Schlagwort-Archive: Fantasy

Sieben Minuten nach Mitternacht

Sieben Minuten nach Mitternacht Cover

A Monster Calls, J.A. Bayona, 2016
Kinostart: 04.05.2017

Alle Welt ist voll des Lobes für die Fantasy-Parabel „Sieben Minuten nach Mitternacht“, obwohl diese ihr Sterbe-/Abschiedsdrama als unbedingt wertvolle Sonderpädagogik mit allem tränenreichen Pathos auswalzt, bis jeder begriffen hat, wie wichtig und ernsthaft ihre Themen sind. Der Katalane J.A. Bayona, gefeiert für seine Gothic-Geistergeschichte „Das Waisenhaus“ (obwohl sein Tsunami-Drama „The Impossible“ eigentlich der bessere Film war), hat sehr wohl einiges drauf. Aber er will einfach zu viel.

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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Das Harry-Potter-Spin-Off ist visuell großartiger Eskapismus, dessen vergnügliche Amüsanz nach und nach im Effektbombast untergeht

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Cover

Fantastic Beasts and Where to Find Them, David Yates, GB/USA 2016
Kinostart: 17.11.2016
Story: 1926 trifft der verschrobene Newt Scamander in New York ein, den Koffer voller magischer Kreaturen, die aufgrund einer Verwechslung mit dem Muggel/No-Maj Kowalski entfliehen und Chaos stiften. Macusa-Mitarbeiterin Goldstein hilft sie wieder einzufangen, als am Horizont echte Bedrohungen auftauchen.
Von Thorsten Krüger

Nach acht Harry-Potter-Abenteuern markiert das Spin-Off „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ den Beginn einer fünfteiligen Reihe, die 70 Jahre zuvor im gleichen Universum angesiedelt ist, inszeniert vom erfahrenen David Yates (vier Harry-Potter-Filme) und verfasst von J.K. Rowling persönlich nach ihrem fiktiven „Lehrbuch“ über magische Tiere. Wie üblich werden kritische Einwände Potteristen von nichts abhalten.

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Die Insel der besonderen Kinder

Ransom Riggs Jugendfantasyvorlage passt ideal in Tim Burtons Gothic-Universum: bekannt, behäbig, (moderat) berührend

Die Insel der besonderen Kinder Cover

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, Tim Burton, USA 2016
Kinostart: 06.10.2016
Story: Als Großvater Abe gewaltsam stirbt, findet sein heranwachsender Enkel Jake heraus, dass seine Geschichte über ein Heim für übernatürlich begabte Kinder wahr ist. Auf einer walisischen Insel stecken sie unter der Obhut von Miss Peregrine in einer Zeitschleife anno 1943. Und werden von Monstern bedroht.
Von Jochen Plinganz

Wann ist Tim Burton eigentlich so langweilig und bieder geworden? Und trotzdem: Seine Verfilmung von Ransom Riggs Jugendfantasyabenteuer „Die Insel der besonderen Kinder“ ist besser als das Buch und die eigenen letzten Werke wie „Alice im Wunderland“. Wie eine Geschichte von Roald Dahl passt diese betuliche Wunderwelt in Burtons Repertoire, hat das Flair von Harry Potters Hogwarts und „X-Men“-ABC-Schützen.

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Suicide Squad

Ein stargespicktes Antihelden-Ensemble posiert peinlich, bewegt aber unerwartet im durchwachsenen Comic-Action-Bohei

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David Ayer, USA 2016
Kinostart: 18.08.2016
Story: Als Maya-Dämonen Gotham City verwüsten, bildet die Regierung notgedrungen eine Spezialeinheit aus den sechs übelsten Superschurken, um Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Profikiller Deadshot, Joker-Geliebte Harley und andere mutierte Schwerverbrecher ziehen unfreiwillig los, um den Terror aufzuhalten.
Von Gnaghi

Trotz eines katastrophalen Werts von nur 26% positiven Kritiken bei Rotten Tomatoes wartet die Comicversion von „Das dreckige Dutzend“ mit Features auf, die das tonal-stilistische Chaos in „Suicide Suqad“ aufwerten, wenn nicht gar retten. Adrenalin-Regisseur David Ayer („Herz aus Stahl“, „Sabotage“) lässt das Figuren-Arsenal mit Kiddie-Posen häufig nerven, entdeckt aber verblüffend menschlich-mitfühlende Seiten an ihnen.

