Archiv der Kategorie: Preview

Computer Chess

 Computer Chess Cover

Andrew Bujalski, USA 2013
Kinostart: 07.11.2013

Einige Computerfreaks treffen sich Anfang der 80er Jahre zu einem Kongress, auf dem sie ein Schachturnier zwischen Mensch und Maschine austragen. Wer jetzt „Big Bang Theory“ mit Technikhumor aus nostalgischer PC-Steinzeit erwartet, kann einpacken. Indie-Filmer Andrew Bujalski („Beeswax“), ein Vertreter des Mumblecore, hat keine Komödie, sondern eine trockene Mockumentary hingelegt. Technisch perfekt vermittelt er den Doku-Anschein eines Amateur-Reports von dem Symposium, authentisch realisiert in Schwarzweiß, Homevideo, 4:3-Format, übersteuertem O-Ton, Rauschen und Nachzieheffekten alter Videotechnik.

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Escape From Tomorrow

Alptraum Disneyworld: Ein Familienvater taumelt im Vergnügungspark durch surrealen Wahn und kryptische Schizo-Fantasien.

 Escape From Tomorrow Cover

Randy Moore, USA 2013
DVD/BD-Start: 19.03.2015
Story: Den Kündigungsanruf seines Chefs behält Jim für sich, um den letzten Urlaubstag seiner Familie nicht zu verderben. Gemeinsam mit seiner krittelnden Frau Emily und den jungen Kindern Sara und Elliot besucht er die Walt Disney World, wo er zwei jungen Französinnen nachsteigt und Wahnvorstellungen verfällt.
Von Max Renn

„Carnival of Souls“ in Disneyland? Wie Debütant Randy Moore eigene Ideen in Schwarzweißbilder gießt, ganz ohne offizielle Genehmigung der Vergnügungsparks, gebiert ein surreales Mind-Fuck-Movie der bizarren Art. Ist ein Besuch in Disneyland auch so schon ein Horrortrip, taumelt ein Familienvater hier vor halbdokumentarischer Handkamera durch einen wahren Alptraum, der gleichwohl nur bedingt überzeugt.

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Party Invaders

SciFi? Horror? Parabel? Diese denkwürdige und vielschichtige Weltuntergangsparty im Mantel eines Teen-Thrillers ist alles drei. Und mehr.

Plus One Cover

+1 aka Plus One, Dennis Iliadis, USA 2013
DVD/BD-Start: 13.08.2014
Story: David hat versehentlich die falsche geküsst und will die groß angekündigte Privatparty eines Mitschülers nutzen, um sich bei seiner hübschen Freundin Jill zu entschuldigen. Während er gnadenlos abblitzt, erleben er, Teddy und Allison ein elektro-optisches Phänomen, das von allen Gästen Doppelgänger erzeugt.
Von Thorsten Krüger

Strange Days: Eine kleine Entdeckung ist dieses Ensemble-Drama, bei dem Jugendliche eine dekadente Party feiern und sich plötzlich mit mörderischen Doppelgängern konfrontiert sehen. Aus einem mysteriösen Szenario schält sich ein hoch-philosophischer Teen-Thriller, dem „Last House on the Left“-Remaker Dennis Iliadis in dieser wesentlich interessanteren Arbeit ein vielschichtiges Körperfresser-Vexierspiel abgewinnt.

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Jackass: Bad Grandpa

Johnny Knoxville treibt sein Unwesen als Krawallrentner und filmt die Bürgerschreck-Scherze mit versteckter Kamera.

 Jackass: Bad Grandpa Cover

Bad Grandpa, Jeff Tremaine, USA 2013
Kinostart: 24.10.2013, DVD/BD-Start: 27.02.2014
Story: Just, nachdem endlich seine Frau gestorben ist, bricht Rentner Irving Zisman mit seinem Enkel Billy samt Leiche im Kofferraum auf, um den Knirps bei seinem leiblichen Vater abzuliefern. Eine Fahrt quer durch Amerika, in der vor allem der 86-jährige Sittenstrolch Chaos stiftet und öffentlich Ärger erregt.
Von Thorsten Krüger

Jackass goes Borat: Im sechsten „Jackass“-Auftritt schlüpft Knoxville mittels perfekter Maske in die Haut der aus der MTV-Show bekannten Kunstfigur Irving Zisman, um als Randale-Opa mit Enkel (tolle Entdeckung: Jackson Nicoll, „Fun Size“) Geschmacksgrenzen zu sprengen. So verschmilzt die Masochisten-Stuntshow mit dem „Borat“-Prinzip, um heimlich und wackelkamerafrei Zivilisten-Reaktionen mitzufilmen.

