Schlagwort-Archive: Caroline Lin

Coco

Los Wochos bei Disney: leuchtend farbige, familienaffine Abenteuerfantasy mit der gekonnten Extraportion Schmalz

Coco Cover

aka Coco – Lebendiger als das Leben, Lee Unkrich, Adrian Molina, US 2017
Kinostart: 30.11.2017
Story: In Mexikos einziger Familie, die Musik verabscheut, schlägt der 12-jährige Miguel aus der Art: Er will seinem großen Vorbild nacheifern, Schlagerlegende Ernesto. Als er glaubt, Urenkel des berühmten Barden zu sein und am Día de los Muertos dessen Gitarre aus der Gruft entwendet, landet er im Totenreich.
Von Caroline Lin

In Pixars 19. Animationsfilm „Coco“ zeigt sich das einst so progressive Studio mehr denn je von Disney einverleibt und gehorcht sklavisch der Familienliebe-über-alles-Ideologie. Was nicht heißt, das neue Werk von Lee Unkrich wäre nur überzuckert – es ergreift emotional klar weniger als sein imposanter „Toy Story 3“, die Story ist haarscharf absehbar und kann erst im schwer zu Herzen gehenden Finale richtig auftrumpfen.

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Boys in the Trees

Übernatürliches Coming of Age, das mit betörenden Bildern und einfühlsamer Besinnung ein veritables Gänsehaut-Gefühl generiert

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Nicholas Verso, AUS 2016
bereits erhältlich (DVD/BD)
Story: Halloween 1997, Frühling in einer australischen Vorstadt. Den Schulabschluss in der Tasche, heult Corey mit den Skater-Wölfen von Jango, ignoriert die Avancen von Mitschülerin Romany und hat Jugendfreund Jonah verraten. Der fordert ihn heraus, ihm diese Nacht zu folgen – und für Corey ändert sich alles.
Von Caroline Lin

Ein Halloween-Movie der besonderen Art: „Boys in the Trees“ ist der bessere „Super Dark Times“, ach was, einfach das stärkste Coming of Age dieses Jahrgangs. Der australische Debütant Nicholas Verso destilliert eine betörend-magische Melange aus „Donnie Darko“ und „Stand by Me“, ähnlich gut wie in „Es“ (nur ohne Killerclown), dafür mit einem magisch-märchenhaften Realismus à la Neil Jordans „Die Zeit der Wölfe“.

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Dangal

Frauen-Ringen in Indien? Basierend auf dem Leben von Geeta und Babita Phogat ist das ganz, ganz große (Sport-)Oper!

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Nitesh Tiwari, IND 2016
ohne deutschen Start
Story: Ex-Profi-Ringer Mahavir Singh Phogat beginnt früh seine beiden Töchter Babita und Geeta in der olympischen Disziplin zu trainieren. Gegen viele Widerstände und Vorurteile bildet er sie unerbittlich aus, bis sie in die Nationalauswahl gelangen und Geeta 2010 bei den Commonwealth Games Gold gewinnt.
Von Caroline Lin

„Dangal“ (zu Deutsch: Zirkus) ist der indische „Rocky“ mit zwei Mädchen. Die Disney-Produktion unter maßgeblicher Mitwirkung von einem der drei das Bollywood-Kino dominierenden Khans, Aamir Khan, bietet herzerwärmendes Family-Entertainment, das unter Verzicht auf die berüchtigten Untugenden Gesang, Kitsch und Tanz ein Sport-Biopic (weitgehend) nach wahren Ereignissen erzählt. Und das unbedingt mitreißend.