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Before I Wake

Mike Flanagan strickt nach bewährten Mustern eine Traum-Horror-Fantasy und verspricht Innovation, die nicht eintrifft

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Mike Flanagan, USA 2016
Kinostart: 10.11.2016
Story: Seitdem ihr Sohn in der Badewanne ertrank, sind Jessie und Mark untröstlich. Als sie Waisenkind Cody adoptieren, der bereits in mehreren Pflegefamilien war, beginnen glückliche Tage. Bis nachts Schmetterlinge auftauchen – und ihr verstorbenes Kind. Denn Codys Träume, gute wie böse, werden real.
Von David McAllan

Schon mit dem Spiegel-Schrecken „Oculus“ verhieß Mike Flanagan mehr, als er halten konnte. Sein Home-Horror „Before I Wake“ um ein Kind, dessen Gabe ein Fluch wird, weil sich seine Traumaträume zu tödlichen Bedrohungen manifestieren, hat die gleichen Probleme – ist aber noch konventioneller gestrickt. Die namhafte B-Cast Thomas Jane („Wie ein weißer Vogel …“) und Kate Bosworth („Still Alice“) hilft da leider auch nicht.

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X-Men: Apocalypse

Der emotional mitreißende, stargespickte achte Auftritt von Marvels Mutanten zeigt mit echter Könnerschaft ein Herz für Außenseiter

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Bryan Singer, USA 2016
Kinostart: 19.05.2016, DVD/BD-Start: 22.09.2016
Story: 3600 vor Christus scheitert die finale Machtergreifung des ersten Mutanten Apocalypse in Ägypten. 1983 erwacht er zu neuem Leben und schart mit seinen grenzenlosen Superkräften Gleichgesinnte wie Magneto um sich. Bevor sie die Erde verwüsten, greifen Professor Xavier, Raven und ihre X-Teens ein.
Von Thorsten Krüger

Es ist diese Empathie, aus der sich eine emotionale Kraft speist, die höchsten Ansprüchen genügt, weshalb ich die „X-Men“-Reihe in der Flut von Comicadaptionen so ziemlich als Einzige schätze. Das liegt in der Personalie Bryan Singer begründet, der zum vierten Mal seit 2000 das Zepter übernimmt und nichts mit seelenloser Effektdröhnung übertüncht, sondern die Marvel-Mutanten aufwühlend als menschliche Wesen ausweist.

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Der kleine Prinz

3D-Animation, die in Stop-Motion-Sequenzen den Geist von Antoine de Saint-Exupérys Vorlage ausgezeichnet einfängt

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The Little Prince, Mark Osborne, F 2015
Kinostart: 10.12.2015, DVD/BD-Start: 21.04.2016
Story: Obwohl eine Mutter ihre kleine Tochter zwingt einen riesigen Karriereplan minutiös abzuarbeiten, freundet sich diese mit ihrem kauzigen Nachbarn an. Der alte Pilot erzählt ihr von seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen und dessen Abenteuern mit einem Fuchs. Gemeinsam wollen sie nach ihm suchen.
Von Caroline Lin

„Kung Fu Panda“-Trainer Mark Osborne spart sich kinetischen Klamauk und fängt den Geist von Antoine de Saint-Exupéry beliebter Vorlage rührend ein. Seine in Kanada und Frankreich entstandene Hommage an das zeitlose Kunstmärchen erfindet eine computernaimierte Rahmenhandlung, um die episodischen Kapitel sowie die Original-Illustrationen des 1944 verschollenen Poeten in handgemachter Stop Motion wieder auferstehen zu lassen.

