Schlagwort-Archive: Crime

Drive Baby Drive

Straßen in Flammen: style-intensive Actionromanze, die mit Charisma, Musik und Groove fasziniert – bis sie aus dem Takt gerät

Drive Baby Drive Cover

Baby Driver, Edgar Wright, GB/USA 2017
Kinostart: 27.07.2017
Story: Weil er bei ihm in der Kreide steht, fährt Miles unter dem Decknamen Baby für Bankster-König Doc Fluchtwagen bei dessen Überfällen. Als er sich in Kellnerin Debbie verliebt und aussteigen will, wird er zum Heist genötigt, bei dem alles eskaliert und ihn seine kriminellen Komplizen sowie die Polizei jagen.
Von Thorsten Krüger

Wieso fährt Justin Bieber jetzt Fluchtwagen? Darf der noch so spät aufbleiben? Hat der überhaupt schon einen Führerschein? Aber ja doch! Unter Komödien-Spezialist Edgar Wright („Shaun of the Dead“) läuft Teen-Star Ansel Elgort („Das Schicksal…“) zu Hochform auf in einer die Coolness ausbuchstabierenden musikalischen Actionromanze, die einer Musikvideo-Bewerbung von „La La Land“ für „Fast & Furious“ nahe kommt.

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Goldstone

Der humanistisch bewegende Thriller um Zwangsprostitution im Outback vereint meisterlich Film Noir und Western

Goldstone Cover

Ivan Sen, AUS 2016
ohne deutschen Start
Story: Der alkoholsüchtige Aborigine-Detektiv Jay besucht auf der Spur eines vermissten Mädchens die in der Wüste gelegene Grenzstadt Goldstone, die quasi Eigentum des ansässigen Tagebaukonzerns ist. Der naive Cop Josh entdeckt, wie Bürgermeisterin und scharf schießende Security vor seiner Nase mit Menschen handeln.
Von Max Renn

Vor Kurzem erst hatten wir „Last Cab to Darwin“ zu unseren Favoriten 2016 gekürt, nun folgt gleich ein weiterer Titel aus Australien: „Goldstone“ (nicht zu verwechseln mit dem Abenteuerdrama „Gold“ mit Matthew McConaughey), vereint meisterlich Film Noir, Krimi und Western zu einem sorgfältig aufgebauten Thriller über human trafficking, Menschenhandel mit chinesischen Zwangsprostituierten: stimmig, humanistisch, bewegend.

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Hell or High Water

No Country for Old Men: melancholisch-sozialkritischer Abgesang auf den American Dream mit Herz für die kleinen Leute

Hell or High Water Cover

David Mackenzie, USA 2016
Kinostart: 12.01.2017
Story: Der geschiedene Vater Toby und sein Bruder, Ex-Sträfling Tanner, rauben im verarmten Westtexas mehrere Filialen einer Bank aus, um die von einer Hypothek bedrohte Familienfarm zu retten. Der vor der Pensionierung stehende Texas Ranger Hamilton und sein Partner Parker nehmen die Ermittlungen auf.
Von Max Renn

Der Brite David Mackenzie, seit „Hallam Foe“ immer noch ein Geheimtipp, gestaltet ein bewegendes Verbrecherdrama im uramerikanischen Neo-Western-Gewand mit enormen Human Touch, basierend auf einem weiteren großartigen Script von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan. „Hell or High Water“ umfasst tiefer gehende Charakterstudie, Bankraub-Thriller, Road Movie, modernen Western und Tex-Mex-Noir mit Wirkungstreffern.