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Der wunderbare Garten der Bella Brown

Der wunderbare Garten der Bella Brown Cover

This Beautiful Fantastic, Simon Aboud, GB/USA 2016
Kinostart: 15.06.2017

Die Sparversion von „Die fabelhafte Welt der Amelie“ des Briten Simon Aboud („Comes a Bright Day“) wanzt sich durch die deutsche Titelschmiede mit „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ noch enger an Jean-Pierre Jeunets versponnene Fabel von 2001 heran. Zwischen Komödie, Seelentherapie und Liebesdrama findet ein Quartett skurriler Verquerer ihren Weg zum Glück. Ein Nachbarschaftsstreit wird zur Nachbarschaftshilfe, wenn der zwangsgestörte Bücherwurm Bella (Jessica Brown Findlay, „Winter’s Tale“) einen Monat Zeit erhält, ihren verwilderten Garten neu instand zu setzen.

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A Date for Mad Mary

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Darren Thornton, IRL 2016
Kinostart: 14.12.2017

Der irische Festivalhit „A Date For Mad Mary“ ist ein liebenswertes, lustiges und wunderbar berührendes Date Movie für Leute, die wenig von Date Movies halten. Debütant Darren Thornton, der mit seinem Bruder Colin den Theatermonolog „10 Dates With Mad Mary“ von Yasmine Akram („Sherlock“) adaptiert, taucht regelrecht unter den Hochzeitsplanern-Stereotypen hindurch und punktet mit Charme, Charakter und Chuzpe.

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The Last Princess

Die letzte Kaiserin: die tragische Lebensgeschichte von einer ohnmächtigen Thronerbin als herzzerreißendes Melodram

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Deokhyeongju, Hur Jin-ho, ROK 2016
ohne deutschen Start
Story: 1919. Nachdem sie den Giftmord an ihrem Vater, dem Kaiser von Korea, erlebt hat, wird die letzte Prinzessin Deuk-hye von Kollaborateur Han mit 13 Jahren ins japanische Exil verbannt, während die Besatzer ihr Land versklaven. Alle Befreiungsversuche und Aufstände schlagen fehl, Deuk-hye bleib gefangen.
Von Caroline Lin

Nach Kwon Bi-youngs Bestseller „Princess Deokhye“ ergreift Romantik-Spezialist Hur Jin-ho („Christmas in August“) mit einer schmerzvollen Phase der koreanischen Landeshistorie und spannt sein bewegendes Porträt eines Leidenswegs von 1919 bis 1968. Naturgemäß liegt Hurs Fokus am (moderat) romantischen, aber auch am (nie negativ auffallenden) patriotischen Zentrum. „The Last Princess“ bedient gleich zwei elementare Sehnsüchte.

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Hidden Figures

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aka Hidden Figures: Unerkannte Heldinnen, Theodore Melfi, USA 2016
Kinostart: 02.02.2017

„Hidden Figures“, unsichtbare Personen, gibt es in der Geschichte zuhauf. Wie es drei Afroamerikanerinnen 1961 im amerikanischen Virginia erging, die als menschliche Computer der NASA ermöglichten, erstmals einen Menschen sicher ins All und zurück zu bringen, erzählt Theodore Melfi („St. Vincent“) schwungvoll und zu Herzen gehend. Eine ähnliche Prämisse – vergessene Helden helfen den USA bei der Mondlandung – verwandelte schon „The Dish“ in eine vortreffliche Komödie.

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Die irre Heldentour des Billy Lynn

Ang Lee demontiert in seiner Satire Amerikas tumbe Oberflächlichkeit, wenn ein junger Soldat zwischen Sein und Schein steht

Die irre Heldentour des Billy Lynn Cover

Billy Lynn’s Long Halftime Walk, Ang Lee, USA/GB/C 2016
Kinostart: 02.02.2017
Story: Nachdem er einem Kameraden im Irak das Leben rettete, geht der 19-jährige Soldat Billy Lynn mit seiner Einheit auf eine Siegestour quer durch die USA. Die gigantischen Shows in riesigen Footballstadien stehen im krassen Kontrast zu den wahren Geschehnissen, vor denen Billys Schwester ihn retten will.
Von Caroline Lin

Der profilierte Taiwaner Ang Lee gilt seit Jahrzehnten als einer von Hollywoods besten Autorenfilmern, seine jüngsten Oscarerfolge reichen vom Schwulendrama „Brokeback Mountain“ bis zur Fantasy „Life of Pi“. Ein Mann von solchem intellektuellen Format und gestalterischer Bandbreite ist der ideale Kandidat, um Amerikas aus der Unsicherheit geborenem Verlangen nach Helden in einer bewegenden Satire den Spiegel vorzuhalten.

