Schlagwort-Archive: Gnaghi

Revolt

Grimmig, griffig, garstig: südafrikanische Indie-Sci-Fi, deren Alien Invasion und Kriegsaction aussichtsreich an „District 9“ anknüpft

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aka Maschinenland – Mankind Down, Joe Miale, GB/RSA 2017
DVD/BD-Start: 26.10.2017
Story: Nach einer Explosion wacht US-Soldat Bo gedächtnislos in einem Knast in Kenia auf und bricht mit der französischen Ärztin Nadia aus, um durch ein durch die Invasion außerirdischer Kampfroboter verwüstetes und entvölkertes Afrika zu ziehen, auf der Suche nach einer US-Radarstation an der Grenze.
Von Gnaghi

In einer Welt, die nicht vom Marvels Comicmüll zugeschissen würde, wäre die Indie-Sci-Fi „Revolt“ (vielleicht) die Sensation: Mit der Performance eines Kriegsactioners vereint die komplett in Südafrikas Townships entstandene Produktion Neill Blomkamps „District 9“ mit H.G. Wells mehrfach verfilmten Klassiker „Krieg der Welten“ zu einem grindigen B-Movie, das seine straighte Story grimmig, garstig und gemein vorantreibt.

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Das Belko Experiment

Stromberg als Splatter-Thriller: Greg McLean und James Gunn hetzen eine Büroabteilung aufeinander

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The Belko Experiment, Greg McLean, USA/CO 2016
Kinostart: 15.06.2017
Story: Als Computerfachmann Mike und seine Freundin Leandra zur Arbeit in den abgelegenen Bürokomplex der Belko Industries in Bogotá erscheinen, werden sie mit 80 Amerikanern in das streng bewachte Gebäude eingesperrt und von einer Durchsage aufgefordert, ihre Kollegen zu töten – oder sie sterben selbst.
Von Gnaghi

„Battle Royale“ im „High-Rise“-Office – das beschreibt „Das Belko Experiment“ hinreichend. Die Horrorschmiede Blumhouse und James Gunn („Guardians of the Galaxy“) finanzierten sein bereits älteres Skript, das den schwarzen, derben Humor seine frühen Filme („Slither“) bewahrt. Der Australier Greg McLean knüpft an seine Härte von „Wolf Creek“ an, was beider Stärken effektiv vereint zu einem heftigen B-Movie für Fans.

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Wir gehören nicht hierher

Anton Yelchin in der wunderbar rätselhaft-tragikomischen Wiedervereinigung einer vom Unheil heimgesuchten Familie

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We Don’t Belong Here, Peer Pedersen, USA 2017
DVD/BD-Start: 20.04.2017
Story: Die verwitwete Nancy sieht ihre Familie auseinanderfallen, weil nicht nur Tochter Lily bipolar gestört ist und Elisa sexuell missbraucht wurde. Nun ist auch noch Sohn Max fort, der einem Selbstmordversuch in der Psychiatrie auskuriert. Er, Elisa und Madeline planen ihre Rückkehr.
Von Gnaghi

Peer Pedersens selbst geschriebener Erstling „Wir gehören nicht hierher“ ist auf wundersame Weise bipolar gestört und definiert eine „neon electric depression“ in der Vorstadtidylle eines „American Beauty“, ein sehr spezielles „Fun“-Movie der nahegehenden Art. Einige Reviews bedauerten die mangelnde narrative Kohärenz und Überfrachtung mit Themen, denen nicht gerecht würde (was auf den sexuellen Missbrauch definitiv zutrifft).

