Alle Beiträge von Sir Real

The Big Sick

Die autobiografische Culture-Clash-Romcom lehrt mit frechem Mundwerk, wie man sich zu Toleranz, Liebe und Familie bekennt

The Big Sick Cover

Michael Showalter, USA 2017
Kinostart: 16.11.2017
Story: Der pakistanischstämmige Stand-Up-Comedian Kumail verheimlicht seinen Berufswunsch vor seiner strikt muslimischen Familie. Als er sich in Psychologiestudentin Emily verliebt und diese durch einen Infekt ins Koma fällt, wankt sein Lügengebäude. Er lernt Emilys Eltern kennen und steht ihr heimlich bei.
Von Sir Real

Es sind die eigenen Lebensumstände, die Kumail Nanjiani (spielt sich selbst) zum Thema der wunderbaren, romantischen Tragikomödie „The Big Sick“ macht, wie sie sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken können. Comedy-King Judd Apatow („Immer Ärger mit 40“) zeigt als Produzent sein Gespür für witzige Talente und TV-Regisseur Michael Showalter positioniert dies perfekt im Spannungsfeld zwischen Komik und Dramatik.

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Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten Cover

Valerian and the City of a Thousand Planets, Luc Besson, F/USA 2017
Kinostart: 20.07.2017

Offenbar hängt die Zukunft von Luc Bessons Europa-Studio ab vom Erfolg seiner 150-200 Mio. Dollar schweren Großproduktion „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, die sich redlich bemüht, in Konkurrenz zu Marvel, „Star Wars“ und „Avatar“ zu treten. Man möchte dem Filmmogul die Daumen drücken, freilich fällt das schwer, da er nicht nur künstlerisch strauchelt, sondern den Auguren nach eine Box-Office-Bruchlandung à la „John Carter“ droht.

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Die versunkene Stadt Z

Die Vermessung der Welt als Hybris des weißen Mannes: biografisches Forscherportrait, wohltuend frei von Abenteuer-Modernismen

Die versunkene Stadt Z Cover

The Lost City of Z, James Gray, USA 2016
Kinostart: 30.03.2017
Story: 1906 bricht der britische Colonel Percival Fawcett in den Amazonas auf – die letzte Chance für ihn und seine Frau Nina auf gesellschaftlichen Aufstieg. Mehrfach kehrt er in die grüne Hölle zurück und vernachlässigt seine Familie, findet jedoch nie jene versunkene Hochkultur, der er Zeit seines Lebens nachjagt.
Von Sir Real

Realismus statt Eskapismus lautet die Devise, mit der James Gray seinen New Yorker Gangsterhinterhof („The Yards“) verlässt und sich nach dem großartigen Melodram „The Immigrant“ einem weiteren historischen Stoff andient, der zu überzeugen weiß. Das ist im besten Sinne altmodisches Charakterdrama, Lebenslauf-Porträt und klassisches Abenteuer, eine faktennahe Entdeckung der Langsamkeit anstelle von Hollywood-Hektik.

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Störche

Der cartooneske Einsatz für Kinder statt Karriere verwechselt Hektik mit Rasanz, versöhnt aber mit herzerwärmendem Feel Good

Stoerche Cover

Storks, Nicholas Stoller, Doug Sweetland, USA 2016
Kinostart: 27.10.2016
Story: Früher lieferten Störche Babys aus. Inzwischen sind sie ein hocheffizienter Paketdienst. Bis ihre Fabrik versehentlich ein Neugeborenes produziert. So versuchen Karrierist Junior und Chaotin Tulip das Kind an die Familie Gardner zuzustellen, bevor ihr Boss und intrigante Kollegen Wind davon bekommen.
Von Sir Real

Pixars (deutlich lustigerer) 6-minüter „Teilweise wolkig“ stand wohl Pate für diese „Angry Birds“ von Warner Animation, die derzeit ihr „Lego Movie“ kommerziell ausschlachten und mit dem Vorfilm „The Master: A Lego Ninjago Short“ Laune machen, bei dem ein Huhn Jackie Chan mächtig in die Parade fährt. Das Restprogramm bestreiten „Bad Neighbors“-Regisseur Nicholas Stoller und Pixar-Animator Doug Sweetland („Presto“).