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All Is Lost

All Is Lost Cover

J.C. Chandor, USA 2013
Kinostart: 09.01.2014, DVD/BD-Start: 21.05.2014

Schiffbruch ohne Tiger, CGI, Kunstlicht und Effekthascherei: Robert Redford kollidiert als einsamer Skipper auf seinem Segelboot mitten im Indischen Ozean mit einem treibenden Schiffscontainer (voller Turnschuhe) – der Beginn einer zunehmend absurden Pechsträhne, an deren Ende er als Schiffbrüchiger auf einer Rettungsinsel treibt. „Margin Call“-Regisseur J. C. Chandor entwickelt sehr realistisch, subtil und nüchtern eher eine Ein-Mann-Charakter- und Verhaltensstudie, als einen dauerhaft involvierenden Survival-Thriller.

Der alte Mann und das Meer

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King Ping

Konfuses Genre-Potpourri, das sich in coole Posen der Ruhrpott-Subkultur wirft, die Narration aber links liegen lässt.

King Ping Cover

Claude Giffel, D 2013
Kinostart: 31.10.2013, DVD/BD-Start: 30.04.2014
Story: Der Pinguinpfleger und suspendierte Cop Frowein, genannt King, ermittelt auf eigene Faust, wieso ein Kollege nach einer Zechnacht mit Genickbruch an einer Wuppertaler Treppe liegt. Mit einer privaten Soko entdeckt er eine Rachemordserie, die weit in die Vergangenheit zu einer vergessenen Sekte führt.
Von Thorsten Krüger

Das Crowdfundingprojekt mit Ärzte-Mitglied Bela B. als singende Tunte und Christoph Maria Herbst als Reporter-Schmeißfliege ist ein Paradabeispiel für Style Over Substance. In satten Schwarzwerten breitet sich ein Ruhrpott-Noir aus, der glaubt, wenn er nur wild die Genres mixt und sich dabei in furchtbar coole Posen wirft, wäre er ein Kultkandidat wie seine Vorbilder „Pulp Fiction“ und die Edgar Wallace Krimis.

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Lunchbox

Ein kleines melancholisches Kinowunder: tiefromantisches, zartbitteres Großstadt-Melodram um zwei Menschen in der Menge.

Lunchbox Cover

The Lunchbox, Ritesh Batra, IN/FR/D 2013
Kinostart: 21.11.2013, DVD/BD-Start: 22.05.2014
Story: Die von ihrem Gatten vernachlässigte Hausfrau Ila aus Mumbai schickt ihm per Dabbawalla-Kurier phänomenales Essen – das durch einen Fehler beim kurz vor der Rente stehenden Versicherungssachbearbeiter Saajan ankommt und eine Brieffreundschaft initiiert, die zwei einsame Seelen einander näher bringt.
Von Caroline Lin

Zunächst wirkt das Spielfilmdebüt des Inders Ritesh Batra mit dem glanzlosen Grau einer Arbeits-Doku über Bürotröten spärlich unterhaltsam. Aber dahinter steckt System: Aus dem eintönigen Alltagseinerlei, das einer lakonischen Komödie Vorschub leistet, erwächst die Sehnsucht nach dem Glück, das sich für so viele in der Millionenmetropole Mumbai nicht erfüllt.

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Das Geheimnis der Bäume

Bio-Doku auf dem neuesten Stand des Schulwissens: Animationen und Kamerakranfahrten erklären das Ökosystem Regenwald.

