Schlagwort-Archive: Caroline Lin

In meinem Kopf ein Universum

Gefangen im eigenen Körper: Trocken-dokumentarisch, aber liebevoll-berührend fasst die polnische Tragikomödie ein schweres Los zusammen

In meinem Kopf ein Universum Cover

Chce sie zyc, aka Life Feels Good, Maciej Pieprzyca, PL 2013
Kinostart: 09.04.2015, DVD/BD-Start: 07.09.2015
Story: Polen, 1987. Mateusz, das dritte Kind einer Arbeiterfamilie, leidet an einer zerebralen Bewegungsstörung und kann nicht sprechen, weshalb die Ärzte ihn als geistig behindert einstufen. Ein halbes Leben wird er daheim, später in einem Heim gepflegt, bis man 2008 zufällig einen Kommunikationstest vornimmt.
Von Caroline Lin

Basierend auf einem wahren Schicksal – das Ende zeigt den echten Przemek – fügt sich das trotz eines 25-jährigen Leidenswegs von einem, der sich anderen nicht mitteilen kann, verblüffend leichte, humorvolle und unsentimentale Drama „In meinem Kopf ein Universum“ vom Krakauer Film- und Fernsehregisseur Maciej Pieprzyca in die Tradition von „Schmetterling und Taucherglocke“, „Zeit des Erwachens“ und „Mein linker Fuß“.

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Grace

Schonungslos ehrliches, zugleich sympathisch-berührendes (Frauen)Drama um eine Alkoholikerin und die Heilung tiefer Wunden

Grace Cover

Heath Jones, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Als die junge Säuferin Grace mit schwerem Hangover an einem fremden Strand einer Florida-Kleinstadt fern von daheim erwacht und später volltrunken einen Polizisten angreift, muss sie vor Ort 90 AA-Treffen absolvieren. Obschon in der fürsorglichen Obhut von Café-Besitzerin Sonia, trinkt sie weiter.
Von Caroline Lin

Die hohe Kunst von Heath Jones‘ Langfilmdebüt ist es, mit einer echten Unsympathin als Hauptfigur einen bewegenden Film hinzulegen und obendrein mit ihr zu fühlen. Hut ab. Allerdings sind die authentischen Darbietungen in „Grace“ – nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Dämonenschocker „Grace – Besessen“ – einfühlsam in ein undidaktisches, psychologisch superbes Konzept einer Lebenstherapie eingebettet.

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10 Milliarden

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10 Milliarden – wie werden wir alle satt?, Valentin Thurn, D 2015
Kinostart: 16.04.2015

Als Erzähler, Kommentator und Interviewer führt Autor/Regisseur Valentin Thurn durch den Nachfolger seines schonungslosen „Taste the Waste“. So eindrücklich er 2011 die globale Lebensmittelverschwendung anprangerte, kann er in seiner zweiten Doku „10 Milliarden – wie werden wir alle satt?“ die Frage der Versorgung von im Jahr 2050 erwarteten zehn Milliarden Menschen nicht beantworten. Einmal, weil seine einschläfernde Stimme (er hätte sich wirklich einen professionellen Sprecher leisten sollen) sich zum saumseligen Stil addiert.

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TinkerBell und die Legende vom Nimmerbiest

TinkerBell und die Legende vom Nimmerbiest Cover

Tinker Bell and the Legend of the NeverBeast, Steve Loter, USA 2014
Kinostart: 30.04.2015, DVD/BD-Start: 08.10.2015

In „TinkerBell und die Legende vom Nimmerbiest“, dem bereits sechsten Animationsauftritt von Disneys Haus-und-Hof-Fee – entstanden im gleichen Jahr wie Teil 5, „Tinkerbell und die Piratenfee“ -, stützt sich Steve Loter (der sämtliche „Kim Possible“-Einsätze leitete) auf Motive aus „Die Schöne und das Biest“. Die tragische Freundschaft fürs Leben zwischen süßer Girlie-Fee und grunzendem Fell-Gigant wurde von Jon Lasseter produziert und dreht sich witzig und zu Herzen gehend um die Frage, ob das fremde Wesen ein Weltenzerstörer oder der Auenlandretter ist.