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Trolls

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Mike Mitchell, Walt Dohrn, USA 2016
Kinostart: 20.10.2016

Heute schon einen Clown gefrühstückt? Vorbei sind die Zeiten, als die „Shrek“-Schmiede DreamWorks Animation noch zu satirischer Subversion imstande war; mit dem affirmativen, Disney-konformen, quietschbunten Musical „Trolls“ visiert das Regie-Duo Mike Mitchell („Für immer Shrek“) und Walt Dohrn (Autor von „Shrek 2“) ein ziemlich junges Publikum an. Ihr Rezept: Jeden Widerstand gnadenlos niederknuddeln. Das packt nicht jeder. Und so schwankt diese grell rotierende Glücksgefühl-Erzeugungsmaschine zwischen unwiderstehlich und unausstehlich.

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Pets

Hübscher Animationsspaß, der im Autopilot-Modus eine gagreiche Verfolgungsjagd sprechender Haustiere durch Manhattan veranstaltet

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The Secret Life of Pets, Yarrow Cheney, Chris Renaud, J/USA 2016
Kinostart: 28.07.2016
Story: Als Frauchen Katie ihrem treuen Hund Max den riesigen Neufundländer Duke vor die Nase setzt, entbrennt ein Rivalitätsstreit, in dessen Verlauf beide verloren gehen und vor Hundefängern flüchten. Max’ Verehrerin Gidget führt einen Suchtrupp an, Killerkaninchen Snowball und seine Gang einen zweiten.
Von Caroline Lin

Das Animationsstudio Illumination Entertainment erinnert an seinen Hit „Minions“ gleich im Vorfilm, wo die gelben Chaoten einen Vorgarten zerlegen. So witzig und schwungvoll nimmt sich auch der Auftakt zu „Pets“ aus, bei dem der Regisseur der beiden „Ich – einfach unverbesserlich“-Teile, Chris Renaud, sowie sein Produktionsdesigner Yarrow Cheney sich die Spielleitung teilen. Dann schaltet der 3D-Spaß auf Autopilot.

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Findet Dorie

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Finding Dory, Andrew Stanton, Angus MacLane, USA 2016
Kinostart: 29.09.2016
Heimkinostart: 16.02.2017

Die späte Fortsetzung des Pixar-Hits „Findet Nemo“ von 2003 reduziert den Clownfisch und Vater Marlin zu Begleitern des einstigen Sidekicks Dorie. Original-Regisseur Andrew Stanton, der danach den großartigen „Wall-E“ schuf, schenkt in erneuter Kooperation mit dem erfahrenen Pixar-Animateur Angus MacLane („Toy Story 3“) dem blauen Doktorfisch mit Kurzzeitgedächtnisverlust ein für Erwachsene tränenreiches und für Kinder wohltuend gefahrloses Spaß-Abenteuer. „Findet Dorie“ ist in der Tat unvergesslich.

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Julieta

Leblose Rückblenden-Revue von Pedro Almodóvars gesammelter Motivik – nur der gediegene Stil kann sich sehen lassen

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Pedro Almodóvar, E 2016
Kinostart: 04.08.2016, DVD/BD-Start: 05.12.2016
Story: Eigentlich will Julieta Madrid verlassen, um zu ihrem Lebensgefährten Lorenzo nach Portugal zu ziehen, da konfrontiert sie eine Zufallsbegegnung mit der Spur ihrer verschollenen Tochter Antía, die bereits drei Kinder hat. Julieta begibt sich auf die Suche nach ihr und ihrer schmerzvollen Vergangenheit.
Von Caroline Lin

Der iberische Regiemeister Pedro Almodóvar kehrt auf das Terrain von „Sprich mit ihr“ und „Volver“ zurück und adaptiert für „Julieta“ drei Kurzgeschichten der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro. Das muss man toll finden. In Ehrfurcht erstarren. Den Regisseur für die Goldene Palme nominieren. Bloß nicht! Hier gibt es nur Gemächliches für ältere Herrschaften wie die Cannes-Jury. Ohne einen Funken Leben.

