Archiv der Kategorie: Preview

Pee Mak

Herrlich dämlicher Spuk-Unfug, der eine thailändische Schauermär zur selbstironisch-herzerwärmenden „Chinese Ghost Story“ konvertiert.

Pee Mak Cover

Pee mak phrakanong, Banjong Pisanthanakun, TH 2013
ohne deutschen Start
Story: Thailand im 19. Jahrhundert. Mak kehrt aus dem Schützengraben zu seiner Frau Nak und dem Neugeborenen zurück, seine vier Frontfreunde, deren Leben er rettete, quartieren sich daneben ein. Im Dorf regiert jedoch die Angst vor Nak, die angeblich mit ihrem Baby starb und nun als Geist Schrecken verbreitet.
Von Thorsten Krüger

Jene volkstümliche Geisterlegende, die auch das reputable Fantasymelo „Nang Nak“ inspirierte, dient in Thailands erfolgreichstem Kassenschlager aller Zeiten als Vorlage für eine Romantikkomödie, die mit Vollpfosten-Personal einen hemmungslos hysterischen Klamauk abfeiert, der so bescheuert ist, dass es sich zum dick unterhaltsamen Feel-Good-Fun auswächst.

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I Spit on Your Grave 2

Martyrium in Bulgarien: Rabiat expliziter Rape-and-Revenge-Schocker, mit dem Steven R. Monroe für Stimmung sorgt.

I Spit on Your Grave 2 Cover

Steven R. Monroe, USA 2013
DVD/BD-Start: 04.09.2014
Story: Das New Yorker Model Holly nimmt aus Geldnot die dubiose Fotoshooting-Offerte dreier osteuropäischer Brüder an, die sie nachts überfallen und vergewaltigen, ihren Nachbarn töten, sie nach Sofia verschleppen und brutal foltern. Jeder hat sich gegen sie verschworen, aber statt zu sterben, schlägt Holly zurück.
Von Thorsten Krüger

Ein winterkalter Rape and Revenge: Steven R. Monroe, der Mastermind des bereits vom Staatsanwalt einkassierten Gewaltattentats von 2010, unternimmt in der minimal variierten, ähnlich rabiat brutalen Fortsetzung erneut alles, um Ruf und Verbotsforderungen gerecht zu werden. Statt Rednecks sind es nun drei Bulgaren-Bastarde, die mit konspirativer Unterstützung der ganzen Stadt eine wehrlose Frau wochenlang schänden, peinigen und lebendig begraben.

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Not Fade Away

Eine Garagenband scheitert: Musikdrama vom „Sopranos“-Erfinder über den Blues des Erwachsenwerdens und Sixties-Rock’n’Roll.

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David Chase, USA 2012
Kinostart: 26.09.2013
Story: New Jersey in den Sixties: Drummer Doug und seine Teenband träumen vom großen Erfolg. Doch während die Stones rocken und rollen, krebsen die Jungs als namenlose Kellercombo herum. Doug rebelliert gegen den strengen Vater, findet in Grace endlich eine Freundin und entscheidet sich zum Filmstudium.
Von Thorsten Krüger

Wow, dieser Film ist pure Melancholie – aber keineswegs humorlos. Ein Musikdrama mit Seele, übers Erwachsenwerden im New Jersey der Sixties, ein White Man’s Blues zur Zeit von Vietnam und Rassenunruhen. Der bereits 67-jährige „Sopranos“-Schöpfer David Chase erweist sich in seinem Kinodebüt als echtes Nachwuchstalent und verarbeitet Jugenderinnerungen zum Coming of Age, das authentisch Lebensgefühl und Zeitkolorit einfängt.

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Paranoia

Attraktiv besetzter Wirtschaftsspionage-Thriller, der als vorhersehbares Moraldrama seinem hippen Edelglanz-Look erliegt.

Paranoia Cover

Robert Luketic, GB 2013
Kinostart: 19.09.2013
Story: Adam fühlt sich um seine Karriere betrogen, weshalb er zugreift, als ihm der gerissene Konzernchef Wyatt einen hochdotierten Job anbietet. Jedoch muss der ambitionierte Elektroniktüftler bei der Konkurrenz, Wyatts Feind Goddard, in der hochgesicherten Entwicklungsabteilung anfangen und Firmengeheimnisse ausspionieren.
Von Max Renn

You’re Next

Horror, Terror, Gewaltgroteske: Adam Wingard übertreibt es gewaltig mit seinem Belagerungs-Szenario zwischen „Das Fest“ und „Assault“.