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Lasseter’s Bones

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Luke Walker, AUS 2013
ohne deutschen Start

„Lasseter’s Bones“ ist mitnichten ein Film über den ingeniösen Pixar-Mitbegründer John Lasseter, sondern eine ganz persönliche Doku des britisch-australischen Filmemachers Luke Walker („Beyond Our Ken“), der sich auf eine epische, dreijährige Spurensuche zum Abenteuer und Entdecker Harold Lasseter begibt. Der ist seit einer Expedition in die australische Wüste 1931 verschollen, wo er angeblich eine enorme Goldader vom Gegenwert von bis zu einer Milliarde Dollar fand.

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Jupiter Ascending

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Andy Wachowski, Lana Wachowski, USA 2015
Kinostart: 05.02.2015, DVD/BD-Start: 25.06.2015

Einen Starlight Express für 175 Million Dollar haben die „Matrix“-Schöpfer Andy und Lana (ehemals Larry) Wachowski mit flashigem Laserlicht, Action-Bling-Bling und überladenem Barock-Bombast zusammengewürfelt. Nach „V for Vendetta“ und „Speed Racer“ verdienen sie sich ihren Spitznamen Schwachkowski-Brüder abermals redlich – die Space-Opera-Fantasy „Jupiter Ascending“ birst vor unfreiwilliger Komik und pathetischen Peinlichkeiten-Paraden: eine Fremdschäm-Orgie in XXL.

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A Most Violent Year

Bei J.C. Chandor steht einem redlichen Kaufmann das Wasser bis zum Hals – in einer Crime City wie von Sidney Lumet erdacht

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J.C. Chandor, USA 2014
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 05.08.2015
Story: 1981 haben Kriminalität und Winter New York in ihrem festen Griff. Zahlreiche Überfälle und Drohungen der Konkurrenz zum Trotz wenden Heizöllieferfirmeninhaber Abel samt Gattin Anna nicht die branchenüblichen schmutzigen Tricks an, auch wenn die Steuerbehörden ihnen in die Suppe spucken.
Von Caroline Lin

Nach seinem Segeltörn „All Is Lost“ kehrt J.C. Chandor, Sohn eines Investmentbankers, wieder zurück zum Wirtschaftsthrillerterrain von „Der große Crash – Margin Call“. Im wie immer selbst geschriebenen Crime-Drama „A Most Violent Year“ erreicht er ungeachtet der hervorragenden Schauspiel-Crew – Oscar Isaac als rechtschaffener Firmenchef, Jessica Chastain als seine resolute Frau – jedoch nicht die Stärke seines Debüts.

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Unbroken

Lager- und Leidensdrama nach dem Überlebens-Bestseller um Louis Zamperinis jahrelange KZ-Folterhaft in Japan

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Angelina Jolie, USA 2014
Kinostart: 15.01.2015, DVD/BD-Start: 28.05.2015
Story: Der Zweite Weltkrieg beendet die Sportkarriere des jungen italienischstämmigen US-Oympialäufers Louis Zamperini. 1941 stürzt er mit seinem Bomber im Pazifik ab. Als er erst nach 47 Tagen gerettet wird, beginnen neue jahrelange Qualen im Kriegsgefangenenlager des sadistischen Lagerkommandaten Watanabe.
Von Caroline Lin

Sony-Produzent Scott Rudins inzwischen legendäre Schmähung von Angelina Jolie als „minimal talentierter, verzogener Göre“ kann man angesichts ihres handwerklichen Regiegeschicks getrost als widerlegt betrachten, wiewohl weiterreichende Fähigkeiten wahrlich auch nicht vorwerfen. Die Durchhalte-Heldengeschichte amerikanischer Prägung bleibt vor allem wegen des recht einseitigen Scripts unter ihren Möglichkeiten.