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Snowden

Oliver Stone widmet Whistleblower Edward Snowden ein Politthriller-Biopic, das ihn als stillen Helden unserer Zeit ausweist

Snowden Cover

Oliver Stone, F/D/USA 2016
Kinostart: 22.09.2016
Story: Als junger Soldat erleidet Edward Snowden einen Unfall, der seine Karriere beendet – und eine viel größere als Azubi bei der CIA startet. Der brillante Programmierer steigt schnell auf zum Spezialisten der NSA, die seine Programme zur Total-Spionage missbraucht. Bis sich Snowden zur Enthüllung entschließt.
Von Sir Real

Immer noch der große Wahrheitssucher, der keine Kontroverse scheut: Oliver Stone, dessen Dokudrama über Edward Snowden auch seine eigene Biografie spiegelt. Indes fehlt das Feuer, die Energie aus „JFK“, die Wucht aus „Platoon“, die Gabe, einem dem Boden unter den Füßen wegzuziehen wie in „Wall Street“. Dennoch: „Snowden“ ist immer noch ein sehenswertes Statement – aber lange nicht das Meisterwerk, das es hätte sein können.

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The Visit

The Visit Cover

aka The Visit – Eine außerirdische Begegnung, aka The Visit: An Alien Encounter, Michael Madsen, DK/A/IRL 2015
Kinostart: 22.09.2016

Der dänische Konzeptkünstler und Regisseur Michael Madsen hat sich mit der prämierten Endlager-Meditation „Into Eternity“ 2010 einen Namen in der Doku-Gemeinde gemacht. Mit dem gleichen experimentellen Stilwillen nimmt er nun ein Ereignis vorweg, das (noch) nicht eingetreten ist: Der Erstkontakt mit Aliens, die auf der Erde landen. „The Visit“ (nicht zu verwechseln mit M. Night Shyamalans gleichnamigen Gaga-Grusel) positioniert sich als fiktionale Doku und in jeder Hinsicht als Gegenstück zu Emmerichs Destruktions-Spektakel „Independence Day: Wiederkehr“.

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The Walking Dead (6. Staffel)

Beißer ohne Biss: Nach sechs Staffeln geht der postapokalyptischen Zombieserie (vorerst?) die Luft aus

The Walking Dead (6. Staffel) Cover

The Walking Dead (Season 6), Frank Darabont (Creator), USA 2015-2016
DVD/BD-Start: 19.12.2016
Story: Als nach einem misslungenen Umleitungsversuch Zombiehorden das Refugium Alexandria überrennen, büßt Ricks Gemeinde erheblich Personal ein – just, als Maggie schwanger wird. Nach der Restauration kristallisieren sich die mörderischen „Saviours“, eine brutale Räuberbande, als grausamster Feind heraus.
Von Sir Real

Seit Beginn des Jahrzehnts begleiten uns die staksenden Zombies im epischen Erzählformat und setzen Standards, die längst keine Kinoproduktion zum Thema mehr erreicht. Die sechste Staffel von „The Walking Dead“, erschaffen von Frank Darabont nach der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman, hat dennoch deutlich nachgelassen: Da war die vierte Staffelebenso wie die fünfte Staffelrunder, stärker und packender.

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Unsere Wildnis

Unsere Wildnis Cover

Les saisons, aka Seasons, Jacques Perrin, Jacques Cluzaud, F/D 2015
Kinostart: 10.03.2016, DVD/BD-Start: 13.07.2016

Die beiden profilierten Profis der Naturdoku, Jacques Perrin und Jacques Cluzaud, die hinter den Publikumserfolgen „Nomaden der Lüfte“ (2001) und „Unsere Ozeane“ (2009) stehen, widmen sich diesmal den europäischen Urwäldern, die einst den Kontinent überzogen. Ihr Ansatz ist so einfach wie brillant: Nach 80.000 Jahren Eiszeit endet der Winter, bis vor 12.000 Jahren die Quellen wieder fließen und die Jahreszeiten zurückkehren, weshalb „Unsere Wildnis“ im Original „Les saisons“ heißt. Anstatt pädagogische Vorträge zu halten und alles mit einem Kommentar vollzukleistern (wie bei „Das Geheimnis der Bäume“ oder „Planet Deutschland“), hält sich der Sprecher – in der Synchro Sebastian Koch („Bridge of Spies“) –, anders als der Trailer suggeriert, angenehm zurück und sagt nur alle paar Minuten mal ein Wort.