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Money Monster

George Clooney und Julia Roberts als Geiseln in einem Thriller, der satirisch Zeitkritik übt und der Gier-Gesellschaft den Spiegel vorhält

Money Monster Cover

Jodie Foster, USA 2016
Kinostart: 26.05.2016
Story: Der windige Showmaster Lee erteilt in seiner Börsensendung Aktientipps, durch die Kleinanleger Kyle sein Vermögen verloren hat. Deshalb stürmt er das Studio, legt Lee einen Sprengstoffgürtel an und verlangt Antworten. Produzentin Nancy lässt die Kameras laufen, die Polizei rückt mit Scharfschützen an.
Von Jochen Plinganz

Ein Wutbürger nimmt Geiseln und ist in Echtzeit live auf Sendung – ein lupenreines Thriller-Konzept, dessen psychologische Extremsituation viel mit dem koreanischen „The Terror Live“ gemein hat. Nur liefert „Money Monster“ trotz zunächst plakativer Gangart kein Börsen-Bashing. Statt simpler Antworten hält uns die spannende wie unterhaltsame Tour de Force den Spiegel vor und liefert ein Stück Zeit- und Gesellschaftkritik ab.

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Triple 9

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John Hillcoat, USA 2016
Kinostart: 05.05.2016, DVD/BD-Start: 14.09.2016

Der Polizeicode 999, kurz „Triple 9“, bedeutet die Ermordung eines Kollegen. Die Copkiller sind aber nicht nur verkommene Verbrecher – sie sind selbst Polizisten in Atlanta und unterscheiden sich kaum von den Gangs und der Russenmafia, die sie in Gestalt einer Matriarchin (Kate Winselt als Ice Queen) zu Raubüberfällen zwingt. Ein idealistischer Neuzugang (Bens Bruder Casey Affleck, „Saints“) und sein Onkel, der drogensüchtige Ermittler Allen (Woody Harrelson überzieht als sleaziger „True Detective“), kommen ihnen auf die Schliche.

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Die Vorsehung

Die Vorsehung Cover

Solace, Afonso Poyart, USA 2015
Kinostart: 31.12.2015, DVD/BD-Start: 03.05.2016

Beinahe geräuschlos nähert sich der mit namhaften Charakterstars gerüstete, dunkle Crime-Thriller „Die Vorsehung“, der im besten Sinne an „Das Schweigen der Lämmer“ und „Seven“ erinnert. Mit dem Unterschied, dass die bizarre Mordserie durch die hellseherische Intuition eines Psychiaters („Hannibal Lecter“ Anthony Hopkins wieder im Dienst des FBI) aufgeklärt wird. Der Mann mit dem Zweiten Gesicht findet im aus Mitleid mordenden Erlöser (selbstgerechte Jesus-Figur: Colin Farrell, „Saving Mr. Banks“) seinen Meister, ein Einfluss, der bis auf Cronenbergs „The Dead Zone“ zurückreicht.

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Sicario

Der War on Drugs in seiner erbarmungslosen Unmoral – eingebrannt in eine brillante Actionthriller-Tour-de-Force mit Star-Trio

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Denis Villeneuve, USA 2015
Kinostart: 01.10.2015, DVD/BD-Start: 04.02.2016
Story: Nachdem FBI-Agentin Kate mit ihrem Team in Arizona ein ganzes Haus voll Toter entdeckt hat, meldet sie sich zu einer Task Force, die mexikanische Drogenkartelle bekämpft. Aber der undurchsichtige Matt und sein Vollstrecker Alejandro überschreiten alle Grenzen und folgen zudem eigenen Plänen.
Von Max Renn

Nach der Fieberfantasie „Enemy“ kehrt der kanadische Kunstfilmer Denis Villeneuve wieder zur packenden Moralthrillerlandschaft seines Hollywood-Debüts „Prisoners“ zurück. Inhaltlich überträgt „Sicario“ einen Narco-Krimi à la Don Winslow mit dem gnadenlosen Format eines „Gomorrha“ zu dem Hochspannungsstil und der moralischen Ambivalenz von „Zero Dark Thirty“, an den nicht nur ein Nacht-Einsatz erinnert.

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Hyena

Hyena Cover

Gerard Johnson, GB 2014
ohne deutschen Start

Nach dem programmatischen „Tony – London Serial Killer“ bleibt der britische Auteur Gerard Johnson in den Eingeweiden der Stadt für einen Polizei-Noir mit vielen Qualitäten, mehr Drama als Thriller, eine atmosphärisch dichte (Psycho)Studie aus der Halbwelt, unterschwellig intensiv und ungemütlich gewalttätig, aber nie exzessiv (und selten on screen). Der im Retro-Design der Londoner Neon-Nacht auftretende „Hyena“ ist bei Scorseses „Mean Streets“ und Friedkins „French Connection“ in die Lehre gegangen, würzt beides mit einer Prise von Refns „Drive“.

