Archiv der Kategorie: Review

Boys in the Trees

Übernatürliches Coming of Age, das mit betörenden Bildern und einfühlsamer Besinnung ein veritables Gänsehaut-Gefühl generiert

Boys in the Trees Cover

Nicholas Verso, AUS 2016
bereits erhältlich (DVD/BD)
Story: Halloween 1997, Frühling in einer australischen Vorstadt. Den Schulabschluss in der Tasche, heult Corey mit den Skater-Wölfen von Jango, ignoriert die Avancen von Mitschülerin Romany und hat Jugendfreund Jonah verraten. Der fordert ihn heraus, ihm diese Nacht zu folgen – und für Corey ändert sich alles.
Von Caroline Lin

Ein Halloween-Movie der besonderen Art: „Boys in the Trees“ ist der bessere „Super Dark Times“, ach was, einfach das stärkste Coming of Age dieses Jahrgangs. Der australische Debütant Nicholas Verso destilliert eine betörend-magische Melange aus „Donnie Darko“ und „Stand by Me“, ähnlich gut wie in „Es“ (nur ohne Killerclown), dafür mit einem magisch-märchenhaften Realismus à la Neil Jordans „Die Zeit der Wölfe“.

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Squatters

Arm und schön: romantisch-melancholisches Teenie-Crime-Märchen, ein sehnsuchtsvolles und nachdenkliches Aschenputtel-Melodram

Squatters Cover

Martin Weisz, USA 2014
DVD/BD-Start: 27.05.2014
Story: Die obdachlosen Teens Jonah und Kelly sind Strandräuber in Venice Beach. Sie quartieren sich in der Villa der Familie Silverman in Pacific Palisades ein; Kelly träumt von einer heilen Existenz, Jonah verhökert den Schmuck an einen gefährlichen Hehler. Bis die Eigentümer überraschend heimkehren.
Von Sir Real

Dem nach „The Hills Have Eyes 2“ zweiten US-Werk des Deutschen Martin Weisz („Rohtenburg“) wurde Eindimensionalität, Weltfremdheit und Klischeelastigkeit vorgeworfen. Zeit für eine Ehrenrettung von „Squatters“, einem stimmungsvollen, oft zärtlich inszenierten „Aschenputtel“ als White-Trash-Märchen um Sozialgefälle und Familientragödien, was als Teenie-„True Romance“ zum traumhaft besetzten Melo-Thriller wird.

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Maleficent – Die dunkle Fee

Angelina Jolie rührt als tragische Zauberfee, die in dem unorthodox-progressiven Fantasy-Märchen Liebe und Hass (er)lebt.

Maleficent Cover

Maleficent, Robert Stromberg, USA/GB 2014
Kinostart: 29.05.2014, DVD/BD-Start: 02.10.2014
Story: Die gute Fee Maleficent aus dem Moorreich ist mit dem armen Jungen Stefan verbandelt, der sie jedoch verrät und verstümmelt, um König des Menschenreichs zu werden. Deshalb verflucht die verbitterte Maleficent seine Neugeborene, wacht heimlich über ihr Heranwachsen im Exil, bis ihr Schicksalstag naht.
Von Caroline Lin

Sympathy For the Devil: Im Zuge der Neuverföhnung beliebter Märchenklassiker, seit „Shrek“ eine populäre Disziplin, revidiert auch diese verblüffend progressive, mindestens so unterhaltsame wie nahegehende Neujustierung das Bild der bösen Fee Maleficent, seit 1959 schillernder Kinderzimmerschreck, als Mitgefühl erweckende (Schwarz)Magierin. Mithin zeigt sich, wie konservativ-verstaubt „Dornröschen“ eigentlich war.

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A Touch of Sin

Shocking Short Cuts from China: Mitleidloses und gewalteruptives Landesporträt aus Sicht von ganz unten.