 Das Geheimnis der Bäume Cover

Il était une forêt, Luc Jacquet, FR 2013
Kinostart: 02.01.2014, DVD/BD-Start: 22.05.2014
Story: Am liebsten sitzt Francis Hallé im Regenwald und zeichnet Bäume. Weil der Lebensraum immer rascher abgeholzt wird, nimmt der Botaniker eine Kahlschlagödnis zum Anlass, um dem 700 Jahre andauernden Wachstumsprozess von Pionieren über den Sekundärwald zum originalen Primärwald zu folgen.
Von Max Renn

Mit „Die Reise der Pinguine“ begeisterte der französische Zoologe Luc Jacquet 1,5 Millionen Kinogänger – Rekord für eine Tierdoku – und heimste 2006 den Oscar ein. Sein märchenhafter Naturkinderfilm „Der Fuchs und das Mädchen“ lief hingegen deutlich unter Wert. Ob seine dritte Doku an den Erstlingserfolg anknüpfen kann, steht bei der leicht kuriosen Mischung aus Animation, Didaktik und Schwärmerei durchaus in Frage.

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Inside Llewyn Davis

Die tragikomische Folk-Ballade der Coen-Brüder suhlt sich in stilvoller Depressivität und vollendeter Misanthropie.

 Inside Llewyn Davis Cover

Joel Coen, Ethan Coen, USA/FR 2013
Kinostart: 05.12.2013, DVD/BD-Start: 10.04.2014
Story: Eine Woche im bitterkalten New Yorker Winter 1961. Vergeblich müht sich der junge Folkmusiker Llewyn Davis, nach dem Selbstmords seines Partners schwer depressiv, um Erfolg. Auf einer Reise nach Chicago ruiniert systematisch jede Möglichkeit dafür, weil er sein Talent nicht zu verkaufen weiß.
Von Thorsten Krüger

Schön, dass die Coens einmal keine blutige Moritat („True Grit“) oder Gangstergroteske („No Country For Old Men“) in die Welt setzen. Schade, dass sie sich trotz ungewöhnlichem Thema – die New Yorker Folkmusikszene 1961 kurz vor Bob Dylan – vornehmlich müde selbst zitieren. Wieder ein Pechvogel-Porträt, wieder eine sardonische Antipathie-eske über Misanthropen, wieder eine absurde Odyssee zu verqueren Sonderlingen.

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Der Mohnblumenberg

Belustigend und rührend: Nostalgisch-melancholische Jugendromanze aus Hayao Miyazakis Animationsschmiede.

Der Mohnblumenberg Cover

Kokuriko-zaka kara, aka From Up on Poppy Hill, Goro Miyazaki, J 2011
Kinostart: 21.11.2013, DVD/BD-Start: 30.04.2014
Story: Vor ihrem Herrenhaus auf dem Hügel über dem Yokohamer Hafenviertel hisst die 17-jährige Umi jeden Morgen Signalflaggen für ihren im Koreakrieg gestorbenen Seemannsvater. Als sie sich in Mitschüler Shun verliebt, der ein Clubhaus renoviert, droht ein Familiengeheimnis die Romanze zu ruinieren.
Von Caroline Lin

Vom Vater geschrieben, vom Sohn inszeniert: Altmeister Miyazaki adaptierte eine Mädchen-Manga-Reihe aus den 80ern, sein Sohn Goro setzte auf altmodische Art einen nostalgisch-sittsamen Boy-meets-Girl-Heimatfilm um, der 2011 zum größten heimischen Kinoerfolg avancierte. So konservativ-konventionell der Junior auch in Japans Vergangenheit taucht, so sanft sentimental und unbedingt berührend ergründet er ein Familiengeheimnis.

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Sein letztes Rennen

Aufruhr im Altersheim: Ergreifende Tragikomödie mit Dieter Hallervorden als Olympia-Rentner mit Comeback-Träumen.

