Schlagwort-Archive: Max Renn

This Is Your Death

„Network“ im Jahr 2017: Die böse Hochglanz-Satire aufs Trash-TV entfaltet soziales Gewissen und emotionale Wucht

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aka The Show, Giancarlo Esposito, USA 2017
ohne deutschen Start
Story: Nach einer Rettungstat in seiner Trash-Sendung gilt Moderator Adam als Held und erfindet eine Spielshow, bei der die Kandidaten Selbstmord begehen, um ihren Angehörigen einen Spendenbeitrag zu hinterlassen. Das Format wird ein Hit, nur Adams Schwester und Produzentin Sylvia wettern dagegen.
Von Max Renn

Im trügerisch properen „EDtv“-Hochglanzformat karikiert „Breakling Bad“-Akteur Giancarlo Esposito mit „This Is Your Death“ die schöne, gewissenlose Scheinwelt des zukünftigen Fernsehens. Dahinter wartet ein abgründiger Kern, der „Das Millionenspiel“ als Moral-Melodram anpackt und gegen den bedenkenlosen Zynismus eine wahre Rosskur wählt, die nach „Running Man“-Blutzoll emotional gleich doppelt heftig trifft.

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Without Name

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Lorcan Finnegan, IRL 2016
ohne deutschen Start

Das Beste an „Without Name“ ist, sich vorzustellen, wie gut er hätte sein können. Natürlich ist das auch zugleich das Unerfreulichste am Spielfilmdebüt des Iren Lorcan Finnegan. Den kennt man am ehesten als Urheber des hübsch verstörenden Kurzfilms „Foxes“, der im Vorprogramm der deutschen Veröffentlichung des italienische Gothic-Natur-Chillers „Across the River“ lief. An Letzterem orientiert sich die Geschichte um Prospektor Eric (Nebenrolle in „Belle“), der Vermessungsarbeiten in einem entlegenen alten Wald im ländlichen Irland durchführt.

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Sieben Minuten nach Mitternacht

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A Monster Calls, J.A. Bayona, 2016
Kinostart: 04.05.2017

Alle Welt ist voll des Lobes für die Fantasy-Parabel „Sieben Minuten nach Mitternacht“, obwohl diese ihr Sterbe-/Abschiedsdrama als unbedingt wertvolle Sonderpädagogik mit allem tränenreichen Pathos auswalzt, bis jeder begriffen hat, wie wichtig und ernsthaft ihre Themen sind. Der Katalane J.A. Bayona, gefeiert für seine Gothic-Geistergeschichte „Das Waisenhaus“ (obwohl sein Tsunami-Drama „The Impossible“ eigentlich der bessere Film war), hat sehr wohl einiges drauf. Aber er will einfach zu viel.

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Headshot

Ein Film wie ein offener Knochenbruch: Martial-Arts-Star Iko Uwais hämmert los und löscht das Actionfeuer mit Romantik

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Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto, RI 2016
DVD/BD-Start: 08.06.2017
Story: Mit einer Kugel im Kopf und Amnesie erwacht Ishmael im Krankenhaus und wird von der fürsorglichen jungen Ärztin Ailin gesund gepflegt. Die dafür in Geiselhaft genommen wird, denn Ishmael gehört zum eigens gezüchteten Killerkommando des irren Gangsters Lee, der mit ihm eine Rechnung offen hat.
Von Max Renn

Weil das, was Hollywood Action nennt, nur Hustensaft von Pussys für Pussys ist, konnte Gareth Evans hartgesottener „The Raid“ ein lange verwaistes Segment revitalisieren – das des beinharten (und beilharten) Nahkampfkrachers. Dreckig-Ästhetik, Dynamik und Hyper-Brutalität von Evans Hit rahmen in „Headshot“ einen Killer-ohne-Identität-Plot à la „Jason Bourne“ ein, der mit aller Gewalt die Befreiung durch Liebe durchsetzt.