A Touch of Sin Cover

Tian zhu ding, Zhangke Jia, C 2013
Kinostart: 16.01.2014, DVD/BD-Start: 01.08.2014
Story: Minenarbeiter Dahai landet im Krankenhaus, als er gegen die korrupten Machenschaften neureicher Parvenüs vorgehen will – und greift er zur Schrotflinte. Ein Wanderarbeiter entdeckt derweil den Raubmörder in sich, eine Rezeptionistin erwehrt sich dreister Grapscher und ein Mann versucht den Neuanfang.
Von Thorsten Krüger

Zhangke Jia (Goldener-Löwe-Gewinner mit dem poetisch-politischen „Still Life“) hat aus sich vier knapp überlappenden Episoden ein toxisch-nihilistisches Gesellschaftspanorama über das Reich der Mitte gebraut, wo ungefiltert und eindringlich Underdogs, einfache Bürger und unterprivilegierte Wanderarbeiter in einem Land am Nullpunkt – klimatisch, moralisch, menschlich – ihre (Auto)Aggressionen ausleben.

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Liefi – Ein Huhn in der Wildnis

Die koreanische Kinderanimation ist auch für Volljährige eine unweigerlich anrührende Fabel über Mutterliebe und Selbstaufopferung.

Liefi – Ein Huhn in der Wildnis Cover

Madangeul Naon Amtak, aka Daisy: A Hen Into the Wild, Oh Sung-Yoon (Seong-yun Oh), ROK 2011, DVD/BD-Start: 04.04.2012
Story: Die traurige Legehenne Liefi wird vom Bauern für tot auf den Müll geworfen und entkommt einem gefräßigen, einäugigen Wiesel. Fortan lebt das mutige Huhn in ersehnter Freiheit, die voller Todesgefahren steckt. Gegen den Willen der anderen Tiere adoptiert sie das Küken eines Erpels, der ihr Leben rettete.
Von Sir Real

2011 wurde Oh Sung-Yoons Kindertrickfilm zur erfolgreichsten Animation im südkoreanischen Kino. Er basiert auf dem 2000 veröffentlichten Bestseller „The Hen Who Wanted to Fly“ von Hwang Sun-mi, erschien 2012 weitgehend unbemerkt bei uns auf DVD und erhielt letzten Monat einen neu synchronisierten Release in englischsprachigen Territorien. Dort heißt Liefi nun Daisy, sollte aber nach wie vor die ganze Familie rühren.

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Savaged

Rape, Revenge und der große Manitu: bemerkenswerte Fusion von Rachereißer, Splatterspuk und Melodram.

Savaged Cover

Michael S. Ojeda, USA 2013
DVD/BD-Start: 11.04.2014
Story: Eine Bande brutaler Rednecks hat die durchreisende taubstumme Zoe geschändet, schwer verletzt und für tot in der Wüste New Mexikos liegen gelassen. Dort findet sie ein Medizinmann, dessen ermordete Vorfahren in einem Ritual als Geister Zoes toten Körper in Besitz und grausame Rache nehmen.
Von Thorsten Krüger

Klar ist „Savaged“ Exploitation pur – aber auf hohem Niveau: Der Indie-Horror, der trotz Minimalbudget Beachtliches leistet, folgt dem rabiat drastischen „I Spit on Your Grave 2“ in der Disziplin des unlängst wiederbelebten Rape-&-Revenge-Rachenputzers. Aber Michael S. Ojeda („Lana’s Rain“) verknüpft dies mit einer okkult-übernatürlichen Geistergeschichte, eine weibliche Ausführung von „The Crow“, mit Gewalt und Gefühl.

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Only Lovers Left Alive

Pure Poesie: Jim Jarmusch beschwört mit Psychedelic Rock den Zauber der Nacht in einer verfallenden Welt.

Only Lovers Left Alive Cover

Jim Jarmusch, GB/D/FR/CY/USA 2013
Kinostart: 25.12.2013, DVD/BD-Start: 27.06.2014
Story: Das jahrhundertealte Vampirpärchen Adam und Eve lebt zurückgezogen in Detroit und Tanger. Sie ernähren sich ausschließlich von Blutkonserven, doch die Umweltverschmutzung vergiftet ihr Lebenselixier. Dann taucht auch noch Eves jüngere Problemschwester auf, die Adams Zuträger aussaugt.
Von Caroline Lin

Nun verantwortet die coproduzierende Degeto, berüchtigt für uninspiriert-steife TV-Ware, glatt ein künstlerisch überwältigendes Werk. Denn Independentveteran Jim Jarmusch („Dead Man“, „Stranger Than Paradise“) hypnotisiert mit einem Gedicht, das anders als „Exit Marrakech“ den exotischen 1001-Nacht-Zauber des marokkanischen Hippie-Mekkas Tanger sowie den Reiz der sterbenden Industriemetropole Detroit erforscht.