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A Cure for Wellness

Gore Verbinski verpackt attraktiv Genre-Standards, Märchenmotive und Psychomystery zum wohligen Gothic-Grusel

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Gore Verbinski, USA/D 2016
Kinostart: 23.02.2017
Story: Nachwuchsmanager Lockhart hofft auf einen Karrieresprung, wenn er für sein Finanzverbrecherkonzern Vorstandsmitglied Pembroke aus einem Schweizer Bergsanatorium holt. Ein Wildunfall fesselt Lockhart ans entlegene Spa mit düsterer Historie, wo dubiose Heilverfahren und Dr. Brennan regieren.
Von Gnaghi

Obwohl die Story von „A Cure for Wellness“ kaum mehr hergibt als ein B-Movie, gelingt es „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski einmal mehr, diese Genre-Versatzstücke visuell reizvoll zu verpacken. Er versenkt sich damit dermaßen in eine (selten überraschende, dafür umso mehr dräuende) Mystery mit Gothic-Touch, und das so ansprechend und hübsch hergerichtet, dass man die gängigen Komponenten kaum registriert.

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Sully

Ein Held zum Anfassen: Clint Eastwood rekapituliert das „Wunder vom Hudson“ mit einem bescheidenen, aufrechten Captain

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Clint Eastwood, USA 2016
Kinostart: 01.12.2016
Story: Als am 15. Januar 2009 ein vollbesetzter Airbus in New York startet, zerfetzt eine Minute später Vogelschlag beide Triebwerke und Pilot Chesley Sullenberger entscheidet sich für eine Notwasserung um eiskalten Hudson River. Alle 155 Passagiere überleben, doch eine Kommission hält ihn für schuldig.
Von Gnaghi

Amerika braucht Helden und versichert sich in zyklischen Abständen gerne seiner eigenen unerschütterlichen Tauglichkeit. „Sully“, „Deepwater Horizon“ und demnächst „Hacksaw Ridge“ ergeben eine Zufalls-Häufung, in denen bescheidene Alltags-Heroen besungen werden, Underdogs zum Anfassen, die abgehobenen Eliten eines verdorbenen Systems trotzen – passend zur aktuellen politischen Situation der Unsicherheit in den USA.

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Suicide Squad

Ein stargespicktes Antihelden-Ensemble posiert peinlich, bewegt aber unerwartet im durchwachsenen Comic-Action-Bohei

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David Ayer, USA 2016
Kinostart: 18.08.2016
Story: Als Maya-Dämonen Gotham City verwüsten, bildet die Regierung notgedrungen eine Spezialeinheit aus den sechs übelsten Superschurken, um Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Profikiller Deadshot, Joker-Geliebte Harley und andere mutierte Schwerverbrecher ziehen unfreiwillig los, um den Terror aufzuhalten.
Von Gnaghi

Trotz eines katastrophalen Werts von nur 26% positiven Kritiken bei Rotten Tomatoes wartet die Comicversion von „Das dreckige Dutzend“ mit Features auf, die das tonal-stilistische Chaos in „Suicide Suqad“ aufwerten, wenn nicht gar retten. Adrenalin-Regisseur David Ayer („Herz aus Stahl“, „Sabotage“) lässt das Figuren-Arsenal mit Kiddie-Posen häufig nerven, entdeckt aber verblüffend menschlich-mitfühlende Seiten an ihnen.

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Independence Day: Wiederkehr

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Independence Day: Resurgence, Roland Emmerich, USA 2016
Kinostart: 14.07.2016

Wie späte Sequels gelingen, beweist „Findet Dorie“ liebenswert und rührend. Wie man es vermasselt, Roland Emmerich. Hollywoods Master of Desaster nimmt die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum des SF-Blockbusters „Independence Day“ – der seinen Durchbruch bedeutete und bis heute mein Lieblings-Popcorn-Movie ist – zum Anlass für eine unfassbar abgedroschene Fortsetzung, die zur wahren Fremdschäm-Oper wird und damit zum weiteren Karrieretiefpunkt des Schwaben.