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Goldstone

Der humanistisch bewegende Thriller um Zwangsprostitution im Outback vereint meisterlich Film Noir und Western

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Ivan Sen, AUS 2016
ohne deutschen Start
Story: Der alkoholsüchtige Aborigine-Detektiv Jay besucht auf der Spur eines vermissten Mädchens die in der Wüste gelegene Grenzstadt Goldstone, die quasi Eigentum des ansässigen Tagebaukonzerns ist. Der naive Cop Josh entdeckt, wie Bürgermeisterin und scharf schießende Security vor seiner Nase mit Menschen handeln.
Von Max Renn

Vor Kurzem erst hatten wir „Last Cab to Darwin“ zu unseren Favoriten 2016 gekürt, nun folgt gleich ein weiterer Titel aus Australien: „Goldstone“ (nicht zu verwechseln mit dem Abenteuerdrama „Gold“ mit Matthew McConaughey), vereint meisterlich Film Noir, Krimi und Western zu einem sorgfältig aufgebauten Thriller über human trafficking, Menschenhandel mit chinesischen Zwangsprostituierten: stimmig, humanistisch, bewegend.

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Star Wars: Rogue One

Das Dreckige Dutzend unter Palmen: Gareth Edwards „Star Wars“-Ableger ist als Kriegsfilm notgedrungen zu brav

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Rogue One, Gareth Edwards, US 2016
Kinostart: 15.12.2016
Story: Einzelkämpferin Jyn Erso wird von Rebellen genötigt, an einem Himmelfahrtskommando teilzunehmen, um mit dem undurchsichtigen Cassian, einem Droiden, Abtrünnigen und Kombattanten die Pläne des imperialen Todessterns zu stehlen, den Ersos Vater Galen wider Willen erbauen musste.
Von Max Renn

Das erste Spin Off der Sternensaga, „Star Wars: Rogue One“, erzählt als Prequel zum ersten Teil von 1977, wie die Rebellen zu den Plänen des Todessterns gelangen. Gareth Edwards, der sich mit der cleveren Bändigung von „Monsters“ und „Godzilla“ für höhere Weihen empfahl, strebt mit einer Zweitreihenbesetzung einen dreckigen, düsteren, dampfigen Kriegsfilm an, der sich nach eigenen Angaben an „Apocalypse Now“ orientiert.

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Hell or High Water

No Country for Old Men: melancholisch-sozialkritischer Abgesang auf den American Dream mit Herz für die kleinen Leute

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David Mackenzie, USA 2016
Kinostart: 12.01.2017
Story: Der geschiedene Vater Toby und sein Bruder, Ex-Sträfling Tanner, rauben im verarmten Westtexas mehrere Filialen einer Bank aus, um die von einer Hypothek bedrohte Familienfarm zu retten. Der vor der Pensionierung stehende Texas Ranger Hamilton und sein Partner Parker nehmen die Ermittlungen auf.
Von Max Renn

Der Brite David Mackenzie, seit „Hallam Foe“ immer noch ein Geheimtipp, gestaltet ein bewegendes Verbrecherdrama im uramerikanischen Neo-Western-Gewand mit enormen Human Touch, basierend auf einem weiteren großartigen Script von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan. „Hell or High Water“ umfasst tiefer gehende Charakterstudie, Bankraub-Thriller, Road Movie, modernen Western und Tex-Mex-Noir mit Wirkungstreffern.

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Nocturnal Animals

Modedesigner Tom Ford gelingt es nicht, großartige Schauspieler in divergierenden Erzählebenen in ein stimmiges Ganzes zu integrieren

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Tom Ford, USA 2016
Kinostart: 22.12.2016
Story: Die reich verheiratete, aber unglückliche Galeristin Susan erhält eines Tages ein Romanmanuskript von ihrem Ex-Mann, den sie damals aus Kalkül verließ. Die brutale Mär um Edward, der seine ganze Familie an ein Mördertrio verliert, schockiert und bannt sie – die Parallelen zur Realität sind Absicht.
Von Max Renn

Lange sieben Jahre nach seinem berührenden Geniestreich „A Single Man“ greift Modezar Tom Ford wieder zur Kamera und hat sich für seine exquisite Bild- und Ausstattungs-Kür „Nocturnal Animals“ die Vorlage „Tony & Susan“ von Austin Wright ausgesucht, bei der die beiden Erzähl-Ebenen jedoch wesentlich wirkungsvoller verschränkt sind als in Fords disparaten und bemühten, aber ziemlich leeren Prätentions-Thriller.