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Run All Night

Im handfesten New Yorker Nacht-Thriller kämpft ein von Killern gehetzter Liam Neeson glaubhaft um das Leben seiner Angehörigen

Run All Night Cover

Jaume Collet-Serra, USA 2015
Kinostart: 16.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Auftragskillerwrack Conlon wird von Mafiapate Maguire aus alter Freundschaft geduldet. Damit ist es vorbei, als Conlon Maguires psychotischen Filius tötet, bevor dieser seinen Sohn Mike erschießen kann. Maguire schwört Rache: Auftragskiller jagen die beiden zur Großfahndung Ausgeschriebenen.
Von David McAllan

Atemlos durch die Nacht: Mit der Actionroutine von „Unknown Identity“, aber von „Auge um Auge“-Autor Brad Ingelsby weniger ambitioniert als „Non-Stop“ geschrieben, geht die dritte Kooperation von Liam Neeson und Jaume Collet-Serra auf eine Hetzjagd durch New York. Der Nacht-Thriller „Run All Night“ beherrscht sein moderat modernisiertes Old-School-Handwerk und erzielt mehr Tiefe als eigentlich vorhanden.

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Gangnam 1970

Gangnam 1970 Cover

aka Gangnam Blues, Ha Yoo (Yu Ha), ROK 2015
ohne deutschen Start

Südkoreas blut- und gewaltgetränkte Landesgeschichte verdichtet Yu Ha mit dem Entstehungs-Mythos von Seouls Gangnam, seit Psys Hit „Gangnam Style“ der zweifellos berühmteste Distrikt der Hauptstadt. Mit der stylishen Gangster-Saga im 70ies-Period-Look kehrt Yu zum organisierten Verbrechen von „A Dirty Carnival“ (dt: „Straßen der Gewalt“) zurück und dichtet in „Gangnam 1970“ eine, allerdings wenig originelle, Brüderballade, deren Tragik sich diesmal nicht aus der Separation in Nord und Süd (wie „Brotherhood“), sondern der in zwei verfeindete Syndikate speist.

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Ein Junge namens Titli

In dem nur phasenweise eindringlichen indischen Noir-Drama im Arthausmodus lassen die inneren Konflikte unbeteiligt

Ein Junge namens Titli Cover

Titli, Kanu Behl, IND 2014
Kinostart: 28.05.2015
Story: Titli ist der Jüngste einer Kriminellen-Sippe aus Delhis Slumbezirk. Seine beiden Brüder zwingen ihn bei brutalen Überfällen mitzuwirken. Als er fliehen will, zwangsverheiraten sie ihn mit Neelu. Mit der gleichermaßen unglücklichen Braut schließt er heimlich einen Pakt, der Verwandtschaft zu entkommen.
Von Jochen Plinganz

Obschon „Ein Junge namens Titli“ von Bollywood-Mogul Aditya Chopra koproduziert wurde, vertritt er eine Gegenästhetik zur Flamboyanz: Kanu Behl geht weiter seinem Doku-Realismus nach und bringt ein festivalkompatibles Arthaus-Sozialdrama mit Film-Noir-Handlung an. Eigentlich eine feine Kombination, wenn es nicht schlechtweg unmöglich wäre, für Menschen Mitleid zu empfinden, die selbst kein Mitleid kennen.

