Archiv der Kategorie: Film

Goldstone

Der humanistisch bewegende Thriller um Zwangsprostitution im Outback vereint meisterlich Film Noir und Western

Goldstone Cover

Ivan Sen, AUS 2016
ohne deutschen Start
Story: Der alkoholsüchtige Aborigine-Detektiv Jay besucht auf der Spur eines vermissten Mädchens die in der Wüste gelegene Grenzstadt Goldstone, die quasi Eigentum des ansässigen Tagebaukonzerns ist. Der naive Cop Josh entdeckt, wie Bürgermeisterin und scharf schießende Security vor seiner Nase mit Menschen handeln.
Von Max Renn

Vor Kurzem erst hatten wir „Last Cab to Darwin“ zu unseren Favoriten 2016 gekürt, nun folgt gleich ein weiterer Titel aus Australien: „Goldstone“ (nicht zu verwechseln mit dem Abenteuerdrama „Gold“ mit Matthew McConaughey), vereint meisterlich Film Noir, Krimi und Western zu einem sorgfältig aufgebauten Thriller über human trafficking, Menschenhandel mit chinesischen Zwangsprostituierten: stimmig, humanistisch, bewegend.

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A Cure for Wellness

Gore Verbinski verpackt attraktiv Genre-Standards, Märchenmotive und Psychomystery zum wohligen Gothic-Grusel

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Gore Verbinski, USA/D 2016
Kinostart: 23.02.2017
Story: Nachwuchsmanager Lockhart hofft auf einen Karrieresprung, wenn er für sein Finanzverbrecherkonzern Vorstandsmitglied Pembroke aus einem Schweizer Bergsanatorium holt. Ein Wildunfall fesselt Lockhart ans entlegene Spa mit düsterer Historie, wo dubiose Heilverfahren und Dr. Brennan regieren.
Von Gnaghi

Obwohl die Story von „A Cure for Wellness“ kaum mehr hergibt als ein B-Movie, gelingt es „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski einmal mehr, diese Genre-Versatzstücke visuell reizvoll zu verpacken. Er versenkt sich damit dermaßen in eine (selten überraschende, dafür umso mehr dräuende) Mystery mit Gothic-Touch, und das so ansprechend und hübsch hergerichtet, dass man die gängigen Komponenten kaum registriert.

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Lion

Ein junger Mann sucht seine Familie, die er vor 20 Jahren verlor: aufwühlendes, herzerschütterndes Drama mit Star-Unterstützung

Lion Cover

aka Lion: Der lange Weg nach Hause, Garth Davis, AUS/USA/GB 2016
Kinostart: 23.03.2017
Story: Durch einen unglücklichen Zufall gerät der 5-jährige Inder Saroo in einem Geisterzug, der ihn ins entfernte Kalkutta bringt. Dort landet er erst auf der Straße, dann in einem Waisenhaus, wo ihn ein australisches Pärchen nach Hobart adoptiert. 20 Jahre später forscht er wieder nach seiner verlorenen Mutter.
Von Thorsten Krüger

Basierend auf dem autobiografischen Roman „A Long Way Home“ von Saroo Brierley nimmt sich der australische Serien-Regisseur Garth Davis („Top of the Lake“) einer herzergreifende Geschichte von einem verlorenen Jungen an, der nach über 25 Jahren (Google Earth sei Dank) seine Familie wiederfindet. Ein unbedingt aufwühlendes Erlebnis, das von Rührseligkeiten absieht und dadurch als emotionaler Thriller einschlägt.

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Hidden Figures

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aka Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen, Theodore Melfi, USA 2016
Kinostart: 02.02.2017

„Hidden Figures“, unsichtbare Personen, gibt es in der Geschichte zuhauf. Wie es drei Afroamerikanerinnen 1961 im amerikanischen Virginia erging, die als menschliche Computer der NASA ermöglichten, erstmals einen Menschen sicher ins All und zurück zu bringen, erzählt Theodore Melfi („St. Vincent“) schwungvoll und zu Herzen gehend. Eine ähnliche Prämisse – vergessene Helden helfen den USA bei der Mondlandung – verwandelte schon „The Dish“ in eine vortreffliche Komödie.

