Alle Beiträge von Thorsten Krüger

Saß bei der Revolution im Kino (um bei der Slo-Mo näher dran zu sein). Hat deshalb längst mehr als 10.000 Filme intus.

Euphoria

Von Alicia Vikander und Eva Green ergreifend gespieltes Euro-Schwesterndrama um Aussöhnung, Abschied, Krankheit und Freitod

Euphoria Cover

Lisa Langseth, S/D 2017
Kinostart: 24.05.2018
Story: Nach langer Zeit trifft die New Yorker Künstlerin Ines ihre Schwester Emilie wieder, um mit ihr eine Ferienwoche in Mitteleuropa zu verbringen. Emilie führt sie in ein idyllisches Spa im Wald, wo die unheilbar an Krebs Erkrankte zum Ines‘ Entsetzen selbstbestimmt aus dem Leben scheiden möchte.
Von Thorsten Krüger

„Euphoria“, die nach „Die innere Schönheit des Universums“ und „Hotell“ bereits dritte Kooperation zwischen der schwedischen Oscargewinnerin Alicia Vikander (aktuell in „Tomb Raider“) und ihrer Landsfrau Lisa Langseth, kann sich sehen lassen: Reifes Euro-Arthaus-Kino, das Menschen und Themen ernst nimmt, Konflikte, Werte- und Moralfragen erwachsen behandelt und auf die berührenden Leistungen zweier Aktricen vertraut.

ganzer Artikel

Tomb Raider

Zeitgemäß sexismusfreies Abenteuer-Reboot, das mit Alicia Vikander als menschlich bewegender Nachwuchs-Indiana-Jones punktet

Tomb Raider Cover

Roar Uthaug, GB/US 2018
Kinostart: 15.03.2018
Story: Seit vor sieben Jahren ihr geliebter Vater Richard bei der Suche nach der Grabinsel der Zauberin Himiko in japanischen Gewässern spurlos verschwand, weigert sich die junge Lara Croft das Alleinerbe des Firmenimperiums anzutreten. Doch dann entdeckt sie seine Videobotschaft – und bricht nach Fernost auf.
Von Thorsten Krüger

2001 bediente Angelina Jolie in „Lara Croft: Tomb Raider“ als berühmte Videogame-Ikone in einem seelenlosen Kommerzkalkül der künstlerisch untersten Schublade als feuchter Ballerspiel-Traum noch sämtliche männliche Fantasien. Diese wurden, feministisch auf der Höhe der Hollywood-Zeit, ersatzlos gestrichen, denn erfreulicherweise steht im Reboot das Menschliche im Mittelpunkt, was das Bestechende an „Tomb Raider“ ist.

ganzer Artikel

The Death of Stalin

Politfarce, in der satirisch-komisch wie düster-beklemmend die Diadochenkämpfe um Stalins Nachfolge in der UdSSR entbrennen

The Death of Stalin Cover

Armando Iannucci, F/GB/B 2017
Kinostart: 29.03.2018
Story: Moskau 1953. Als Sowjet-Diktator Josef Stalin nach einem Herzinfarkt reglos in seinem Amtszimmer liegt, ruft seine kriecherische Kamarilla keinen Arzt, sondern bringt sich intrigant für die Nachfolge des Terrorherrschers in Stellung. Malenkow, Geheimdienstchef Beria und Chruschtschow opponieren.
Von Thorsten Krüger

Wenn Armando Iannucci, der Erschaffer von „The Thick of It“ und „Veep“, wieder hinter die Vorhänge der Macht des Politbetriebs schaut und einmal mehr für beißende Dialoge sorgt, hat er keine Bad-Taste-Turbulenz wie Seth Rogens Nordkorea-Comedy „The Interview“ im Sinne, sondern eine kuriose Politfarce vor grausamen historischem Hintergrund. In „The Death of Stalin“ bleibt einem das Lachen deshalb oft im Hals stecken.