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In Sarmatien

In Sarmatien Cover

Volker Koepp, D 2013
Kinostart: bereits angelaufen (20.03.2014)

Mit einem locker strukturierten Reisetagebuch fängt Volker Koepp das momentane Lebensgefühl in Osteuropa ein. An das antike Sarmatien, diesen Lebensraum zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, Weichsel und Wolga, hat Koepp seit jeher sein Herz verloren. Er folgt gewissermaßen den Spuren des ostpreußischen Dichters Johannes Bobrowski (1917 – 1965), dessen Strophen aus „Sarmatische Zeit“ anklingen. So begibt sich Koepp, der viel aus dem Off kommentiert, auf eine persönliche Erinnerungsreise an sein eigenes, mehr als vier Dekaden umspannendes Œuvre.

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Gold

Grandios naturalistischer Abenteuer-Abgesang, der im Gewand eines Spätwesterns zur Reise ohne Wiederkehr wird.

Gold Cover

Thomas Arslan, D/CA 2013
auf DVD erhältlich
Story: Im Sommer 1898 bricht ein Fähnlein verzweifelter deutscher Auswanderer vom kanadischen Nordwesten auf, um sich von Schwindler Laser 1000 Meilen durch die Wildnis in nördliche Goldfelder lotsen zu lassen. Das unerfahrene Septett verliert bald Ausrüstung und Mitglieder. Ihr Traum scheint unerreichbar.
Von Thorsten Krüger

Mit dem Präzisions-Film-Noir „Im Schatten“ über den Asphaltdschungel Berlins bewies Thomas Arslan große Stilstärke, die er auch in diesem bereits letztes Jahr auf der Berlinale vorgestellten und nun längst auf DVD erhältlichen historischen Abenteuer beibehält. Weniger ein Spätwestern, sprich: Genrewerk nach US-Vorbild, denn ein exzellent naturalistischer (und bei Naturlicht gedrehter) Arthaus-Trip ins „Herz der Finsternis“.

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Le Weekend

Keine Romanze, sondern Szenen einer Ehe: bisweilen komödiantisches Porträt der belasteten Beziehung eines alternden Problempärchens.

Le Weekend Cover

Le Week-End, Roger Michell, GB 2013
Kinostart: 30.01.2014, DVD/BD-Start: 28.05.2014
Story: Die Endfünfziger Nick und Meg wollen mit einem Paris-Trip zum 30. Hochzeitstag ihre Ehe auffrischen, was diese dringend benötigt. Doch der Wochenendausflug der beiden Briten beginnt mit Gezänk und mündet in einem tiefen Zerwürfnis, das bei einem Abend bei Nicks glücklichem Studienfreund eskaliert.
Von Thorsten Krüger

Frankreichs Kapitale ist keine Stadt der Liebe, sondern eine unübersichtliche Metropole ohne Zuckerguss und Weichzeichner à la Woody Allens „Midnight in Paris“. Um so erstaunlicher, dass ausgerechnet Romcom-Experte Roger Mitchell („Notting Hill“) hier ein handfestes, komisches Ehedrama mit ungeschminktem Spiel von Lindsay Duncan („Alles eine Frage der Zeit“) und Oscarpreisträger Jim Broadbent („Iris“) vollzieht.

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Noah

Argumentativ aufrüttelnder Pageturner-Thriller um eine weltumspannende Verschwörung, der Milliarden Menschen zum Opfer fallen sollen.