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Jackie

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aka Jackie: Die First Lady, Pablo Larraín, RCH/F/USA 2016
Kinostart: 26.01.2017

Für sein englischsprachiges Debüt hat sich der Chilene Pablo Larraín (oscarnominiert für „No“) nach „Neruda“ wieder ein Biopic herausgesucht; an einem umfangreichen Porträt der ehemaligen First Lady und früheren Journalistin Jacqueline Kennedy zeigt er sich gleichwohl weniger interessiert als an einer Nahaufnahme, einem vielschichtigen Psychogramm, das auf eine Verklärung verzichtet. Vielmehr entwirft Noah Oppenheims in Venedig prämiertes Drehbuch einen zwiespältigen Charakter, den „Königin Amidala“ Natalie Portman mit oscarwürdiger Brillanz spielt.

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Hacksaw Ridge

Mel Gibsons Comeback: Erlösergeschichte mit Andrew Garfield als pazifistischen Sanitäter, der im Kugelhagel Wunder wirkt

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Mel Gibson, AUS/USA 2016
Kinostart: 12.01.2017
Story: Nach einer schikanösen Grundausbildung gerät der christlich-religiöse Waffenverweigerer Desmond Doss im Frühjahr 1945 als Sanitäter auf die Insel Okinawa in eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Im Kampf um die japanische Festung auf einem Steilhang rettet er 75 Kameraden das Leben.
Von Thorsten Krüger

Zehn Jahre nach seiner letzten Regiearbeit „Apocalypto“ ist Mel Gibson wieder gesellschaftsfähig, seit ihn der Politische-Korrektheits-Mob gekreuzigt hatte. Seinen Rache-Auftritten als Darsteller in munteren B-Movies wie „Get the Gringo“ und „Blood Father“ folgt nun die Rückkehr zur Regie. „Hacksaw Ridge“ stellt klar: Gibson hat einen weiteren Jesus-Film in der Tradition von „Braveheart“ und „Die Passion Christi“ realisiert.

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Die irre Heldentour des Billy Lynn

Ang Lee demontiert in seiner Satire Amerikas tumbe Oberflächlichkeit, wenn ein junger Soldat zwischen Sein und Schein steht

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Billy Lynn’s Long Halftime Walk, Ang Lee, USA/GB/C 2016
Kinostart: 02.02.2017
Story: Nachdem er einem Kameraden im Irak das Leben rettete, geht der 19-jährige Soldat Billy Lynn mit seiner Einheit auf eine Siegestour quer durch die USA. Die gigantischen Shows in riesigen Footballstadien stehen im krassen Kontrast zu den wahren Geschehnissen, vor denen Billys Schwester ihn retten will.
Von Caroline Lin

Der profilierte Taiwaner Ang Lee gilt seit Jahrzehnten als einer von Hollywoods besten Autorenfilmern, seine jüngsten Oscarerfolge reichen vom Schwulendrama „Brokeback Mountain“ bis zur Fantasy „Life of Pi“. Ein Mann von solchem intellektuellen Format und gestalterischer Bandbreite ist der ideale Kandidat, um Amerikas aus der Unsicherheit geborenem Verlangen nach Helden in einer bewegenden Satire den Spiegel vorzuhalten.

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Boston

Die Chronik des Anschlags auf den Boston-Marathon als Suspense-Nägelbeißer mit herzerwärmender Das-macht-uns-stark-Botschaft

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Patriots Day, Peter Berg, US 2016
Kinostart: 02.02.2017
Story: Polizei-Sergeant Saunders hat am 15. April 2013 Dienst, als an der Ziellinie des Boston Marathon am Patriots Day zwei Bomben explodieren. FBI-Agent DesLauriers erkennt auf Terrorismus und fahndet nach zwei Attentätern, die sich Tage später auf der Flucht in Watertown eine Schießerei liefern.
Von Thorsten Krüger

Inzwischen ist die augenfällige Anhäufung amerikanischer Heldenstorys in dieser Saison mehr als bloßer Zufall. Peter Berg, der nach „Deepwater Horizon“ ein weiteres Mal Mark Wahlberg ins Gefecht eines Thrillers mit Message schickt, stemmt den Löwenanteil an einer Selbstvergewisserung, in der sich noch mehr als in den sonst ganz verschiedenen „Sully“ und „Hacksaw Ridge“ die Nation versammelt und enger zusammenrückt.