ganzer Artikel

Molly’s Game

Jessica Chastain brilliert als Tellerwäscherin, die hoch pokert und tief fällt, in einem hochklassigen Risikogeschäfts-Biopic

Molly's Game Cover

Aaron Sorkin, C/US 2017
Kinostart: 08.03.2018
Story: Nachdem Stürze und Wirbelsäulenbrüche ihre Olympia-Karriere im Freestyle Skiing früh beendet haben, entzieht sich Molly Bloom ihrem knallharten Vater und schlägt sich durch, darunter als attraktiver Köder für Underground-Poker-Runden. Für die sie reiche Promis anzieht, aber auch Mafia und FBI.
Von Thorsten Krüger

Aaron Sorkin, der profilierte Autor von vortrefflichen Dialogdramen wie „Eine Frage der Ehre“ und „The Social Network“ bis hin zur Politserie „West Wing“, findet in Molly Blooms Autobiografie „Molly’s Game: From Hollywood’s Elite to Wall Street’s Billionaire Boys Club, My High-Stakes Adventure in the World of Underground Poker“ die ideale Vorlage für einen fesselnden Beitrag über den Amerikanischen (Finanz)Traum.

ganzer Artikel

Unsere Favoriten 2017: Empfehlungen der Redaktion

Mein Leben als Zucchini

365 Tage hat es gedauert, bis es uns gelang, endlich die ganze Redaktion zu einer teambildenden Maßnahme zu versammeln (siehe Bild). Nach nur einer halben Stunde sind alle wieder geflohen und haben geschworen, sich frühestens in einem Jahr wiederzusehen! Nun, immerhin sind dabei ein paar Filmtitel herausgesprungen, die man sich solange ansehen kann – unsere Tipps für das Jahr 2017, die besten zuerst:

ganzer Artikel

Thelma

Berückende Coming-of-Age-Suspense, in der eine strikt kontrollierte Jungstudentin mit psychokinetischer Kraft die Liebe entdeckt

Thelma Cover

Joachim Trier, N/F/DK/S 2017
Kinostart: 22.03.2018
Story: Biologie-Erstsemester Thelma stammt aus religiös fundamentalistischem Elternhaus und findet keine Freunde. Das ändert sich, als sie College-Kommilitonin Anja trifft. Beide verlieben sich, derweil sich bei Thelma rätselhafte epileptische Anfälle häufen. Ihre repressiven Eltern versuchen sogleich, sie zu isolieren.
Von Thorsten Krüger

Norwegens (nicht in die Shortlist aufgenommener) Auslandsoscarvorschlag „Thelma“ ist eine vieldeutige, faszinierende und herzergreifend empathische Charakterstudie um die Befreiung aus elterlicher Unterdrückung, wobei das paranormale Phänomen als Katalysator und Metapher zugleich fungiert. Die Überwindung psychischer Kontrollgewalt birgt viele Storyelemente aus „Carrie“, nicht zuletzt die religiöse Unheilsstimmung.

ganzer Artikel

Wolf Warrior 2

Wolf Warrior 2 Cover

Zhan lang II, Wu Jing, C 2017
Kinostart: 14.09.2017

Zwei Jahre nach dem Überraschungserfolg des ersten Teils avancierte diesen Sommer der Actioner „Wolf Warrior 2“ zum erfolgreichsten Titel am chinesischen Boxoffice aller Zeiten und tourte Mitte September auch durch einige deutsche Kinos, bevor vermutlich im ersten Quartal 2018 die Heimkino-VÖ folgt. Dem simplen Konzept bleibt Regisseur/Hauptdarsteller Wu Jing (Martial-Arts-Fans unter dem Namen Jacky Wu ein Begriff) treu, dosiert nur die streng nationalistischen Töne etwas milder und offeriert mit ausgebautem Budget mehr Professionalismus, der einen hübschen Unterhaltungswert garantiert.