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Canopy

Zwei Männer und der Dschungel als still-schönes Schreckensterritorium: bravouröses, realistisches Überlebensabenteuer im Pazifikkrieg

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Aaron Wilson, AUS/SGP 2013
ohne deutschen Start
Story: Als am 9. Februar 1942 die japanische Invasion in Singapur beginnt, wird der junge australische Kampfpilot Jim abgeschossen. Er bahnt sich aus den sumpfigen Mangroven den Weg in den Dschungel, wo er auf den chinesischen Widerstandskämpfer Seng stößt. Gemeinsam verstecken sie sich vor den Japanern.
Von Caroline Lin

Das vor Ort in Singapur entstandene Debüt des Australiers Aaron Wilson wurde aufgrund seiner Dialoglosigkeit passenderweise mit J.C. Chandors „All is Lost“ und sogar mit Alfonso Cuaróns „Gravity“ verglichen, ist aber keine detailverliebte Konzept-Action, sondern subtil und bescheiden – wie eine eindringliche Stummfilmfassung von John Boormans „Die Hölle sind wir“, statt Gegnerschaft aber mit schweigsamer Verbundenheit.

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Die Reise zum sichersten Ort der Erde

Die Reise zum sichersten Ort der Erde Cover

aka Journey to the Safest Place on Earth, Edgar Hagen, CH 2013
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 25.09.2015

Gorleben ist überall – ein Aufregerthema, das der Schweizer Dokumentarfilmer Edgar Hagen („Someone Beside You“) in „Die Reise zum sichersten Ort der Erde“ entschieden unaufgeregt angeht. Seit Ende der 50er Jahre die ersten AKW ans Netz gingen, haben sich weltweit 350.000 Tonnen hochradioaktiver Atommüll angesammelt. Jährlich kommen 10.000 Tonnen hinzu. Allein: Es gibt bis heute kein Endlager für den strahlenden Sondermüll, wie der international anerkannte Fachmann Charles McCombie nach beinahe 40-jähriger erfolgloser Suche konstatieren muss.

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Alive Inside

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Michael Rossato-Bennett, USA 2014
ohne deutschen Start

Michael Rossato-Bennetts ergreifende Doku über Dan Cohens Bemühungen, mit seiner gemeinnützigen Organisation Music & Memory alte Menschen aus ihrem Demenzschlummer zu reißen, ist ein humanistischer Herzbrecher. Man sieht ihn am besten zusammen mit „Still Alice“, direkt danach, weil er da anfängt, wo das Alzheimer-Drama mit Julianne Moore aufhört. Vor sich hin vegetierende Nursing-Home-Bewohner, trostlos in sich versunken, werden durch das Hören ihrer Lieblingsmusik plötzlich wieder lebendig und so vital wie die engagierte Regie.

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The Imitation Game

Mitreißendes Codeknacker-Drama, das brillant-berührend das britische Mathe-Genie porträtiert – einen vergessen Helden des Zweiten Weltkriegs

The Imitation Game Cover

aka The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben, Morten Tyldum, GB/USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 17.06.2015
Story: Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs akquiriert der britische Geheimdienst Cambridge-Mathematiker Alan Turing. Er soll den als unlösbar geltenden Enigma-Code der Wehrmacht knacken. Der arrogante Crack bringt das Team und die Vorgesetzten gegen sich auf. Nur die junge Kollegin Joan hält zu ihm.
Von Caroline Lin

Das nach „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zweite Biopic eines Cambridge-Genies binnen kurzer Zeit hat die gleichen emotionalen Qualitäten wie das Porträt von Stephen Hawking, fügt im Falle des Mathematikers Alan Turing neben oscarwürdiger Schauspielexzellenz noch treffsicheren Humor, Thrillerspannung und die Tragik eines unbesungenen Helden hinzu, der wegen seiner Homosexualität in den Selbstmord getrieben wurde.

