Schlagwort-Archive: Caroline Lin

Das Salz der Erde

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The Salt of the Earth, Juliano Ribeiro Salgado, Wim Wenders, BR/IT/FR 2014
Kinostart: 30.10.2014, DVD/BD-Start: 09.04.2015

Leben und Werk des seit 40 Jahren mit seinen Konzeptbildbändern für sich Weltruhm verbuchen könnenden brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado bringen dessen ältester Sohn Juliano (Farbaufnahmen) im Schulterschluss mit dem seit „Buena Vista Social Club“ und „Pina“ auch im Dokufach hochgeschätzten Wim Wenders (Schwarzweiß) an. Sie begleiten den rastlos Reisenden bei seinem „Genesis“-Projekt und lassen aus drei Perspektiven chronologisch und sehr persönlich seine Biografie Revue passieren, während der inzwischen 70-Jährige in Doppelbelichtungen seine Erinnerungen zu den verschiedenen Fotoserien schildert.

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Mr. Turner – Meister des Lichts

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Mr. Turner, Mike Leigh, GB 2014
Kinostart: 06.11.2014, DVD/BD-Start: 28.04.2015

Mit landläufigen Stationen-Biopics und Genie-und-Wahnsinn-Dramen hat die Betrachtung der letzten 20 Jahre des britischen Malers William Turner (1775-1851) von Sozialfilmveteran Mike Leigh („Lügen und Geheimnisse“, „Happy-Go-Lucky“) wenig gemein. Sein Lieblingsakteur Timothy Spall, der Wurmschwanz aus „Harry Potter“, darf den zu Lebzeiten verfemten und schließlich verspotteten, heute eminent wichtigen Landschaftsmaler der Romantik und Vorläufer des Impressionismus hingebungsvoll als grunzenden Sonderling ausfüllen. Eine fabelhafte Schauspielleistung, deren tierische Laute mit Sicherheit noch für die eine oder andere Parodie sorgen werden.

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Bilocation

Die erschütternden Enthüllungen um unheimliche Doppelgänger sind weniger klassischer J-Horror denn cleveres Identitäts-Drama.

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Bairokêshon, Mari Asato, J 2013
ohne deutschen Start
Story: Malerin Shinobu verzweifelt an der Fertigstellung einer Kohlezeichnung für einen Kunstwettbewerb. Da klingelt ihr neuer, blinder Nachbar Masaru und wenige Monate später sind beide verheiratet. Bis eine Doppelgängerin auftaucht und Shinobu von einer Gruppe verschleppt wird, die das gleiche Problem hat.
Von Caroline Lin

Statt der ewigen Geisterschrecken, seit „Ringu“ übliche Standards des japanischen Horrormetiers, nutzt diese schlaue Adaption eines Buchs von Haruka Hôjô den creepy style der Kiyoshi-Kurosawa-Schule („Cure“, „Doppelganger“). Mari Asato, Veteranin vieler Low-Budget-Schocker („Ju-On: Black Ghost“, „Ring of Curse“, die „The Chasing World“-Reihe) gelingt eine Weird Fiction um Existenzrästel tragischer Dimensionen.

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Am Sonntag bist du tot

Halbgar-sarkastische Abrechnung mit Glaube und Sünde: ein guter Landpfarrer ist dem Zorn einer teuflischen Gemeinde ausgesetzt.

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Calvary, John Michael McDonagh, IR/GB 2014
Kinostart: 23.10.2014, DVD/BD-Start: 27.02.2015
Story: Ein jahrelang von einem inzwischen verstorbenen Priester missbrauchtes Mitglied seiner irischen Gemeinde verkündet dem gutherzigen Landpfarrer Lavelle, ihn binnen Wochenfrist zu töten. Bis dahin hat Lavelle Zeit, alle Angelegenheiten zu regeln und erhält Besuch von seiner selbstmordgefährdeten Tochter.
Von Caroline Lin

Killing a Priest on Sunday: John Michael McDonaghs zweite Arbeit nach der Thrillercomedy „The Guard“ kann sich wieder auf den irischen Charakterkopf Brendan Gleeson („Edge of Tomorrow“) verlassen und fällt so sarkastisch und zynisch aus, dass der schwarze Humor nichts Befreiendes, sondern Belastendes hat – in einem provokanten Kreuzweg um Schuld und Sühne, gemäß dem Originaltitel: Calvary heißt Golgatha.