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Swiss Army Man

Furzwitze auf der Insel: Der Sundance-Gewinner mit Daniel Radcliffe und Paul Dano verschleppt seine tragikomische Ode an einen Freak

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Dan Kwan, Daniel Scheinert (aka Daniels), USA 2016
Kinostart: 13.10.2016
Story: Gerade, als sich der lange auf einer einsamen Insel gestrandete Hank erhängen will, spült die Flut die Leiche von Manny an. Der leidet an chronischen Flatulenzen, wodurch er Hank errettet. Beide erleben eine Odyssee, bei der Hank dem wissbegierigen Manny die Grundzüge des Lebens erklären muss.
Von Max Renn

Der Loser und die Leiche: Der Spielfilmerstling der für ihre absurden Kurzfilme („Interesting Ball“) bekannten Werbefilmer Dan Kwan und Daniel Scheinert, stets als „Daniels“ in den Credits verzeichnet, ist nicht minder absurd und grotesk, ein Zwei-Personen-Stück am Strand und im Wald. In der Robinsonade, die herzlich wenig mit „Cast Away“ gemein hat, spielt Daniel Radcliffe den „Swiss Army Man“ als wiederholten Lebensretter.

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The Purge: Election Year

Stimmungsvolle US-Gesellschaftskritik per dystopischer Exploitation, die mit kräftigem Gewalteinsatz satirisch-subversiv austeilt

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James DeMonaco, F/USA 2016
Kinostart: 15.09.2016
Story: Senatorin Charlie kandidiert für das Amt des US-Präsidenten und will die „Purge“-Nacht, in der Verbrechen ungesühnt begangen werden dürfen, abschaffen. Leibwächter Leo hat alle Hände voll zu tun, als Charlies Widersacher ihr prompt ein Killerkommando schicken. Nun müssen sie die Säuberung überleben.
Von Max Renn

Nach der schwachen Fortsetzung „The Purge: Anarchy“ findet James DeMonacos dystopische B-Thriller-Reihe zu einem modus vivendi, der Polit-Horror-Satire mit den Wonnen des Exploitation-Kinos vereint. „The Purge: Election Year“ erzeugt mit Klassenkampf, Bürgerkrieg, Attentaten, Waffenwahn und Populismus-Wahlkampf ein monströses (Zerr?)Bild der USA, optisch wie weltanschaulich finster, ganz gegen das Establishment.

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The Neon Demon

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Nicolas Winding Refn, F/USA/DK 2016
Kinostart: 23.06.2016

Nach „Valhalla Rising“ dachte ich, der dänische Regiestilist hätte Genie und Geschmack, nach dem Konsenshit „Drive“ glaubten das alle. Nach „Only God Forgives“ und „The Neon Demon“ sollte jedem klar sein, dass NWR, wie sich der seiner eigenen Coolness Verfallene im Vorspann nennt, weder noch hat. Sondern als Kiddie nur zu oft in der Disco abhing, weshalb er um ein hübsches junges Landei, das in L.A. Karriere als Model macht und an eine misanthropische Szene-Clique gerät, nur eine nichtssagende, substanzlos-selbstverliebte Schwelgerei eines vollendeten Narziss errichtet.