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Das Märchen der Märchen

Starbesetztes Euro-Märchen für Erwachsene, von Matteo Garrone meisterlich und mit maliziöser Moral vorgetragen

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Il racconto dei racconti, aka Tale of Tales, Matteo Garrone, I/F/GB 2015
Kinostart: 27.08.2015, DVD/BD-Start: 03.03.2016
Story: Die Königin von Longtrellis opfert ihren Gatten, um von einem Seeungeheuer einen Albino zu empfangen. Der Herrscher von Strongcliff verfällt dem Sirenengesang einer verunstalteten Vettel und der Potentat von Highhills ist dermaßen in einen Riesenfloh vernarrt, dass er seine Tochter an einen Oger verschenkt.
Von Caroline Lin

Das gibt es noch: Märchenadaptionen, die kein Familienvergnügen anstreben. Der Römer Matteo Garrone, bekannt geworden durch die Mafia-Anklage „Gomorrha“, setzt der gängigen Disney-Putzigkeit („Die Eiskönigin“) und den Fantasyspektakeln mit ihrer Pixelmanie („Der Hobbit“) einen ganz eigenen Stil entgegen, der altmeisterlich von Ruhe, Klarheit, Prägnanz und einer Ästhetik mit kräftiger Farbdramaturgie geprägt ist.

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A World Beyond

Hugh Laurie stiehlt George Clooney die Show in dem effektreichen, aber belanglosen Disney-Familienzukunftsabenteuer

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Tomorrowland, Brad Bird, USA 2015
Kinostart: 21.05.2015, DVD/BD-Start: 08.10.2015
Story: Als Teenagerin Casey eine Anstecknadel berührt, blickt sie in eine Zukunftswelt. Um diese Welt zu retten, benötigt das Mädchen Athena sie und das einstige Wunderkind Frank, der inzwischen ein verbitterter Einsiedler ist. Technikguru Nix, Herrscher von Tomorrowland, opponiert mit aller fiesen Finesse.
Von Thorsten Krüger

Animationsgenie Brad Bird („Der Gigant aus dem All“, „Ratatouille“) erreicht diesmal nicht die Qualitäten, die noch sein Realfilmdebüt, den vierten „Mission Impossible“ (und besten Part der Reihe) auszeichneten. Dafür, dass er eigentlich nur einen weiteren Disney-Theme-Park verfilmt (wie auch „Pirates of the Caribbean“ einer ist), gelingt ihm ein hübscher, belangloser Familienspaß, der sich wie ein Superheldenabenteuer ausnimmt.

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Für immer Adaline

Für immer jung: zielpublikumsträchtige, dennoch berührende romantische Fantasie um das Herzschmerzleben einer Alterslosen

Für immer Adaline Cover

The Age of Adaline, Lee Toland Krieger, USA 2015
Kinostart: 09.07.2015, DVD/BD-Start: 19.11.2015
Story: 1935 beendet ein Unfall den Alterungsprozess der 29-jährigen Adaline. Nur ihre Tochter kennt ihr Geheimnis. Als 2013 der charmante Ellis um ihre Hand anhält, bricht sie mit ihrer strikten Regel, allein zu bleiben. Bis sie seine Familie besucht: Ellis Vater William war einst ein Geliebter, den sie verlassen hatte.
Von Caroline Lin

Ungeachtet seines wissenschaftlichen Voice Overs wählt Lee Toland Krieger („Celeste & Jesse Forever“) keine SciFi, sondern einen magisch-märchenhaften Tonfall, der in romantischer Sanftheit ein immer topmodisch ausgestattetes Melodram um Model Blake Lively („Savages“) webt, die sich trittsicher auf weichgespülten Nicholas-Sparks-Terrain bewegt, wofür auch Drehbuchautor J. Mills Goodloe („The Best of Me“) bürgt.