You're Next Cover

Adam Wingard, USA 2011
Kinostart: 07.11.2013, DVD/BD-Start: 13.03.2014
Story: Kaum haben die wohlhabenden Davisons ihr weitläufiges Landhaus bezogen, um mit ihren vier Söhnen und deren Anhang ihren 35. Hochzeitstag im familiären Kreis zu feiern, schießen maskierte Unbekannte, die bereits die Nachbarn ermordeten, mit Pfeilen und belagern ihre Opfer die Nacht hindurch.
Von Gnaghi

Als wolle er einen mustergültigen Nägelbeißer vom Stapel lassen und einen Show Case seines kompetenten Könnens abliefern, zeigt der derzeit angesagte Adam Wingard („A Horrible Way to Die“), wie fulminant er die Stilmittel beherrscht, vom Start weg eine fast permanente Bedrohung aufzubauen und vornehmlich durch volle Lautstärke zu erschrecken.

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Ich fühl mich Disco

Feinsinnig, tragikomisch, ergreifend: (Schlager)Musik und Fantasie transzendieren Pubertätsleiden von Schicksalsschlag bis Coming Out.

Ich fühl mich Disco Cover

Axel Ranisch, D 2013
Kinostart: 31.10.2013
Story: Der sensible Florian steckt mitten in der Pubertät und ist nur glücklich im Schlagergesangsduett mit seiner unverkrampften Mutter. Als die nach einem Schlaganfall im Koma liegt, muss er sich mit seinem verständnislosen Vater herumschlagen, entdeckt seine Homosexualität und verliebt sich in den Falschen.
Von Thorsten Krüger

Sensationell sensible wie erschreckend echte Tragikomödie aus der „Das kleine Fernsehspiel“-Qualitätsschmiede über das Erwachsenwerden, den Abschied von der Mutterliebe und die Qualen des Coming Out. Rosa-von-Praunheim-Schüler Axel Ranisch beweist in seiner fantasievollen Liebeserklärung an die eigene Jugend, wie frisch, frech und hervorragend deutsches Kino sein kann, wenn man nur spontan und talentiert ist.

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Odd Thomas

Geistreiche Geisterbahn mit Herz, die Stephen Sommers („Die Mumie“) als unwiderstehlichen Teenie-„Frighteners“ verpackt.

Odd Thomas Cover

Stephen Sommers, USA 2013
DVD/BD-Start: 02.12.2013
Story: Nomen est Omen: In Pico Mundo gilt Geisterseher Odd Thomas gilt als harmloser Freak, der in dem friedlichen kalifornischen Städtchen als Imbiss-Koch Freundin Stormy anhimmelt und mit den Seelen von Toten Mörder überführt. Als Fungus Bob und bösartige Kreaturen aufkreuzen, ahnt Odd eine Katastrophe.
Von Thorsten Krüger

Espritvoll-rasante Geisterbahn-Komödie, in der „Mumien“-Regisseur Sommers nach Motiven von Dean R. Koontz alle Register zieht, um eine bonbonbunte Teenie-Mystery mit einem unwiderstehlichen Traumpaar – „Chekow“ Anton Yelchin und die süße Addison Timlin aus „Californication“ – hinzulegen. So sieht ein leidenschaftlich mit Charme und Tempo betörender Crowd Pleaser aus, dessen Ende einem heftig das Herz bricht.

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Riddick

Grober Schotter: Vin Diesels dritter Auftritt als SciFi-Antiheld ist liebloser, breitgetretener Macho-Krampf ohne Verve.

Riddick Cover

David Twohy, USA/UK 2013
Kinostart: 19.09.2013
Story: Schwerverbrecher Riddick erwacht im Erdgrab auf einem menschenleeren, öden Wüstenplaneten, wo die aggressive Raubtierfauna ihn sogleich verspeisen will, aber den Kürzeren zieht. Über eine Notsignalstation lockt der Einzelkämpfer Kopfgeldjäger in Fallen, bevor eine Regennacht mit Monsterkreaturen naht.
Von Gnaghi

Von allen drei Sci-Fi-Actionern um Bad Ass Riddick ist der abermals von David Twohy gescriptete und realisierte dritte Part der schwächste. Anders als das aufgeblasene Epos „Chronicles of Riddick“ knüpft er an den zu Kultstatus avancierten „Pitch Black“ an, der Diesels Karriere initiierte. Statt dieses knackigen Reißers ist „Riddick“ ein 38 Millionen schweres B-Movie im schlechtesten Sinne, das sich als breitgetretener Macho-Käse zum erschreckenden Schotter knapp neben dem dumpfen „Soldier“ platziert.