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The Conjuring 2

Grauen & Gefühl: James Wan beweist auch in der Fortsetzung, dass sein Geisterjägerpärchen hochklassig Angst einjagen kann

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James Wan, USA 2016
Kinostart: 16.06.2016
Story: Gerade erst haben Ed und Lorraine Warren den Poltergeist in Amityville vertrieben, da ruft man sie herbei, um die heimgesuchten Hodgsons und ihre Kinder 1977 vor einem Spuk im Nordlondoner Stadtbezirk Enfield zu befreien. Als sie die Manifestationen stellen, muss Lorraine zurecht Angst um Ed haben.
Von Gnaghi

Die Befreiung der Familie Lutz im „Amityville Horror“ von 1976 (unter gleichem Titel 1979 verfilmt, nebst acht Fortsetzungen und Remake) machte das Pärchen Ed und Lorraine Warren über Nacht zu weltbekannte Dämonologen. Ihrem Wirken setzte „Saw“-Kerkermeister James Wan („Fast & Furious 7“) 2013 ein würdiges Denkmal. Und das Sequel zu seinem Hit, einem der stärksten Horrorfilme der letzten zehn Jahre, hält dessen Niveau.

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High-Rise

Konfuses Untergangs-Kaleidoskop, das die dystopische Gesellschaftskritik von J.G. Ballard durch anarchisches Chaos ersetzt

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Ben Wheatley, GB/IRL/B 2015
Kinostart: 30.06.2016
Story: 1975 mietet sich Junggeselle Dr. Laing in der 25. Etage eines futuristischen Londoner Hochhauses ein, das eine autarke Infrastruktur aufweist. Während dessen Architekt Royal im luxuriösen Dachgarten logiert, brechen unterhalb Unruhen aus, die Filmemacher Wilder anführt. Das Gebäude versinkt in Gewalt.
Von Gnaghi

Englands Low-Budget-Genre-Experimentierer Ben Wheatley („Kill List“, „Sightseers“) hat sich für sein Herzensprojekt, die Adaption von J.G. Ballards Kultbuch von 1975, eine Riege angesagter Akteure von Tom Hiddleston (Loki aus „Thor“), Jeremy Irons („Die Unzertrennlichen“) und Sienna Miller („Foxcatcher“) bis Luke Evans (Bard aus „Der Hobbit“) geschnappt und dann munter in die vertikale Betonwüste geschickt.

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Scouts vs. Zombies

Verdammt, die Zombies kommen! Und drei sympathische Nerds retten den Tag in einer blutigen Zomcom mit Bad-Taste-Humor

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Scouts Guide to the Zombie Apocalypse, Christopher Landon, USA 2015
Kinostart: 12.11.2015, DVD/BD-Start: 24.03.2016
Story: Just als ein beißwütiger Untoter aus dem lokalen Versuchslabor ausbricht und die Zombie-Seuche verbreitet, beziehen die Schüler Ben, Carter und Augie ihr Pfadfindercamp. In der evakuierten Stadt suchen sie mit Stripperin Denise nach Carters Schwester, bevor das Militär ihr Fleckchen flächenbombardiert.
Von Gnaghi

Wahrscheinlich exorziert Christopher Landon, Sohn des religiös missionarischen Michael Landon („Ein Engel auf Erden“), seine Kindheit, indem er Geister toben und Teufel tanzen lässt: Sein Latino-Spin-Off der erfolgsträchtigen „Paranormal Activity“-Reihe amalgamierte neulich schon gekonnt Horror mit Humor; ein paar Schritte weiter geht „Scouts vs. Zombies“, der reichlich Slapstick, Splatter und Slacker-Gross-Out-Gags auffährt.