Noah Cover

Sebastian Fitzek, D 2013
Erscheinungstermin: 13.12.2013
Story: Gedächtnislos und schussverletzt kommt Noah zu sich, gesundet obdachlos in Berlin, von Pennbruder Oscar gepflegt. Gehetzt von Profikillern, setzt Noah, der selbst perfekt töten kann, seine Vergangenheit zusammen, die ihn ins Zentrum eines globalen Plans mit einer tödlichen Virus-Epidemie rückt.
Von Thorsten Krüger

Eine mächtige und skrupellose Geheimorganisation, die das Überbevölkerungsproblem lösen will, gab es jüngst in Dan Browns „Inferno“. Diesem eifert der für seine überkonstruierten Psychothriller berühmte Berliner Bestsellerautor Sebastian Fitzek („Der Seelenbrecher“) nach. Fiel sein letztes Buch, „Der Nachtwandler“, arg dünn aus, gelingt ihm nun der große Wurf, ein flotter, gewandt formulierter Pageturner von internationalem Niveau.

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The Act of Killing

Massaker als Volksfest: Der Genozid in Indonesien aus Täterperspektive, in einer fröhlichen Nachstellung des grauenvollen Gemetzels.

The Act of Killing Cover

Joshua Oppenheimer, Anonymous, Christine Cynn, DN/NO/GB 2012
Kinostart: 14.11.2013, DVD/BD-Start: 20.02.2014
Story: Nach dem Militärputsch von General Suharto ermordeten seine Handlanger 1965 wahllos gut eine Millionen Kommunisten, oder was sie dafür hielten. Die Kriminellen blieben straffrei, sind heute Volkshelden mit Macht und Einfluss, und stellen, überzeugt von der Richtigkeit ihres Tuns, jene Schandtaten nach.
Von Thorsten Krüger

Erinnerungskultur einmal anders: Man stelle sich vor, Himmler, Eichmann und andere Organisatoren des Holocaust träfen sich mit Ex-KZ-Wächtern, um ein farbenfrohes Auschwitz-Amateur-Musical aufzuführen, in aller Öffentlichkeit, weil der Krieg gewonnen wäre und sie allesamt beliebt, einflussreich und mächtig. Kranke Phantasie? In Indonesien Realität, der ganz normale Wahnsinn, eingefangen in dieser Zweieinhalbstundendoku.

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Atlas

Transgressives, verstörend schönes Filmkunstpoem aus den monströsen Eingeweiden unserer Zivilisation.

Atlas Cover

Antoine D’Agata, FR 2013
Sendetermin: 03.12.2013 (Arte) ohne deutschen Verleih
Story: Ein Namenloser reist über den Globus zu heruntergekommenen Orten, wo Nutten, Fixer und andere Abhängige vegetieren. Während sie Freier bedienen, sich ihrem Drogenrausch hingeben oder im Elend liegen, sprechen die Prostituierten aus dem Off deprimierende Gedanken über ihr Leben und die Welt.
Von Thorsten Krüger

Seit 30 Jahren schon reist der renommierte französische Fotograf Antoine D’Agata zu den Gossen dieses Planeten, um dort Dirnen und Drogenabhänge abzulichten. Sein über zwei Jahre hinweg entstandenes Regiedebüt bietet die Essenz seines bisherigen Schaffens: In Dutzenden Rotlichtvierteln taucht er tief in die Schlünde der verschwommenen Realität ein, eine fiebrige Fantasie von erschreckend-betörender Fremdheit.

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La Grande Bellezza – Die große Schönheit

Paolo Sorrentinos Meisterwerk über die unerträgliche Leichtigkeit des Seins verneigt sich vor der Ewigen Stadt und Fellini.

La grande bellezza Cover

La grande bellezza, Paolo Sorrentino, IT/FR 2013
Kinostart: 25.07.2013, DVD/BD-Start: 05.03.2014
Story: Schriftsteller und Lebemann Jep hat sich jahrzehntelang in seiner Dachterrassenwohnung direkt gegenüber des Colosseums mit High-Society-Partys vergnügt, als ihn an seinem 65. Geburtstag die Nachricht vom Tod seiner ersten Liebe aufschreckt. Mit Stripperin Ramona begibt er sich auf Sinnsuche durch Rom.
Von Thorsten Krüger

Der Gewinner des Europäischen Filmpreises 2013 trägt seine Krone zurecht: Die Hommage an Federico Fellini, speziell „Das süße Leben“, aber auch an Rom und Italien, ist ein atemberaubendes, reines Kunstwerk mit einem grandiosen Toni Servillo („Il Divo“) auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Ein melancholisch-bewegendes Gesellschafts-Panorama, das einen zum Lachen, Weinen, Träumen und Nachdenken bringt.