Sein letztes Rennen Cover

Kilian Riedhof, D 2013
Kinostart: 10.10.2013, DVD/BD-Start: 26.03.2014
Story: Läufer-Legende Paul zieht wegen seiner gebrechlichen Frau ins Altersheim. Bevor er sich dort totbastelt, will es der über 70 Jahre alte Olympiasieger noch einmal wissen und trainiert für den nächsten Berlin Marathon. Als seine Frau verstirbt, verbieten ihm Heimleitung und Tochter das Ansinnen rigoros.
Von Gnaghi

Klamaukkönig, Kabarettist, Charakterdarsteller: Dieter Hallervorden, schon früh auch als fähiger Mime aufgefallen („Das Millionenspiel“), gibt im vorgerückten Alter ein phänomenales Kino-Comeback als Jungbrunnen, der ein Altenstift aufmischt. Mit weißem Vollbart, Körperfülle und ausdrucksstarkem Gesicht trägt er den heiter-nachdenklichen Film von TV-Regisseur Kilian Riedhof („Homevideo“) auch dann emotional, wenn der Story zwischenzeitlich die Puste ausgeht.

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Don Jon

Don Jon Cover

Joseph Gordon-Levitt, USA 2013
Kinostart: 14.11.2013, DVD/BD-Start: 17.03.2014

Das Regiedebüt des Karriereschauspielers Joseph Gordon-Levitt („Inception“) ist „Shame“ als Hochglanz-Farce, deren Satire auf ordinäre Macho-Attitüden und sexuelle Fehlentwicklungen nicht ganz trennscharf von ihrer Werbeclip-Verherrlichung bleibt und die zudem eine irritierend konservative Moraldidaktik aufweist. Fabelhaft gibt Gordon-Levitt den schmierigen Aufreißer im Muscle-Shirt, der als Porno-Junkie Sex statt Beziehungen sucht und selbst bei Vollblutweib Scarlett Johansson findet, dass das echte Leben nicht an seine Masturbations-Highlights heranreicht.

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Kaiserschmarrn

Kaiserschmarrn Cover

Daniel Krauss, D/AU 2013
Kinostart: 31.10.2013, DVD/BD-Start: 28.03.2014

Grell überzogene Verwechslungskomödie, mit der TV-Darsteller und Regisseur Daniel Krauss („Wo es weh tut“) wahllos Schrotschüsse gegen die Verlogenheiten der Fernsehbranche, des Pornogeschäfts und der Heimatfilmidyllen abfeuert. Mag das Drehbuch noch als derbe Fäkalienhumorvariante von Helmut Dietl und Gerhard Polt durchgehen, vergeigt die inkompetente Inszenierung das Schmäh-Chaos zur unerbittlich unlustigen Comedy-Satire, die dermaßen (farb)übersteuert die Trashkultur parodiert, dass sie sich davon nicht mehr unterscheidet.

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Das große Heft

Nihilistische Gesellschafts-Parabel mit surrealen Zügen über Zwillinge, die während des Weltkriegs Menschlichkeit und Moral verlieren.

Das große Heft Cover

A nagy füzet, János Szász, D/HU 2013
Kinostart: 17.10.2013, DVD/BD-Start: 09.05.2014
Story: Im Herbst 1944 soll ihre bis dato ihnen unbekannte Großmutter zwei 13-jährige, namenlose Zwillinge auf ihrer grenznahen, ärmlichen Hütte verstecken. Die hartherzige Patrone schimpft sie Hundesöhne und lässt sie schwer arbeiten. Von ihr und dem ganzen Dorf geprügelt, härten beide zu grausamen Jungs aus.
Von Thorsten Krüger

Eine Kindheit im Krieg, einschließlich der Erziehung zu Gewalt und Grausamkeit erzählt der Gewinner von Karlovy Vary und Ungarns Oscarbeitrag 2014. Den 1986 erschienenen, preisgekrönten Roman von Agota Kristof hat János Szász („Opium: Tagebuch einer Verrückten“) zu einer Arthaus-Geschichte von Amoral und Nihilismus geformt. Mit einem Hauch Béla Tarr.

