Schlagwort-Archive: Max Renn

Under the Skin

Die Frau, die vom Himmel fiel: Scarlett Johansson kurvt als Alien durch Schottlands Straßen in einem spärlich-surrealen Kunsthorrortrip.

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Jonathan Glazer, GB/USA/CH 2013
DVD/BD-Start: 24.09.2014
Story: Ein Alien hat die Gestalt einer verführerischen Frau angenommen, liest mit einem Kleinbus alleinstehende Männer von den Straßen rund um Glasgow auf und lockt sie in ein schäbiges Haus. Dort werden die Erregten vom Boden verschluckt, ihr Komplize beseitigt Spuren. Bis sie mit ihrer Aufgabe fremdelt.
Von Max Renn

Der britische Videoclipper Jonathan Glazer erwies sich 2000 mit seinem grotesken Poolduell „Sexy Beast“ als Entdeckung, verwirrte vier Jahre darauf mit dem kryptischen „Birth“. Seine dritte Arbeit, sehr frei nach Michel Fabers vieldeutigem Romandebüt, ist hochambitioniert, aber auch in erheblichem Maße apathisch und einfältig, variiert Nicolas Roegs „Der Mann, der vom Himmel fiel“ kalt, unheilvoll und hermetisch.

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Killers

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aka Killers – In jedem von uns steckt ein Killer, Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto (The Mo Brothers), RI/J 2014
DVD/BD-Start: 06.11.2014

Gibt es eigentlich noch einen Japaner ohne privaten Folterkeller? Bei der Flut an solchen Filmen zweifelt man ernstlich daran. So darf auch Nomura (Kazuki Kitamura, „Kill Bill“ plus „The Raid 2“), Ästhet und Frauenverstümmler, eine Gefangene tothämmern und den „Guinea Pig“-Snuff-Clip ins Netz stellen. Der US-Investmentbanker, einem „American Psycho“ nicht unähnlich, ist eine Lifestyle-Bestie in Tokio, favorisiert Hochkultur und Menschenfleisch in Scheibchen. Anschließend zersetzt er die Leichen in „Sado“-Säurewannen und lehrt via Laptop den fassungslosen indonesischen Kameramann Buya die Kunst des Tötens. Der will als Rächer für das Gute kämpfen und mächtigen Kinderschändern das Handwerk legen.

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Night Moves

Geduld fordernde Gewissenslast-Studie, die moderaten Suspense aus Durchführung und Folgen eines Öko-Anschlag zieht.

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Kelly Reichardt, USA 2013
Kinostart: 14.08.2014, DVD/BD-Start: 26.01.2015
Story: Der auf einer Ökokommune lebende, schüchterne Josh hat sich heimlich in Dena verliebt. Mit dem vorbestraften Edward wollen die beiden jungen Aktivisten einen lokalen Staudamm sprengen. Nach langwieriger Vorbereitungsphase ziehen sie den Bombenanschlag durch, bei dem ein Camper ums Leben kommt.
Von Max Renn

Nach dem Anti-Western „Meek’s Cutoff“ legt Indie-Regisseurin Kelly Reichardt einen stillen Anti-Thriller vor, der radikal entscheunigt die jüngst in „The East“ erzählte Genrestory um Ökoterrorismus mit Arthaus-Mitteln aufgreift. Story und Spannung kommen oft nur in homöopathischer Dosis vor, auch wenn sich Hitchcock-Suspense im Vorhinein und eine psychosoziale Talfahrt in „Schuld und Sühne“-Manier nach der Tat aufbauen.

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I Origins

Schleppendes Indie-Sci-Fi-Drama um einen Forscher, dessen Entdeckung ihn mit mystischen Dimensionen konfrontiert.

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Mike Cahill, USA 2014
Kinostart: 25.09.2014
Story: Der junge Mikrobiologe Ian erforscht mit seiner Erstsemester-Assistentin Karen die Evolution des Auges. Als ihm ein Durchbruch bei der Konstruktion gelingt, stirbt seine mysteriöse Freundin Sofi. Sieben Jahre später entdeckt er bei einem Augentest seines Sohns mit Karen Sofis einzigartiges Irismuster wieder.
Von Max Renn

Was wäre, wenn es Reinkarnation wirklich gäbe? Nichts gegen Buddhismus light, aber Mike Cahills Zweitwerk nach seinem starken Einstand „Another Earth“ ist ein schleppendes Lo-Fi-Indiedrama mit dem Flair einer auf zwei Stunden gestreckten Kurzgeschichte. Erst das Ende belohnt für die lange Zeit selbstgefällige, schneckenlahme und prätentiöse Mühsal über den Uralt-Konflikt zwischen Szientismus und Mystik.

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Mistaken for Strangers

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Tom Berninger, USA 2013
Kinostart: 10.07.2014, DVD/BD-Start: 10.10.2014

Dies ist kein Musikfilm der angesagten US-Indie-Rocker „The National“. Und auch keine Tour-Doku, obwohl der Regisseur das ursprünglich avisierte. Der indes das unbedingt komische wie anrührende Porträt zweier gegensätzlicher Brüder hervorbrachte, mithin von sich selbst und dem Leadsänger der Band. Eine mutige Art der Selbstherapie, die Bruderdynamiken aufzeigt, zügig und munter, hinreißend und herzöffnend einen schmerzhaften Reifeprozess schildert. Anlass ist die High-Violet-Welttournee der New Yorker, für die Leadsänger Matt Berninger seinen neun Jahre jüngeren Slacker-Bruder Tom als Roadie einspannt, der unbedarft mit der Videokamera anrückt.

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