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Mission: Impossible – Rogue Nation

Superagent Tom Cruise ist eine Unterhaltungsbank im flotten fünften Einsatz, der immer mehr die Bodenhaftung verliert

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Christopher McQuarrie, USA 2015
Kinostart: 06.08.2015, DVD/BD-Start: 17.12.2015
Story: Gerade hat IMF-Agent Ethan Hunt ein geheimes Syndikat als Urheber weltweiten Terrors identifiziert, da schließt CIA-Boss Hunley die IMF und erklärt Hunt für vogelfrei. Von der Killerin Isla mehrfach gerettet, versuchen Hunt und sein Team die Organisation aufzuspüren, die sie als Marionetten manipuliert.
Von Gnaghi

Nach „Jack Reacher“ – quasi auch einem Agentenactioner – koalieren Christopher McQuarrie, der Script-Wizard von „Die üblichen Verdächtigen“ sowie „Edge of Tomorrow“, und Tom Cruise abermals. Angesicht der gut geölten Entertainmentmaschinerie, die in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ höchste Drehzahlen erreicht, als eingespieltes Team, dem „Star Trek“-Produzent J.J. Abrams knackige Actionschubkraft aufdrückt.

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Insidious: Chapter 3

Der dritte Teil um maligne (Polter)Geister ist ein rasch hingeworfener Lückenfüller ohne Suspense, dafür mit knackigen Jump Scares

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aka Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang, Leigh Whannell, CDN/USA 2015
Kinostart: 02.07.2015, DVD/BD-Start: 12.11.2015
Story: Wer einen Toten ruft, den können alle Toten hören – deshalb verfolgt nun ein übler Poltergeist Teenagerin Quinn, die ihre schmerzlich vermisste Mutter durch das Medium Alice kontaktieren wollte. Letztere wird von einem Würgegeist verfolgt und versucht den Spuk mit einer Reise ins Jenseits zu beenden.
Von Gnaghi

Im Prequel zu James Wans Horror-Reihe wechselt dessen Stammautor Leigh Whannell auf den Regiestuhl (Wan musste „Fast & Furious 7“ drehen – hätte er besser mal gelassen). Es ist schon eigenartig, dass das Debüt eines Drehbuchautoren mit glatt noch weniger Story als das „Conjuring“-Spin-Off „Annabelle“ auskommt. Immerhin weiß Whannell, wie man das Publikum mit zahlreichen Jump Scares im bislang schwächsten Teil erschreckt.

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The Lazarus Effect

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David Gelb, USA 2015
DVD/BD-Start: 10.09.2015

Was Doku-Regisseur David Gelb für die Low-Budget-Horrorschmiede Blumhouse („Paranormal Activity“, „Insidious“, „Sinister“, „Oculus“) mit knapp dreieinhalb Millionen aufgesetzt hat, kombiniert beinahe storyfrei Wiederbelebungs-Motive aus „Frankenstein“ zu einem One-Location-Chiller der Sorte „gleich wieder vergessen“. Mit „The Lazarus Effect“ erweist Gelb weder der eigenen Karriere noch der von Mark Duplass („Journey of Love“) und Olivia Wilde („Tron: Legacy“, „Rush“) einen Gefallen.

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Giraffada

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Girafada, Rani Massalha, AUT/I/D/F 2013
Kinostart: 28.05.2015

Eine bittersüße Tiergeschichte aus kindlicher Perspektive, inspiriert von realen Ereignissen 2002, schildert die palästinensisch-italienisch-deutsch-französische Produktion „Giraffada“ zwar leicht, unsentimental und mit poetischer Ader, aufgrund mangelnder Regie-Tauglichkeit des palästinensischen Novizen Rani Massalha aber ohne zu berühren. Die Rettung eines trächtigen, traumatisierten Giraffenweibchens im Zoo des Westjordanlands fällt im Bemühen, seine Inhalte kindgerecht und zugleich ernsthaft zu unterbreiten, so lala aus.

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The Harvest

John McNaughton findet in einem solide abgründigen Thrillerdrama wieder zu seinen menschlichen Monstern zurück

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John McNaughton, USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Die zur Waisen gewordene 14-jährige Maryann muss zu ihren Großeltern ziehen. In deren Nachbarschaft lebt der gelähmte Andy, der von seinen Eltern, der abweisenden Ärztin Katherine und ihrem Mann, gepflegt, medikamentiert und isoliert wird. Als einzige entdeckt Maryann sein grausiges Geheimnis.
Von Gnaghi

Für seine erste Kinoarbeit seit über zehn Jahren schwenkt US-Horrorauteur McNaughton nach einigen Auflockerungen zum Frühwerk zurück, wo er mit „Henry – Portrait of a Serial Killer“ das True-Crime-Subgenre quasi erfand. Dessen Blutzoll ist passé, aber die psychische Härte und die menschliche Grausamkeit, zu der Monster auf zwei Beinen fähig sind, ist dem langsam getakteten Psychothrillerdrama erhalten geblieben.