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Runner Runner

Runner Runner Cover

Brad Furman, USA 2013
Kinostart: 17.10.2013, DVD/BD-Start: 03.03.2014

„Wall Street“ als attraktiv besetzte Casino-Variante um (Online)Glücksspiel auf Costa Rica: Wie in „Paranoia“ – nicht so gelackt, aber ähnlich hohl – steht wieder ein sexy Staraufgebot bereit, der Faszination des mondänen Milliardärmilieus zu verfallen. Was an einem Princeton-Studenten (Justin Timberlake) gerissen sein soll, der von einem charismatischen Poker-Paten (Ben Affleck) zum naiven Bauernopfer im amoralischen Ponzi-Spiel erkoren wird, kann Brad Furman („Der Mandant“) zu keinem Zeitpunkt glaubwürdig erklären.

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Alles eine Frage der Zeit

Die lebensweise Brit-Comedy trifft mit Zeitzauberei, zarter Romantik, frechen Pointen und glänzendem Charme direkt ins Herz.

About Time Cover

About Time, Richard Curtis, GB 2013
Kinostart: 17.10.2013
Story: Mit 21 Jahren erfährt Tim von seinem Vater ein Familiengeheimnis: Alle Männer können durch simple Konzentration in ihre Vergangenheit zurückreisen. Begeistert korrigiert der unscheinbare Bravling Entscheidungen so lange, bis er mit Mauerblümchen Mary seine Traumfrau erobert. Die Methode hat gleichwohl Grenzen.
Von Caroline Lin

„Die Frau des Zeitreisenden“ begegnet „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, für den Richard Curtis ebenso das Script schrieb wie für „Notting Hill“. Nach zwei seichten Regiearbeiten landet er mit dieser wunderbar anrührenden Zeitreise-Komödie einen Volltreffer und knüpft direkt an seine respektlos frechen und unschlagbar witzig-charmanten Drehbuchtage an.

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Eisheimat

Eisheimat Cover

Heike Fink, D 2012
Kinostart: 05.12.2013, DVD/BD-Start: 07.11.2014

Nun ade, du mein lieb Heimatland: Erst 1949 durfte jeder das vom Krieg zerstörte, weder Zukunft noch Hoffnung bietende Deutschland verlassen. So auch jene 238 junge Frauen, die auf eine Annonce in der Lübecker Zeitung hin als Arbeitskräfte nach Island auswanderten. Sechs von ihnen kramen für Heike Finks eher schlichte Dokumentation in ihren Erinnerungen und erzählen in abwechselnd ineinander geschnittenen Interviews ihre Lebensgeschichte, ergänzt durch kontemplative Landschaftsimpressionen zu isländischem Gesang.

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Blackfish

Intelligente Wale als Belustigung: Die Schattenseiten unnatürlicher Käfighaltung mit tödlichen Folgen für Mensch und Tier.

Blackfish Cover

Gabriela Cowperthwaite, USA 2013
Kinostart: 07.11.2013, DVD/BD-Start: 20.02.2014
Story: Obwohl der berüchtigte Orca Tilikum bereits den Tod dreier Tiertrainer verschuldet hat, wird die Gefährlichkeit des tonnenschweren Killerwals heruntergespielt. Der Zuchtbulle ist zu wertvoll, als dass man ihn einschläfern will. Ein Rückblick auf das traurige Dasein in Gefangenschaft erklärt sein Aggressivität.
Von Sir Real

Eine weitere Facette das beschämenden, inhumanen Umgang des Menschen mit der Schöpfung zeigt der bewegende Blick hinter die heile Werbefassade von SeaWorld, die eine ganze Reihe zum Teil tödlicher Unfälle mit einem aggressiven Killerwalbullen vertuschen. Der Tod der erfahrenen Tiertrainerin Dawn Brancheau im Jahr 2010 stellt sich nur als die Spitze des Eisbergs heraus.

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Spieltrieb

Hochtrabendes Jugenddrama nach Juli Zeh, das vorgibt intellektuell zu sein, aber nur eine hanebüchene Pseudo-Show abspult.