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Predestination

Ethan Hawke erleidet Zeitreise-Schocks in der verwegen konstruierten, frappierend elektrisierenden Retro-SciFi nach Robert A. Heinlein

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Michael Spierig, Peter Spierig (The Spierig Brothers), AUS 2014
DVD/BD-Start: 05.02.2015
Story: Nachdem man sein von einer Explosion entstelltes Gesicht chirurgisch rekonstruiert hat, reist ein Zeitagent ins Jahr 1975, um als Barkeeper getarnt den mörderischen „Fizzle Bomber“ zu finden. Er trifft Autor John, der ihm von seiner Geschlechtsumwandlung erzählt. Der Agent macht ihm ein einmaliges Angebot.
Von Caroline Lin

Nach der 13-seitigen Kurzgeschichte „Entführung in die Zukunft“ („All You Zombies“, 1959) von Robert A. Heinlein, gemeinhin für seine „Starship Troopers“-Vorlage bekannt, haben die in Deutschland geborenen australischen Zwillingsbrüder Michael und Peter Spierig keinen durchgestylten SciFi-Thriller à la „Minority Report“ ausgetüftelt, sondern einen retrofuturistischen Noir, der das Hirn verknotet und das Herz berührt.

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Baymax – Riesiges Robowabohu

Baymax - Riesiges Robowabohu Cover

Big Hero 6, Don Hall, Chris Williams, USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 11.06.2015

Nun hat die Superhelden-Seuche auch noch Disney infiziert. Nach dem unverhofften Riesenhit „Die Eiskönigin“ – im Vergleich so viel liebenswerter als diese 3D-Entertainment-Fantasy – dient die unbekannte Marvel-Mini-Reihe „Big Hero 6“ (so auch der Originaltitel) als Gerüst für ein anspielungsreiches Comicfan-Universum im Softdrink/Popcorn-Look. Die langjährigen Maushaus-Mitarbeiter Don Hall und Chris Williams, die großartige Scripts für „Küss den Frosch“ und „Mulan“ verfassten, richten einen dürftig-unglaubwürdigen, charakterschmalen Plot auf Kinderniveau an, der sowieso nur den Anstoß zum Eskapismus gibt.

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Manolo und das Buch des Lebens

Die ganz dem Kommerzkalkül ergebene, kunterbunte 3D-Familienanimation ist mehr eine nervtötende Kiddie-Pop-Party denn ein Film.

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The Book of Life, Jorge R. Gutierrez, USA 2014
Kinostart: 12.02.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015
Story: Die Götter La Muerte und Xibalba wetten, wer von den unzertrennlichen mexikanischen Kindheitsfreunden Manolo, Joaquin und Maria einander heiraten wird. Als die selbstbewusste Maria Manolo den Vorzug gibt, vergiftet ihn Xibalba. Im Totenreich sucht Manolo einen Weg, ihr seine Liebe zu beweisen.
Von Caroline Lin

Opulente Ornamentik, ausufernde Farbigkeit und eine bunt leuchtende Unterwelt – diese fantasievolle Gestaltung ist das Einzige, was sich über Jorge R. Gutierrez‘ Animationserstling Positives vermelden lässt. Diese Pfründe verschleudert er aber für einen Chaos-Cartoon-Käse für begriffsstutzige Kids, bei dem es auch nicht hilft, dass ihn der Meister der Dark Fantasy, Guillermo del Toro („Pan’s Labyrinth“), mitproduziert hat.