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Freunde fürs Leben

Berührendes Drama, das mit leisem Humor und großer Wirkung Abschied von Freunden und Leben nimmt

Freunde fürs Leben Cover

Truman, Cesc Gay, E/RA 2015
Kinostart: 25.02.2016
Story: Tomás kommt aus Kanada nach Madrid zu einer Vier-Tages-Visite seines langjährigen Freundes Julián. Der will nämlich die Chemotherapie abbrechen und die letzten Dinge regeln. Nachdem Tomás ihn nicht umstimmen kann, begleitet er ihn dabei, wie er sich von Umfeld, Sohn und geliebtem Hund verabschiedet.
Von Sir Real

„Jeder stirbt, wie er kann“: Südamerikas Schauspielstar Ricardo Darín („Wild Tales“) geht zu Herzen in einem unaufdringlichen, aber hervorragenden und denkwürdigen Drama (mit einem Spritzer Komödie) über selbstbestimmtes Sterben. „Freunde fürs Leben“ ist alles andere als ein Krebs-/Sterbefilm, vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem, was zählt: Freunde, Familie, Liebe – und dem Mut, wie man abtreten will.

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Die Vorsehung

Die Vorsehung Cover

Solace, Afonso Poyart, USA 2015
Kinostart: 31.12.2015, DVD/BD-Start: 03.05.2016

Beinahe geräuschlos nähert sich der mit namhaften Charakterstars gerüstete, dunkle Crime-Thriller „Die Vorsehung“, der im besten Sinne an „Das Schweigen der Lämmer“ und „Seven“ erinnert. Mit dem Unterschied, dass die bizarre Mordserie durch die hellseherische Intuition eines Psychiaters („Hannibal Lecter“ Anthony Hopkins wieder im Dienst des FBI) aufgeklärt wird. Der Mann mit dem Zweiten Gesicht findet im aus Mitleid mordenden Erlöser (selbstgerechte Jesus-Figur: Colin Farrell, „Saving Mr. Banks“) seinen Meister, ein Einfluss, der bis auf Cronenbergs „The Dead Zone“ zurückreicht.

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Picknick mit Bären

Picknick mit Bären Cover

A Walk in the Woods, Ken Kwapis, USA 2015
Kinostart: 15.10.2015, DVD/BD-Start: 24.02.2016

Robert Redford („All Is Lost“) und Nick Nolte („Der schmale Grat“) sind die beiden einander entfremdeten Star-Buddys, die als Mittsiebziger auf dem Wanderweg durch die Appalachen zu meist müden Alterswitzchen sich selber finden. Die betulichen Lausbubengeschichten mit Altherren-Schalk basieren auf der gleichnamigen Vorlage (1997) von dem für seine humorvollen Reiseberichte und populärwissenschaftlichen Bücher bekannten Bill Bryson („Eine kurze Geschichte von fast allem“). In „Picknick mit Bären“ peppen die beiden Darsteller-Asse den faden Plot und seine anekdotische Struktur etwas auf.

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Amy

Amy Cover

Asif Kapadia, GB 2015
Kinostart: 16.07.2015

Erst hatte Asif Kapadia, Londoner Regisseur mit indischen Wurzeln, es abgelehnt eine biografische Doku über die kurz zuvor an einer Alkoholvergiftung gestorbene Soulsängerin Amy Winehouse zu realisieren. Bis er herausfand, dass sie im gleichen Stadtteil wie er lebte – Camden. Woraufhin er mit jener Kompetenz, Energie und vor allem: Ausdauer loslegte, die seine vorangegangene Doku „Senna“ als unbedingt bewegendes Erlebnis auszeichnete.

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San Andreas

San Andreas Cover

Brad Peyton, USA 2015
Kinostart: 28.05.2015, DVD/BD-Start: 15.10.2015

Ein einzelnes „Erdbeben“ wie 1974 reicht heute nicht mehr – ein ganzer Schwarm Erdstöße sprengt erst den Hoover Damm, dann Los Angeles und San Francisco. „San Andreas“, benannt nach der tektonischen Verwerfung, die Kalifornien durchzieht, ist eine so sündteure wie sinnloses Effektorgie. Aber auch ein Katastrophen-Porno, der sogar Spaß macht. Und das, obwohl er haarscharf und überraschungsfrei, jedoch weniger trashig das Reißbrett-Konzept von Roland Emmerichs „2012“ und „The Day After Tomorrow“ übernimmt.