Spieltrieb Cover

Gregor Schnitzler, D 2013
Kinostart: 10.10.2013, DVD/BD-Start: 11.04.2014
Story: Die 15-jährige Ada ist hochbegabt, hat zwei Klassen übersprungen, wird böse gemobbt und fliegt auf den weltgewandten Neuzugang Alev. Gerne kollaboriert sie mit ihrem Schwarm, der mit einem perfiden Spiel seine krude Theorie beweisen will und Lehrer Smutek erpresst, den er beim Sex mit Ada filmt.
Von Gnaghi

Die zweite Verfilmung eines Bestsellers von Juli Zeh ist zwar nicht so aseptisch wie „Schilf“, scheitert dafür dramatisch an ihrem eigenen, hochtrabenden Anspruch, intellektuelles Kino zu schaffen: Gregor Schnitzler, der mit „Die Wolke“ ein bedrohlicher Schüleralptraum über den atomaren GAU gelang, kokettiert mit Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ und Nietzsches Übermensch, erzeugt aber nur leere Worthülsen statt geistiges Niveau in einem Thrillerdrama mit niedrigem IQ.

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Gravity

Lost in Space: Atemberaubend realistischer Überlebenskampf im Orbit, von Alfonso Cuarón als phänomenaler 3D-Thriller entfesselt.

Gravity Cover

Alfonso Cuarón, USA/UK 2013
Kinostart: 03.10.2013, DVD/BD-Start: 21.02.2014
Story: Weil die Russen einen ihrer Satelliten abgeschossen haben, rast eine Trümmerwolke um die Erde und zerfetzt das Shuttle, an dem Veteran Kowalski und Novizin Dr. Stone im Außeneinsatz arbeiten. Ohne Funkkontakt zu Houston schleudern beide durchs All und versuchen sich auf andere Raumstationen zu retten.
Von Thorsten Krüger

Seit Kubricks „2001“ hat keine Hard-SF mehr so viel Wert auf Physik, Faktentreue und Realitätsnähe gelegt, wie der quasi heute spielende Rücksturz ins All, in dem Sandra Bullock und George Clooney in vollständiger Schwerelosigkeit einen aussichtslosen Kampf gegen Zeit und Tod ausfechten. Ein packendes Himmelsspektakel sondergleichen, das die Optionen der digitalen Tricktechnik raffiniert nutzt, um sein Kino zu entfesseln und Konventionen weit hinter sich zu lassen.

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Erbarmen

Träger Skandinavien-Krimi, als erste Adaption von Jussi Adler-Olsens Bestseller-Reihe spannend, aber durchschnittlich gestaltet.

Erbarmen Cover

Kvinden i buret, Mikkel Nørgaard, DÄ/D/SW 2013
Kinostart: 23.01.2014, DVD/BD-Start: 25.09.2014
Story: Zum Aktenwälzen strafversetzter Mordkommissar, den aus gutem Grund keiner leiden kann, klärt mit einem kompetenten Araber erst gegen den Widerstand der Vorgesetzten, abschließend auf eigene Faust einen Cold Case um einen vermeintlichen Selbstmord auf, dessen einziger Zeuge ein geistig Behinderter ist.
Von Thorsten Krüger

Die Verwertungsmaschine düsterer Skandinavien-Thriller läuft nunmehr auf Hochtouren, tut sich aber äußerst schwer damit, für die „Millenium“-Trilogie einen würdigen Nachfolger zu finden. „Erbarmen“, der erste Part der fünfteiligen Krimireihe um den Ermittler Carl Mørck von Dänemarks Bestseller-Export Jussi Adler-Olsen, ist es schon mal nicht.

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Insidious Chapter 2

Nahtlos anknüpfendes Spukhaus-Sequel, dem James Wan in einfallslos-konventioneller Tour jede Unheimlichkeit austreibt.

Insidious Chapter 2 Cover

James Wan, USA 2013
Kinostart: 17.10.2013, DVD/BD-Start: 20.02.2014
Story: Nachdem Elise gestorben und Sohn Dalton aus seinem Koma erwacht ist, hat sich eine bösartige Entität in Vater Joshs Körper versteckt, womit die Familie Lambert weiterhin dem übernatürlichen Terror ausgesetzt ist. Mit Medium Carl will Renai das Geheimnis um Joshs Verbindung in die Geisterwelt lüften.
Von Thorsten Krüger

Wieso sind Geisterfilme nur immer so geistlos? Dabei hat ausgerechnet James Wan mit „The Conjuring“ erst den jahresbesten Horror, nun einen der schwächsten der Saison abgeliefert. Die originellen Eingebungen und die durch eine fabelhafte Kamera unterstützte, Angst-Atmosphäre des sagenhaft preisgünstigen Überraschungshits von 2011 kann Wan trotz haargenau demselben Team vor und hinter der Linse nicht wiederholen.