ganzer Artikel

Brimstone

Charakterstars entfachen in dem bildwuchtigen, eindringlichen und düsteren Arthaus-Western/Gewaltdrama ein misogynes Martyrium

Brimstone Cover

Martin Koolhoven, NL/F/D/B/S/GB/USA 2016
Kinostart: 30.11.2017
Story: Die stumme Hebamme Liz floh in eine entlegene Siedlung im Wilden Westen vor ihrer Vergangenheit, bis sie davon in Gestalt eines teuflischen Reverends wieder eingeholt wird: Der vernarbte Prediger hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Familie zu töten und sie für vermeintliche Sünden zu bestrafen.
Von Thorsten Krüger

Mit seiner internationalen Produktion „Brimstone“ legt der Niederländer Martin Koolhoven („Mein Kriegswinter“) ein derart ungemütliches Exerzitium von Perversion und Sadismen gegen Frauen hin, dass man sich in einer Art Heimsuchung wähnt – so als hätte Lars von Trier („Antichrist“) den Western „Das finstere Tal“ verfilmt. Handwerklich ist das großartig, aber in jeder Hinsicht too much und letztlich ungenießbar.

ganzer Artikel

Blade Runner 2049

Style mit Substanz: Denis Villeneuve demonstriert atemberaubend, wie die Fortsetzung eines Sci-Fi-Klassikers sein sollte

Blade Runner 2049 Cover

Denis Villeneuve, USA/GB/CDN 2017
Kinostart: 05.10.2017
Story: Jahrzehnte nach einem globalen Blackout jagt Blade Runner K. in Los Angeles 2049 noch immer alte Replikanten, derweil die neue Generation von Tyrell-Nachfolger Wallace störungsfrei den Menschen dient. Ein Knochenfund bringt K. auf eine Spur, die zu seinem abgetauchten Vorgänger Deckart führt.
Von Thorsten Krüger

Formidabel, freilich nicht fehlerlos: „Blade Runner 2049“, mit dem Hollywood nach 35 Jahren den Kultfilm „Blade Runner“ weiterspinnt, und Original-Drehbuchautor Hampton Fancher daran mitdichten lässt, zeigt, was möglich ist, wenn man die richtigen Leute akquiriert. Dann vereint sich das Beste beider Welten, eine Vision, die kein leeres Reboot-Spektakel ist, sondern eines mit Gravitas, Tiefgang, Tragik, Bedeutung und Reife.

ganzer Artikel

It Comes at Night

It Comes at Night Cover

Trey Edward Shults, USA 2017
Kinostart: 18.01.2018

Einfach das Ende der Welt: „It Comes at Night“ ist gefühlt das 100. apokalyptische Drama, das zurückgezogen in der Waldwildnis spielt, wie zuletzt „The Survivalist“ oder „Into the Forest“. Trey Edward Shults´ zweite Regiearbeit nach „Krisha“ übernimmt alle mangelnden Schauwerte des mäßig interessanten Subgenres, einschließlich Informationsvakuum, Isolation und Preppie-Dasein ohne Zivilisation. Sein Psychohorror wirkt als Familiendrama, bei dem die äußere Bedrohung einen Teufelskreis aus Paranoia, Angst und Misstrauen erzeugt, der sich als grausame Tragödie niederschlägt.

ganzer Artikel

Es

Andy Muschiettis fulminante Adaption von Stephen Kings Horrorclown-Klassiker hat das gewisse Es-was

Es Cover

It, Andy Muschietti, USA 2017
Kinostart: 28.09.2017
Story: Derry 1988. Seit dem Verschwinden seines kleinen Bruders versucht der 13-jährige Bill herauszufinden, was geschah. Mit sechs Gleichaltrigen des Loser-Clubs erwehrt er sich Erwachsener und eines grauenvollen Monsters, das in der Kanalisation unter der Stadt lebt und in Gestalt eines Clowns Kinder frisst.
Von Thorsten Krüger