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Hardcore

Ein blutiges Ballerspiel komplett aus der Ich-Perspektive – originell, dreckig, technisch furios, aber arg eindimensional und einseitig

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Hardcore Henry, Ilya Naishuller, RUS/USA 2015
Kinostart: 14.04.2016, DVD/BD-Start: 09.09.2016
Story: Als Henry im Labor erwacht, schraubt seine Frau Estelle gerade seine Gliedmaßen zusammen: Er ist ein Cyborg ohne Gedächtnis, den Psychopath Akan mit Söldnerscharen durch Moskau jagt. Mit seinen vielen Klonen hilft Wissenschaftler Jimmy Henry, sich den Weg zu seiner Identität freizuschießen.
Von Max Renn

I’m a Cyborg, But That’s OK: In der miserablen Gamesadaption „Doom“ gibt es eine Ein-Minuten-Sequenz, die aus der Ego-Perspektive gefilmt ist – mit einer aufgeschnallten GoPro-Kamera und technischer Bravour hält dies das Debüt von Ilya Naishuller, der mit dem Punkvideo seiner Band Biting Elbows übte, auf Spielfilmlänge durch. Der Titel leitet sich vom Schwierigkeitsgrad in Computerspielen ab, dem „Hardcore“-Modus.

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Midnight Special

Starbesetztes Chase Movie, das nach einem „Starman“ jagt und mit einem Ende zum Staunen aufwartet

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Jeff Nichols, USA 2016
Kinostart: 18.02.2016, DVD/BD-Start: 23.06.2016
Story: Roy hat seinen achtjährigen Sohn Alton aus den Fängen einer dubiosen Kirche befreit und flüchtet mit ihm und Mitstreiter Lucas nonstop über die Straßen Amerikas. Auf den Fersen sind ihnen Polizei, Geheimdienste und Handlanger der Sekte, die alle das Wunderkind wollen, das Regierungsgeheimnisse kennt.
Von Max Renn

Die fünfte Arbeit des profilierten Indie-Regisseurs Jeff Nichols versucht den Bedrohungs-Suspense von „Take Shelter“ mit den Familienemotionen von „Mud“ zu vereinen – in einer selbst in ihren sporadischen Actionszenen eher ruhig ausfallenden Dauerverfolgungsjagd. „Midnight Special“ ist das intellektuelle, erwachsene Remake des etwas naiv-kitschigen „Starman“, den John Carpenter (dessen Name hier ein Soldat trägt) 1984 drehte.

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Star Wars: Das Erwachen der Macht

Episode VII bietet Verbeugung vor einem und Verwaltung eines Mythos, aber das mit Dynamik, Action, Humor und Emotionen

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Star Wars: The Force Awakens, J.J. Abrams, USA 2015
Kinostart: 17.12.2015, DVD/BD-Start: 28.04.2016
Story: Auf dem Wüstenplaneten Jakku verbündet sich der kriegstraumatisierte Sturmtrupper Finn mit Schrottsammlerin Rey, um das Imperium daran zu hindern, den kleinen Droiden BB-8 aufzuspüren, der Hinweise auf den Verbleib Luke Skywalkers birgt. Auch die Rebellen erhoffen, den letzten Jedi-Ritter zu finden.
Von Max Renn

Der siebte Teil der Sternenkriegs-Mär unter der Leitung von Reboot-Profi J.J. Abrams („Mission: Impossible 3“, „Star Trek“) ist eine rundum unterhaltsame Space-Opera. In weiten Teilen fast schon ein Remake von George Lucas‘ 1977 erschienenen Erstling variiert das Heldenepos „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ alle geläufigen Elemente, würzt diese mit Emotionen, einem satten Actionplot und überraschend viel Humor.

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James Bond 007 – Spectre

Bond Nr. 24: Fast schon ein Charakterdrama mit gelegentlichen Action-Ausbrüchen – souverän, aber kaum sonderlich mitreißend

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Spectre, Sam Mendes, GB/USA 2015
Kinostart: 05.11.2015, DVD/BD-Start: 03.03.2016
Story: Als James Bond in Mexiko City einen Sprengstoffanschlag vereitelt, nimmt dies sein neuer Chef Denbigh zum Anlass, das Doppelnull-Programm zugunsten globaler Überwachungstechnik abzuschaffen. Mit der schönen Madeleine kommt Bond den Machenschaften einer Terrororganisation auf die Spur.
Von Max Renn

Der vierte Bond mit Daniel Craig könnte sein Letzter sein, wenn man seinen Interviewaussagen und der intimen Struktur von „Spectre“ folgt, der gegenüber dem Reboot „Casino Royale“ die Action fast eliminiert und das Charakterdrama wie zuletzt in „Skyfall“ ausweitet. Die Vollendung vieler Handlungsstränge schließt die Craig-Tetralogie ab, auch wenn „American Beauty“-Regisseur Sam Mendes keine emotionalen Beben auslöst.