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The Target

The Target Cover

Pyojeok, Chang, ROK 2014
DVD/BD-Start: 05.08.2015

Ein Mann wird gejagt: Im erst zweiten Spielfilm nach seinem erfolgreichen Schulhorrorthriller „Death Bell“ von 2008 unternimmt der ehemalige Musikvideoregisseur Yoon Hong-seung, der sich der Einfachheit halber Chang nennt, den seltenen Fall eines Asien-Remakes einer französischen Thrillerhatz, Fred Cavayés wendungsreich-atemlosen „Point Blank – Aus kurzer Distanz“, der 2011 auf dem Fantasy Filmfest lief. Wie eine andere kürzliche Fernost-Fassung eines okzidentalen Originals, die Samurai-Moritat „The Unforgiven“ nach Eastwoods „Erbarmungslos“, weiß auch die südkoreanische Interpretation einer gallischen Verfolgungsjagd ihre Akzente zu setzen und Cavayé knapp auszustechen.

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#Zeitgeist

Jason Reitmans zeitdiagnostische Ensemble-Dramödie wird zum generationenübergreifenden Sittenbild eines Dutzends Vorstadtamerikaner.

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Men, Women & Children, Jason Reitman, USA 2014
Kinostart: 11.12.2014, DVD/BD-Start: 30.04.2015
Story: Tim hat das Highschool-Football-Team quittiert, spielt Online-Games und beginnt eine Beziehung mit Mitschülerin Brandy, was deren hyper-protektive Mutter via Totalüberwachung verhindert. Andere Schüler sind ruhm- oder magersüchtig, Väter sexuell frustriert, Mütter auf der Suche nach einem Lover.
Von Caroline Lin

Sein hinreißend melodramatischer „Labor Day“ war nur ein Exkurs in klassische Fach. Der Regisseur von „Juno“ und „Up in the Air“ nimmt sich wieder kulturkritisch den Zeitgeist vor, als mehrere nahtlos miteinander verwobene Fallstudien über die Porno-Gesellschaft, über Eltern und Teeniekinder, die essgestört, pornogeschädigt, onlinespielsüchtig, sms-wütig oder sonst irgendwie pathologisch verhaltensauffällig sind.

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Autómata

Die spanisch-bulgarische B-Zukunftsvision mit Antonio Banderas entwirft einen interessanten, pessimistischen Future Noir.

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Gabe Ibáñez, E/BG 2014
DVD/BD-Start: 17.04.2015
Story: 2044 haben Sonnenstürme die Erde verstrahlt und die Menschheit dezimiert. Während seine Frau hochschwanger daheim sitzt, untersucht Versicherungsagent Jacq einen zerschossenen Roboter und muss mit dem sich selbst reparierenden Exemplar Cleo vor Killer Wallace in die lebensfeindliche Wüste fliehen.
Von Caroline Lin

Nach seinem ausbaufähigen Debüt, dem Mysterythriller „Hierro“, findet F/X-Experte Gabe Ibáñez zu einem intellektuell reizvollen Zukunftsentwurf, der eine „Blade Runner“-Nacht in „Elysium“-Schrott-Slums ausruft, dies gleichwohl differenzierter als Konsorten anpackt. Visuell und finanziell ist das pessimistische SciFi-Drama ansehnlich, dramaturgisch aber defizitär, was sich in inadäquaten Thrillerambitionen niederschlägt.

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Die Entdeckung der Unendlichkeit

Exzellent gespielt, tief bewegend, legendenfrei: Das Biopic über den gelähmten Wissenschaftler Stephen Hawking ist ein Oscarkandidat.

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The Theory of Everything, James Marsh, GB 2014
Kinostart: 25.12.2014, DVD/BD-Start: 07.05.2015
Story: Als sich der Cambridge-Student Stephen Hawking 1963 in seine Kommilitonin Jane Wilde verliebt, erreicht den nur 21-jährigen Astrophysiker die erschütternde Diagnose, binnen zwei Jahren an einer Nervenlähmung zu sterben. Beide heiraten und Hawking arbeitet an seiner Theorie über die Geburt des Universums.
Von Caroline Lin

Dem Briten James Marsh („Man on Wire“) gelingt ein veritabler Drahtseilakt bei der Adaption von Jane Hawkings Memoiren, die eine herzzerreißende Lovestory, aber auch das schwierige Scheitern ihrer Ehe mit dem bedeutendsten (und bekanntesten) lebenden Astrophysiker unserer Zeit darlegt. Die maßvoll-bescheidene Regie lässt die beiden fantastischen Darsteller aufblühen und die Biografie wahrhaft leuchten.