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Asura

Die tragische Anime-Ballade von einem blutrünstigen Kannibalenkind reflektiert bildgewaltig und apokalyptisch über die conditio humana

Asura Cover

aka Ashura, Kei’ichi Sato, J 2012
ohne deutschen Start
Story: Acht Jahre, nachdem ihn seine verzweifelte Mutter ins Feuer warf, streift der von Wölfen großgezogene Asura durch das feudale Japan des 15. Jahrhunderts, das von Hunger, Elend und Gewalt geprägt ist. Er ernährt sich von Menschenfleisch, wovon ihn ein Mönch und Reisbauerstochter Wakasa abzuhalten versuchen.
Von Sir Real

Bevor Kei’ichi Sato mit „Black Butler“ kräftig daneben langte, nahm er sich 2012 George Akiyamas gleichnamigen „Asura“ vor. Mit der bisweilen atemberaubenden Adaption des berüchtigten Mangas, nach seinem Erscheinen 1970 in Japan vorübergehend verboten, machte sich Sato einen Namen. Die krasse Toei-Animation unterscheidet sich vehement vom jugendfreien Studio-Ghibli-Stil. Nur der sülzige Soundtrack kann einpacken.

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Das Zimmermädchen Lynn

Reduktionistische Zwangsneurotiker-Studie, die stilbewusst, aber distanziert die Obsessionen einer knapp 30-Jährigen schildert

Das Zimmermädchen Lynn Cover

Ingo Haeb, D 2014
Kinostart: 28.05.2015
Story: Die einzelgängerische Putz-Neurotikerin Lynn jobbt nach einem Nervenklinikaufenthalt wieder als Zimmermädchen im Hotel Eden, wo sie unter Betten kriecht, um heimlich Gäste zu beobachten. Dabei entdeckt sie Hobby-Domina Chiara, ist hingerissen und ordert eine Nacht mit dem selbstbewussten Call Girl.
Von Sir Real

Die Psychostudie nach dem 2008 erschienenen Kurzroman „Das Zimmermädchen“ von Markus Orths verheißt Vielversprechendes, alldieweil Ingo Haeb, Regisseur der Dramen „Neandertal“ und „Sohnemänner“ auch das Script zur Mockumentary „Fraktus“ schrieb. Und zumindest stilistisch kann „Das Zimmermädchen Lynn“ auch interessieren, nicht jedoch für die Erlebnisse und Innenwelten seiner unzugänglichen Protagonistin.

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High Performance

High Performance Cover

Johanna Moder, A 2014
Kinostart: 07.05.2015, DVD/BD-Start: 20.11.2015

Im mit dem Max-Ophüls-Publikumspreis ausgezeichneten Spielfilmerstling „High Performance“ der Grazerin Johanna Moder, einer Liebeswirren-Komödie um zwei Brüder, die um die gleiche Frau konkurrieren, steckt ein handfestes Wirtschaftsdrama um Habsucht und Spionage. Ein paar Storystandards zu viel dominieren die Verwicklungen um den aus der Art geschlagenen Wiener Lebenskünstler Daniel, der seine Betriebswirt-Sippe und den Karriere-Bruder Rudi (Manuel Rubey aus „Braunschlag“) anpumpen muss, für diesen zunächst widerwillig dessen neue Kollegin Nora auf romantische Kopplungsfähigkeit ausspäht und sich dabei selbst in sie verguckt.

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Breathe

Eine Mädchen-Freundschaft, die erst beinahe Liebe, dann aber Hass gebiert, verdunkelt ein Coming of Age zum Psychodrama

Breathe Cover

Respire, Mélanie Laurent, F 2014
ohne deutschen Start
Story: Nach der Trennung ihrer Eltern findet die einzelgängerische, 17-jährige Charlie in der neuen, schnell beliebten Klassenkameradin Sarah eine attraktive Freundin, mit der sie die Sommerferien an der Küste verbringt. Als sie hinter Sarahs Geheimnis kommt, beginnt diese sie unerbittlich und bösartig zu mobben.
Von Sir Real

Die nach „The Adopted“ zweite Regiearbeit der französischen Schauspielerin Mélanie Laurent, bekannt für „Inglorious Basterds“ und „Enemy“, nimmt sich des Bestsellers „Dich schlafen sehen“ von Anne-Sophie Brasme an und sondiert in „Breathe“ die dunklen Seiten einer passionierten Freundschaft. Ein nachvollziehbares, sehr echt gespieltes Adoleszenzdrama, das eine erst zärtliche, schließlich zerstörerische Beziehung auskostet.