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Sicario

Der War on Drugs in seiner erbarmungslosen Unmoral – eingebrannt in eine brillante Actionthriller-Tour-de-Force mit Star-Trio

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Denis Villeneuve, USA 2015
Kinostart: 01.10.2015, DVD/BD-Start: 04.02.2016
Story: Nachdem FBI-Agentin Kate mit ihrem Team in Arizona ein ganzes Haus voll Toter entdeckt hat, meldet sie sich zu einer Task Force, die mexikanische Drogenkartelle bekämpft. Aber der undurchsichtige Matt und sein Vollstrecker Alejandro überschreiten alle Grenzen und folgen zudem eigenen Plänen.
Von Max Renn

Nach der Fieberfantasie „Enemy“ kehrt der kanadische Kunstfilmer Denis Villeneuve wieder zur packenden Moralthrillerlandschaft seines Hollywood-Debüts „Prisoners“ zurück. Inhaltlich überträgt „Sicario“ einen Narco-Krimi à la Don Winslow mit dem gnadenlosen Format eines „Gomorrha“ zu dem Hochspannungsstil und der moralischen Ambivalenz von „Zero Dark Thirty“, an den nicht nur ein Nacht-Einsatz erinnert.

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Terminator Genisys

Dumm, aber unterhaltsam: Action-Opi Arnie kämpft sich als Cyborg durchs nunmehr fünfte Effektspektakel der Sci-Fi-Reihe

Terminator Genisys Cover

Alan Taylor, USA 2015
Kinostart: 09.07.2015, DVD/BD-Start: 19.11.2015
Story: Kurz bevor im postapokalyptischen Jahr 2029 die Rebellen die Maschinenarmee von Skynet besiegen, schickt die Computerintelligenz einen Killercyborg ins Jahr 1984, um die Mutter von Anführer John Connor zu töten. Dieser sendet Kyle Reese hinterher. Als er dort eintrifft, ist alles anders als erwartet.
Von Max Renn

„I’m old, but not obsolete“, beteuert die Muskel-Ikone mehrfach – aber egal, wie oft der 67-Jährige den Satz wiederholt, er wird nicht überzeugender. Im fünften Teil, „Terminator Genisys“, ist aus Camerons grimmiger Tech-Noir-Revolution endgültig ein Themepark-Franchise geworden, das sich wie die Wiederholung der Wiederholung ausnimmt und ein glattes Recycling betreibt, das ein sinnlos-kurzweiliges CGI-Feuerwerk abbrennt.

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Animals

Poetisch-trauriges, berührend gespieltes Indie-Drama um ein Junkie-Liebesprächen, das über dem Abgrund schwebt

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Collin Schiffli, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Jude und Bobbie sind ein obdachloses Liebespärchen, das in einem alten Wagen wohnt und durch Chicago streift, um mit dreisten Trickbetrügereien ihre Heroinsucht zu finanzieren. Als die Diebstähle nicht mehr glatt laufen und ihre Gesundheitsprobleme überhand nehmen, geraten sie in höchste Not.
Von Max Renn

Das milieu- und lebensnahe Drogendrama „Animals“ schwelgt derart in poetischer Stimmung, dass man ganz tief darin versinken möchte. Nicht nur die Bildsprache von Collin Schiffli (Regie & Produktion) ist ausgereift. David Dastmalchian (Nebenpart in „Prisoners“), der Script & Hauptrolle übernahm, liefert darüber hinaus gemeinsam mit seiner Filmpartnerin Kim Shaw (Kleinrolle in „Sex and the City“) eine Gänsehaut-Performance.

