Schlagwort-Archive: Drama

High-Rise

Konfuses Untergangs-Kaleidoskop, das die dystopische Gesellschaftskritik von J.G. Ballard durch anarchisches Chaos ersetzt

High-Rise Cover

Ben Wheatley, GB/IRL/B 2015
Kinostart: 30.06.2016
Story: 1975 mietet sich Junggeselle Dr. Laing in der 25. Etage eines futuristischen Londoner Hochhauses ein, das eine autarke Infrastruktur aufweist. Während dessen Architekt Royal im luxuriösen Dachgarten logiert, brechen unterhalb Unruhen aus, die Filmemacher Wilder anführt. Das Gebäude versinkt in Gewalt.
Von Gnaghi

Englands Low-Budget-Genre-Experimentierer Ben Wheatley („Kill List“, „Sightseers“) hat sich für sein Herzensprojekt, die Adaption von J.G. Ballards Kultbuch von 1975, eine Riege angesagter Akteure von Tom Hiddleston (Loki aus „Thor“), Jeremy Irons („Die Unzertrennlichen“) und Sienna Miller („Foxcatcher“) bis Luke Evans (Bard aus „Der Hobbit“) geschnappt und dann munter in die vertikale Betonwüste geschickt.

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The Walking Dead (6. Staffel)

Beißer ohne Biss: Nach sechs Staffeln geht der postapokalyptischen Zombieserie (vorerst?) die Luft aus

The Walking Dead (6. Staffel) Cover

The Walking Dead (Season 6), Frank Darabont (Creator), USA 2015-2016
DVD/BD-Start: 19.12.2016
Story: Als nach einem misslungenen Umleitungsversuch Zombiehorden das Refugium Alexandria überrennen, büßt Ricks Gemeinde erheblich Personal ein – just, als Maggie schwanger wird. Nach der Restauration kristallisieren sich die mörderischen „Saviours“, eine brutale Räuberbande, als grausamster Feind heraus.
Von Sir Real

Seit Beginn des Jahrzehnts begleiten uns die staksenden Zombies im epischen Erzählformat und setzen Standards, die längst keine Kinoproduktion zum Thema mehr erreicht. Die sechste Staffel von „The Walking Dead“, erschaffen von Frank Darabont nach der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman, hat dennoch deutlich nachgelassen: Da war die vierte Staffelebenso wie die fünfte Staffelrunder, stärker und packender.

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Der Nachtmahr

Avantgardistisch-unkonventioneller Phantastiktrip, in der ein Partyteen seiner Psychose in Form eines kleinen Monsters begegnet

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aka The Nightmare, Akiz (Achim Bornhak), D 2015
Kinostart: 26.05.2016
Story: Als nachts auf einem Rave Todesvisionen die 17-jährige Abiturientin Tina erschüttern, krebst künftig eine missgestaltete Kreatur um sie herum und leert den Kühlschrank. Im graduell ablaufenden Nervenzusammenbruch stößt sie das Wesen erst ab, nimmt es dann aber an, während Eltern und Freunde überreagieren.
Von Thorsten Krüger

Ein Berliner Partyluder erhält einen missgestalteten Doppelgänger, der aussieht wie Belial aus „Basket Case“, jedoch keine Menschen mordet, sondern ein harmloser Kühlschrankschreck ist, auf den erst die Protagonistin, dann alle anderen bestürzend hysterisch reagieren, worin die Tragik von „Der Nachtmahr“ liegt, der sich verwegen und experimentell in ausgefallener Form und Technik mit Teenage Angst auseinandersetzt.