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Veil of Twilight

Nordische Mittelalter-Mord-Mystery in grandiosen Nebel- und Trollwäldern, aber mit unbefriedigend-eindimensionalem Ablauf

Veil of Twilight Cover

Skumringslandet, Paul Magnus Lundø, N 2014
ohne deutschen Start
Story: Als der schreibkundige Vilhelm 1348 aus Paris in sein norwegisches Heimatdorf Garsli zurückkehrt, ist sein verschwundener Bruder Ansgar wegen Hexerei von der Kirche exkommuniziert worden, die Hof und Mine übernommen haben. Der brutale Bergtor jagt ihn. Und eine Mordserie dezimiert die Einwohner.
Von Max Renn

Die norwegische Medieval Murder Mystery von Paul Magnus Lundø („Mengaloth“) verbindet den Mittellalterkrimi „Der Name der Rose“ mit dem mystischen Abenteuer „Der 13. Krieger“. „Veil of Twilight“ wählt dafür die Volksmärchenweise einer nordischen Saga, die er mit authentisch nachgebautem Dorf und düsteren Bergwäldern superb intensiviert, mit zu kurz kommender Story und Figuren aber wieder abwürgt.

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A Most Violent Year

Bei J.C. Chandor steht einem redlichen Kaufmann das Wasser bis zum Hals – in einer Crime City wie von Sidney Lumet erdacht

A Most Violent Year Cover

J.C. Chandor, USA 2014
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 05.08.2015
Story: 1981 haben Kriminalität und Winter New York in ihrem festen Griff. Zahlreiche Überfälle und Drohungen der Konkurrenz zum Trotz wenden Heizöllieferfirmeninhaber Abel samt Gattin Anna nicht die branchenüblichen schmutzigen Tricks an, auch wenn die Steuerbehörden ihnen in die Suppe spucken.
Von Caroline Lin

Nach seinem Segeltörn „All Is Lost“ kehrt J.C. Chandor, Sohn eines Investmentbankers, wieder zurück zum Wirtschaftsthrillerterrain von „Der große Crash – Margin Call“. Im wie immer selbst geschriebenen Crime-Drama „A Most Violent Year“ erreicht er ungeachtet der hervorragenden Schauspiel-Crew – Oscar Isaac als rechtschaffener Firmenchef, Jessica Chastain als seine resolute Frau – jedoch nicht die Stärke seines Debüts.

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Salvo

Liebe in Zeiten der Mafia: Ein kaltblütiger Hitman lernt mit dem Herzen sehen in einer still berührenden Romanze ohne Zukunft

Salvo 2013 Cover

Fabio Grassadonia, Antonio Piazza, I/F 2013
ohne deutschen Start
Story: Mafiapräzisionskiller Salvo hat gerade ein Attentatsversuch auf seinen Boss vereitelt und den Urheber, einen Rivalen, zur Strecke gebracht. Dessen blinde Schwester Rita auch zu töten, bringt er nicht übers Herz und sperrt sie in einer Industriebrache ein. Was seinem Arbeitgeber nicht lange verborgen bleibt.
Von Gnaghi

Sie ist blind, er (beinahe) stumm und beide ein todesromantisches Traumpaar in einer trostlosen „Gomorrha“-Gegend, die den gnadenlosen Hintergrund eines introspektiven Stilllebens über die Ausweglosigkeit eines kleinen Rädchens im unaufhaltsamen Getriebe des organisierten Verbrechens in Italien bildet. Wehe dem, der sehen lernt und das Licht des Humanismus erblickt, warnen Fabio Grassadonia und Antonio Piazza.

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We Still Kill the Old Way

Crime Cartoon statt Sozialrealismus: Das Brit-Gangster-Movie um Rentner-Rache am juvenilen Pack generiert vertretbaren Zeitvertreib

We Still Kill the Old Way Cover

Sacha Bennett, GB 2014
ohne deutschen Start
Story: Als der alternde Londoner Ex-Gangster Charlie die junge Lauren rettet, bevor sie von Aarons brutaler Gang vergewaltigt wird, prügelt ihn die Bande ins Grab. Woraufhin sein Bruder Richie aus dem sonnigen Übersee nach dem Rechten sieht und, als die Polizei versagt, die alten Mafiosi-Kameraden reaktiviert.
Von Max Renn

„We Still Kill the Old Way“ ist nicht mit dem sizilianischen Krimi/Politthriller „Zwei Särge auf Bestellung“ von 1967 verwandt, der auf englisch genauso heißt wie der britische Gangster-Generationenkrieg von Sacha Bennett, der gerne mal in die Londoner Unterwelt abtaucht („Bonded by Blood“). Das knorrige Charisma von „Harry Brown“ erreicht er mit der stereotypen Ruhestands-Revanche mit Tarantino-Easy-Listening nicht.