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Ich seh, Ich seh

Ich seh, Ich seh Cover

aka Goodnight Mommy, Severin Fiala, Veronika Franz, A 2014
Kinostart: 02.07.2015, DVD/BD-Start: 22.10.2015

Das österreichische Autorenhorrorpsychodrama „Ich seh, ich seh“ von Severin Fiala und Veronika Franz (die für den hier als Produzenten fungierenden Ulrich Seidl Drehbücher wie „Hundstage“ schrieb) trägt die Handschrift von Seidl und dessen Hang, das menschlich Monströse auf hautnah unangenehme Art zu sezieren. Das kleine, böse Märchen um katastrophal eskalierende Machtspiele zwischen einer Mutter (Susanne Wuest, „Mörderschwestern“) und identischen Zwillingen (Elias und Lukas Schwarz) wird von schaurigem, harten Realismus dominiert, ist aber total unglaubwürdiger Blödsinn.

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Gefühlt Mitte Zwanzig

Ben Stiller und Naomi Watts in einer harmlosen Generationen-Dramödie um Sinnsuche, Alter(n) und Wahrheits-Begriffe

Gefühlt Mitte Zwanzig Cover

While We’re Young, Noah Baumbach, USA 2014
Kinostart: 16.07.2015
Story: Das Leben des kinderlosen Mittvierziger-Paars Josh und Cornelia steckt in einer reizlosen Sackgasse, in der sich die Bekanntschaft mit dem Mittzwanziger-Hipster-Paar Jamie und Darby als Jungbrunnen erweist. Josh ist von Jamie begeistert – bis er merkt, dass der ihn aus gutem Grund um den Finger wickelt.
Von Max Renn

Kindmänner und Mängelexemplare über 40 sind derzeit die Essenz amerikanischer Komödien. Besonders Ben Stiller hat sich auf den Typus des unreifen Mittelklasse-Losers spezialisiert, der sich nach Wahrhaftigkeit sehnt, was in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ weit köstlicher geschah, als in „Gefühlt Mitte Zwanzig“, der die Midlife-Crisis auf ein Pärchen ausweitet zu einem Porträt verunsicherter Individuen.

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Erinnerungen an Marnie

Erwachsen-entspanntes Jugend-Anime um eine sich beschaulich-schön entfaltende (Geister)Mädchenfreundschaft

When Marnie Was There Cover

Omoide no Mânî, aka When Marnie Was There, Hiromasa Yonebayashi, J 2014
Kinostart: 12.11.2015, DVD/BD-Start: 09.03.2016
Story: Aufgrund ihrer Asthmaanfälle wird die depressive Einzelgängerin Anna von ihren Pflegeeltern zur Erholung zu Onkel und Tante in ihrem Küstenhaus auf Hokkaido geschickt. Dort findet die 12-jährige eine verlassene Villa im Marschland, wo die gleichaltrige, blonde Marnie lebt. Beide freunden sich an.
Von Max Renn

„When Marnie Was There“ basiert auf dem vier Jahre nach seinem Erscheinen 1967 bereits in einer britischen Familienfernsehserie adaptierten Roman „Damals mit Marnie: Glückliche Ferien am Meer“ der 1988 verstorbenen englischen Kinder- und Jugendbuchautorin Joan G. Robinson. Miyazaki-Schüler Hiromasa Yonebayashi punktet nach seiner märchenhaften Däumeline-Fabel „Arrietty“ mit einem beschaulichen Coming of Age.

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Gangnam 1970

Gangnam 1970 Cover

aka Gangnam Blues, Ha Yoo (Yu Ha), ROK 2015
ohne deutschen Start

Südkoreas blut- und gewaltgetränkte Landesgeschichte verdichtet Yu Ha mit dem Entstehungs-Mythos von Seouls Gangnam, seit Psys Hit „Gangnam Style“ der zweifellos berühmteste Distrikt der Hauptstadt. Mit der stylishen Gangster-Saga im 70ies-Period-Look kehrt Yu zum organisierten Verbrechen von „A Dirty Carnival“ (dt: „Straßen der Gewalt“) zurück und dichtet in „Gangnam 1970“ eine, allerdings wenig originelle, Brüderballade, deren Tragik sich diesmal nicht aus der Separation in Nord und Süd (wie „Brotherhood“), sondern der in zwei verfeindete Syndikate speist.