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Mara und der Feuerbringer

Die deutsche Teenkomödie plus Mythenfantasy ist cleverer als andere Zielgruppenstullen, hat mithin Charme, aber keine Würde

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Tommy Krappweis, D 2015
Kinostart: 02.04.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015
Story: Die 15-jährige Münchner Schülerin Mara leidet unter ihrer Esoterik-Mutti und Weltuntergangs-Visionen von Drachen und nordischen Göttern. Mit Mythologie-Professor Weissinger reist die übersinnlich begabte Seherin durch die Zeit zu Gott Loki und dem Feuerbringer, um das drohende Ragnarök zu vereiteln.
Von Thorsten Krüger

„Bernd, das Brot“-Autor Tommy Krappweis verfilmt Teil eins seiner eigenen Jugendbuch-Roman-Trilogie, eine Teen-Fantasy mit Zeitreisethematik wie die „Liebe geht durch alle Zeiten“-Reihe („Rubinrot“, „Saphirblau“), aber lange nicht so hohl wie diese. Die komische Mythenschau ins Reich von „Thor“ & Co. hat viele Promis, Köpfchen und Charme, strebt aber würdelos durch die Fährnisse teutonischer Reißbrett-Teenproduktionen.

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The Cobbler

In der magisch-realistischen und liebenswert nostalgischen Fantasykomödie wird Adam Sandler rührend zum Pate einfacher Leute

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aka Cobbler – Der Schuhmagier, Thomas McCarthy, USA 2914
DVD/BD-Start: 04.05.2015
Story: Der abgehängte Trott des jüdischen Schusters Max in seiner Klitsche der Lower East Side erhält schlagartig Schwung, als er im Keller eine wundersame Nähmaschine entdeckt, mit der er die Gestalt seiner Kunden annimmt, solange er deren Schuhe anzieht. Damit kommt er lokalen Kriminellen in die Quere.
Von David McAllan

So einfühlsam wie sein Indie-Debüt, die New-Jersey-Tragikomödie „Station Agent“, ist Thomas McCarthys vierter Regie-Job „The Cobbler“ zwar nicht. Seine Vorliebe für Sozialdramen mit Herz für den kleinen Mann äußern sich in einer Fantasykomödie zum Schmunzeln und Liebhaben, an der die US-Kritik kaum ein gutes Haar ließ, damit dem rührenden, topbesetzten Wunderspaß des magischen Realismus aber nicht gerecht wird.

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Lost River

Kino als Hypnosemaschine: Ryan Goslings auratisches Autorenkunstdebüt durchbricht mit mystischer Bildintensität einen Kleinstadtfluch

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Ryan Gosling, USA 2014
Kinostart: 28.05.2015, DVD/BD-Start: 08.10.2015
Story: Bones, der ältere Sohn der alleinerziehenden Billy, erfährt durch Außenseiterin Rat von einem Fluch, der über ihrer verfallenen Stadt liegt. Während die verschuldete Billy einen Job im bizarren Nachtclub des perversen Bankers Dave annimmt, flieht Bones vor dem brutalen Bully, um den Alptraum zu beenden.
Von Thorsten Krüger

Der gefragte Schauspieler Ryan Gosling („Blue Valentine“) macht es einem nicht einfach. Sein expressionistisches Regiedebüt „Lost River“ ist eine tiefe Verbeugung vor Nicolas Winding Refn, für den er für „Drive“ und „Only God Forgives“ vor der Kamera stand, mehr aber noch vor David Lynch, dessen Motivik aus „Twin Peaks“ und „Blue Velvet“ durchscheint. Im rätselhaften Bilderreigen erweist sich die Story als Achillesferse.

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Digging Up the Marrow

Adam Green und Ray Wise in einer annehmbaren Monster-Mock, die mehr Fandom-Fantasy als richtiger Horror ist

Digging Up the Marrow Cover

Adam Green, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Horrorfilmregisseur Adam Green ist seit seiner Kindheit von Monstern fasziniert. Als der exzentrische Fan William Dekker vorgibt, echte Exemplare gefunden zu haben, wird Green neugierig. Mit Kameramann besucht er den pensionierten Polizisten, um einen Beweis für die scheuen Wesen zu finden.
Von Gnaghi

Der erfolgreiche B-Horrorfilmer Adam Green (Splatter-Slasher-Reihe „Hatchet“, Eisthriller „Frozen“) spielt sich selbst in seiner Fake-Doku „Digging Up the Marrow“, wäre aber hinter der Kamera besser aufgehoben. Als Partner agiert Genrestar Ray Wise („Suburban Gothic“), was jede Realitätsnähe ausschließt, dafür unterhaltsam ist. Leider kapriziert sich Green darauf, uns vergeblich von der Wirklichkeit der Kreaturen zu überzeugen.