American Horror Story: Andy Muschietti („Mama“) hat geschafft, was lange als unmöglich galt – eine gelungene Stephen-King-Verfilmung. Seine Version von „Es“ funktioniert sowohl als Coming-of-Age-Drama wie auch als Horrorschocker. Als Monsterclown Pennywise ist Bill Skarsgård („Atomic Blonde“) scary as hell und intensiviert mit fiesem Gebiss den knackigen Kampf von sieben Kids gegen die Dämonen der Kindheit.

ganzer Artikel

Radius

Elektrisierender Mystery-Thriller, der mit starker Stimmung, leiser Romantik und grauenvoller Enthüllung emotional heftig einschlägt

Radius Cover

Caroline Labrèche, Steeve Léonard, CDN 2017
ohne deutschen Start
Story: Sam läuft verletzt eine Straße im ländlichen Woodmore County entlang und kann sich an nichts erinnern. Alles in seiner Nähe stirbt binnen Sekunden, Menschen wie Tiere. Nur nicht eine Frau ohne Gedächtnis, die ihn angeblich kennt. Während die Polizei nach ihnen fahndet, wollen sie das tödliche Rätsel lösen.
Von Thorsten Krüger

Was das frankokanadische Regie-Pärchen Caroline Labrèche und Steeve Léonard („Lost Cause“) in ihrem Zweitling „Radius“ zeigt, ist einer der Überraschungsfilme des Jahres. Unter ihrer Gänsehaut-Regie geht das Schicksal zweier Seelenverwandter nahe: Der sorgfältige Plot mit beklemmender (Natur)Atmosphäre gewinnt stetig an Suspense, bis sich ein verstörender Twist samt Sci-Fi-Auflösung ins Gedächtnis gräbt.

ganzer Artikel

Der dunkle Turm

Der dunkle Turm Cover

The Dark Tower, Nikolaj Arcel, USA 2017
Kinostart: 10.08.2017

Okay, der Prolog von „Der dunkle Turm“ ist verwirrend, die schlecht zusammenpassenden Plotelemente idiotisch und die ausgelutschte Dramaturgie ein echter Krampf. Aber deshalb die Adaption von Stephen Kings achtbändiger Fantasy-Reihe (der Titel ist dem siebten Teil entnommen) gleich schlecht finden? Also bitte! Die Story vom alptraumgeplagten Teenie-Außenseiter Jake, dessen Visionen vom dunklen Turm, dem finsteren Magier Man in Black (ja, der heißt wirklich so) und dem Verteidiger Gunslinger Roland (der nächst geniale Name) sich als wahr herausstellen, ist purer, sinnfreier Quatsch.

ganzer Artikel

Dunkirk

Atemberaubend intensive Kriegs-Suspense über die Operation Dynamo, die 330.00 alliierten Soldaten das nackte Leben rettete

Dunkirk Cover

Christopher Nolan, GB/NL/F/USA 2017
Kinostart: 27.07.2017
Story: Dünkirchen im Mai 1940. Die Wehrmacht hat britische und französische Truppen an der Kanalküstenstadt eingekesselt. 400.000 schutzlose Soldaten hoffen wie der junge Brite Tommy am Strand tagelang auf eine Evakuierung. Bis unter dem Geleitschutz von Spitfires eine Zivilflotte anrückt.
Von Thorsten Krüger

Wenn Christopher Nolan sich eines Themas annimmt, kann man inzwischen sicher sein, dass es einer der Filme des Jahres wird. Der Regisseur von „Inception“ und „Interstellar“ geht ganz puristisch und erzählerisch minimalistisch vor, widmet sich ausschließlich dem Überleben in einer ausweglosen Lage, ganz ohne Hintergrund und die üblichen Genre-Elemente, um damit einen maximalen Effekt zu erzielen: reine Spannung.

ganzer Artikel

Planet der Affen: Survival

Ape-Pocalypse Now: anteilnehmende, düstere Science-Fantasy zwischen (Vietnam)Krieg, KZ-Drama und Bibelmotiven