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Monsters: Dark Continent

Das aufgesetzte Sequel zum SF-Roadmovie ist ein weitgehend uninteressanter Kriegsfilm wie aus aktuellen Nahostkonfliktherden

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aka Monsters 2: The Dark Continent, Tom Green, GB 2014
DVD/BD-Start: 26.08.2015
Story: Zehn Jahre nach der Erstinfektion haben sich außerirdische Tentakelriesen im Nahen Osten ausgebreitet. Die Detroiter Jungs Parkes, Maguire, Williams und Frater werden im Rahmen einer Kriegsmission in der „Infected Zone“ stationiert und geraten beim Einsatz im Feindesland in einen Hinterhalt lokaler Warlords.
Von Max Renn

Ohne die Aliens, die sich meist als Schemen am Horizont tummeln, wäre der Nachfolger zu Gareth Edwards Low-Budget-Wunder „Monsters“ von 2010 nicht auszuhalten. Aus der hypnotischen Odyssee durch Mexiko ist beim britischen TV-Serienregisseur Tom Green ein Kriegsfilm geworden, der Mittelamerika mit dem Nahen Osten eintauscht, in aufdringlicher Kenntlichmachung der US-Einsätze in Irak und Afghanistan.

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Chappie

Neill Blomkamps dritte Dystopie – verkappter Familienkitsch mit Gangsta-Clowns und puppenspielendem RoboCop-Baby?

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Neill Blomkamp, MEX/USA 2015
Kinostart: 05.03.2015, DVD/BD-Start: 09.07.2015
Story: Johannesburg 2016. Die Firma TetraVaal Robotic hat die Polizei mit der weltersten Robotereinheit versorgt. Als Programmierer Deon eine neue KI entwickelt, stehlen Gangster das Chassis mit dem Verstand eines Babys und erziehen ihn zum Verbrecher. Auf diese Gelegenheit hat Deons Rivale Moore gewartet.
Von Max Renn

Tendenz: stetig bergab. Nach seinem gefeierten Einstand „District 9“ konnte der Südafrikaner Neill Blomkamp mit „Elysium“ nur noch halb überzeugen, bleibt in „Chappie“ seinem Metier der Science-Fiction-Dystopie treu, kehrt nach Johannisburg zurück und versagt über weite Strecken, das Leben eines Homie-Bots zu gestalten – zu bunt-skurril ist seine SF-Thriller(-Komödie), und bisweilen unpassend trashig cartoonesk.

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Ex Machina

Im Beinahe-Jetzt verankertes SciFi-Kammerspiel, das Alex Garland als Psychothriller um Künstliche Intelligenz aufzieht

Ex Machina Cover

Alex Garland, GB 2015
Kinostart: 23.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Der junge Programmier-Geek Caleb gewinnt die Bürolotterie und darf eine exklusive Woche mit Boss Nathan in dessen abgelegener Festung in den Bergen von Alaska verbringen. Dort soll Caleb die Intelligenz von Android Ava testen, aber Erschaffer Nathan lässt ihn im Unklaren über das wahre Ziel des Experiments.
Von Max Renn

Der Londoner (Drehbuch)Autor Alex Garland, Vorlagengeber für die Danny-Boyle-Hits „The Beach“, „28 Days Later“ und „Sunshine“, konzentriert sich in seinem selbstverfassten Regie-Debüt auf den Turing-Test an der ersten selbständig denkenden KI in einem Frauenkörper: „Ex Machina“ mutet in seinem fensterlos-klaustrophobischem Hochsicherheits-Edel-Ambiente wie ein futuristisches Theaterstück mit drei Personen an.

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