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Jupiter Ascending

Jupiter Ascending Cover

Andy Wachowski, Lana Wachowski, USA 2015
Kinostart: 05.02.2015, DVD/BD-Start: 25.06.2015

Einen Starlight Express für 175 Million Dollar haben die „Matrix“-Schöpfer Andy und Lana (ehemals Larry) Wachowski mit flashigem Laserlicht, Action-Bling-Bling und überladenem Barock-Bombast zusammengewürfelt. Nach „V for Vendetta“ und „Speed Racer“ verdienen sie sich ihren Spitznamen Schwachkowski-Brüder abermals redlich – die Space-Opera-Fantasy „Jupiter Ascending“ birst vor unfreiwilliger Komik und pathetischen Peinlichkeiten-Paraden: eine Fremdschäm-Orgie in XXL.

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Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

Theatralik mit Hobbit-Plattfüßen: Die finale Fantasy-Schlacht um Mittelerde gleicht einem einschläfernden Edel-Videogame

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere Cover

The Hobbit: The Battle of the Five Armies, Peter Jackson, NZ/USA 2014
Kinostart: 10.12.2014, DVD/BD-Start: 23.04.2015
Story: Bard hat den feuerspeienden Drachen Smaug erlegt, seine Heimatstadt aber geht in Flammen auf. Zwerg Thorin verweigert den Menschen die Hilfe und mauert sich in der Bergfestung Erebor ein auf der Suche nach dem Arkenstone, belagert von Elben. Bilbo und Gandalf greifen ein, als ein Ork-Heer anmarschiert.
Von Thorsten Krüger

Der Abschluss von Peter Jacksons zweiter Tolkien-Trilogie greift (viel zu) tief in den Computer-Malkasten, um mit Dramatik und Monstern zuhauf besagte fünf Heere aufeinanderprallen zu lassen; mit Figuren, die einem nichts bedeuten und Fights, die nicht mitreißen, zum Teil deshalb, weil mit CGI jeder Kamerawirbel und Effekt möglich ist und nichts mehr eine Leistung, sondern alles so unecht wie der artifizielle HFR-Look in 3D.

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Baymax – Riesiges Robowabohu

Baymax - Riesiges Robowabohu Cover

Big Hero 6, Don Hall, Chris Williams, USA 2014
Kinostart: 22.01.2015, DVD/BD-Start: 11.06.2015

Nun hat die Superhelden-Seuche auch noch Disney infiziert. Nach dem unverhofften Riesenhit „Die Eiskönigin“ – im Vergleich so viel liebenswerter als diese 3D-Entertainment-Fantasy – dient die unbekannte Marvel-Mini-Reihe „Big Hero 6“ (so auch der Originaltitel) als Gerüst für ein anspielungsreiches Comicfan-Universum im Softdrink/Popcorn-Look. Die langjährigen Maushaus-Mitarbeiter Don Hall und Chris Williams, die großartige Scripts für „Küss den Frosch“ und „Mulan“ verfassten, richten einen dürftig-unglaubwürdigen, charakterschmalen Plot auf Kinderniveau an, der sowieso nur den Anstoß zum Eskapismus gibt.

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Manolo und das Buch des Lebens

Die ganz dem Kommerzkalkül ergebene, kunterbunte 3D-Familienanimation ist mehr eine nervtötende Kiddie-Pop-Party denn ein Film.