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Star Wars: Rogue One

Das Dreckige Dutzend unter Palmen: Gareth Edwards „Star Wars“-Ableger ist als Kriegsfilm notgedrungen zu brav

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Rogue One, Gareth Edwards, US 2016
Kinostart: 15.12.2016
Story: Einzelkämpferin Jyn Erso wird von Rebellen genötigt, an einem Himmelfahrtskommando teilzunehmen, um mit dem undurchsichtigen Cassian, einem Droiden, Abtrünnigen und Kombattanten die Pläne des imperialen Todessterns zu stehlen, den Ersos Vater Galen wider Willen erbauen musste.
Von Max Renn

Das erste Spin Off der Sternensaga, „Star Wars: Rogue One“, erzählt als Prequel zum ersten Teil von 1977, wie die Rebellen zu den Plänen des Todessterns gelangen. Gareth Edwards, der sich mit der cleveren Bändigung von „Monsters“ und „Godzilla“ für höhere Weihen empfahl, strebt mit einer Zweitreihenbesetzung einen dreckigen, düsteren, dampfigen Kriegsfilm an, der sich nach eigenen Angaben an „Apocalypse Now“ orientiert.

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Allied

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Allied – Vertraute Fremde, Robert Zemeckis, GB/USA 2016
Kinostart: 22.12.2016

Robert Zemeckis hat einige Klassiker erschaffen, darunter „Forrest Gump“ und „Cast Away“ – mitunter aber auch Verzichtbares wie „Beowulf“ und „Polarexpress“. Irgendwo dazwischen liegt „Allied“, das die Spionagefront des Zweiten Weltkriegs in eine Liebesbeziehung verlegt. Es hilft dem romantischen Thriller allerdings wenig, im ersten Drittel als „Casablanca“ reloaded aufzutreten, eine Hommage mit Brad Pitt (wieder im Krieg nach „Inglorious Basterds“ und „Herz aus Stahl“) als Bogart und Marion Cotillard („Inception“) als Bergman.

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Hell or High Water

No Country for Old Men: melancholisch-sozialkritischer Abgesang auf den American Dream mit Herz für die kleinen Leute

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David Mackenzie, USA 2016
Kinostart: 12.01.2017
Story: Der geschiedene Vater Toby und sein Bruder, Ex-Sträfling Tanner, rauben im verarmten Westtexas mehrere Filialen einer Bank aus, um die von einer Hypothek bedrohte Familienfarm zu retten. Der vor der Pensionierung stehende Texas Ranger Hamilton und sein Partner Parker nehmen die Ermittlungen auf.
Von Max Renn

Der Brite David Mackenzie, seit „Hallam Foe“ immer noch ein Geheimtipp, gestaltet ein bewegendes Verbrecherdrama im uramerikanischen Neo-Western-Gewand mit enormen Human Touch, basierend auf einem weiteren großartigen Script von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan. „Hell or High Water“ umfasst tiefer gehende Charakterstudie, Bankraub-Thriller, Road Movie, modernen Western und Tex-Mex-Noir mit Wirkungstreffern.

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Sully

Ein Held zum Anfassen: Clint Eastwood rekapituliert das „Wunder vom Hudson“ mit einem bescheidenen, aufrechten Captain

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Clint Eastwood, USA 2016
Kinostart: 01.12.2016
Story: Als am 15. Januar 2009 ein vollbesetzter Airbus in New York startet, zerfetzt eine Minute später Vogelschlag beide Triebwerke und Pilot Chesley Sullenberger entscheidet sich für eine Notwasserung um eiskalten Hudson River. Alle 155 Passagiere überleben, doch eine Kommission hält ihn für schuldig.
Von Gnaghi

Amerika braucht Helden und versichert sich in zyklischen Abständen gerne seiner eigenen unerschütterlichen Tauglichkeit. „Sully“, „Deepwater Horizon“ und demnächst „Hacksaw Ridge“ ergeben eine Zufalls-Häufung, in denen bescheidene Alltags-Heroen besungen werden, Underdogs zum Anfassen, die abgehobenen Eliten eines verdorbenen Systems trotzen – passend zur aktuellen politischen Situation der Unsicherheit in den USA.