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From the Dark

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Conor McMahon, IRL 2014
ohne deutschen Start

„From the Dark“ mutet wie ein Low-Budget-Erstling an, eine solide Fingerübung mit einem Szenario, das auf einen Bierdeckel passt. Zur Marginalie wird er durch die Tatsache, dass der Ire Conor McMahon u.a. bereits den derangierten Untoten-Slapstick „Dead Meat“ sowie die Zombie-Clown-Komödie „Stitches“ auf dem Konto hat. Der humorfreien Nacht-Attacken-Thriller implodiert als Szenario, dessen Erschaffer beim nächsten Mal dringend ein Drehbuch heranziehen sollte.

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Spring

Eine lebensgefährliche Liebe in poetisch-morbidem Euro-Flair: eigenwillig schöne, berückende Indie-Horror-Romanze

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Justin Benson, Aaron Moorhead, USA 2014
DVD/BD-Start: 24.09.2015
Story: Erschüttert vom Krebstod seiner Mutter und nach einer Kneipenschlägerei polizeilich gesucht, fliegt Evan kurzerhand nach Italien, um eine Auszeit zu nehmen. In einem malerischen Küstenstädtchen jobbt er als Bauerngehilfe und verliebt sich in die verführerische Louise, die ein mörderisches Geheimnis birgt.
Von Gnaghi

Man stelle sich „Interview mit einem Vampir“ im Stile von Linklaters „Before Sunrise“ vor; oder wenn Leos Carax „Lady Dracula“ von Jean Rollin adaptiert hätte – dann kommt man der poetischen Indie-Romanze mit dem erotischen Todeshauch von Tourneurs „Katzenmenschen“ schon näher. Justin Benson und Aaron Moorhead, die mit dem beunruhigenden „Resolution“ debütierten, bekennen in „Spring“: Liebe ist die seltsamste Kreatur.

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Camp Evil

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Welp, aka Cub, Jonas Govaerts, B 2014
DVD/BD-Start: 24.04.2015

Folk-Horror-Masken sind derzeit der letzte Genre-Schrei (siehe „Blackwood“). Auch im ehrgeizigen Feriencamp-Slasher des Belgiers Jonas Govaerts versprechen sie im Verbund mit Kameraarbeit und 80er-Synthie-Leitthema wesentlich mehr, als der Thriller nach Schlitzermuster mit Horror-Touch halten kann. „Camp Evil“ (danke für diesen dummen „deutschen“ Titel!) hat kaum Gespür für Charaktere, kann sich in seine Kids nicht einfühlen wie Guillermo del Toro mit „The Devil’s Backbone“ oder „Pans Labyrinth“, und auch moralische Verwerfungen sowie die Faszination am Bösen nicht ausloten – wie Govaerts Landsmann Fabrice du Welz („Calvaire“), dem er offensichtlich nachstrebt.

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Digging Up the Marrow

Adam Green und Ray Wise in einer annehmbaren Monster-Mock, die mehr Fandom-Fantasy als richtiger Horror ist

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Adam Green, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Horrorfilmregisseur Adam Green ist seit seiner Kindheit von Monstern fasziniert. Als der exzentrische Fan William Dekker vorgibt, echte Exemplare gefunden zu haben, wird Green neugierig. Mit Kameramann besucht er den pensionierten Polizisten, um einen Beweis für die scheuen Wesen zu finden.
Von Gnaghi

Der erfolgreiche B-Horrorfilmer Adam Green (Splatter-Slasher-Reihe „Hatchet“, Eisthriller „Frozen“) spielt sich selbst in seiner Fake-Doku „Digging Up the Marrow“, wäre aber hinter der Kamera besser aufgehoben. Als Partner agiert Genrestar Ray Wise („Suburban Gothic“), was jede Realitätsnähe ausschließt, dafür unterhaltsam ist. Leider kapriziert sich Green darauf, uns vergeblich von der Wirklichkeit der Kreaturen zu überzeugen.