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Die Mafia mordet nur im Sommer

Prägnant, aber nicht elementar: semi-autobiografische Coming-of-Age-Romcom vor dem Hintergrund grausamer Mafiamorde auf Sizilien

The Mafia Only Kills in Summer Cover

La mafia uccide solo d’estate, aka The Mafia Only Kills in Summer, Pif (Pierfrancesco Diliberto), I 2013
Kinostart: 04.06.2015
Story: Palermo in den 70ern. Schon als kleiner Junge ist Arturo Fan von Giulio Andreotti und versucht erfolglos die schöne Flora zu erobern, die sich für einen anderen interessiert. In der Stadt mordet die Mafia unterdessen rege, verübt Verbrechen, die Arturos Leben beeinflussen und seine journalistischen Ambitionen wecken.
Von Gnaghi

Matteo Garrones „Gomorrha“ als Tragikomödie, die zu oft zur Klamotte verkommt: Pierfrancesco Diliberto, unter seinem Künstlernamen Pif ein bekannter TV-Comedian und Politkommentator, rafft autobiografisch jahrzehntelange Mobster-Morde in Palermo. Seine Hymne an die zahllosen Anschlagstoten bewegt nur leicht, wo sie erschüttern müsste, wurde dennoch als beste Komödie beim Europäischen Filmpreis 2014 ausgezeichnet.

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The Drop: Bargeld

Tom Hardy und James Gandolfini als Nobodys in einem allzu behäbig vor sich hin trottenden Brooklyn-Noir nach Dennis Lehane

The Drop: Bargeld Cover

The Drop, Michaël R. Roskam, USA 2014
Kinostart: 04.12.2014, DVD/BD-Start: 16.04.2015
Story: Seit tschetschenische Gangster die Bar von Marv übernommen haben, wird dort Mafia-Bargeld durchgereicht. Nach einem Überfall müssen Marv und Barkeeper Bob es wiederbeschaffen. Letzterer bekommt Ärger mit Schläger Eric, dessen Pitbull-Welpen er rettet und so Ex-Freundin Nadia kennenlernt.
Von Max Renn

Stille Wasser gründen fraglos tief. So dachte sich der Belgier Michaël R. Roskam, bekannt geworden mit seinem oscarnominierten Arthaus-Testosterondrama „Bullhead“. Aber so viel Atmosphäre sein Unterwelt-Noir im heruntergekommenen winterlichen Hinterhof-New-York ausstrahlt, so sehr dümpelt Dennis Lehanes Drehbuch nach seiner eigenen Kurzgeschichte „Animal Rescue“ herum, ohne Emotionen zu wecken.

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Con Game – Kenne deine Feinde

Wild, roh, rau, unbekümmert: Donovan Marshs südafrikanischer Indie-Heist-Thriller ist ein waschechter Actiongeheimtipp.

iNumber Number Cover

iNumber Number, aka Avenged, Donovan Marsh, ZA 2013
DVD/BD-Start: 03.11.2014
Story: Der von seinem korrupten Chef um die verdiente Belohnung geprellte, bis dahin gesetzestreue Cop Chili infiltriert die berüchtigte Bande von Gangsterboss Mambane, der einen Überfall auf einen Geldtransporter vorbereitet. Chili will abkassieren, aber sein Partner Shoes fällt Mambane als Geisel in die Hände.
Von Gnaghi

Der für wenig Geld im kriminalitätsverseuchten Johannesburg und Soweto entstandene, vitale Actionthriller von dem zuvor mit den beiden Internatskomödienteilen „Spud“ bekannt gewordenen Südafrikaner Donovan Marsh ist ein schmuddelig-spannender Reißer, so grimmig wie unterhaltsam. Ein Township-Knüller, wie es „Zulu“ gern gewesen wäre, ohne dessen Polit-Überbau, allein mit Schweiß, Schmutz und Waffen.

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Schändung

Streng schematischer, düster und brutal gewirkter zweiter Kinokrimi nach Jussi Adler-Olsens Bestseller-Ermittler Carl Mørck.