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Haunter

In der überfrachteten Haunted-House-Mystery zäumt Vincenzo Natali „Nightmare on Elmstreet“ und „The Lovely Bones“ von hinten auf.

Haunter Cover

aka Haunter – Jenseits des Todes, Vincenzo Natali, CA 2013
DVD/BD-Start: 22.05.2014
Story: 1985. Perplex erlebt Lisa den Tag vor ihrem 16. Geburtstags immer wieder, wovon Eltern und kleiner Bruder nichts bemerken. Draußen herrscht undurchdringlicher Nebel. Als sich nach einer Woche der Hausherr vorstellt, der alle als Serienkiller gemeuchelt hat, will Lisa der ewigen Verdammnis entkommen.
Von Thorsten Krüger

Kultklaustrophobiker Vincenzo Natali, der mit seiner metaphysischen SciFi seit „Cube“ aller Originalität zum Trotz stets knapp unter dem Radar blieb (auch „Splice“ brachte nicht den Durchbruch), nimmt sich mit gedrosselte Kreativkraft einer Haunted-House-Mystery an, die als „Groundhog Day“ beginnt und alsdann „The Lovely Bones“ rückwärts in Stil und Optik von „The Others“ erzählt.

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Finsterworld

Distanziertes Ekel-Panorama über die Macken eines deutschen „Short Cuts“-Ensembles. Will Tiefgang, erzeugt aber nur Banalität.

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Frauke Finsterwalder, D 2013
Kinostart: 17.10.2013, DVD/BD-Start: 09.04.2014
Story: Ein Tag im Leben von Fußpfleger Claude mit Hunger auf Hornhaut, Polizist Tom, der gern ein Bär wäre, seiner frustrierten Freundin Franziska, die als Dokumentarfilmerin scheitert, Lehrer Nickel und seiner Schulklasse, die zur Geschichtsstunde nach Dachau reisen. Ihre Wege kreuzen sich unangenehm.
Von Max Renn

Frauke Finsterwalders gemeinsam mit Christian Kracht entworfener deutscher „Short Cuts“ entwirft ein distanziertes Panorama über das Befindlichkeitsgedusel eines von eigenen Manien, Marotten und Macken besessenen Vollspacken-Ensembles. Die tragikomische Satire ist dermaßen fasziniert von den Spleens, dass sie den Typen beim spinnen, philosophieren und wie sie anderen das Leben zu Hölle machen zusieht. Und hält einen auf Distanz: Im gequälten Mit- und Gegeneinander mit seinen beziehungsunfähigen Fetischisten erregt niemand auch nur eine Spur Empathie, geschweige denn Sympathie.

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Dark Touch

Übernatürlicher Horror, Missbrauchsfall, Kunstthriller: Das alles verquirlt Marina de Van zum konfus-mysteriösen „Carrie“-Nachtmahr

Dark Touch Cover

Marina de Van, FR/IRL 2013
DVD/BD-Start: 05.08.2016
Story: Nachdem ihre Eltern durch Möbel regelrecht kaputtgeschlagen wurden, kommt die verstörte Niamh beim befreundeten Nachbarehepaar unter. Obwohl alles nach Kindesmissbrauch und der Schuld der 11-Jährigen an den Morden aussieht, leugnen Pflegemutter Lisbeth und Lehrerin Tanya tapfer das Offensichtliche.
Von Sir Real

Ein Missbrauchsopfer dreht den Spieß um: per Telekinese rächt sie sich an Erwachsenen, die sie und andere Kinder prügeln. Das wäre schickes Genregarn um „Kinder des Zorns“, aber Marina de Van, die für Ozon „Unter dem Sand“ schrieb, danach mit dem Cronenbergschen „In My Skin“ debütierte und die Lyncheske Bewusstseinsstörung „Don’t Look Back“ nachlegte, hat Ambitionen für einen Kunstthriller, kann diese aber nicht entfalten.