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Midnight Special

Starbesetztes Chase Movie, das nach einem „Starman“ jagt und mit einem Ende zum Staunen aufwartet

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Jeff Nichols, USA 2016
Kinostart: 18.02.2016, DVD/BD-Start: 23.06.2016
Story: Roy hat seinen achtjährigen Sohn Alton aus den Fängen einer dubiosen Kirche befreit und flüchtet mit ihm und Mitstreiter Lucas nonstop über die Straßen Amerikas. Auf den Fersen sind ihnen Polizei, Geheimdienste und Handlanger der Sekte, die alle das Wunderkind wollen, das Regierungsgeheimnisse kennt.
Von Max Renn

Die fünfte Arbeit des profilierten Indie-Regisseurs Jeff Nichols versucht den Bedrohungs-Suspense von „Take Shelter“ mit den Familienemotionen von „Mud“ zu vereinen – in einer selbst in ihren sporadischen Actionszenen eher ruhig ausfallenden Dauerverfolgungsjagd. „Midnight Special“ ist das intellektuelle, erwachsene Remake des etwas naiv-kitschigen „Starman“, den John Carpenter (dessen Name hier ein Soldat trägt) 1984 drehte.

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Freunde fürs Leben

Berührendes Drama, das mit leisem Humor und großer Wirkung Abschied von Freunden und Leben nimmt

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Truman, Cesc Gay, E/RA 2015
Kinostart: 25.02.2016
Story: Tomás kommt aus Kanada nach Madrid zu einer Vier-Tages-Visite seines langjährigen Freundes Julián. Der will nämlich die Chemotherapie abbrechen und die letzten Dinge regeln. Nachdem Tomás ihn nicht umstimmen kann, begleitet er ihn dabei, wie er sich von Umfeld, Sohn und geliebtem Hund verabschiedet.
Von Sir Real

„Jeder stirbt, wie er kann“: Südamerikas Schauspielstar Ricardo Darín („Wild Tales“) geht zu Herzen in einem unaufdringlichen, aber hervorragenden und denkwürdigen Drama (mit einem Spritzer Komödie) über selbstbestimmtes Sterben. „Freunde fürs Leben“ ist alles andere als ein Krebs-/Sterbefilm, vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem, was zählt: Freunde, Familie, Liebe – und dem Mut, wie man abtreten will.

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69 Tage Hoffnung

Gut besetzte und gespielte, dramatisch-spannende Rettungs-Chronik über verschüttete Minenarbeiter in der Wüste Chiles

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The 33, Patricia Riggen, USA/RCH 2015
Kinostart: 11.02.2016, DVD/BD-Start: 14.07.2016
Story: Im August 2010 werden 33 Bergleute in einer chilenischen Mine verschüttet. Eine Rettungsaktion läuft nur an, weil die Regierung um ihren Ruf fürchtet. Während oben verzweifelte Angehörige campieren, fiebert die Welt mit, wie nach den Verschütteten gebohrt wird, die ohne Nahrung auf sich allein gestellt sind.
Von Thorsten Krüger

Die erste Verfilmung des Grubenunglücks von San José ist eine internationale Produktion, vorwiegend mit Latino-Beteiligung vor und hinter der Kamera (Regie führt die Mexikanerin Patricia Riggen, „La misma luna“). „69 Tage Hoffnung“ gelingt trotz bekanntem Ausgang – die Rettung der Bergleute fand 2010 in den Medien große Resonanz – eine souverän inszenierte, emotionale Achterbahn zwischen Drama und Thriller.

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Mustang

Wunderbar sensibles und berührendes, sommerliches Coming of Age um fünf Mädchen, die vom Patriarchat eingeschlossen werden

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Deniz Gamze Ergüven, TR/F/Q/D 2015
Kinostart: 25.02.2016, DVD/BD-Start: 14.09.2016
Story: Nach dem Tod ihrer Eltern ziehen Lale und ihre vier älteren Schwestern zu Onkel und Oma in ein kleines Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste. Der sommerlichen Idylle stehen strenge Verbote gegenüber, die die Mädchen im Haus regelrecht einkerkern und eine nach der anderen zwangsverheiraten.
Von Thorsten Krüger

Deniz Gamze Ergüvens empfindsamen Debüt wohnt ein Zauber inne, der an Sofia Coppolas „The Virgin Suicides“ anschließt und den unbändigen Freiheitsdrang fünf heranwachsender Mädchen beschreibt, die mit langen „Mustang“-Mähnen Lebenslust verströmen und zu sterben drohen, wenn man sie einsperrt. Das sanft Feingefühl, die großartige Atmosphäre und die fünf fabelhaften Nachwuchs-Mimen berühren das Herz.