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Miss Hokusai

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Sarusuberi: Miss Hokusai, Keiichi Hara, J 2015
Kinostart: 16.06.2016, DVD/BD-Start: 28.10.2016

Die biografische Animation von Keiichi Hara („Colorful“) über Japans berühmtesten Künstler, den für seine Holzschnitte auch im Abendland bewunderten Maler Katsushika Hokusai (sein 1830 geschaffenes Bild „Die große Welle vor Kanagawa“ gilt als stilbildende Ikone), ist alles andere als ein Biopic im Anime-Format, wendet sich dezidiert an ein Arthaus-Publikum und verweigert sich nicht nur durch seine lose, episodische Struktur einer unbeschwerten Rezeption.

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Ein Hologramm für den König

Ausgerechnet in der Wüste findet Tom Hanks im Scheitern eine romantische Perspektive in Tom Tykwers optimistischer Loser-Dramödie

Ein Hologramm für den König Cover

A Hologram for the King, Tom Tykwer, GB/F/D/USA 2016
Kinostart: 28.04.2016
Story: Letzte Chance für den angeschlagenen Geschäftsreisenden Alan: Er soll dem saudischen König ein Telefonkonferenzsystem verkaufen. Doch dieser lässt auf sich warten und so bleibt dessen Traumstadt wie der Geschäftsabschluss ein uneingelösten Versprechen. Nur Ärztin Zahra vermittelt Alan Hoffnung.
Von Caroline Lin

Bei „Cloud Atlas“ hat sich Tom Tykwer („Lola rennt“) gemeinsam mit den Wachowski-Brüdern noch heftig verhoben, seine selbst verfasste Adaption von Dave Eggers Buch „Ein Hologramm für den König“ hingegen gelingt ihm mühelos. Im amüsant-dramödiantischen Tonfall eines Verlierer-Porträts kann Altstar Tom Hanks („Bridge of Spies“) mit all seinen Sympathien für sich einnehmen, wenn er sich „Lost in Translation“ befindet.

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Zoomania

Disneys Animations-Fabel demontiert im tierisch menschlichen Buddy-Movie großartig unterhaltsam Vorurteile und Rassismus

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Zootopia, Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush, USA 2016
Kinostart: 03.03.2016, DVD/BD-Start: 14.07.2016
Story: Die traumatisierte Häsin Judy beginnt belächelt ihren Polizeidienst in der Metropole Zootopia. Von Kollegen geschnitten, übernimmt die idealistische Nachwuchsermittlerin einen Vermisstenfall und deckt gemeinsam mit dem trickbetrügerischen Fuchs Nick ein Komplott auf, das den sozialen Frieden gefährdet.
Von Caroline Lin

„Nur 48 Stunden“ hat das gegensätzliche Duo Fuchs und Hase Zeit, einen Kriminalfall zu lösen, der sich als Verschwörung erweist. Du bist mehr als dein Vorurteil: Dass solche Konstellationen nicht in Klischees ausarten, sondern ein smartes Spiel damit werden, liegt am Regie-Trio Rich Moore („Ralph reicht’s“) und Byron Howard („Rapunzel – Neu verföhnt“) sowie ihrem Co-Regisseur Jared Bush, der vorher an „Baymax“ mitwirkte.