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The Lovers

The Lovers Cover

Roland Joffé, B/IND/AUS 2015
ohne deutschen Start

Was immer man von „Cloud Atlas“ halten mag, die durch Raum und Zeit verflochtenen Epochen-Episoden waren visionär, kühn und finanziell aufwändig. „The Lovers“ vom Briten Roland Joffé um die magische Wirkung eines geheimnisvollen, zweiteiligen Rings, der Liebende für immer vereint, ist nichts davon: Josh Hartnett („Pearl Harbor“) findet in einer Doppelrolle als Archäologe der SciFi-Zukunft mit seiner Frau (Tamsin Egerton, „Love, Rosie“) besagten Ring am Meeresgrund, fällt ins Koma und durch die Zeit ins Indien anno 1778, wo er mit falschem schottischen Akzent als britischer Offizier der East India Company Zeuge eines Königs-Putsches wird.

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Mein Herz tanzt

Der Lebensweg eines Palästinensers in Israel ist eine witzige Rhapsodie in Moll, die mit menschlicher Größe sanft nahegeht

Mein Herz tanzt Cover

Dancing Arabs, Erin Rilkis, IL 2014
Kinostart: 21.05.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015
Story: Anfang der 80er Jahre erweist sich Palästinenser Eyad als junges Genie, das später als einziger Araber in einer Jerusalemer Eliteschule aufgenommen wird. Er passt sich an, pflegt eine heimliche Liebe zu Mitschülerin Naomi, betreut den gelähmten Yonatan – und gerät schmerzhaft zwischen zwei Kulturen.
Von Sir Real

Dancing Arab: Kein Araber tanzt wirklich im neuen Film von Eran Riklis, der damit nach seinem ungewohnt schwachen „Zaytoun“ wieder zu alter Stärke von „Die syrische Braut“ und vor allem dem thematisch vergleichbaren „Lemon Tree“ findet. Vielmehr vollführt ein junger Palästinenser einen gefährlichen Eiertanz zwischen arabischer und jüdischer Kultur, zwischen seinen Identitäten auf, eine fortwährende Verleugnung seiner selbst.

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Die Augen des Engels

Michael Winterbottoms ambitionierte, aber heillos verquaste Phantasmagorie zum Amanda-Knox-Fall versackt in planloser Langeweile

Die Augen des Engels Cover

The Face of an Angel, Michael Winterbottom, GB/I/E 2014
Kinostart: 21.05.2015, DVD/BD-Start: 24.11.2015
Story: Der geschiedene Regisseur Thomas reist nach Siena, um vor Ort den Prozess der US-Studentin Jessica zu verfolgen und nach dem Buch von Journalistin Simone einen Doku-Essay zu drehen. Im Kokainrausch scheitert er von Beginn an und verliert sich in der italienischen Stadt und eigenen Alpträumen.
Von Sir Real

Nach dem kontroversen Mordprozess um Amanda Knox (die hier Jessica Fuller heißt) fabuliert der Brite Michael Winterbottom kurz nach seinem „The Trip to Italy“ sogleich wieder vor italienischen Kulissen, nunmehr als Sinnestäuschung in dunklen Brauntönen. Er ist so ambitioniert wie seine Hauptfigur (ein uncharismatischer Daniel Brühl, „Rush“) und scheitert wie diese, was trotz größerem Gähn-Faktor von gewissem Belang bleibt.

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Elser

Prestigeträchtiges, fesselndes Historiendrama, das Georg Elser in einem authentischen Zeitporträt erstmals angemessen würdigt

Elser Cover

aka 13 Minutes, aka Elser – Er hätte die Welt verändert, Oliver Hirschbiegel, D 2015
Kinostart: 09.04.2015, DVD/BD-Start: 12.10.2015
Story: Als der Schreiner Georg Elser am 8.11.1939 an der Schweizer Grenze mit allen Beweisstücken für das Bombenattentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller verhaftet wird, gesteht er die gescheiterte Tat unter schwerer Folter von Kripo und Gestapo. Dazwischen erinnert er sich an die Liebe zur verheirateten Elsa.
Von Sir Real

Ganze 13 Minuten haben gefehlt, um Hitler kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit einer selbstgebastelten Bombe den Garaus zu machen. Was wäre der Welt erspart geblieben, wenn der 50 Jahre lang totgeschwiegene Georg Elser mit seiner einsamen Gewissensentscheidung Erfolg gehabt hätte! „Wie kann ein Mensch nur so grausam versagen“, beklagt Elser, bevor er ganz kurz vor Kriegsende im KZ Dachau liquidiert wird.

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Warschau 44 – Liebe. Widerstand. Apokalypse.