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Spotlight

Souveräner wie erschütternder Journalisten-Thriller mit Top-Besetzung über die Aufdeckung eines kirchlichen Missbrauchsskandals

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Tom McCarthy, USA 2015
Kinostart: 25.02.2016, DVD/BD-Start: 30.06.2016
Story: Als Marty Baron 2001 Chefredakteur des Boston Globe wird, setzt er das Spotlight-Team von Walter Robinson auf eine Reihe von Kindesmissbrauchsfällen durch Priester an. Die Journalisten decken massive Verbrechen auf, die die katholische Kirche in Boston seit Jahrzehnten unter den Tisch kehrt.
Von David McAllan

Der bislang nicht sonderlich auffällig gewordene, zuletzt mit der Adam-Sandler-Fantasy „The Cobbler“ immerhin gefällige Tom McCarthy, trifft mit dem Tatsachen nachempfundenen „Spotlight“ ins Schwarze. Ihm gelingt ein authentischer Journalismus-Film par excellence, der mit seiner Zunft selbstkritisch ins Gericht geht und sich mit hochklassigen Darstellerauftritten komplex-erwachsen einem Kehlen zuschnürendem Thema verschreibt.

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Brooklyn

Saoirse Ronan steht zwischen zwei Welten in einem romantischen, großartig gefühlvollen Emigrantendrama

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aka Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten, John Crowley, IRL/GB/CDN 2015
Kinostart: 21.01.2016, DVD/BD-Start: 09.06.2016
Story: Anfang der 1950er Jahre herrscht in Irland Perspektivlosigkeit, weshalb der lokale Pfarrer der jungen Eilis ein Ticket nach Brooklyn als Verkäuferin löst. Nach großem Heimweh lernt sie Klempner Tony kennen und blüht auf. Ein Schicksalsschlag bringt sie in die Heimat zurück, wo sie sich entscheiden muss.
Von Caroline Lin

Nach seinem hochgelobten Jugenddrama „Boy A“ gelingt John Crowley in seiner Adaption des gefeierten Romans von Colm Toibin genau jenes ausstatterisch erstklassige, bewegende (Liebes-)Melodram, das Todd Haynes‘ „Carol“ gerne gewesen wäre. Erst unauffällig, dann hervorragend inszeniert, findet „Brooklyn“ mit Anmut und Zärtlichkeit zu einer Hommage an die Immigranten, die Amerika mit aufgebaut haben.

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The Revenant

Leonardo DiCaprio kämpft sich durchs winterliche Indianerland: bildgewaltiges, authentisches Überlebensepos in einem wilden Kontinent

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aka The Revenant – Der Rückkehrer, Alejandro González Iñárritu, USA 2015
Kinostart: 06.01.2016, DVD/BD-Start: 19.05.2016
Story: Um 1820. Nach einem Indianerüberfall lässt Felljäger Fitzgerald den durch einen Bärenangriff schwerverletzten Trapper Glass zum Sterben in der Wildnis zurück und tötet seinen Adoptivsohn. Im einsetzenden Winter kämpft Glass ums Überleben und bahnt sich, verfolgt von Ree-Indianern, seinen Weg nach Süden.
Von Thorsten Krüger

Nach seinem Oscargewinner „Birdman“ beschreibt Alejandro González Iñárritu, der Erforscher menschlicher Extremsituationen, einen Überlebenskampf, der sich wie eine Neudefinition des Westerns als Männer-Survival-Marathon ausnimmt. Dass „The Revenant“ so gegenwärtig und authentisch ausfällt, liegt nicht nur am Volleinsatz der Darsteller, sondern vor allem an der sagenhaft brillanten Kamera von Emmanuel Lubezki.