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Die Lügen der Sieger

Florian David Fitz verfängt sich in Täuschung und Lügen – ein abgehobener Stil bremst den Paranoia-Thriller jedoch aus

Die Lügen der Sieger Cover

Christoph Hochhäusler, D/F 2014
Kinostart: 18.06.2015, DVD/BD-Start: 03.12.2015
Story: Fabian, aufstrebender Redakteur im Berlinbüro des Nachrichtenblatts „Die Woche“, enthüllt durch seine Volontären Nadja einen Giftmüll-Skandal, in den die Bundeswehr verwickelt ist. Keiner ahnt, dass sie von der Industrielobby manipuliert werden und sie nur Marionetten dubioser Politinteressen sind.
Von Gnaghi

Berliner-Schule-Auteur Christoph Hochhäusler („Unter dir die Stadt“) erstellt ein sprödes Paranoia-Porträt von manipulierten Medien. Durch abstrakten Stilwillen kann sich „Die Lügen der Sieger“ nicht recht zu einem Polit- bzw. Ökothriller durchringen, sondern führt eine Spur zu schmal und vage vor, welche lebensgefährlichen Folgen für einen Reporter auftreten, der zu tief in ein Netz aus Täuschung und Lügen gerät.

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Marshland

Wertiger, hintergründiger Retro-Krimi um die lebensgefährliche Jagd nach einen Frauenserienmörder in der südspanischen Provinz

Marshland Cover

La isla mínima, aka Mörderland, Alberto Rodríguez, E 2014
Kinostart: 04.08.2016
Story: Ein Madrider Ermittler-Duo, der republikanische Routinier Juan und der junge Demokrat Pedro, erreichen 1980 den entlegenen spanischen Süden, um im dortigen Marschland einen Serienmörder zu fassen, der seit Jahren junge Frauen foltert und sexuell verstümmelt. Beide werden Ziel von Attentaten.
Von Gnaghi

Alberto Rodríguez, der 2012 den Goya-gekrönten Copthriller „Kings of the City“ hervorbrachte, spricht mit „Marshland“ einen Toast gleichermaßen auf Truman Capote und „True Detective“ aus, wenn er im unzugänglichen Schwemmland des andalusischen Guadalquivir-Deltas die spanische Version der britischen „Red Riding“(dt: „Yorkshire Killer“)-Trilogie vorlegt: Ein Retro-Thriller aus den politischen Nachwehen des Franco-Regimes.

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Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes

Mehr Licht bitte: Die Rückkehr der schwarzen Geisterlady verwebt perfekte Schaueratmosphäre mit schaler Mystery

Die Frau in Schwarz 2 Cover

The Woman in Black 2: Angel of Death, Tom Harper, GB/CDN 2014
Kinostart: 19.02.2015, DVD/BD-Start: 07.07.2015
Story: Auf der Flucht vor dem Bombenhagel des Blitzkriegs landet die Londoner Grundschulklasse der Lehrerinnen Eve und Jean ausgerechnet im verlassenen Eel Marsh House. Auf der entlegenen Insel meuchelt ein Geist die Kinder. Eve versucht den Waisenjungen Edward mit Hilfe des Piloten Harry zu retten.
Von Gnaghi

„Back in Black“ wäre ein passendes Motto für „Die Frau in Schwarz 2“, den Nachfolger des Überraschungserfolgs mit dem hier abwesenden Daniel „Harry Potter“ Radcliffe. Aus einer kontraststarken, altmodischen Gruselgeschichte mit saftigen Schreckmomenten ist bei Tom Harper („The Scouting Book for Boys“) ein fabelhaftes Fahldunkel geworden, in dem die Ins-Gesicht-Kreisch-Schocks allerdings auf Dauer einschläfern.