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Verjährung

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Mong-ta-joo, aka Montage, Jeong Geun-Seop, ROK 2013
DVD/BD-Start: 02.05.2015

Mordmysterien haben in Südkorea Konjunktur („Memories of Murder“, „Mother“) – dennoch kann Jeong Geun-Seops Debüt als spannungsvolles Thrillerdrama packen, das wie so oft und fast so stark wie „Helpless“ von verschwundenen Menschen und entführten Kindern erzählt. Eines davon ist ein kleines Mädchen, dessen Mörder auch nach 15 Jahren nicht gefunden ist. Als aufgrund der Verjährungsfrist die Ermittlungen eingestellt werden, bleiben eine aufgewühlt-verzweifelte Mutter (Eom Jeong-hwa, „Bestseller“) und der zerknirschte Detective Cheong-ho (Kim Sang-kyung, „Eine Kinogeschichte“) zurück. Dann wird erneut ein Kind entführt, es beginnt ein Nervenkrieg um das Lösegeld und die Polizei verfolgt jede Spur.

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Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

Trauerfeiern mit nur einem Gast: Melancholisches Filmjuwel, das zu Lebzeiten Vergessenen postum ihre Würde zurückgibt.

Still Life Cover

Still Life, Uberto Pasolini, GB/I 2013
Kinostart: 04.09.2014, DVD/BD-Start: 13.02.2015
Story: John May ist penibler „Funeral Officer“, der im Auftrag der Londoner Stadtverwaltung mit großer Hingabe würdevolle Beerdigungen für einsam Verstorbene organisiert. Als seine Stelle nach 22 Jahren wegrationalisiert wird, erledigt er akribisch seinen letzten Auftrag und macht eine Angehörige ausfindig.
Von Caroline Lin

Der Originaltitel des Venedig-Gewinners (Beste Regie für Uberto Pasolini, Luchino Viscontis Neffe und Prdouzent von „Ganz oder gar nicht“) gibt Form und Inhalt viel eleganter wieder. Der britische Nebendarsteller Eddia Marsan („Sherlock Holmes“) berührt in seiner ersten Hauptrolle so wie diese Ode an den Wert der Menschlichkeit, die so leise tragikomisch ausfällt, dass sie fast ein Drama ist. Eines, bei dem die Tränen kullern.

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Finding Vivian Maier

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John Maloof, Charlie Siskel, USA 2013
Kinostart: 26.06.2014

Wie der Zufallskauf bei einer Nachbarschaftsauktion einen jungen Sammler auf die Spur einer unerkannten, dennoch zu den Größten zählenden Künstlerinnen der Straßenfotografie des 20. Jahrhunderts bringt, schildert die vollendete Doku von „Bowling For Columbine“-Produzent Charlie Siskel und dem patenten, jungen John Maloof, der in detektivischer Recherche postum eine wahrhaftige Meisterin der Obskurität entreißt. Und das mit so viel Empathie für ein beklemmend trauriges Schicksal und ein beflügelndes Vermächtnis, dass er mit den Qualitäten des oscargekrönten „Searching For Sugar Man“ gleichzieht.

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As the Light Goes Out

Firefighter-Actiondrama, das mit sehenswertem Aufwand große Feuer legt und mit einem mickrigen Plot wieder löscht.

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Jiu huo ying xiong, Kwok Chi-kin, HK 2014
ohne deutschen Start
Story: Weihnachten 2013. Hongkong erlebt den heißesten Winter seiner Wetterhistorie, auf dem Meer braut sich ein Taifun zusammen und eine geborstene Gaspipeline löst einen Großbrand aus, der ganz Kowloon den Strom kappt. Drei privat über kreuz liegende Feuerwehrmänner eilen zu den Löscharbeiten.
Von Caroline Lin

In der einstigen Kronkolonie scheinen diese Saison die Brände nur so zu wüten: Gerade stellten die Pang-Brüder mit „Out of Inferno“ den Klassiker „Flammendes Inferno“ nach. Kwok Chi-kin, auf dessen Konto Durchschnittsware wie „Hong Kong Dangerous“ geht, orientiert sich an „Backdraft“. Mit einem Hauch Katastrophenfilm, wenn der Brand in einem neuartigen Kraftwerk der City das Licht ausknipst – daher der Titel.