Planet der Affen: Survival Cover

War for the Planet of the Apes, Matt Reeves, USA 2017
Kinostart: 03.08.2017
Story: Ein wahnsinnig gewordener Colonel jagt zwei Jahre, nachdem Koba ihm den Krieg erklärt hat, weiter den Stamm des friedfertigen Caesar. Als er seine Familie tötet und seinen Sohn entführt, bricht Caesar mit ein paar Gefährten auf, ihn zu befreien. Doch sein Volk landet in Gefangenschaft, während eine Armee naht.
Von Thorsten Krüger

Als einziges erwachsenes Blockbuster-Franchise steht die „Planet der Affen“-Reihe wie ein Fels in der Brandung alberner Comic-Kreaturen und verteidigt diese Position auch im dritten Part, den Teil-zwei-Regisseur Matt Reeves („Cloverfield“) erneut bewegend inszeniert, aber den Verdienst mit einem Übermaß an Bedeutungsschwere gefährdet. Das bislang düsterste Kapitel – in Gewand und Kost – reicht nicht ganz an die Vorgänger heran.

ganzer Artikel

Drive Baby Drive

Straßen in Flammen: style-intensive Actionromanze, die mit Charisma, Musik und Groove fasziniert – bis sie aus dem Takt gerät

Drive Baby Drive Cover

Baby Driver, Edgar Wright, GB/USA 2017
Kinostart: 27.07.2017
Story: Weil er bei ihm in der Kreide steht, fährt Miles unter dem Decknamen Baby für Bankster-König Doc Fluchtwagen bei dessen Überfällen. Als er sich in Kellnerin Debbie verliebt und aussteigen will, wird er zum Heist genötigt, bei dem alles eskaliert und ihn seine kriminellen Komplizen sowie die Polizei jagen.
Von Thorsten Krüger

Wieso fährt Justin Bieber jetzt Fluchtwagen? Darf der noch so spät aufbleiben? Hat der überhaupt schon einen Führerschein? Aber ja doch! Unter Komödien-Spezialist Edgar Wright („Shaun of the Dead“) läuft Teen-Star Ansel Elgort („Das Schicksal…“) zu Hochform auf in einer die Coolness ausbuchstabierenden musikalischen Actionromanze, die einer Musikvideo-Bewerbung von „La La Land“ für „Fast & Furious“ nahe kommt.

ganzer Artikel

Paradies

Drei miteinander verwobene Lebensläufe in einer formstrengen, poetischen Meditation über Kultur und Liebe im Holocaust

Paradies Cover

Ray, aka Paradise, Andrei Konchalovsky (Andrey Konchalovskiy), RUS/D 2016
Kinostart: 27.07.2017
Story: Die russische Aristokratin Olga hat im besetzten Frankreich zwei jüdische Kinder versteckt und ist der Gestapo ins Netz gegangen. Nach Androhung von Folter durch Kollaborateur Jules wird sie ins KZ deportiert, wo der junge SS-Offizier und Lagerinspekteur Helmut sie zu seiner Mätresse macht.
Von Thorsten Krüger

„Paradies“ könnte glatt die inoffizielle Adaption von Jonathan Littells erschütterndem Holocaust-Roman „Die Wohlgesinnten“ sein. Der von Unterhaltung („Runaway Train“) ins seröse Fach migrierte russische Regieveteran Andrei Konchalovsky („Das Irrenhaus“) erhielt für die Annäherung an seinen Arthaus-Bruder Nikita Michalkow („Die Sonne, die uns täuscht“) und Alexander Sokurow („Moloch“) in Venedig den Regiepreis.

ganzer Artikel

Sam Was Here

Summer of Sam: existenzieller Horror Vacui, der mit Terror in der Einöde einen unerklärlich-vielsagenden Paranoia-Trip entfesselt