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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Das Harry-Potter-Spin-Off ist visuell großartiger Eskapismus, dessen vergnügliche Amüsanz nach und nach im Effektbombast untergeht

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Cover

Fantastic Beasts and Where to Find Them, David Yates, GB/USA 2016
Kinostart: 17.11.2016
Story: 1926 trifft der verschrobene Newt Scamander in New York ein, den Koffer voller magischer Kreaturen, die aufgrund einer Verwechslung mit dem Muggel/No-Maj Kowalski entfliehen und Chaos stiften. Macusa-Mitarbeiterin Goldstein hilft sie wieder einzufangen, als am Horizont echte Bedrohungen auftauchen.
Von Thorsten Krüger

Nach acht Harry-Potter-Abenteuern markiert das Spin-Off „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ den Beginn einer fünfteiligen Reihe, die 70 Jahre zuvor im gleichen Universum angesiedelt ist, inszeniert vom erfahrenen David Yates (vier Harry-Potter-Filme) und verfasst von J.K. Rowling persönlich nach ihrem fiktiven „Lehrbuch“ über magische Tiere. Wie üblich werden kritische Einwände Potteristen von nichts abhalten.

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Les cowboys

Das Euro-Arthaus-Update des John-Wayne-Klassikers „Der schwarze Falke“ ist ein leises Identitätsmelodram um kulturelle Grenzen

Les cowboys Cover

Thomas Bidegain, F 2015
ohne deutschen Start
Story: 1994. Kelly, die 16-jährige Tochter der Ballands, verschwindet auf einem französischen Rodeofest spurlos. Da niemand hilft, sucht Vater Alain sie auf eigene Faust. Die Spur führt zu Kellys heimlichen arabischen Freund, in radikalislamische Viertel Europas, dann nach Pakistan – eine Suche, die Alain ruiniert.
Von David McAllan

Für sein Regiedebüt „Les cowboys“ hat Frankreichs profilierter Drehbuchautor Thomas Bidegain, bekannt für Werke wie „Ein Prophet“ oder „Der Geschmack von Rost und Knochen“, John Fords berühmten Western bzw. Alan Le Mays Vorlage in die heutige Zeit transferiert. Seine viele Jahre umspannende Odyssee legt den Finger auf eine Wunde, wenn aus Indianern radikale Muslime in der Ära vor und nach dem 11. September werden.

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Your Name

Komisch, tragisch, herzzerreißend: Makoto Shinkais Anime-Lovestory über Zeit und Raum hinweg ist großartiges Kino

Your Name Cover

Kimi no na wa., Makoto Shinkai, J 2016
ohne deutschen Start
Story: Die Teenager Mitsuha und Taki wachsen an grundverschiedenen Orten auf, Mitsuha an einem idyllischen, traditionellen Meeresbuchtstädtchen, Taki im modernen Tokio. Bis sie eines Tages die Körper wechseln, immer wieder, was beider Schicksale miteinander verknüpft. Und Taki begreift, dass eine Katastrophe droht.
Von Thorsten Krüger

Aus Verbundenheit mit einem treuen Leser verkünde ich die These: „Your Name“ ist ganz großes Tennis. War Makoto Shinkai („5 Centimeters per Second“ und „Die Reise nach Agartha“) bislang ein echter Geheimtipp, dürfte er hiermit den Anime-Thron erklimmen, der seit dem vorläufigen Ende von Studio Ghibli („Wie der Wind sich hebt“) vakant ist. Ex aequo mit dem gleichermaßen talentierten Mamuro Hosada („Ame & Yuki“).

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Störche

Der cartooneske Einsatz für Kinder statt Karriere verwechselt Hektik mit Rasanz, versöhnt aber mit herzerwärmendem Feel Good

Stoerche Cover

Storks, Nicholas Stoller, Doug Sweetland, USA 2016
Kinostart: 27.10.2016
Story: Früher lieferten Störche Babys aus. Inzwischen sind sie ein hocheffizienter Paketdienst. Bis ihre Fabrik versehentlich ein Neugeborenes produziert. So versuchen Karrierist Junior und Chaotin Tulip das Kind an die Familie Gardner zuzustellen, bevor ihr Boss und intrigante Kollegen Wind davon bekommen.
Von Sir Real

Pixars (deutlich lustigerer) 6-minüter „Teilweise wolkig“ stand wohl Pate für diese „Angry Birds“ von Warner Animation, die derzeit ihr „Lego Movie“ kommerziell ausschlachten und mit dem Vorfilm „The Master: A Lego Ninjago Short“ Laune machen, bei dem ein Huhn Jackie Chan mächtig in die Parade fährt. Das Restprogramm bestreiten „Bad Neighbors“-Regisseur Nicholas Stoller und Pixar-Animator Doug Sweetland („Presto“).