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Les salauds – Dreckskerle

Les salauds Cover

Les salauds, Claire Denis, FR/D 2013
Kinostart: 26.12.2013

Das Schweigen: Die französische Autorenfilmerin Claire Denis, bekannt für ihr so anspruchsvoll-schwieriges wie künstlerisches Arthauskino („Beau travail“) reist mit ihren distanzierten, grimmigen Nocturno tief in die finstere Seelennacht. Sie nutzt erstmals die Freiheiten des digitalen HD-Materials für ein gedankenverhangen-schwermütiges Mood Movie, das sich als Krimi-Puzzle um menschliche Erschütterungen entfaltet.

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Rush

Ron Howards Rennfahrer-Drama ist ein mitreißendes Doppel-Biopic mit Tiefgang und einem grandiosen Daniel Brühl.

Rush Cover

Ron Howard, USA/D/GB 2013
Kinostart: 03.10.2013, DVD/BD-Start: 05.03.2014
Story: 1970 begegnen sich die beiden Jungtalente James Hunt und Niki Lauda – Abneigung auf den ersten Blick. Jahrelang werden der britische Partylöwe und der österreichische Workaholic zu erbitterten Konkurrenten, die sich in der Formel 1 um die Titel duellieren – bis zu Laudas beinahe tödlichem Unfall 1976.
Von Caroline Lin

Weit mehr noch als in „Frost/Nixon“ widmet sich Autor Peter Morgan dem Doppel-Porträt zweier konträrer Charaktere, was Ron Howard („A Beautiful Mind“) abermals als intensives Duell übersetzt. Sein Biopic packt mit authentischen Rennszenen, emotionaler Tiefe und einer Formel 1 im Retro-Look zu einer Zeit, als der Tod ein ständiger Begleiter war: Laudas Horrorunfall ist eine mörderische, tiefgreifende Zäsur.

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Camp 14: Total Control Zone

In Nordkorea werden Hunderttausende in Konzentrationslagern totgefoltert, aber wen interessiert das schon?

Camp 14: Total Control Zone Cover

Marc Wiese, D/ROK 2012
auf DVD erhältlich
Story: Als Kind zweier Häftlinge wurde Shin Dong-Hyuk in einem nordkoreanischen Arbeitslager für politische Gefangene geboren und wuchs dort auf. 2006, im Alter von 23 Jahren, gelang ihm, der keine Welt jenseits des Stacheldrahts kannte, die Flucht. Seitdem berichtet er davon, bleibt der Freiheit aber fremd.
Von Thorsten Krüger

Geboren im KZ: Alles, was Sie je über Nazi-Lager gelernt haben, gibt es hier auch. Nicht historisiert, sondern jetzt, während Sie diese Worte lesen. Heute. 2013. Schon seit Jahrzehnten. Geschätzt 200.000 Menschen sterben aktuell qualvoll in den Gulags der Kim-Dynastie, die Kim Jung-un noch ausbauen lässt. In seinem finsteren Vasallenstaat von Chinas Gnaden, einer brutalen Diktatur, am Leben erhalten von einer anderen.

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Maniac

The Dolls Have Eyes: Im von Alexandre Aja produzierten Thriller schlitzt Elija „Frodo“ Wood Frauen aus der Ego-Perspektive.

Maniac Cover

Franck Khalfoun, USA 2012
auf DVD erhältlich
Story: Der schüchterne Frank lebt als Designer von Schaufensterpuppen in Los Angeles und schleppt sporadisch Bekanntschaften ab, um sie zu skalpieren und filetieren. Als er sich ernsthaft verliebt, stehen im die Trophäen, mit denen er seit seiner verstörenden Kindheit rege Zwiegespräche führt, ernsthaft im Weg.
Von Thorsten Krüger