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Carol

Stilvolles Liebes- und Gesellschaftsdrama nach Patricia Highsmith um die Sehnsucht zweier lesbischer Frauen in den 50er Jahren

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Todd Haynes, GB/USA/F 2015
Kinostart: 17.12.2015, DVD/BD-Start: 20.04.2016
Story: 1952 trifft die New Yorker Kaufhaus-Verkäuferin Therese auf Society-Lady Carol. Obwohl sie einen Freund hat, kommt sie Carol näher, die im Scheidungskrieg um ihre heißgeliebte Tochter schlechte Karten hat, weil ihr Gatte sie und Therese auf ihrer Fahrt durch das Land von einem Privatdetektiv beschatten lässt.
Von Thorsten Krüger

Douglas-Sirk-Verehrer Todd Haynes („I’m Not There“) hat nach „Dem Himmel so fern“ bereits seine zweite Hommage an den Meister des Technicolor-Melodrams vollendet. „Carol“, entstanden nach Patricia Highsmiths autobiografisch geprägten und deshalb 1952 vorsichtshalber unter Pseudonym veröffentlichten Roman „Salz und sein Preis“, hat Haynes seinen homo-/multisexuellen Stempel noch ein Stück weit mehr aufgedrückt.

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Unter dem Sand

Verschleppte Kindersoldaten graben im Akkord nach Sprengfallen: packende dänische Lektion in Deutschenhass und (In)Humanität

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Under sandet, aka Land of Mine, Martin Zandvliet, DK/D 2015
Kinostart: 07.04.2016, DVD/BD-Start: 22.09.2016
Story: Mai 1945. Vierzehn zum Volkssturm eingezogenen Hitlerjungen müssen als Kriegsgefangene wie viele andere Deutsche die Strände Dänemarks von im Sand vergrabenen Landminen befreien – mit bloßer Hand, ohne Schutz und Verpflegung. Fast alle sterben unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Von Jochen Plinganz

Deutsche Opfer im Zweiten Weltkrieg? Eine Randnotiz, die in der hiesigen (cineastischen) Geschichtsschreibung kaum Platz hat, wo man sich darin überbietet, die eigene Schuld auszuwalzen. Dass die Rache der Sieger keineswegs ohne ausgiebige Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieb, macht dieses suspensegeladene Drama, das den Horror unter freiem Idyll-Himmel kurz nach der bedingungslosen Kapitulation schildert, eindringlich klar.

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Bridge of Spies

In Steven Spielbergs Politthriller steht Anwalt und Menschenfreund Tom Hanks rührend für Humanismus im Kalten Krieg ein

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aka Bridge of Spies – Der Unterhändler, Steven Spielberg, USA/IND/D 2015
Kinostart: 26.11.2015, DVD/BD-Start: 12.05.2016
Story: 1957 enttarnt man Sowjet-Agent Rudolf Abel in Brooklyn. Versicherungsanwalt James Donovan soll ihn verteidigen, wofür ihn die ganze Nation hasst. Als später ein US-Spionageflugzeug über Russland abgeschossen wird, bittet die CIA Donovan, in Ostberlin heimlich einen Spion-Tausch auszuhandeln.
Von Thorsten Krüger

Wieder gelingt Steven Spielberg die Transformation eines Geschichtskapitels zum spannenden, brillanten Politthriller, der nach dem schwächeren „Lincoln“ wieder die Meisterschaft ausspielt, die „München“ innewohnte. In „Bridge of Spies“ mündet historisch-biografisch Verbürgtes dank der hervorragenden Überarbeitung des Scripts durch die Coens („True Grit“) in eine Lektion über Menschlichkeit auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs.

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James Bond 007 – Spectre

Bond Nr. 24: Fast schon ein Charakterdrama mit gelegentlichen Action-Ausbrüchen – souverän, aber kaum sonderlich mitreißend

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Spectre, Sam Mendes, GB/USA 2015
Kinostart: 05.11.2015, DVD/BD-Start: 03.03.2016
Story: Als James Bond in Mexiko City einen Sprengstoffanschlag vereitelt, nimmt dies sein neuer Chef Denbigh zum Anlass, das Doppelnull-Programm zugunsten globaler Überwachungstechnik abzuschaffen. Mit der schönen Madeleine kommt Bond den Machenschaften einer Terrororganisation auf die Spur.
Von Max Renn

Der vierte Bond mit Daniel Craig könnte sein Letzter sein, wenn man seinen Interviewaussagen und der intimen Struktur von „Spectre“ folgt, der gegenüber dem Reboot „Casino Royale“ die Action fast eliminiert und das Charakterdrama wie zuletzt in „Skyfall“ ausweitet. Die Vollendung vieler Handlungsstränge schließt die Craig-Tetralogie ab, auch wenn „American Beauty“-Regisseur Sam Mendes keine emotionalen Beben auslöst.