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Time Lapse

Clevere Indie-Mystery, in der eine Zukunftskamera schwarzhumorig-hintergründig drei Freunde in mörderisches Schlamassel stürzt

Time Lapse Cover

Bradley King, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Hausmeister und Hobbymaler Finn findet Nachbar Bezzeredes mumifiziert vor. Und eine Riesenkamera, die vom Wohnzimmer seiner Dreier-WG in L.A. täglich Polaroids schießt, 24 Stunden aus der Zukunft. Mitbewohner Jasper will damit reich werden, Finns Freundin Callie findet’s gut – ein Gangster auch.
Von Gnaghi

Unauffälliges Understatement in milder Gemütlichkeit bestimmen Bradley Kings Low-Budget-Debüt „Time Lapse“, weshalb sich leicht verkennen lässt, dass seine an beinahe nur zwei Kulissen stattfindende WG-Version einer „Twilight Zone“-Folge clever gestrickt ist und dazu im Hintergrund den Philosophie-Drive anschaltet, wenn eine Dreiecksbeziehung, durch Gier und Eifersucht belastet, in tödliche „Timecrimes“ ausartet.

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Salvo

Liebe in Zeiten der Mafia: Ein kaltblütiger Hitman lernt mit dem Herzen sehen in einer still berührenden Romanze ohne Zukunft

Salvo 2013 Cover

Fabio Grassadonia, Antonio Piazza, I/F 2013
ohne deutschen Start
Story: Mafiapräzisionskiller Salvo hat gerade ein Attentatsversuch auf seinen Boss vereitelt und den Urheber, einen Rivalen, zur Strecke gebracht. Dessen blinde Schwester Rita auch zu töten, bringt er nicht übers Herz und sperrt sie in einer Industriebrache ein. Was seinem Arbeitgeber nicht lange verborgen bleibt.
Von Gnaghi

Sie ist blind, er (beinahe) stumm und beide ein todesromantisches Traumpaar in einer trostlosen „Gomorrha“-Gegend, die den gnadenlosen Hintergrund eines introspektiven Stilllebens über die Ausweglosigkeit eines kleinen Rädchens im unaufhaltsamen Getriebe des organisierten Verbrechens in Italien bildet. Wehe dem, der sehen lernt und das Licht des Humanismus erblickt, warnen Fabio Grassadonia und Antonio Piazza.

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Die Mafia mordet nur im Sommer

Prägnant, aber nicht elementar: semi-autobiografische Coming-of-Age-Romcom vor dem Hintergrund grausamer Mafiamorde auf Sizilien

The Mafia Only Kills in Summer Cover

La mafia uccide solo d’estate, aka The Mafia Only Kills in Summer, Pif (Pierfrancesco Diliberto), I 2013
Kinostart: 04.06.2015
Story: Palermo in den 70ern. Schon als kleiner Junge ist Arturo Fan von Giulio Andreotti und versucht erfolglos die schöne Flora zu erobern, die sich für einen anderen interessiert. In der Stadt mordet die Mafia unterdessen rege, verübt Verbrechen, die Arturos Leben beeinflussen und seine journalistischen Ambitionen wecken.
Von Gnaghi

Matteo Garrones „Gomorrha“ als Tragikomödie, die zu oft zur Klamotte verkommt: Pierfrancesco Diliberto, unter seinem Künstlernamen Pif ein bekannter TV-Comedian und Politkommentator, rafft autobiografisch jahrzehntelange Mobster-Morde in Palermo. Seine Hymne an die zahllosen Anschlagstoten bewegt nur leicht, wo sie erschüttern müsste, wurde dennoch als beste Komödie beim Europäischen Filmpreis 2014 ausgezeichnet.

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