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Love Eternal

Auf den Spuren von „Kissed“: morbide Ballade um einen Einzelgänger, der über Zärtlichkeiten mit toten Mädchen ins Leben findet.

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Brendan Muldowney, IRL 2013
Kinostart: 22.05.2014, DVD/BD-Start: 18.07.2014
Story: Von Kind auf ist Einzelgänger Ian von Toten fasziniert. Beim Versuch sich das Leben zu nehmen, wird er Zeuge eines Familiensuizids und nimmt die tote Tochter mit heim, um ihr bis zum Verfall nahe zu sein. Einem Onlinedate verhilft er zum Selbstmord, aber mit der trauernden Naomi wird alles anders.
Von Thorsten Krüger

Einen etwas anderen Beziehungsfilm, der über Leben und Tod räsoniert, hat der Ire Brendan Muldowney („Savage“) nach dem Buch Loving the Dead von Kei Oishi (Vorlage zu „The Grudge“) arrangiert: Eine introspektive Dark-Wave-Ballade, die Gothic nicht stylish, sondern mental in ein Mood Movie überträgt, das mitunter zum Poesie-Rausch anhebt, in seiner zerdehnten Morbidität oft aber einfach nur gepflegt langatmig wirkt.

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Wir sind die Millers

Die primitive Roadmovie-Comedy um ein zur Familie zusammenwachsendes Misfit-Quartett ist eine witzlose Sitten-Freakshow.

Wir sind die Millers Cover

We’re the Millers, Rawson Marshall Thurber, USA 2013
Kinostart: 29.08.2013
Story: Nachdem er ausgeraubt wurde, schuldet der harmlose Marihuana-Dealer David seinem größenwahnsinnigen Zulieferer Geld. So muss er zwei Tonnen Gras aus Mexiko über die Grenze schmuggeln und bezahlt Stripperin Rose, Nachbars-Idiot Kenny und Ausreißerin Casey, damit sie als Scheinfamilie die riskante Tour tarnen.
Von Thorsten Krüger

Rawson Marshall Thurber unterbietet das Niveau von „Voll auf die Nüsse“ spielend und hat für seine Freakshow amerikanischer Sitten einen Roadtrip im RV mit einem Misfits-Quartett erkoren, das – offenbar träumen selbst Drogendealer in Amerika von nichts anderem – sich streitend zur Familie zusammenrauft. Krass fehlbesetzt ist darin Jennifer Aniston als Stripperin, so unsexy und bieder wie einst Demi Moore, wofür es hoffentlich die Goldene Himbeere gibt.

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Mud

Großartiger Hinterland-Film-Noir aus den Südstaaten, mit dem Jeff Nichols ein starbesetztes Coming-of-Age dichtet.

Mud Cover

Jeff Nichols, USA 2012
DVD/BD-Start: 05.05.2014
Story: Ellis und Neckbone leben in einer Flusssiedlung in Arkansas. Bei einem ihrer Motorbootausflüge entdecken die Kids den Outlaw Mud, der sich vor Blutrache und Polizei auf einer Insel versteckt. Die beiden Jungs helfen ihm einen Fluchtplan zu schmieden und seine große Liebe zu kontaktieren. Die ziert sich.
Von Max Renn

Ein klasse besetztes und ebenso gespieltes Coming of Age aus dem amerikanischen Süden, das sich eigentlich als handfester Film Noir erweist, hat Jeff Nichols nach eigenem Drehbuch in stilsichere Bilder gegossen, die das ernste Drama dieser Tom Sawyer & Huckleberry Finn, die in eine Selbstjustiztragödie hineingezogen werden, mit unheimlicher Lakonie in naturbelassen fotografierte, herb-schöne Wildnis sublimiert.

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R.I.P.D.

„Men in Black“ mit untoten Comicmonstern und wechselhaften Effekten: zwischen lasch und launig pendelnde Buddy-Fantasy-Komödie.