Schändung Cover

Fasandræberne, aka The Absent One, Mikkel Nørgaard, DA 2014
Kinostart: 15.01.2015, DVD/BD-Start: 27.08.2015
Story: Im Dezernat Q öffnen Carl Mørck und Partner Assad die Akte eines auf 1994 zurückdatierenden Doppelmords. Dessen wahre Täter sind die einflussreichen Topmaganer Ditlev und Ulrik, die ihre Ermittlungen behindern. Eine fieberhafte Suche nach der seit 20 Jahren verschwundenen Zeugin Kimmie entbrennt.
Von Thorsten Krüger

Das Team von „Erbarmen“ kommt in der dänisch-deutschen Koproduktion gütemäßig nicht über den Vorgänger hinaus. Die knapp bemessene Komik zwischen dem kettenrauchenden Miesepeter Carl (Hackfresse: Nikolaj Lie Kaas) und seinem umgänglichen Assistenten Assad (Fares Fares) reagiert zu keiner Buddy-Chemie. Aus einem stillgelegten Fall destillieren sie Sexualdelikte und Serienmorde von drei dafür nie belangten Tätern.

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Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

Rabenschwarz satirisch: bitterböse Psychostudie und packender Medienthriller mit einem amoralisch guten Jake Gyllenhaal.

Nightcrawler Cover

Nightcrawler, Dan Gilroy, USA 2014
Kinostart: 13.11.2014, DVD/BD-Start: 19.03.2015
Story: Dieb Lou streift durch die Nacht von Los Angeles, stets auf der Suche nach Beute und einem legalen Job, dem ihm keiner geben will. Bis er sich als Tatort-Fotograf für Unfälle und Überfälle versucht und für die lokale Nachrichtenproduzentin Nina rasch professionell und absolut skrupellos Blutbilder liefert.
Von Thorsten Krüger

Selten hat Hollywood so einen lupenreinen Psychopathen porträtiert – nach klinischer Definition und nicht als augenrollender Schurke: sondern ein von moralischen Skrupeln Befreiter, der andere nicht als Menschen sieht, sie eiskalt ausnutzt und umbringt, falls sie ihn behindern; der mit oberflächlichem Charme ein Business aufzieht. Jake Gyllenhaal („Prisoners“) spielt den Tatort-Paparazzo schauderhaft-grandios und oscarwürdig.

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Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones

Die Anteile von Film Noir und hartem Detektiv-Krimi um Liam Neeson vereinigen sich nicht zu einem größeren Sinngefüge.

Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones Cover

A Walk Among the Tombstones, Scott Frank, USA 2014
Kinostart: 13.11.2014, DVD/BD-Start: 11.03.2015
Story: Seit er vor acht Jahren versehentlich ein Mädchen erschoss, hat Matt keine Polizeimarke, aber auch kein Alkoholproblem mehr. Als New Yorker Privatdetektiv sucht er 1999 widerwillig für einen Drogendealer die Täter seiner entführten und ermordeten Frau. Es ist der Beginn einer brutalen Mordserie.
Von Sir Real

Von Lawrence Blocks bisher 17 veröffentlichten Romanen um Hells-Kitchen-Detektiv Matthew Scudder („8 Millionen Wege zu sterben“ fand 1986 seinen Weg ins Kino) hat Scott Frank, Drehbuchautor von „Minority Report“ und „Out of Sight“, das zehnte Buch für die Leinwand adaptiert. Nicht so raffiniert-bannend wie in seinem letzten Regie-Eintrag „The Lookout“, aber wieder als Film Noir, diesmal mit Schlagtot Liam Neeson.

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The Equalizer

Denzel Washington greift als US-Weltverbesserer zu alttestamentarischer Gottesgewalt gegen die abstoßende Russenmafia.