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Nocturnal Animals

Modedesigner Tom Ford gelingt es nicht, großartige Schauspieler in divergierenden Erzählebenen in ein stimmiges Ganzes zu integrieren

Nocturnal Animals Cover

Tom Ford, USA 2016
Kinostart: 22.12.2016
Story: Die reich verheiratete, aber unglückliche Galeristin Susan erhält eines Tages ein Romanmanuskript von ihrem Ex-Mann, den sie damals aus Kalkül verließ. Die brutale Mär um Edward, der seine ganze Familie an ein Mördertrio verliert, schockiert und bannt sie – die Parallelen zur Realität sind Absicht.
Von Max Renn

Lange sieben Jahre nach seinem berührenden Geniestreich „A Single Man“ greift Modezar Tom Ford wieder zur Kamera und hat sich für seine exquisite Bild- und Ausstattungs-Kür „Nocturnal Animals“ die Vorlage „Tony & Susan“ von Austin Wright ausgesucht, bei der die beiden Erzähl-Ebenen jedoch wesentlich wirkungsvoller verschränkt sind als in Fords disparaten und bemühten, aber ziemlich leeren Prätentions-Thriller.

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Trolls

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Mike Mitchell, Walt Dohrn, USA 2016
Kinostart: 20.10.2016

Heute schon einen Clown gefrühstückt? Vorbei sind die Zeiten, als die „Shrek“-Schmiede DreamWorks Animation noch zu satirischer Subversion imstande war; mit dem affirmativen, Disney-konformen, quietschbunten Musical „Trolls“ visiert das Regie-Duo Mike Mitchell („Für immer Shrek“) und Walt Dohrn (Autor von „Shrek 2“) ein ziemlich junges Publikum an. Ihr Rezept: Jeden Widerstand gnadenlos niederknuddeln. Das packt nicht jeder. Und so schwankt diese grell rotierende Glücksgefühl-Erzeugungsmaschine zwischen unwiderstehlich und unausstehlich.

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Manchester by the Sea

Leise nahegehend: Casey Afflecks authentische Hiobsrolle als gebrochener Mann, der ins Leben zurückfinden muss

Manchester by the Sea Cover

Kenneth Lonergan, USA 2016
Kinostart: 19.01.2017
Story: Der unzugängliche Bostoner Hausmeister Lee soll für seinen just an einem Herzfehler verstorbenen Bruder das Sorgerecht für dessen 16-jährigen Sohn Patrick im Ostküstenstädtchen Manchester übernehmen. Der nach einer Tragödie geschiedene Einzelgänger ist mit der schwierigen Aufgabe überfordert.
Von Thorsten Krüger

Das seit seiner Premiere in Sundance als heimlicher Oscarkandidat gehandelte Drama vom New Yorker Kenneth Lonergan („Margaret“) um Schuld, Trauer und das Zurückfinden ins Leben hat wieder den bedächtigen Fortgang und die reale Lebenswelt seiner Vorgänger sowie den Fokus auf die darstellerischen Leistungen. Für „Manchester by the Sea“ ist Bens Bruder Casey Affleck („Auge um Auge“) eine Nominierung zuzutrauen.

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Die Insel der besonderen Kinder

Ransom Riggs Jugendfantasyvorlage passt ideal in Tim Burtons Gothic-Universum: bekannt, behäbig, (moderat) berührend

Die Insel der besonderen Kinder Cover

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, Tim Burton, USA 2016
Kinostart: 06.10.2016
Story: Als Großvater Abe gewaltsam stirbt, findet sein heranwachsender Enkel Jake heraus, dass seine Geschichte über ein Heim für übernatürlich begabte Kinder wahr ist. Auf einer walisischen Insel stecken sie unter der Obhut von Miss Peregrine in einer Zeitschleife anno 1943. Und werden von Monstern bedroht.
Von Jochen Plinganz

Wann ist Tim Burton eigentlich so langweilig und bieder geworden? Und trotzdem: Seine Verfilmung von Ransom Riggs Jugendfantasyabenteuer „Die Insel der besonderen Kinder“ ist besser als das Buch und die eigenen letzten Werke wie „Alice im Wunderland“. Wie eine Geschichte von Roald Dahl passt diese betuliche Wunderwelt in Burtons Repertoire, hat das Flair von Harry Potters Hogwarts und „X-Men“-ABC-Schützen.