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Houston

Kafkaeske Entfremdungsstudie mit Ulrich Tukur: Ein Mood Movie, das viel verspricht und wenig hält.

Houston Cover

Bastian Günther, D/USA 2013
Kinostart: 05.12.2013, DVD/BD-Start: 13.06.2014
Story: Nur mit Alkohol hält sich der abgekämpfte Headhunter Clemens Trunschka im Arbeitstrott eines großen deutschen Autokonzerns, für dessen Chefetage er höchst inoffiziell einen begehrten Manager des Texanischen Energieriesen Houston Petrol abwerben soll. Vor Ort in Houston verzweifelt Trunschka an seiner Aufgabe.
Von Max Renn

Eine Reise in die Seelennacht: atmosphärisch ausgereifte Charakterstudie, in der ein wie immer erstklassiger Ulrich Tukur (zuverlässig auch in „Exit Marrakech“) als Familienvater und Einzelkämpfer in einen kafkaesken, antidramatischen Taumel gerät. Die Ausmessung des Unbehagens an einem, der sich selbst, anderen und seinem Job bis zur Verzweiflung entfremdet bleibt, bewegt sich zwischen „Paris, Texas“ und „Lost in Translation“.

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Chasing Ice

Zeuge des Klimawandels: Mit Überzeugungskraft und Anschaulichkeit dokumentiert James Balog das globale Gletscherschmelzen.

Chaisng Ice Cover

Jeff Orlowski, USA 2012
Kinostart: 07.11.2013, DVD/BD-Start: 27.02.2014
Story: Lange stand der National-Geographic-Fotograf James Balog dem Klimawandel skeptisch gegenüber. Bis er das Extreme Ice Survey Projekt gründete und bei Expeditionen in die Arktis Dutzende Kameras installierte, um über mehrere Jahre hinweg das Schmelzen der riesigen Gletscher im Zeitraffer festzuhalten.
Von Sir Real

„An Inconvenient Truth“ ist ein junger Klassiker – vor allem wegen seiner Bedeutung für die Klimadebatte. Dem Hetzgedröhne der Klimaleugnerlobby stellt Debütant Jeff Orlowski seine darauf aufbauende, unaufdringlich eindringlichen Doku über den Fotografen James Balog und sein EIS-Projekt entgegen und widerlegt die Zweifler mit zum Nachdenken herausfordernden Bildern. Denn die sagen tatsächlich mehr als tausend Worte.

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Lovelace

Das feminin orientierte Biopic über Porno-Ikone Linda Lovelace sieht sie als Ehegewaltsopfer, das sich spät emanzipiert.

Lovelace Cover

Rob Epstein, Jeffrey Friedman, USA 2013
DVD/BD-Start: 03.12.2013
Story: 1970. Linda ist ein erlebnishungriges Vorstadtmädchen, das mit 21 dem Charme des Striplokalbesitzers Chuck verfällt und ihn heiratet. Als der hoch Verschuldete sie im Porno Deep Throat besetzt, wird sie über Nacht berühmt, ihr Mann jedoch ein gewalttätiger Kontrollfreak, der sie jahrelang wie ein Zuhälter misshandelt.
Von Gnaghi

Im Biopic des ersten Porno-Superstars Linda Lovelace dominiert die Perspektive eines Ehegewaltdramas. Dieses erzählt die Leidensgeschichte einer Naiven, die von ihrem Mann mit Zuhältermethoden über viele Jahre gefangen gehalten, geschlagen, vergewaltigt und verkauft wird, bis ihr desillusioniert Selbstbefreiung und Rückkehr ins bürgerliche Leben gelingen.

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