tadros legen offen persönliches Zeugnis blanken Grauens ab.

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Silence

Finsteres Indie-Psychodrama, das sich mit dem Terror eines unheimlichen Wesens zum blanken Hör-Horrortrip ausformt.

Of Silence Cover

Of Silence, Jeremiah Sayys, USA 2014
DVD/BD-Start: 09.04.2015
Story: Nachdem er seine Frau brutal ermordet vorgefunden hat, kehrt Colby in ihr gemeinsames Haus in Kalifornien zurück, wo er sich in depressiven Erinnerungen vergräbt. Von gelegentlichen Besuchen anderer Angehöriger abgesehen, ist er allein. Und hört immer bedrohlichere, monströse Geräusche.
Von Jochen Plinganz

Der rührige Jeremiah Sayys hat offenbar noch einiges vor und zwei Lenze nach dem (von ihm nur geschriebenen und produzierten) Familienabenteuer „The Legends of Nethiah“ (deutsch in eindeutiger Absicht „Die Chroniken von Phantasia“ betitelt) einen gewaltigen Qualitätsschritt nach vorne unternommen. Was noch keinen Meisterregisseur aus ihm macht, aber einen versierten Könner mit Talent zu mehr.

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Bären

Den Ein-Jahres-Zyklus einer Bärin und ihrer beiden Jungtiere kann man trotz verniedlichendem Kommentar genießen.

Bären Cover

Bears, Alastair Fothergill, Keith Scholey, USA 2014
Kinostart: 13.11.2014
Story: Im Frühling verlässt die Braunbärenmutter mit ihren Neugeborenen Amber und Scout die Höhle, um über Alaskas Bergschneefelder zu den blühenden Wiesen direkt am Meer hinabzusteigen. Dort erwartet sie fischreiche Nahrung, aber auch die gefährlichen Bärenbullen Magnus, Chinook und ein listiger Kojote.
Von Jochen Plinganz

Die britische Naturdoku-Instanz Alastair Fothergill, der mit „Deep Blue“ die Weltmeere und mit „Unsere Erde“ den ganzen Planeten opulent ins Kino hievte, kollaboriert nach „Im Reich der Raubkatzen“ wieder mit Keith Scholey und widmet sich wie in seinem letzten Werk „Schimpansen“ nur einer einzelnen Tierart. Wie jene beiden für den Maushaus-Ableger Disneynature, was sich im gnadenlos popularisierten Kommentar niederschlägt.

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Die Behandlung

Der beklemmende belgische Pädophilen-Thriller der gehobenen Klasse ist starker Toback mit True-Crime-Spannung.

The Treatment Cover

De Behandeling, aka The Treatment, Hans Herbots, B 2014
DVD/BD-Start: 12.12.2014
Story: Hauptkommissar Nick Cafmeyer wird von Erinnerungen an seinen einst entführten Bruder geplagt und von dem vermuteten Täter noch immer belästigt. Als ein Kind verschwindet und der Fall Ähnlichkeiten mit damals aufweist, ermittelt Nick fieberhaft. Es geht das Gerücht eines Trolls um, der Kinder frisst.
Von Jochen Plinganz

Auch wenn der Antwerpener Hans Herbots vom Fernsehen kommt („The Spiral“) und sein Kinofilm „The Treatment“ mitunter daran erinnert, fesselt der erwachsene Kriminalthriller mit zum Schneiden dichter Atmosphäre und ausnehmend reifer, erfreulich unspekulativer Machart über Sexualverbrechen an Kindern, was im Land des Kinderschänders Marc Dutroux der Verarbeitung eines kollektiven Traumas gleichkommt.

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Like Father, Like Son

Like Father, Like Son Cover

Soshite chichi ni naru, Hirokazu Koreeda, J 2013
Kinostart: 25.09.2014

Die Familiengeschichten von Hirokazu Koreeda („Nobody Knows“) mögen mit einfachen Mitteln klassischer Arthauskonventionen gestaltet sein, ihre leise Sensibilität stellt Gefühls- und Lebenslagen dafür vielschichtig und umsichtig dar. Das Ringen mit allen emotionalen Schwierigkeiten ist auch in diesem Werk gewiss vorhersehbar, aber besonnen ausgestaltet: Zwei Kinder wurden bei der Geburt vertauscht, ihre Familien erfahren davon erst sechs Jahre später und willigen in einen Rücktausch ein – der sich als kaum zu bewältigende innere Herausforderung erweist.

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Lord of Tears

Lord of Tears Cover

Lawrie Brewster, GB 2013
ohne deutschen Start

Zugegeben, der Indie-Horror des Schotten Lawrie Brewster steht hier nur, weil das handgezeichnete Covermotiv wirklich attraktiv ist (ein ähnlich ansehnlichen Plakatentwurf weist auch „Deep in the Darkness“ auf). Der darauf abgebildete „Owl Man“ (Veteran David Schofield, „Fluch der Karibik“), ist der mysteriöse Moloch, der hinter dem Spuk steht und sich mit nebulösen, basstönenden Auslassungen zu Ewigkeit und Verdammnis ganz poetisch als Höllen-Epiphanie („ich bin dein Gott“) zu erkennen gibt.

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Colt 45

Regengrauer Cop-Thriller, in dem ein Nachwuchsmeisterschütze durch die (Korruptions)Hölle geht, bevor er zurückschlägt.

Colt 45 Cover

Fabrice Du Welz, FR 2014
DVD/BD-Start: 07.10.2015
Story: Der gerade mal 25-jährige Vincent ist Waffenexperte für die Polizei. Als der Hobbykonstrukteur einen internationalen Schießwettkampf gewinnt, sind Eliteteams aus aller Welt hinter ihm her. Vincent lehnt ab und begegnet dem Agenten Milo. Der erpresst ihn und missbraucht Vincents Wissen für Morde und Überfälle.
Von Jochen Plinganz

Sechs Jahre Pause gönnte sich der mit „Calvaire“ und „Vinyan“ bekannt gewordene Belgier Fabrice Du Welz, der dieses Jahr in Cannes gleich mit zwei Filmen auftrat – einmal „Alleluia“, eine hochgelobte französischsprachige Fassung der Honemoon Killers, zum anderen diese angespannt-fiebrige „Training Day“-Abwandlung, anteilig auch Film Noir, Charakterstudie und reiner (Action)Thriller: Ein kalt-straffer Männerfilm.

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Rico, Oskar und die Tieferschatten

Herausragende Jugendromanadaption, die mit Herz und Scherz so originell wie liebenswert einen Kindersommerkrimi entwirft.

Rico, Oskar und die Tieferschatten Cover

Neele Leana Vollmar, D 2014
Kinostart: 10.07.2014, DVD/BD-Start: 12.12.2014
Story: Rico nennt sich tiefbegabt, weil er geistig etwas langsam ist. Während in Berlin ein Kindesentführer sein Unwesen treibt, freundet er sich mit dem hochbegabten Oskar an. Als sie sich in Ricos Kreuzberger Miet-Altbau treffen wollen, ist Oskar verschwunden – das neue Opfer des sogenannten Schnäppchenentführers.
Von Jochen Plinganz

Nach ihrem Culture-Clash-Kassenerfolg „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ widmet sich Neele Leana Vollmar Andreas Steinhöfels gleichnamigen Bestseller, der 2009 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt. Und anders als bei Vollmars populären Vorgänger ist diesmal eine tiefe Verbeugung fällig: Endlich ein begeisternder Kinderfilm heimischer Herkunft, noch dazu für jung und alt, abwechslungs- und ideenreich!

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