Sam Was Here Cover

aka Nemesis, Christophe Deroo, F/USA 2016
ohne deutschen Start
Story: 1998 in der kalifornischen Mojave-Wüste: Vertreter Sam klingelt erfolglos an Trailertüren, als ein rotes Licht am Himmel erscheint. Zunächst begegnet er keinem Menschen, dann jagen ihn Vermummte mit der Waffe, weil ein gewisser Eddy im einzigen Radiosender gegen einen Kinderschänder namens Sam hetzt.
Von Thorsten Krüger

Bizarr, beunruhigend, bedrohlich, unerklärlich: „Sam Was Here“ (auch bekannt als „Nemesis“), das für ein Mikro-Budget in der US-Wüste entstandene Debüt des Franzosen Christophe Deroo, ist ein wahrer Glücksfall. In nur 72 Minuten verdichten sich Einflüsse von John Carpenter, David Lynch (vor allem „Inland Empire“) und Quentin Dupieux (speziell „Rubber“) zu einem spannungsgeladenen, angsteinflößenden Paranoia-Trip.

ganzer Artikel

The Void

The Void Cover

Jeremy Gillespie, Steven Kostanski, CDN 2016
DVD/BD-Start: 12.05.2017

Nachdem „The Void“ sich vor Monaten auf Genrefestivals (in Deutschland bei den „Fantasy Filmfest White Nights“) einen gewissen Ruf erarbeitet hat, prüfen wir ihn nun auf Herz und Nieren, mit gebührendem Sicherheitsabstand. Der wäre nicht nötig gewesen: Das Debüt der kanadischen Horrorfans und Effektkünstler Jeremy Gillespie und Steven Kostanski (zuletzt beteiligt an „Suicide Squad“) ist ein erst vielversprechendes, dann hochtrabendes, bald enttäuschendes Versatzstück-Sammelsurium der 80ies-Splatter-Welle.

ganzer Artikel

20th Century Women

As Time Goes By: großartiges Generationen-Porträt dreier Frauen (und zweier Männer), traurig, erheiternd, aufgeschlossen und bewegend

20th Century Women Cover

Mike Mills, USA 2016
Kinostart: 18.05.2017
Story: Santa Barbara, 1979. Die 55-jährige Dorothea zieht ihren 15-jährigen Sohn Jamie groß. Ihr Haus steht offen für Fotografin Abbie, die sich von einer Krebserkrankung erholt, Hippie-Faktotum William sowie Jamies promiskuitive Kindheitsfreundin Julie, die eine rein platonische Beziehung zu ihm unterhält.
Von Thorsten Krüger

Liebe. Sexualität. Freiheit (in Form von Liberalität). Das sind die hellsten Schlaglichter im umfassenden Themenspektrum eines biografischen Lebensporträts, das großartig erzählt ist: „20th Century Women“, der dritte, wieder selbst verfasste Spielfilm von Mike Mills („Thumbsucker“, „Beginners“), ist ein feines Meisterwerk neben ausgetretenen Pfaden, mit toller Leistung nicht nur von Annette Bening („American Beauty“).

ganzer Artikel

Lion

Ein junger Mann sucht seine Familie, die er vor 20 Jahren verlor: aufwühlendes, herzerschütterndes Drama mit Star-Unterstützung

Lion Cover

aka Lion: Der lange Weg nach Hause, Garth Davis, AUS/USA/GB 2016
Kinostart: 23.03.2017
Story: Durch einen unglücklichen Zufall gerät der 5-jährige Inder Saroo in einem Geisterzug, der ihn ins entfernte Kalkutta bringt. Dort landet er erst auf der Straße, dann in einem Waisenhaus, wo ihn ein australisches Pärchen nach Hobart adoptiert. 20 Jahre später forscht er wieder nach seiner verlorenen Mutter.
Von Thorsten Krüger