Was wäre der amerikanische Horror bloß ohne Ed Gein? Kein „Psycho“, kein „Texas Chainsaw Massacre“, kein „Das Schweigen der Lämmer“ … kein „Maniac“, dieser rohe New Yorker Bastard von Norman Bates. Ein schmuddelig-sleaziges Psychodrama, von vielen auf billig-brutale Slasher-Exploitation reduziert, zum Teil bis heute. William Lustigs Blick in den Moloch der City ist viel mehr:

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Mann beißt Hund

Mann beißt Hund Cover

C’est arrivé près de chez vous aka Man Bites Dog, Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde, BE 1992
Auf DVD erhältlich

1992, als Mockumentarys noch originell waren, ließ ein bis dahin unbekanntes belgisches Trio eine schwarzhumorige Serienkiller-Satire vom Stapel. Im auf körnigem Schwarzweiß gedrehten, mörderischen No-Budget-Kultfilm, in dem ein Sensationsreporterteam einen Massenmeuchler bei der Arbeit begleitet, manifestiert sich „Peeping Tom“ als politisch unkorrekte Anarchisten-Sottise. Während ein gut gelaunter Satan (prägt das Werk: Benoît Poelvoorde) offenherzig Auskunft gibt, korrumpiert der Kumpeltyp die Dokumentaristen moralisch.

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Prisoners

Es geschah am helllichten Tag: Unheilvolle Thrillertragödie, die Glaube und Menschenwürde begräbt, biblische Todsünden hingegen düngt.

Prisoners Cover

Denis Villeneuve, USA 2013
Kinostart: 10.10.2013
Story: Als an Thanksgiving die kleine Anna und ihre gleichaltrige Freundin beim Spielen spurlos verschwindet, findet Detective Loki nur den geistig zurückgebliebenen Alex vor, muss ihn aber wieder laufen lassen. Für Annas Vater Keller steht fest: Alex ist der Entführer. Er verschleppt und foltert ihn für ein Geständnis.
Von Thorsten Krüger

An Lob für das abgründige Thrillerdrama des Frankokanadiers Denis Villeneuve („Die Frau, die singt“) mangelt es wahrlich nicht. Die Wandlung eines Familienvaters zum gnadenlosen Folterer ist vorwiegend Selbstjustizdrama, gemahnt an das moralische Dilemma des Daschner/Gäfgen-Falls und teilt Weltsicht wie diverse Plotmotive aus besonders abgründigen Klassikern von David Fincher, Clint Eastwood und Jonathan Demme.

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Children Who Chase Lost Voices

In jedem Sinne phantastisches, mysteriös-bezauberndes Jugend-Anime-Abenteuer, das visuell betörend über Leben und Vergehen sinniert.

Children Who Chase Lost Voices Cover

aka Die Reise nach Agartha, Hoshi o ou kodomo, Makoto Shinkai, J 2011
auf DVD erhältlich
Story: Auf einem Felsvorsprung empfängt die junge Asuna mit dem Clavis-Kristall ihres verstorbenen Vaters betörende Musik. Die stammt aus Agartha, dem Land der Toten, aus dem auch Shun kommt, der sie vor einem Monster rettet. Mit dem Lehrer Morisaki folgt sie ihm dorthin, um Verstorbene zu finden.
Von Caroline Lin

Makoto Shinkai, berühmt für Poeme wie „5 Centimeters per Second“, betritt mit seiner nach „The Place Promised in Our Early Days“ erst zweiten abendfüllenden Animation Studio-Ghibli-Terrain: Er verpackt eine spirituelle wie emotionale Orpheus in der Unterwelt-Odyssee in hellen Pastelltönen als Jugend-Fantasy durch eine wildromantische Wunderwelt. Fast wie ein früher Miyazaki – nicht kitschfrei, aber anrührend.

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The Complex

Der Schuldkomplex: Urbaner Spukhaushorror vom „Ring“-Schöpfer, in Ansätzen interessant, aber mit zu viel Motiv-Recycling.