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The Homesman

Berührend humanistisch-historische (Geister)Reise, die dem Western eine erschütternde, weibliche Perspektive verleiht.

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Tommy Lee Jones, F/USA 2014
Kinostart: 18.12.2014, DVD/BD-Start: 15.04.2015
Story: Ein kleiner Siedleraußenposten in Nebraska 1853. Die alleinstehende Farmerin Mary er klärt sich als einzige bereit, drei durch Entbehrungen, hartes Klima, Krankheit und Gewalterfahrungen verrückt gewordene Frauen zurück in die Zivilisation nach Iowa zu karren. Nur der alte Outlaw George steht ihr bei.
Von Caroline Lin

Trug die erste Kinoregie von Darsteller Tommy Lee Jones („No Country for Old Men“), die sozialkritische Grenzgeschichte „Three Burials“, noch Züge eines Neo-Westerns, wählt sein zweites Werk den Stil des neoklassischen Westerns, nur fernab von Männer-Dominanz, Revolverhelden und Konventionen. Viel erinnert an „True Grit“ (auch Hailee Steinfeld in einer Kleinrolle), nur ist Jones humanistischer und weniger stilverliebt.

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Maze Runner

Erst originell, dann hanebüchen: Science Fantasy um erinnerungslose Teenager, die in einem Irrgarten ums Überleben kämpfen.

Maze Runner Cover

The Maze Runner, aka Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth, Wes Ball, USA 2014
Kinostart: 16.10.2014, DVD/BD-Start: 26.02.2015
Story: Ein Aufzug bringt Thomas, der sich nur noch an seinen Namen erinnert, auf eine große Waldlichtung, wo sich Dutzende anderer Jugendlicher bereits seit zwei Jahren selbst versorgen. Sie sind von den hohen Mauern eines Labyrinths eingeschlossen, dessen Monster schon einige Opfer gefordert haben.
Von Caroline Lin

Ein weitere annehmbare Teenie-Dystopie: Effektspezialist Wes Balls erster Regiejob setzt James Dashners YA-Fantasy von 2009 als High-Concept-Thriller um, breitet als visionäres Abenteuer (mal wieder) mit strukturellen Einflüssen von „Die Tribute von Panem“ (bzw. „Battle Royale“) ein großes Experiment mit Anleihen beim Minotaurus- und Orpheus-Mythos aus. Nur: Je mehr er enträtselt und erklärt, desto schlechter wird’s.

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Hüter der Erinnerung – The Giver

Flucht ins 23. Jahrhundert: Das SciFi-Jugenddrama um den Ausbruch aus dem Konformitäts-Paradies schwärmt von menschlichen Emotionen.

Hüter der Erinnerung - The Giver Cover

The Giver, Phillip Noyce, USA 2014
Kinostart: 02.10.2014, DVD/BD-Start: 05.02.2015
Story: Der 16-jährige Jonas lebt in einem properen Stadtplateau über den Wolken, wo Krieg und Leiden, aber auch Emotionen und Spaß eliminiert sind, damit sich Katastrophen nicht wiederholen. Dann wird er in einer Zeremonie auserwählt, vom alten „Giver“ die geheime, schmerzvolle Geschichte der Welt zu lernen.
Von Caroline Lin

In der von „Die Tribute von Panem“ ausgelösten Flut aktueller YA-Teenzielgruppen-Dystopien unterscheidet sich die Adaption von Lois Lowrys bereits 1993 erschienenem Kinderbuch (!) „Hüter der Erinnerung“ nur marginal von Werken wie „Divergent“ und „The Maze Runner“. Außer im emotionalen Gehalt: Auch wenn der Plot sehr mechanisch abläuft, ist die Hymne an die Freiheit des menschlichen Gefühlserlebens berauschend.