The Equalizer Cover

Antoine Fuqua, USA 2014
Kinostart: 09.10.2014, DVD/BD-Start: 19.02.2015
Story: Als die blutjunge Prostituierte Teri, die von einer Sängerkarriere träumt, von ihrem russischen Zuhälter ins Krankenhaus geprügelt wird, entschließt sich ihr Bekannter, der Ex-Elite-Agent Robert, diesem eine tödliche Lektion zu erteilen. Die Tat ruft unerbittliche Russenmafiosi und korrupte Cops auf den Plan.
Von Max Renn

In dem losen Kino-Neustart der ungewöhnlich intelligenten 80er-Jahre-Krimi-Serie, die es auf vier Staffeln brachte, hat das Team Denzel Washington und Antoine Fuqua, die gemeinsam den „Training Day“ veranstalteten, aus dem introvertierten Privatdetektiv Robert McCall, einem Strategen und Taktiker, ohne jede Ironie eine Selbstjustiz-Kampfmaschine gemacht, die Missetäter zu braven Bürgern erzieht und sie bei Weigerung hinrichtet.

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Das blaue Zimmer

Konfus verschachtelter französischer Kunst-Kokolores, der nach Georges Simenon unzugänglich Affäre und Whodunit ineinander verschränkt

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La chambre bleue, aka The Blue Room, Mathieu Amalric, FR 2014
Kinostart: 02.04.2015
Story: Der verheiratete Kleinunternehmer Julien hat eine intensive Affäre mit seiner ebenfalls gebundenen Jugendfreundin Esther, die er zufällig wiedertraf. Als er das Verhältnis beendet, wird er ohne Angabe von Gründen verhaftet, verhört und des Mordes bezichtigt – sowohl Esthers Ehemann als auch seine Frau sind tot.
Von David McAllan

Für seine fünfte Regiearbeit wählt der französische Schauspieler Mathieu Amalric („Ein Quantum Trost“, „Grand Budapest Hotel“) den berühmten belgischen Krimimeister des Trivialen, Georges Simenon, bekannt für seine „Kommissar Maigret“-Reihe. Der Roman von 1964 dient ihm indessen nur als Anlass für einen rückwärts aufgezäumten, ausgestellt unorthodoxen Zwitter aus Gedankenstrom und Ermittlungspuzzle vor Gericht.

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Child of God

Child of God Cover

aka Child of God – Murder Is His Salvation, James Franco, USA 2013
DVD/BD-Start: 14.11.2014

US-Autor Cormac McCarthy („No Country for Old Men“, „The Road“) steht weiterhin hoch im Kurs, was sich in beträchtlicher Adaptionsdichte niederschlägt, von erratisch („The Counselor“) bis geglückt („Ain’t Them Bodies Saints“). Der sein Image als ubiquitär-hipper Indie-Künstler bedienende James Franco (Vorlage zu „Palo Alto“, Darsteller in „Die fantastische Welt von Oz“) nimmt sich den gleichnamigen Roman von 1973 vor, der auf die nekrophilen Frauenmorde Ed Geins, Vorbild für „Psycho“ und „Texas Chainsaw Massacre“, rekurriert.

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A Hard Day

Schwarzhumoriger Thriller, der pietätlos-gewitzt zwei vollendet verdorbene Polizisten in tödliche Scharmützel schickt.

A Hard Day Cover

Kkeut-kka-ji-gan-da, Kim Seong-hoon, ROK 2014
ohne deutschen Start
Story: Der korrupte Kommissar Ko überfährt auf dem Weg zur Beerdigung seiner Mutter einen Fußgänger, läd ihn in den Kofferraum und begeht betrunken Fahrerflucht. Kaum hat er den Toten im mütterlichen Sarg verschwinden lassen, meldet sich ein Zeuge und erpresst ihn – der noch korruptere Kollege Park.
Von Thorsten Krüger

Ein dummer Zufall bringt den Stein ins Rollen – fortan braucht Kim Seong-hoon im Zweitwerk nach seiner Komödie „How the Lack of Love Affects Two Men“ nur noch die Es-wird-immer-schlimmer-Dramaturgie anzuwenden. Dies aber weit schlauer, hämischer und genüsslich boshafter als Analoges. Was am Script der beiden Autoren liegt, die laufend Twists aus dem Ärmel schütteln – keine billigen, sondern smart-verzwickte.

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