R.I.P.D. Cover

Robert Schwentke, USA 2013
Kinostart: 29.08.2013
Story: Als Nick von seinem korrupten Partner niedergeschossen wird, landet der Bostoner Cop nicht im Himmel, sondern im „Rest in Peace Department“, einer jenseitigen Polizeibehörde, die Tote aufspürt. Mit Marshall Roy entdeckt Nick einen apokalyptischen Plan, dem seine Witwe zum Opfer fallen soll.
Von Gnaghi

Weitgehend witzlose Comicreihen-Adaption, die der wandlungsfähige Robert Schwendtke („Die Frau des Zeitreisenden“) als „Men in Black“ mit Toten und mitunter sagenhaft künstlichen Computereffekten umsetzt. Seine metaphysische Buddy-Komödie entwickelt käsiges Flair, wenn die Monster-Polizei beim Lösen übernatürliche Fälle einer apokalyptischen Verschwörung auf die Spur kommt.

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Der Butler

Erhebende Chronik der Bürgerrechtsbewegung aus Sicht eines unpolitischen schwarzen Butlers, der sieben US-Präsidenten diente.

The Butler Cover

The Butler, Lee Daniels, USA 2013
Kinostart: 10.10.2013, DVD/BD-Start: 27.02.2014
Story: Im Kindesalter erfährt Plantagensklave Cecil das Grauen der Leibeigenschaft und wird zum „Hausnigger“ erzogen. Nach seiner Flucht erlernt der Mittellose das Dienen bis zur Perfektion, was ihn als Butler 1957 ins Weiße Haus bringt. Während sein Sohn für seine Rechte protestiert, dient Cecil schweigend sieben Präsidenten.
Von Thorsten Krüger

Von Onkel Toms Hütte bis Obamas Präsidentschaft: Die Chronik der Bürgerrechtsbewegung verbunden mit biografischem Familiendrama rafft fast 60 Jahre amerikanische (Kultur)Historie aus der Perspektive eines Schwarzen, lose basierend auf dem Leben von Eugene Allen. Im ersten Oscarbeitrag der Saison, der einen absurden Namensrechtsstreit mit den Warner-Wichten gewinnen musste, um ins Kino zu dürfen, ist eine erhebende Schulgeschichtsstunde, die Obama als Krönung dieses Change idealisiert.

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Drug War

Schonungslos-dokumentarischer Anti-Drogen-Thriller, in dem Action-Guru Johnnie To mit den Kartellen abrechnet.

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Du zhan, Johnnie To, C/HK 2012
DVD/BD-Start: 13.12.2013
Story: Gerade ist Tians Drogenfabrik explodiert, da geht der Dealer den Fahndern von Captain Zhang ins Netz. Unter Androhung der Todesstrafe kooperiert Tian mit den Behörden und führt das Undercover infiltrierende Polizei-Team in ein undurchschaubares Netz der Drogenmafia, während er geduldig auf seine Fluchtchance wartet.
Von Thorsten Krüger

Hongkongs profiliertester Action-Shifu Johnnie To („The Mission“) emigriert zum Festland, dessen erfrischende Smogluft ihm offenbar zu einem nervenaufreibend-nüchternen Einblick ins heutige China inspiriert hat. Nach er sich zuletzt nur noch in trägen Selbstzitaten wälzte („Vengeance“), folgt sein dokumentarischer, schonungsloser Thriller im farbarmen Look minutiös die Polizeiarbeit der Behörden bei einer breit orchestrierten Undercover-Aktion gegen die heimische Drogenmafia. Diese China Connection pulsiert vor unterschwelliger Suspense und bedient sich eines frappierenden Realismus.

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The Congress

Zwischen melodramatischer Filmbiz-Satire und Animationstrip in die Fantasie reflektiert Ari Folman die Zukunft von Kino und Menschen.

The Congress Cover

Ari Folman, Israel/D 2013
Kinostart: 12.09.2013, DVD/BD-Start: 13.06.2014
Story: Da sie keine Rollen mehr erhält, verkauft die Schauspielerin Robin Wright die Rechte an ihrem ewig jungen digitalen Ich an ein Hollywood-Studio für 20 Jahre, in denen sie von der Bildfläche verschwinden muss. Nach dieser Frist reist sie zu einem Kongress, wo sie mit einem neuen Medikament in ihre Vorstellungswelt flüchtet.
Von Thorsten Krüger

Who Framed Robin Wright? Nach seinem Welterfolg „Waltz With Bashir“ nimmt sich der Israeli Ari Folman des SF-Propheten Stanislaw Lem an. Sehr frei nach Der futurologische Kongress mixt er melancholische Filmbiz-Satire mit einem wilden Animationstrip. Wie es „Being John Malkovich“ oder „JCVD“ vorgemacht haben, spiegelt Robin Wright ihr reales Leben als Metaebene zu einem selbstironischen, humorvollen Vexierspiel über verblassten Starruhm und das gnadenlose Filmgeschäft (mit einem degoutant zynischen Danny Huston), das die totale Käuflichkeit von Menschen erörtert.