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The Railway Man – Die Liebe seines Lebens

Die Brücke am Kwai: Colin Firth und Nicole Kidman in einem aufwühlenden Katharsis-Drama um Folter und Vergebung.

The Railway Man Cover

The Railway Man, Jonathan Teplitzky, AUS/GB/CH 2013
Kinostart: 25.06.2015, DVD/BD-Start: 26.11.2015
Story: England 1980. Der britische Weltkriegsveteran Eric verliebt sich Hals über Kopf in die Ex-Krankenschwester Patti und heiratet sie. Aber der Zug-Enthusiast wird von schweren Kriegstraumata geplagt. Als sich herausstellt, dass sein japanischer Folterer noch lebt, reist er nach Fernost, um Rache zu nehmen.
Von Caroline Lin

Nach der im Erscheinungsjahr des autobiografischen Bestsellers von Eric Lomax 1995 erfolgten TV-Adaption „Prisoners in Time“ mit John Hurt folgt vom Australier Jonathan Teplitzky („Burning Man“) eine späte, aber bewegende Kinoversion, deren Premiere der Veteran leider nicht mehr erlebte. Bei den in Rückblenden aufgeblätterten Kriegsgräuel-Memoiren stellt die Leistung von Jeremy Irvine („Gefährten“) die Stars in den Schatten.

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Maleficent – Die dunkle Fee

Angelina Jolie rührt als tragische Zauberfee, die in dem unorthodox-progressiven Fantasy-Märchen Liebe und Hass (er)lebt.

Maleficent Cover

Maleficent, Robert Stromberg, USA/GB 2014
Kinostart: 29.05.2014, DVD/BD-Start: 02.10.2014
Story: Die gute Fee Maleficent aus dem Moorreich ist mit dem armen Jungen Stefan verbandelt, der sie jedoch verrät und verstümmelt, um König des Menschenreichs zu werden. Deshalb verflucht die verbitterte Maleficent seine Neugeborene, wacht heimlich über ihr Heranwachsen im Exil, bis ihr Schicksalstag naht.
Von Caroline Lin

Sympathy For the Devil: Im Zuge der Neuverföhnung beliebter Märchenklassiker, seit „Shrek“ eine populäre Disziplin, revidiert auch diese verblüffend progressive, mindestens so unterhaltsame wie nahegehende Neujustierung das Bild der bösen Fee Maleficent, seit 1959 schillernder Kinderzimmerschreck, als Mitgefühl erweckende (Schwarz)Magierin. Mithin zeigt sich, wie konservativ-verstaubt „Dornröschen“ eigentlich war.

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At the Devil’s Door

Unheilvoller Indie-Schocker, der dämonische Besitzergreifungen von „Entity“ und „Das Omen“ zu nachhaltigem Schaudern vereint.

At the Devil's Door Cover

aka Home, Nicholas McCarthy, USA 2014
DVD/BD-Start: 28.01.2015
Story: Die junge Immobilienmaklerin Leigh soll für ein Ehepaar ein Anwesen mit dunkler Geschichte in Greenville verkaufen. Dort begegnet ihr eine verstörte Teenangerin, die ausgerissene Tochter der Besitzer, die von etwas Übernatürlichem besessen ist, das für Leigh und ihre Künstlerschwester Vera sinistre Pläne hegt.
Von Caroline Lin

Nicholas McCarthy, der sich mit dem bewährten, aber sachkundigen Haunted-House-Horror „The Pact“ vorstellte, baut sein dort angedeutetes Talent zu einer ungewöhnlich aufgezäumten Schreckensgeschichte aus. Wieder kaschiert er sein geringes Budget mit handwerklicher Souveränität und guten Darstellern (Catalina Moreno, „Maria voll der Gnade“), nutzt wenige, aber wirkungsvolle Effekte, um hintergründigen Schrecken zu erzeugen.

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