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Brooklyn

Saoirse Ronan steht zwischen zwei Welten in einem romantischen, großartig gefühlvollen Emigrantendrama

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aka Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, John Crowley, IRL/GB/CDN 2015
Kinostart: 21.01.2016, DVD/BD-Start: 09.06.2016
Story: Anfang der 1950er Jahre herrscht in Irland Perspektivlosigkeit, weshalb der lokale Pfarrer der jungen Eilis ein Ticket nach Brooklyn als Verkäuferin löst. Nach großem Heimweh lernt sie Klempner Tony kennen und blüht auf. Ein Schicksalsschlag bringt sie in die Heimat zurück, wo sie sich entscheiden muss.
Von Caroline Lin

Nach seinem hochgelobten Jugenddrama „Boy A“ gelingt John Crowley in seiner Adaption des gefeierten Romans von Colm Toibin genau jenes ausstatterisch erstklassige, bewegende (Liebes-)Melodram, das Todd Haynes’ „Carol“ gerne gewesen wäre. Erst unauffällig, dann hervorragend inszeniert, findet „Brooklyn“ mit Anmut und Zärtlichkeit zu einer Hommage an die Immigranten, die Amerika mit aufgebaut haben.

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Der kleine Prinz

3D-Animation, die in Stop-Motion-Sequenzen den Geist von Antoine de Saint-Exupérys Vorlage ausgezeichnet einfängt

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The Little Prince, Mark Osborne, F 2015
Kinostart: 10.12.2015, DVD/BD-Start: 21.04.2016
Story: Obwohl eine Mutter ihre kleine Tochter zwingt einen riesigen Karriereplan minutiös abzuarbeiten, freundet sich diese mit ihrem kauzigen Nachbarn an. Der alte Pilot erzählt ihr von seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen und dessen Abenteuern mit einem Fuchs. Gemeinsam wollen sie nach ihm suchen.
Von Caroline Lin

„Kung Fu Panda“-Trainer Mark Osborne spart sich kinetischen Klamauk und fängt den Geist von Antoine de Saint-Exupéry beliebter Vorlage rührend ein. Seine in Kanada und Frankreich entstandene Hommage an das zeitlose Kunstmärchen erfindet eine computernaimierte Rahmenhandlung, um die episodischen Kapitel sowie die Original-Illustrationen des 1944 verschollenen Poeten in handgemachter Stop Motion wieder auferstehen zu lassen.

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Man lernt nie aus

Das Generationentreffen zwischen Robert De Niro und Anne Hathaway schreibt mit leichtem Humor menschliche Tugenden groß

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The Intern, Nancy Meyers, USA 2015
Kinostart: 24.09.2015, DVD/BD-Start: 28.01.2016
Story: Witwer Ben entschließt sich aus Langeweile zum Senioren-Praktikum im Internet-Modeversand der Jungunternehmerin Jules. Diese verkennt zunächst die Kompetenzen des ehemaligen Geschäftsmanns, der nicht nur Kollegen und Firma rettet, sondern auch Jules’ Privatleben, und ihr ein guter Freund wird.
Von Caroline Lin

Komödien-Fachfrau Nancy Meyers („Was Frauen wollen“) hat nach eigenem Drehbuch ein entspanntes Werk über Liebe und Arbeit gestaltet. „Man lernt nie aus“ beherrscht die Tugenden alter Hollywood-Komödien, ideal verkörpert von einem selten so benignen und klassisch hochklassigen Robert De Niro, der im hippen Loft einer Modewebseite als Vater, Onkel, Mutter und Mädchen für alles zur guten Seele einer kleinen Firma wird.

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Das Märchen der Märchen

Starbesetztes Euro-Märchen für Erwachsene, von Matteo Garrone meisterlich und mit maliziöser Moral vorgetragen

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Il racconto dei racconti, aka Tale of Tales, Matteo Garrone, I/F/GB 2015
Kinostart: 27.08.2015, DVD/BD-Start: 03.03.2016
Story: Die Königin von Longtrellis opfert ihren Gatten, um von einem Seeungeheuer einen Albino zu empfangen. Der Herrscher von Strongcliff verfällt dem Sirenengesang einer verunstalteten Vettel und der Potentat von Highhills ist dermaßen in einen Riesenfloh vernarrt, dass er seine Tochter an einen Oger verschenkt.
Von Caroline Lin

Das gibt es noch: Märchenadaptionen, die kein Familienvergnügen anstreben. Der Römer Matteo Garrone, bekannt geworden durch die Mafia-Anklage „Gomorrha“, setzt der gängigen Disney-Putzigkeit („Die Eiskönigin“) und den Fantasyspektakeln mit ihrer Pixelmanie („Der Hobbit“) einen ganz eigenen Stil entgegen, der altmeisterlich von Ruhe, Klarheit, Prägnanz und einer Ästhetik mit kräftiger Farbdramaturgie geprägt ist.