Manolo und das Buch des Lebens Cover

The Book of Life, Jorge R. Gutierrez, USA 2014
Kinostart: 12.02.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015
Story: Die Götter La Muerte und Xibalba wetten, wer von den unzertrennlichen mexikanischen Kindheitsfreunden Manolo, Joaquin und Maria einander heiraten wird. Als die selbstbewusste Maria Manolo den Vorzug gibt, vergiftet ihn Xibalba. Im Totenreich sucht Manolo einen Weg, ihr seine Liebe zu beweisen.
Von Caroline Lin

Opulente Ornamentik, ausufernde Farbigkeit und eine bunt leuchtende Unterwelt – diese fantasievolle Gestaltung ist das Einzige, was sich über Jorge R. Gutierrez‘ Animationserstling Positives vermelden lässt. Diese Pfründe verschleudert er aber für einen Chaos-Cartoon-Käse für begriffsstutzige Kids, bei dem es auch nicht hilft, dass ihn der Meister der Dark Fantasy, Guillermo del Toro („Pan’s Labyrinth“), mitproduziert hat.

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Horns

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Alexandre Aja, USA/CDN 2013
Kinostart: 06.08.2015, DVD/BD-Start: 17.12.2015

„Harry Potter“ Daniel Radcliffe wachsen über Nacht Hörner und er spricht wieder mit Schlangen. Womit er zum Teufelskerlchen, aber leider nicht zum heißen „Hellboy“ mutiert, sondern die Trauertrompete bläst und in seiner Kleinstadt als Paria von allen verteufelt wird. Auch wenn er sich in „Die Frau in Schwarz“ besser zu präsentieren wusste: Radcliffes Iggy ist so ziemlich der einzige Charakter, der einem nicht egal ist in Horror-Impresario Alexandre Ajas („High Tension“) amerikanisch-kanadischer Adaption des Dark-Fantasy-Romans „Teufelszeug“ von Joe Hill (der Sohn von Stephen King). Ig, der neben der Leiche seiner Freundin Merrin (der sonst so bezaubernden Juno Temple, zuletzt als Feenstimme in „Maleficent“ tätig, fehlt der Pfiff) aufwacht, hat eine Murder Mystery zu lösen und die ganze Stadt gegen sich.

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Dracula Untold

Dracula als liebender Familienvater, der Monster erschafft, um Türkenhorden aufzuhalten. Tragische Mittelalter-Horror-Fantasy zum Schmunzeln.

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Gary Shore, USA 2014
Kinostart: 02.10.2014, DVD/BD-Start: 12.02.2015
Story: Einst wurde Vlad als Kindersoldat von den Türken misshandelt, 1462 fordern diese von dem tributpflichtigen Fürsten 1000 Knaben plus seinen Sohn. Um deren brutales Riesenheer aufzuhalten, schließt Vlad einen Pakt mit einem Höhlendämon, um Superkräfte zu erhalten. Diese haben grauenvolle Nebenwirkungen.
Von Jochen Plinganz

Das Zeitalter der Comic-Superhelden zieht auch am Dracula-Mythos nicht spurlos vorüber. Bram Stokers legendäre Figur wird unter der Produktionsfirma, die „The Dark Knight“ schuf, zur gravitätischen Graphic Novel, zum Prequel – quasi Dracula Begins. Das mittelalterliche Fantasy-Actiondrama mit B-Besetzung hat Werbeclipper/Debütant Gary Shore kontur- und handschriftslos routiniert-uneigenständig ausbedungen.

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Die Legende der Prinzessin Kaguya

Das handgezeichnete, traditionelle japanische Volksmärchen unterläuft als zu lang geratenes Poem konsequent moderne Sehgewohnheiten.

Die Legende der Prinzessin Kaguya Cover

Kaguyahime no monogatari, aka The Tale of Princess Kaguya, Isao Takahata, J 2013
Kinostart: 20.11.2014, DVD/BD-Start: 15.04.2015
Story: Als ein Bambussammler ein wundersames Mondkind entdeckt, ziehen er und seine Frau es groß. Durch himmlisches Gold reich geworden, ziehen sie in die Stadt, wo sogar der Kaiser um die inzwischen wunderschöne Prinzessin Kaguya buhlt, die sich zur Natur und zu Jugendfreund Sutemaru zurücksehnt.
Von Thorsten Krüger

Isao Takahatas traurige Hiroshima-Kriegswaisenerzählung „Die letzten Glühwürmchen“ gilt vielen als bester Anime, auch wenn ich persönlich die beiden „Barfuß durch Hiroshima“ vorziehe. Nachdem Hayao Miyazaki sich mit dem wunderbaren „Wie der Wind sich hebt“ verabschiedete, folgt ihm sein langjähriger Weggefährte, der schon in der 70er-Serie „Heidi“ Regie führte, mit seinem vermutlich ebenfalls letztem Werk.