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Portugal Mon Amour

Der Wohlfühlkomödienhit um Lebenslügen und Geheimnisse portugiesischer Einwanderer in Paris bewegt mit Gefühl und Vitalität.

Portugal Mon Amour Cover

Cage dorée, Ruben Alves, FR 2013
Kinostart: 29.08.2013
Story: Die Immigranten Maria und José sind als Concierge und Vorarbeiter im Diensten ihrer Herren in Paris unverzichtbar, die das hart ackernde Ehepaar seit Jahrzehnten bedenkenlos ausbeuten. Als eine unverhoffte Erbschaft mit Fußangel die Rückkehr in die Heimat ermöglicht, wollen die Arbeitgeber sie mit List und Tücke an sich binden.
Von Thorsten Krüger

Französische Euro-Kulturkomödie, die ihr tolles Ensemble (u.a.: Joaquim de Almeida) und seine Zwickmühlen ernst nimmt, dabei Wohlfühlkino mit emotionalem Schmackes und die Melancholie des portugiesischen Fado mit Lebenslügen und Lebenslust verbindet. Der Zauber von Paris entfaltet sich in warmherzigem Tonfall, blumenbunten Bildern und vitalen Figuren. Eine Immigrantenkomödie mit Culture-Clash und Sozialkritik über Zerrissenheit und die Heimat im Herzen.

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Alphabet

Plädoyer für eine andere Bildung als jene Konkurrenz-Schmiede, die aus Kindern die Untertanen einer Leistungsgesellschaft formt.

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Erwin Wagenhofer, Ö/D 2013
Kinostart: 31.10.2013, DVD/BD-Start: 23.05.2014
Story: China geht voran bei einem auf Leistung getrimmten Schul- und Ausbildungssystem, westliche Länder stehen dem verstärkt von PISA-Regeln normierten Lernen in nichts nach, wenn es darum geht, Druck auf Kinder auszuüben und sie zu konformen Konsumenten zu erziehen. Dabei ginge es auch anders.
Von Thorsten Krüger

Der Abschluss von Erwin Wagenhofers Doku-Trilogie, bestehend aus „We Feed the World“ über die globale industrielle Nahrungsmittelproduktion und „Let’s Make Money“ über Geldflüsse und Gier, vertritt die These, dass Bildung unsere Begabungen und unseren Geist zuverlässig zerstört. Über 110 lang geratene Minuten mit etwas tröpfelndem Informationsfluss beweist das der Wiener Regisseur unkommentiert allein über sich abwechselnde Interviews, Beobachtungen und selbst erklärende Features.

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The World’s End

Sauftour-Schwank, der nach witziger erster halber Stunde zur ermüdenden Kneipenschlägerei mit Alien-Invasion verkommt.

The World's End Cover

Edgar Wright, GB 2013
Kinostart: 12.09.2013
Story: 1990 scheiterte die Kneipentour von Anführer Gary und seiner vierköpfigen Gang kurz vor dem Ziel. Heute, mit Anfang 40, will der großmäulige Loser sein schönstes Erlebnis vollenden und überredet seine beruflich arrivierten Kumpanen trickreich zur Rückkehr ins Kaff ihrer Jugend. Wo ihnen humanoide Roboter an den Kragen wollen.
Von Thorsten Krüger

Das britische Comedy-Team Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost vollendet seine Cornetto-Trilogie, die „Shaun of the Dead“ und „Hot-Fuzz“ umfasst. Wieder steht eine Kneipengeschichte mit Weltuntergang in Provinzengland an: in der ersten halben Stunde eine urkomische Satire auf Männlichkeit, Erfolg, Freiheit und Glück. Mit Wortgefechten zwischen einem spätpubertären Loser (Simon Pegg als aufgekratzter Gockel) und seinen längst erwachsenen Freunden, die er mit dreisten Lügen zur Sauftour überredet.

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Silvi

Das Coming-of-Age einer Berlinerin mit 47 sucht wahrhaftige Gefühle, bringt aber nur Ressentiments gegen Männer zustande.