Ein heiliges Liebespaar in den Wirren eines emotional schockierenden, überhöhten Kriegsdramas um den Warschauer Aufstand 1944

City 44 Cover

Miasto 44, aka City 44 , Jan Komasa, PL 2014, DVD/BD-Start: 03.07.2015
Story: Stefan lebt in Warschau, das unter brutaler deutscher Besatzungsherrschaft steht. Im Sommer 1944 schließt er sich der Polnischen Heimatarmee an, die am 1. August ihren Aufstand gegen die Wehrmacht beginnt, von den Russen im Stich gelassen. Mit Ala versucht er das Gemetzel zu überleben.
Von Sir Real

Der Posener Jan Komasa schiebt nach seiner Doku „Warsaw Uprising“ ebenfalls 2014 die faktentreue Fiktion „City 44“ über den Warschauer Aufstand im August 1944 nach (nicht zu verwechseln mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto 1943). Sein selbst geschriebenes Kriegsdrama ist das Äquivalent einer Splittergranate, die direkt vor einem krepiert und deren Schockwelle einen körperlich wie emotional mächtig umwirft.

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The Internet’s Own Boy: The Story of Aaron Swartz

The Internet's Own Boy: The Story of Aaron Swartz Cover

Brian Knappenberger, USA 2014
ohne deutschen Start

Unter dem Titel „Tod eines Internet-Aktivisten“ lief Brian Knappenbergers berührende Crowdfunding-Doku über Leben und Wirken des Programmierers und Netz-Aktivisten Aaron Swartz (1986-2013) bereits Anfang Januar praktisch unerkannt auf ZDFinfo. Immerhin kam der Sundance-Beitrag „The Internet’s Own Boy: The Story of Aaron Swartz“ auf die Oscar-Shortlist in der Dokumentarabteilung und erzählt die kurze Biografie eines unter Depressionen leidenden, wiewohl fröhlichen Computergenies, das seine technologischen Kenntnisse zum Zwecke der Weltverbesserung einsetzen wollte, an dem die US-Staatsanwaltschaft aber dann mit grotesken Strafaussichten ihr Mütchen kühlte, worauf dieser Selbstmord beging.

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Wir sind jung. Wir sind stark.

Beeindruckende, beklemmende und eindringliche Chronik des ausländerfeindlichen Pogroms in Rostock-Lichtenhagen 1992

Wir sind jung. Wir sind stark. Cover

Burhan Qurbani, D 2014
Kinostart: 22.01.2015
Story: Im verödeten Stadtteil Rostock-Lichtenhagen randaliert die arbeitslose Jugendclique um den stillen Stefan gegen Zigeuner im Asylantenheim. Stefans Lokalpolitiker-Vater, Behörden und Polizei sind mit der Situation überfordert. Am 24. August greift der Mob das von Vietnamesen bewohnte Sonnenblumenhaus an.
Von Sir Real

So ausdrucksstarke Charaktere haben im deutschen Film Seltenheitswert – gleiches gilt für den souveränen bis bravourösen Stil, mit dem Burhan Qurbani, Sohn afghanischer Einwanderer, nach „Shahada“ seine Könnerschaft eindrucksvoll bestätigt. Er liefert keine Anklage mit einfachen Antworten und klarer Schuldzuweisung, sondern ein eindringliches Gesellschaftsbild, keine monokausale, sondern eine mutlifaktorielle Chronik.

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Das Glück an meiner Seite

Hilary Swank in einem offenherzig-verständnisvollen Krankheits- und Frauenfreundschaftsdrama, das mitfühlt und bewegt

Das Glück an meiner Seite Cover

You’re Not You, George C. Wolfe, USA 2014
Kinostart: 16.04.2015, DVD/BD-Start: 27.08.2015
Story: Eineinhalb Jahre, nachdem der 36-jährigen Pianistin Kate die unheilbare degenerative Krankheit ALS diagnostiziert wurde, ist die zunehmend Gelähmte pflegebedürftig und nicht mehr societyfähig. Sie wählt ausgerechnet die chaotische, untaugliche Bec als Betreuung und trennt sich von ihrem reichen Mann.
Von Sir Real

Allen Auftritten von Hilary Swank ist ihr Engagement gemein. Ihre Rollenwahl folgt augenfällig der Message, als emanzipatorisches Vorbild für humanistisch-weibliche Werte einzutreten – ihre beharrliche Frauenpower verleiht jeder Performance von „Million Dollar Baby“ bis zuletzt „The Homesman“ eine anrührende Kraft. Ebenso im zur Ice Bucket Challenge passenden Film von George C. Wolfe („Das Lächeln der Sterne“).

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