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Irrational Man

Zwischen Eros-Komödie und Schuld-und-Sühne-Drama: Woody Allens perfekter Mord ist eine nur halb geglückte Philosophie-Lektion

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Woody Allen, USA 2015
Kinostart: 12.11.2015, DVD/BD-Start: 17.03.2016
Story: Alkoholiker und Philosophieprofessor Abe beginnt am Newport-College zu lehren, wo ihm Studentin Jill verfällt. Als er einen moralisch gerechtfertigten, perfekten Mord plant, erwachen seine Lebensgeister, Impotenz und Alkoholismus enden. Aber die Tat bringt unerwartet ein neues Dilemma mit sich.
Von Thorsten Krüger

Für seine Arbeit Nummer 46 hat Stadtneurotiker Woody Allen ausgerechnet das perfekte Verbrechen erkoren, eingebettet ins Milieu einer Eros-Komödie am College, ausgeführt aber wie ein traktatschweres Dostojewski-Drama. Die Spannung seines „Match Point“ vermag „Irrational Man“ nicht zu entfesseln, obwohl er nach Art eines Film Noir respektive der Krimi-Mentalität – aber nicht Stil – eines Alfred Hitchcock vorgeht.

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Ich und Earl und das Mädchen

Witzige Indie-Dramödie um ein Coming of Age mit Krankheitsfall: verspielt skurril, romantikfrei, aber herzzerreißend

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Me and Earl and the Dying Girl, Alfonso Gomez-Rejon, USA 2015
Kinostart: 19.11.2015, DVD/BD-Start: 24.03.2016
Story: Der 17-jährige Greg hat es sich mit seinem Kumpel Earl gemütlich eingerichtet und dreht komische Kurzfilme. Auf Drängen seiner Eltern soll er die schwer an Leukämie erkrankte Mitschülerin Rachel besuchen. Beide freunden sich unerwartet an, was Gregs Schulalltag und sein Leben gehörig verändert.
Von David McAllan

Keine „(500) Days of Summer“, sondern etwa 160 Tage einer herbstlich anmutenden „doomed friendship“ – also Freundschaft, nicht Romanze -, sind das Thema eines Indie-Favoriten, der in einem kitschfreien Coming of Age wie ein Inhaltsverwandter von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (dem besten Teenfilm der letzten Jahre) und im Tonfall wie ein Bruder des schonungslos offenen „The Perks of Being a Wallflower“ auftritt.

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Picknick mit Bären

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A Walk in the Woods, Ken Kwapis, USA 2015
Kinostart: 15.10.2015, DVD/BD-Start: 24.02.2016

Robert Redford („All Is Lost“) und Nick Nolte („Der schmale Grat“) sind die beiden einander entfremdeten Star-Buddys, die als Mittsiebziger auf dem Wanderweg durch die Appalachen zu meist müden Alterswitzchen sich selber finden. Die betulichen Lausbubengeschichten mit Altherren-Schalk basieren auf der gleichnamigen Vorlage (1997) von dem für seine humorvollen Reiseberichte und populärwissenschaftlichen Bücher bekannten Bill Bryson („Eine kurze Geschichte von fast allem“). In „Picknick mit Bären“ peppen die beiden Darsteller-Asse den faden Plot und seine anekdotische Struktur etwas auf.