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Knight of Cups

Hochkarätig besetzter, hohler Bilderbogen, mit dem Terrence Malick einmal mehr über Sinnfragen meditiert, aber keine Antwort findet

Knight of Cups Cover

Terrence Malick, USA 2015
Kinostart: 10.09.2015, DVD/BD-Start: 14.01.2016
Story: Seit sich Erfolgsautor Rick von seiner Frau Nancy getrennt hat, schweift er durch die ausschweifenden Partys von Hollywood. In der Welt des schönen Scheins sucht er Lebenssinn und lässt sich unentwegt mit Frauen ein. Doch weder Models, Stripperinnen noch Verheiratete können seine innere Leere füllen.
Von Caroline Lin

Der „Knight of Cups“, der Glücksritter des Tarot-Blatts, dessen Karten die Kapitel bezeichnen, ist „Batman“ Christian Bale, der, elegant gekleidet, schweigsam und sich sich gekehrt durch seine Existenz und den Film führt, mehr als schlaftrunkener Beobachter, denn als aktiver Partizipant. Wie „To the Wonder“ und „The Tree of Life“ dreht Malick einen weiteren Vers seines ewig gleichen Themas, komplett als Gedankenstrom.

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Atlantic.

Leises, aber gewaltiges Gedicht und betörende melancholische Meditation gleichermaßen über eine (unerfüllbare?) Sehnsucht

Atlantic. Cover

Jan-Willem van Ewijk, D/B/NL/MA/F 2014
Kinostart: 25.06.2015
Story: Mit seinem alten Vater lebt der 32-jährige Fettah in einem marokkanischen Küstendorf von Fischfang und Surftouristen. Als er sich unglücklich in die Holländerin Alexandra verliebt, fasst er den Entschluss, alles zurückzulassen und ihr allein auf dem Surfbrett über den Atlantik nach Europa zu folgen.
Von Caroline Lin

Wer „Atlantic.“ ein Surferabenteuer oder Immigrationsdrama zum afrikanischen Exodus nach Europa nennt, hat nichts verstanden. Das kraftvolle und bildmächtige Zweitwerk des Niederländers Jan-Willem van Ewijk („Nu.“) entzieht sich Kategorien von Action, Thesen und Arthaus, sondern steht weit über ihnen. Genau genommen schwebt er so zeitlos und introvertiert wie seine stille Hauptfigur: kontemplativ, tiefgehend, überwältigend.

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Für immer Adaline

Für immer jung: zielpublikumsträchtige, dennoch berührende romantische Fantasie um das Herzschmerzleben einer Alterslosen

Für immer Adaline Cover

The Age of Adaline, Lee Toland Krieger, USA 2015
Kinostart: 09.07.2015, DVD/BD-Start: 19.11.2015
Story: 1935 beendet ein Unfall den Alterungsprozess der 29-jährigen Adaline. Nur ihre Tochter kennt ihr Geheimnis. Als 2013 der charmante Ellis um ihre Hand anhält, bricht sie mit ihrer strikten Regel, allein zu bleiben. Bis sie seine Familie besucht: Ellis Vater William war einst ein Geliebter, den sie verlassen hatte.
Von Caroline Lin

Ungeachtet seines wissenschaftlichen Voice Overs wählt Lee Toland Krieger („Celeste & Jesse Forever“) keine SciFi, sondern einen magisch-märchenhaften Tonfall, der in romantischer Sanftheit ein immer topmodisch ausgestattetes Melodram um Model Blake Lively („Savages“) webt, die sich trittsicher auf weichgespülten Nicholas-Sparks-Terrain bewegt, wofür auch Drehbuchautor J. Mills Goodloe („The Best of Me“) bürgt.