The Complex Cover

Kuroyuri danchi, Hideo Nakata, J 2013
DVD/BD-Start: 25.10.2013
Story: Kaum hat Krankenpflegeschülerin Asuka mit ihren Eltern und dem jungen Bruder einen verlassen wirkenden Apartment-Komplex in der Stadt bezogen, beginnen merkwürdige Vorfälle, die vom toten Nachbarn bis zum mysteriösen Spielplatzjungen reichen. Junghandwerker Sasahara hilft in eskalierender Gefahr.
Von Jochen Plinganz

Hideo Nakata, Erschaffer des revolutionären „Ring“, damit fast alleiniger Initiator der J-Horror-Welle und ungekrönter Schreckens-Tenno Nippons, recyclet vorwiegend eigene Motive zu einem soliden Geisterspuk. Was sich zunächst wie ein wenig motivierter Versatzstück-Verbund ausnimmt und ein stereotypes I-See-Dead-People-Szenario dichtet, wandelt sich zur durchdacht konstruierten Tragödie über Schuld und Trauer.

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Todesengel

Fernab von Sci-Fi-Elementen setzt sich Andreas Eschbach so vielschichtig wie provokant mit Selbstjustiz und den Folgen von Gewalt auseinander.

Todesengel Cover

Andreas Eschbach, D 2013
Erscheinungstermin: 20.09.2013
Story: Als zwei Berliner U-Bahnschläger einen Rentner fast tot treten, erscheint ein strahlender Engel, der sie mit Kopfschüssen hinrichtet. Dieses Video wird dem Journalisten Ingo Praise zugespielt, der daraufhin mit der TV-Talkshow „Anwalt der Opfer“ zum Medienereignis wird. Denn der Racheengel hat viel Arbeit.
Von Thorsten Krüger

Ein diffiziles Sujet hat sich der Bestseller-Autor („Das Jesus-Video“) mit seiner nicht immer dazu passenden, flotten Schreibe nah am Boulevard ausgesucht: Aus den verschiedenen Perspektiven eines ganzen Ensembles untersucht er die verheerenden Auswirkungen von Gewalttaten auf das weitere Leben der Opfer und unseren rücksichtslosen Umgang damit in medialer und rechtlicher Hinsicht.

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Agent Hamilton – Im Interesse der Nation

Actionthriller der gehobenen Klasse, der vergleichsweise realistisch-kritisch Rolle und Abgründe von Geheimdiensten inspiziert.

Agent Hamilton Cover

Hamilton: I nationens intresse, Kathrine Windfeld, SW 2012
DVD/BD-Start: 25.09.2012
Story: Obwohl er im Zuge eines Kriegsflashbacks seiner Freundin die Kehle aufschlitzte, dient Spezialagent Hamilton weiterhin der schwedischen Regierung. Er muss die Spur eines afghanischen Waffendeals nach Somalia verfolgen, wobei er ein Komplott und Anschlagspläne in seiner Heimat entdeckt.
Von Gnaghi

Schwedens Antwort auf James Bond lautet seit über 25 Jahren Agent Hamilton, der in Dutzenden Büchern und Verfilmungen im Dienste der Stockholmer Regierung steht. Nur sind seine Aufträge deutlich realitätsnäher und kritischer gegenüber eigenen und fremden Geheimdiensten – ein glaubhafter Einblick in die Welt der Agenten, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, und ein Actionthriller über kontemporäre Krisenherde.

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Sinister

Snuff im Kabuff: frenetischer Horror-Schocker mit Einflüssen von „Ring“ und „The Shining“ um einen Serienkillerdämon.

Sinister Cover

Scott Derrickson, USA 2012
auf DVD erhältlich
Story: Um seinen Einmal-Erfolg zu wiederholen, zieht der klamme True-Crime-Autor Ellison samt seiner ahnungslosen Familie in ein Anwesen, wo ihre Vorgänger brutal im Garten erhängt wurden. Kaum hat er auf dem Dachboden eine Kiste Super-8-Filme mit den Morden entdeckt, beginnt ein finsterer Spuk.
Von Thorsten Krüger

„Ring“ dürfte eine ganze Generation als ihr zentrales Angsterlebnis im Kino definieren. Reifere Semester nennen „The Shining“ an dieser Stelle. Wieso also nicht beide Klassiker zu einem satten Mainstream-Schocker kombinieren, dachte sich Scott Derrickson („The Exorcism of Emily Rose“) und dreht so frenetisch auf, als wolle er den Schrecken seiner Vorbilder im Akkord toppen.

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