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The Zero Theorem

Die karnevalesk-chaotische SciFi-Sinnsuche mit Christoph Waltz begnügt sich mit Recycling aus Terry Gilliams Œuvre.

The Zero Theorem Cover

Terry Gilliam, USA/RO/GB/FR 2013
Kinostart: 27.11.2014, DVD/BD-Start: 01.04.2015
Story: Das menschenscheue Computergenie Qohen wartet in der Ruine einer Kapelle auf den Telefonanruf, der ihm die Antwort auf alles gibt. So ackert er für das ihn totalüberwachende „Management“ an der Lösung des „Zero Theorems“. Callgirl Bainsley soll ihn bei Laune halten und Wunderkind Bob unterstützen.
Von Thorsten Krüger

Die gute Nachricht: Exzentrik-Visionär Gilliam bereitet keine größere Enttäuschung wie zuletzt „The Brothers Grimm“ und „Das Kabinett des Doktor Parnassus“. Die schlechte: Vom Zenith seiner Kunst, als er oppressiv-apokalyptische Dystopien wie „12 Monkeys“ entwarf, ist er ebenfalls weit entfernt. Sein karnevalesker Steampunk-Eklektizismus auf der Suche nach der Weltformel ist „Brazil“ in bunt bzw. „Pi“ als schräge Komödie.

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X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit Cover

X-Men: Days of Future Past, Bryan Singer, USA/GB 2014
Kinostart: 22.05.2014, DVD/BD-Start: 17.10.2014

Seit „Die üblichen Verdächtigen“-Regisseur Bryan Singer anno 2000 die „X-Men“ vorstellte, wuchert die Marvel-Reihe mit Sequels und Spin-Offs. Nach den enttäuschenden „Wolverine“-Abenteuern übernimmt wieder Singer das Ruder und demonstriert die Differenz von einem Comicquatsch wie „The Amazing Spider-Man 2“ zu gehoben-gereifter Graphic-Novel-Grandezza, die starke Emotionen und denkwürdige Momente bietet statt pompösen Bombast (außer in der Future Fantasy, wo viel geschwebt und mit Blitzen geschleudert wird).

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Jack und das Kuckucksuhrherz

Überfrachtetes Animationsmärchen, dem zwischen Steampunk-Poesie und Gothic-Musical Gefühl und Geschichte verlustig gehen.

Jack und das Kuckucksuhrherz Cover

Jack et la mécanique du coeur, aka The Boy with the Cuckoo-Clock Heart, Stéphane Berla, Mathias Malzieu, FR/B 2013 Kinostart: 03.07.2014, DVD/BD-Start: 05.11.2014
Story: Als Jack 1874 in Edinburgh geboren wird, gefriert sein Herz im Jahrhundertfrost. Hexenhebamme Madeleine baut ihm dafür eine Kuckucksuhr ein – und rettet damit Jacks Leben. Seine Mechanik aber verkraftet es nicht, sich zu verlieben. Was prompt geschieht, als er die andalusische Drehorgelspielerin Acacia erblickt.
Von Thorsten Krüger

So sehr ich den bezaubernd-liebevollen französischen Tricktraum auch mögen möchte: Ich kann es nicht. Obwohl jede der vielen Zutaten für sich verheißungsvoll ist – die unerfahrene Regie hat kein Gespür, sie per Storytelling zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Vielmehr verliert sich das Duo in überfrachtetem Beiwerk, womit sowohl Romantik als auch Figuren in einem chaotischen Rockmusical unterzugehen drohen.

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