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Den Menschen so fern

Viggo Mortensen auf einem elementaren Fußmarsch, der vor karger Wüstenwildnis über den Algerienkrieg reflektiert

Den Menschen so fern Cover

Loin des hommes, aka Far From Men, David Oelhoffen, F 2014
Kinostart: 09.07.2015
Story: Algerien 1954. Ex-Major Daru hat sich in ein einsames Tal im Atlasgebirge zurückgezogen, wo er einheimische Kinder unterrichtet. Als ihm ein französischer Soldat den Mörder Mohammed übergibt, muss er ihn vor dem Blutrache-Mob schützen. Beide fliehen in die Berge und geraten zwischen die Fronten.
Von Caroline Lin

Der „Herr der Ringe“-Aragorn hat einen Hang zu existenzialistischen Rollen, in denen ihn meist eine düstere Vergangenheit einholt („A History of Violence“). Dazu passt David Oelhoffens Zwei-Personen-Drama „Den Menschen so fern“ perfekt. Nach Albert Camus’ Novelle „Der Gast“ produzierte Mortensen das kammerspielartige Kriegsdrama (meist) unter freiem Himmel vor imponierender, karger Bergwüstenwildnis selbst.

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Fatal Frame

Japanische Coming-of-Age-Gothic, die faszinierend ein geisterhaftes Mysterium webt, ihren enormen Zauber aber wieder einbüßt

Fatal Frame Cover

Gekijô-ban: Zero, Mari Asato, J 2014
ohne deutschen Start
Story: Seit die von allen bewunderte Aya sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hat, sind Nonnen und Eleven einer Klosterschule nahe eines Bergstädtchens in Aufruhr. Als Asumi spurlos verschwindet und ihre Freundin Michi Geister sieht, verdichten sich Gerüchte um einen Fluch, der nur Frauen befällt.
Von Caroline Lin

„Fatal Frame“ – nicht zu verwechseln mit dem lausigen Giallo „Fatal Frames“ – ist die Verfilmung der bei uns als „Project Zero“ bekannten japanischen Survival-Horror-Adventure-Reihe, von dem Tecmo seit 2001 fünf Konsolengames programmiert hat. „Bilocation“-Regisseurin Mari Asato widmet sich dem geisterhaften Geheimnis femininer Adoleszenz, was ihr faszinierend kunstvoll gelingt, den Zauber aber nicht wahren kann.

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Fast & Furious 7

Im siebten Spektakel der Retorten-Franchise setzt es sinnfreie Destruktion Deluxe und Familienkitsch zum Abschied von Paul Walker

Fast & Furious 7 Cover

Furious 7, James Wan, J/USA 2015
Kinostart: 01.04.2015, DVD/BD-Start: 13.08.2015
Story: Alte Sünden holen die PS-Crew ein, als Ian, der böse Bruder des Gegenspielers Owen, auf Rache sinnt und Anschläge auf das Team verübt. Agent Mr. Nobody finanziert Dom, Brian und Letty, Ian eine ultimative Ortungssoftware samt Hackerin Ramsey wegzuschnappen, um dem Wüterich selbst zu jagen.
Von Caroline Lin

Im Kern bleibt die 2001 gestartete Racer-Reihe trashiges B-Kino, deren tiefergelegte Werbeclip-Coolness und flache Witzeleien unter der (austauschbaren) Spielleitung von Horror-Fachkraft James Wan („Saw“, „Insidious“) erheblich inkompatibel zu Familienkitsch und gravitätischem Ernst bleiben. Eine gewisse Hirnrissigkeit in Geschehen und Gerede ist ja Pflicht, läuft aber nicht mehr so souverän kurzweilig wie in Teil 5 und 6.

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