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A Royal Night

What a Night: Coming-of-Age-Komödie, die märchenhaft in beschwingter Champagnerlaune Mythenbildung für Royalisten betreibt

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A Royal Night Out, Julian Jarrold, GB 2015
Kinostart: 01.10.2015
Story: London, 8. Mai 1945. Nach sechs Jahren im goldenen Käfig des Buckingham Palace büchsen die Prinzessinnen Elizabeth und Margaret aus, um sich unerkannt unter die ausgelassen Menschen zu mischen. Als die beschwipste Margaret verloren geht, sucht Elizabeth sie mit Bomberpilot Jack im Trubel der Siegesnacht.
Von Jochen Plinganz

Julian Jarrold zieht es nach „Wiedersehen mit Brideshead“ zurück zum stilvollen Period Piece, das am VE-Day, dem Victory in Europe Day, eine Episode aus dem Leben der späteren Queen Elizabeth als romantischen Schwank mit ernsten Untertönen weiterspinnt. Mit der Leichtfüßigkeit einer Verwechslungskomödie folgt er zwei Prinzessinnen auf Freiersfüßen und ihrer beschwingten Odyssee durch eine unvergessliche Nacht.

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Ewige Jugend

Surreal-komische Meditation über Alter, Schönheit, Leben und Lust vom Auslandsoscargewinner Paolo Sorrentino

Ewige Jugend Cover

Youth, Paolo Sorrentino, I/F/CH/GB 2015
Kinostart: 26.11.2015, DVD/BD-Start: 30.03.2016
Story: Während es der berühmte Komponist Fred strikt ablehnt, dass seine Musik für die Queen gespielt wird, entspannt er sich in einem Schweizer Wellnesshotel mit seinem langjährigen Freund, dem gleichaltrigen Regisseur Mick. Dieser bereitet ein großes Filmprojekt vor, das sein Opus Magnum werden soll.
Von Thorsten Krüger

Dreams are my Reality: Nach „Cheyenne“ ist „Ewige Jugend“ der zweite englischsprachige Film des Italieners. Wie seine oscargekrönte Rom-Hommage „La grande bellezza“ steht die stilvolle Reflexion im Geiste Fellinis, wendet ihre schrullige Finesse aber zwischen den Alpenpanoramen von „Die Wolken von Sils Maria“ und dem Davos eines „Der Zauberberg“ an auf eine entzückend-besinnliche Rückschau im Alter.

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Knight of Cups

Hochkarätig besetzter, hohler Bilderbogen, mit dem Terrence Malick einmal mehr über Sinnfragen meditiert, aber keine Antwort findet

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Terrence Malick, USA 2015
Kinostart: 10.09.2015, DVD/BD-Start: 14.01.2016
Story: Seit sich Erfolgsautor Rick von seiner Frau Nancy getrennt hat, schweift er durch die ausschweifenden Partys von Hollywood. In der Welt des schönen Scheins sucht er Lebenssinn und lässt sich unentwegt mit Frauen ein. Doch weder Models, Stripperinnen noch Verheiratete können seine innere Leere füllen.
Von Caroline Lin

Der „Knight of Cups“, der Glücksritter des Tarot-Blatts, dessen Karten die Kapitel bezeichnen, ist „Batman“ Christian Bale, der, elegant gekleidet, schweigsam und sich sich gekehrt durch seine Existenz und den Film führt, mehr als schlaftrunkener Beobachter, denn als aktiver Partizipant. Wie „To the Wonder“ und „The Tree of Life“ dreht Malick einen weiteren Vers seines ewig gleichen Themas, komplett als Gedankenstrom.

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Atlantic.

Leises, aber gewaltiges Gedicht und betörende melancholische Meditation gleichermaßen über eine (unerfüllbare?) Sehnsucht

Atlantic. Cover

Jan-Willem van Ewijk, D/B/NL/MA/F 2014
Kinostart: 25.06.2015
Story: Mit seinem alten Vater lebt der 32-jährige Fettah in einem marokkanischen Küstendorf von Fischfang und Surftouristen. Als er sich unglücklich in die Holländerin Alexandra verliebt, fasst er den Entschluss, alles zurückzulassen und ihr allein auf dem Surfbrett über den Atlantik nach Europa zu folgen.
Von Caroline Lin

Wer „Atlantic.“ ein Surferabenteuer oder Immigrationsdrama zum afrikanischen Exodus nach Europa nennt, hat nichts verstanden. Das kraftvolle und bildmächtige Zweitwerk des Niederländers Jan-Willem van Ewijk („Nu.“) entzieht sich Kategorien von Action, Thesen und Arthaus, sondern steht weit über ihnen. Genau genommen schwebt er so zeitlos und introvertiert wie seine stille Hauptfigur: kontemplativ, tiefgehend, überwältigend.