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Deepwater Horizon

Atemberaubend, authentisch, adrenalinstarrend: Mark Wahlberg in einem Katastrophentrhiller mit ärgerlicher Botschaft

Deepwater Horizon Cover

Peter Berg, USA 2016
Kinostart: 24.11.2016
Story: Im April 2010 verabschiedet sich Cheftechniker Mike von daheim, um auf die Ölbohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko zu fliegen. Gegen seinen und den Willen von Leiter Jimmy verlangt BP-Manager Vidrine trotz technischer Probleme volle Förderleistung. Kurz darauf explodiert die Bohrinsel.
Von Thorsten Krüger

Nach ihrem letzten Gemeinschaftsprojekt „Lone Survivor“ stand schwerstes Pathos zu befürchten, aber Peter Berg und sein Star Mark Wahlberg setzen ihr 150-Millionen-Budget für einen verblüffend realistischen und deshalb packenden, puren Katastrophenthriller ein, der fulminant und beeindruckend das Inferno auf der „Deepwater Horizon“ im April 2010 schildert. Allerdings bleibt ein äußerst schaler Nachgeschmack übrig.

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Snowden

Oliver Stone widmet Whistleblower Edward Snowden ein Politthriller-Biopic, das ihn als stillen Helden unserer Zeit ausweist

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Oliver Stone, F/D/USA 2016
Kinostart: 22.09.2016
Story: Als junger Soldat erleidet Edward Snowden einen Unfall, der seine Karriere beendet – und eine viel größere als Azubi bei der CIA startet. Der brillante Programmierer steigt schnell auf zum Spezialisten der NSA, die seine Programme zur Total-Spionage missbraucht. Bis sich Snowden zur Enthüllung entschließt.
Von Sir Real

Immer noch der große Wahrheitssucher, der keine Kontroverse scheut: Oliver Stone, dessen Dokudrama über Edward Snowden auch seine eigene Biografie spiegelt. Indes fehlt das Feuer, die Energie aus „JFK“, die Wucht aus „Platoon“, die Gabe, einem dem Boden unter den Füßen wegzuziehen wie in „Wall Street“. Dennoch: „Snowden“ ist immer noch ein sehenswertes Statement – aber lange nicht das Meisterwerk, das es hätte sein können.

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Don’t Breathe

Suspense auf Socken: kompromisslos-klaustrophobischer Low-Budget-Nägelbeißer vom „Evil Dead“-Regisseur

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Fede Alvarez, USA 2016
Kinostart: 08.09.2016
Story: White-Trash-Braut Rocky und zwei Komplizen wollen mit einem Raubzug das verrottete Detroit verlassen und haben sich mit einem blinden Irak-Veteran ein vermeintlich leichtes Opfer ausgesucht. Doch der einsame Mann ist keineswegs wehrlos und verwandelt sein altes Haus in eine finstere Todesfalle.
Von Thorsten Krüger

Mit einem Großteil des Produktionsteams seines hartgesottenen „Evil Dead“-Remakes (inklusive Hauptdarstellerin Jena Levy) legt der Uruguayer Regisseur Fede Alvarez einen kleinen, leicht schmuddligen B-Thriller nach. Was „Lights Out“ als übernatürlicher Horror nutzt, wendet „Don’t Breathe“ als Thriller menschlicher Verbrechen und Abgründe an: Dunkelheit. Ganz im Sinne des Vorbilds „Warte, bis es dunkel ist“ von 1967.

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Swiss Army Man

Furzwitze auf der Insel: Der Sundance-Gewinner mit Daniel Radcliffe und Paul Dano verschleppt seine tragikomische Ode an einen Freak

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Dan Kwan, Daniel Scheinert (aka Daniels), USA 2016
Kinostart: 13.10.2016
Story: Gerade, als sich der lange auf einer einsamen Insel gestrandete Hank erhängen will, spült die Flut die Leiche von Manny an. Der leidet an chronischen Flatulenzen, wodurch er Hank errettet. Beide erleben eine Odyssee, bei der Hank dem wissbegierigen Manny die Grundzüge des Lebens erklären muss.
Von Max Renn

Der Loser und die Leiche: Der Spielfilmerstling der für ihre absurden Kurzfilme („Interesting Ball“) bekannten Werbefilmer Dan Kwan und Daniel Scheinert, stets als „Daniels“ in den Credits verzeichnet, ist nicht minder absurd und grotesk, ein Zwei-Personen-Stück am Strand und im Wald. In der Robinsonade, die herzlich wenig mit „Cast Away“ gemein hat, spielt Daniel Radcliffe den „Swiss Army Man“ als wiederholten Lebensretter.

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