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Walking on Sunshine

Fotomodels in Love: Schablonenhaftes Romantic-Musical mit nachgesungenen 80er-Jahre-Hits. Nette Massage vor Traumkulisse.

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Max Giwa, Dania Pasquini, GB 2014
Kinostart: 25.09.2014, DVD/BD-Start: 28.01.2015
Story: Die leichtlebige Britin Maddie hat sich im Apulien-Urlaub in den Italo-Beau Raf verknallt und will ihn Hals über Kopf heiraten. Zur Überraschungsfeier kommt auch ihre Schwester Taylor, die ohne Maddies Wissen vor drei Jahren ihr Herz an den Urlaubsflirt verlor. Beide hegen noch Gefühle füreinander.
Von Caroline Lin

Es sollte zu denken geben, wenn die Schmuse-/Pop-/Disco-Songs allein mehr Spaß machen als mit dem Film, der ein reines Abziehbild des Abba-Musicals „Mamma Mia!“ ist – aber im Gegensatz dazu keine unsägliche Kitschkanone, sondern eine bekömmliche Massage. Das Regie/Produktionsteam der „StreetDance“-Reihe spult professionell eine Revue im Premium-Design ab, der aber Seele und Schmelz abgehen.

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Dido Elizabeth Belle

Überwältigendes Historienmelodram um eine Mulattin, die Menschenrechte in einer rassistischen Gesellschaft einfordert.

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Amma Asante, GB 2013
Kinostart: 14.08.2014, DVD/BD-Start: 15.01.2015
Story: Als illegitime Tochter eines Admirals und einer afrikanischen Sklavin wächst die farbige Dido ab 1769 zusammen mit ihrer Halbcousine beim aristokratischen Onkel, dem Earl von Mansfield, nahe London in einem goldenen Käfig auf. Bis sie den Rassismus im britischen Sklavenreich nicht mehr hinnehmen will.
Von Caroline Lin

Was „12 Years a Slave“ als naturalistisch-direkte, kaum erträgliche Brutalitätserfahrung abhandelte, dem widmet sich der zweite Film der britisch-ghanaischen Regisseurin Amma Asante („A Way of Life“) als scharfsichtiges Gesellschaftsdrama, das die Formeln des Jane-Austen-Kostümdramas schlau nutzt, um daraus ein unbedingt bewegendes Erlebnis zu Frauen- und Menschenrechten, Rassismus, Kolonialismus und Sklaverei zu gestalten.

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Die Winzlinge – Operation Zuckerdose

Ein kleiner Marienkäfer im Ameisenkrieg: pfiffig-innovatives 3D-Tierabenteuer, eine Entdeckung und pures Familien-Vergnügen.

Minuscule: Valley of the Lost Ants Cover

Minuscule – La vallée des fourmis perdues, aka Minuscule: Valley of the Lost Ants, Hélène Giraud, Thomas Szabo, FR/BE 2013, Kinostart: 14.01.2016, DVD/BD-Start: 14.05.2016
Story: Als ein Pärchen eilig vom Picknick aufbrechen muss, macht sich ein Trupp Ameisen über die Dose mit Zuckerwürfeln her, um sie zu ihrem Hügel zu schleppen. Blinder Passagier ist ein ängstliches Marienkäfer-Junges, das die Emsen geschickt vor Fressfeinden und aggressiven roten Artgenossen bewahrt.
Von Caroline Lin

Gute Filme brauchen keine Dialoge – aber Trompete! Und was für eine. Mit dem, wie alle Insekten, drollig animierten Maikäferküken vor realem Hintergrund stellt sich ein unwahrscheinlicher Mini-Held („minuscule“ heißt winzig) vor, ein pfiffiges Kerlchen, das man sofort ins Herz schließt. Das kurz nach seinem Ausschlüpfen verlorene Junges trägt mühelos den Kinofilm nach der in Frankreich beliebten TV-Animations-Serie.

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