Basierend auf dem autobiografischen Roman „A Long Way Home“ von Saroo Brierley nimmt sich der australische Serien-Regisseur Garth Davis („Top of the Lake“) einer herzergreifende Geschichte von einem verlorenen Jungen an, der nach über 25 Jahren (Google Earth sei Dank) seine Familie wiederfindet. Ein unbedingt aufwühlendes Erlebnis, das von Rührseligkeiten absieht und dadurch als emotionaler Thriller einschlägt.

ganzer Artikel

Hacksaw Ridge

Mel Gibsons Comeback: Erlösergeschichte mit Andrew Garfield als pazifistischen Sanitäter, der im Kugelhagel Wunder wirkt

Hacksaw Ridge Cover

Mel Gibson, AUS/USA 2016
Kinostart: 12.01.2017
Story: Nach einer schikanösen Grundausbildung gerät der christlich-religiöse Waffenverweigerer Desmond Doss im Frühjahr 1945 als Sanitäter auf die Insel Okinawa in eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Im Kampf um die japanische Festung auf einem Steilhang rettet er 75 Kameraden das Leben.
Von Thorsten Krüger

Zehn Jahre nach seiner letzten Regiearbeit „Apocalypto“ ist Mel Gibson wieder gesellschaftsfähig, seit ihn der Politische-Korrektheits-Mob gekreuzigt hatte. Seinen Rache-Auftritten als Darsteller in munteren B-Movies wie „Get the Gringo“ und „Blood Father“ folgt nun die Rückkehr zur Regie. „Hacksaw Ridge“ stellt klar: Gibson hat einen weiteren Jesus-Film in der Tradition von „Braveheart“ und „Die Passion Christi“ realisiert.

ganzer Artikel

Boston

Die Chronik des Anschlags auf den Boston-Marathon als Suspense-Nägelbeißer mit herzerwärmender Das-macht-uns-stark-Botschaft

Patriots Day Cover

Patriots Day, Peter Berg, US 2016
Kinostart: 02.02.2017
Story: Polizei-Sergeant Saunders hat am 15. April 2013 Dienst, als an der Ziellinie des Boston Marathon am Patriots Day zwei Bomben explodieren. FBI-Agent DesLauriers erkennt auf Terrorismus und fahndet nach zwei Attentätern, die sich Tage später auf der Flucht in Watertown eine Schießerei liefern.
Von Thorsten Krüger

Inzwischen ist die augenfällige Anhäufung amerikanischer Heldenstorys in dieser Saison mehr als bloßer Zufall. Peter Berg, der nach „Deepwater Horizon“ ein weiteres Mal Mark Wahlberg ins Gefecht eines Thrillers mit Message schickt, stemmt den Löwenanteil an einer Selbstvergewisserung, in der sich noch mehr als in den sonst ganz verschiedenen „Sully“ und „Hacksaw Ridge“ die Nation versammelt und enger zusammenrückt.

ganzer Artikel

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Das Harry-Potter-Spin-Off ist visuell großartiger Eskapismus, dessen vergnügliche Amüsanz nach und nach im Effektbombast untergeht

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Cover

Fantastic Beasts and Where to Find Them, David Yates, GB/USA 2016
Kinostart: 17.11.2016
Story: 1926 trifft der verschrobene Newt Scamander in New York ein, den Koffer voller magischer Kreaturen, die aufgrund einer Verwechslung mit dem Muggel/No-Maj Kowalski entfliehen und Chaos stiften. Macusa-Mitarbeiterin Goldstein hilft sie wieder einzufangen, als am Horizont echte Bedrohungen auftauchen.
Von Thorsten Krüger

Nach acht Harry-Potter-Abenteuern markiert das Spin-Off „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ den Beginn einer fünfteiligen Reihe, die 70 Jahre zuvor im gleichen Universum angesiedelt ist, inszeniert vom erfahrenen David Yates (vier Harry-Potter-Filme) und verfasst von J.K. Rowling persönlich nach ihrem fiktiven „Lehrbuch“ über magische Tiere. Wie üblich werden kritische Einwände Potteristen von nichts abhalten.

ganzer Artikel