Silvi Cover

Nico Sommer, D 2013
Kinostart: 03.10.2013, DVD/BD-Start: 01.09.2014
Story: Über 30 Jahre fruchtlose Ehe hat Silvi erduldet, jetzt hat sie ihr Mann einfach stehen lassen und die unerfahrene Ostberlinerin sucht Anschluss am Partnermarkt, will Leben und Liebe nachholen. Sie findet aber nur Rammler, Aussteiger mit Faible für Koks und S/M sowie den vermeintlichen Glücksgriff Thomas, der sich als größter Spinner entpuppt.
Von Sir Real

Berliner Schule, vor allem Andreas Dresen („Halt auf freier Strecke“), etwas Amos Kollek („Sue“): Sie standen Pate für den direkten Handkamerastil des 29-jährigen Nico Sommer („Stiller Frühling“), der mit Jump Cuts und Alltagsrealismus zwischen Doku und Fiktion agiert, Interviews einbaut und seiner Hauptfigur nie von der Seite weicht. Das tragikomisch gemeinte Portrait einer späten Emanzipation kommt Lina Wendel, die an diversen TV-Serien mitwirkte, emotional sehr nahe, auch wenn das proletarisch-geistlose Milieu einer prosaischen Welt jede Poesie vermissen lässt. Aber die drei Schlager von Gitte Hænning, so kitschig sie sein mögen, beschreiben treffend Silvis Gefühlszustände – das beste Stilmittel in einem sonst frugalen Film.

Dating-Irrsinn mit „Dinner für Spinner“-Programm

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White House Down

„Olympus Has Fallen“ als Buddy-Komödie mit Herz am rechten Fleck und, wegen teurer Effekte, satter Action fürs Familienpublikum.

White House Down Cover

Roland Emmerich, USA 2013
Kinostart: 05.09.2013
Story: Kriegsveteran John bewirbt sich gerade für den Secret Service, als einheimische Terroristen das Weiße Haus stürmen und Geiseln nehmen, darunter Johns kleine Tochter Emily. Sie haben es auf Präsident Sawyer abgesehen, der sich mit Johns Hilfe im Gebäude versteckt, bis ihn Verräter aus den eigenen Reihen ans Messer liefern.
Von Gnaghi

Der Plot ist der gleiche: „Die Hard“ im Weißen Haus mit Anleihen bei „Air Force One“. Statt so grimmig-brutal wie Antoine Fuquas xenophober Reißer zu marschieren, frönt Roland Emmerich beim Zerstören seiner Lieblingsimmobilie (siehe „Independence Day“) einer leidlich unterhaltsamen Mixtur aus Familienkitsch, Patriotismus und Pathos, bemüht Lincoln und uramerikanische Werte für ein manipulatives, edel glänzendes Starkino, das keinen Anhaltspunkt für seinen bösen Flop am US-Boxoffice liefert. Die Actionkomödie ist zumindest sympathischer als „Olympus Has Fallen“.

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Upside Down

Visuell betörende „Metropolis“-Dystopie, in der ein Liebespaar Schwerkraft und Grenzen aufhebt.

Upside Down Cover

Juan Solanas, CA/FR 2012
Kinostart: 22.08.2013
Story: Adam und Eden leben in gegensätzlichen Welten, die Kopf an Kopf grenzen. Als Jugendliche treffen sie sich heimlich auf schneeumtosten Berggipfeln, bis Scharfschützen der Polizei die Romanze brutal beenden. Jahre später trifft Adam sein Mädchen wieder. Doch die hat Amnesie, ist eine Büroetage und doch eine Welt von ihm entfernt.
Von Thorsten Krüger

Der Argentinier Juan Solanas bringt südamerikanischen magischen Realismus in eine kühlblau temperierte „Metropolis“-Dystopie, die man getrost als Ausbeutungs- und Apartheids-Metapher auf Industrienationen und Entwicklungsländer lesen kann: Romeo & Julia aus haarscharf aneinander grenzenden Planeten überwinden mit ihrer Liebe Schwerkraft und Verbote. Die visuell phantastische SciFi-Romanze in einer märchenhaften Dark City ist der wohl erste 3D-Film seit „Avatar“, bei dem raumtiefe Bilder wirklich Sinn machen und ein schwindelerregendes Erlebnis erzeugen, das einem buchstäblich den Kopf verdreht.

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