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San Andreas

San Andreas Cover

Brad Peyton, USA 2015
Kinostart: 28.05.2015, DVD/BD-Start: 15.10.2015

Ein einzelnes „Erdbeben“ wie 1974 reicht heute nicht mehr – ein ganzer Schwarm Erdstöße sprengt erst den Hoover Damm, dann Los Angeles und San Francisco. „San Andreas“, benannt nach der tektonischen Verwerfung, die Kalifornien durchzieht, ist eine so sündteure wie sinnloses Effektorgie. Aber auch ein Katastrophen-Porno, der sogar Spaß macht. Und das, obwohl er haarscharf und überraschungsfrei, jedoch weniger trashig das Reißbrett-Konzept von Roland Emmerichs „2012“ und „The Day After Tomorrow“ übernimmt.

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Animals

Poetisch-trauriges, berührend gespieltes Indie-Drama um ein Junkie-Liebesprächen, das über dem Abgrund schwebt

Animals Cover

Collin Schiffli, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Jude und Bobbie sind ein obdachloses Liebespärchen, das in einem alten Wagen wohnt und durch Chicago streift, um mit dreisten Trickbetrügereien ihre Heroinsucht zu finanzieren. Als die Diebstähle nicht mehr glatt laufen und ihre Gesundheitsprobleme überhand nehmen, geraten sie in höchste Not.
Von Max Renn

Das milieu- und lebensnahe Drogendrama „Animals“ schwelgt derart in poetischer Stimmung, dass man ganz tief darin versinken möchte. Nicht nur die Bildsprache von Collin Schiffli (Regie & Produktion) ist ausgereift. David Dastmalchian (Nebenpart in „Prisoners“), der Script & Hauptrolle übernahm, liefert darüber hinaus gemeinsam mit seiner Filmpartnerin Kim Shaw (Kleinrolle in „Sex and the City“) eine Gänsehaut-Performance.

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Für immer Adaline

Für immer jung: zielpublikumsträchtige, dennoch berührende romantische Fantasie um das Herzschmerzleben einer Alterslosen

Für immer Adaline Cover

The Age of Adaline, Lee Toland Krieger, USA 2015
Kinostart: 09.07.2015, DVD/BD-Start: 19.11.2015
Story: 1935 beendet ein Unfall den Alterungsprozess der 29-jährigen Adaline. Nur ihre Tochter kennt ihr Geheimnis. Als 2013 der charmante Ellis um ihre Hand anhält, bricht sie mit ihrer strikten Regel, allein zu bleiben. Bis sie seine Familie besucht: Ellis Vater William war einst ein Geliebter, den sie verlassen hatte.
Von Caroline Lin

Ungeachtet seines wissenschaftlichen Voice Overs wählt Lee Toland Krieger („Celeste & Jesse Forever“) keine SciFi, sondern einen magisch-märchenhaften Tonfall, der in romantischer Sanftheit ein immer topmodisch ausgestattetes Melodram um Model Blake Lively („Savages“) webt, die sich trittsicher auf weichgespülten Nicholas-Sparks-Terrain bewegt, wofür auch Drehbuchautor J. Mills Goodloe („The Best of Me“) bürgt.

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Ich seh, Ich seh

Ich seh, Ich seh Cover

aka Goodnight Mommy, Severin Fiala, Veronika Franz, A 2014
Kinostart: 02.07.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015

Das österreichische Autorenhorrorpsychodrama „Ich seh, ich seh“ von Severin Fiala und Veronika Franz (die für den hier als Produzenten fungierenden Ulrich Seidl Drehbücher wie „Hundstage“ schrieb) trägt die Handschrift von Seidl und dessen Hang, das menschlich Monströse auf hautnah unangenehme Art zu sezieren. Das kleine, böse Märchen um katastrophal eskalierende Machtspiele zwischen einer Mutter (Susanne Wuest, „Mörderschwestern“) und identischen Zwillingen (Elias und Lukas Schwarz) wird von schaurigem, harten Realismus dominiert, ist aber total unglaubwürdiger Blödsinn.

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