Schlagwort-Archive: Mystery

Sam Was Here

Summer of Sam: existenzieller Horror Vacui, der mit Terror in der Einöde einen unerklärlich-vielsagenden Paranoia-Trip entfesselt

Sam Was Here Cover

aka Nemesis, Christophe Deroo, F/USA 2016
ohne deutschen Start
Story: 1998 in der kalifornischen Mojave-Wüste: Vertreter Sam klingelt erfolglos an Trailertüren, als ein rotes Licht am Himmel erscheint. Zunächst begegnet er keinem Menschen, dann jagen ihn Vermummte mit der Waffe, weil ein gewisser Eddy im einzigen Radiosender gegen einen Kinderschänder namens Sam hetzt.
Von Thorsten Krüger

Bizarr, beunruhigend, bedrohlich, unerklärlich: „Sam Was Here“ (auch bekannt als „Nemesis“), das für ein Mikro-Budget in der US-Wüste entstandene Debüt des Franzosen Christophe Deroo, ist ein wahrer Glücksfall. In nur 72 Minuten verdichten sich Einflüsse von John Carpenter, David Lynch (vor allem „Inland Empire“) und Quentin Dupieux (speziell „Rubber“) zu einem spannungsgeladenen, angsteinflößenden Paranoia-Trip.

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Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Die Zeitschleifen-Suspense im Outfit eines Romantic Teen Movies entwickelt melodramatische Facetten und emotionale Qualitäten

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie Cover

Before I Fall, Ry Russo-Young, USA 2017
Kinostart: 01.06.2017
Story: Irgendwo im US-Nordwesten gehört die 17-jährige Sam dem It-Girl-Quartett ihrer High School an. Auf der Heimfahrt von einer Freitag-Abend-Party verunglücken sie tödlich. Woraufhin Sam morgens aufwacht und den letzten Tag ihres Lebens immer wieder erlebt. Und anfängt, alles zu hinterfragen.
Von David McAllan

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ als Teenage Angst Mystery mit (Nächsten)Liebesbotschaft: Macht man sich die Mühe, hinter die Teen-Pastiche von „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ zu schauen, findet man mehr als nur Sisyphos-Motive mit „Butterfly Effect“. Dann verwandeln sich Stereotypen in ein gefühlvolles Coming of Age, ein Abschiednehmen, wie man von seinen Liebsten erinnert werden möchte.

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A Cure for Wellness

Gore Verbinski verpackt attraktiv Genre-Standards, Märchenmotive und Psychomystery zum wohligen Gothic-Grusel

A Cure for Wellness Cover

Gore Verbinski, USA/D 2016
Kinostart: 23.02.2017
Story: Nachwuchsmanager Lockhart hofft auf einen Karrieresprung, wenn er für sein Finanzverbrecherkonzern Vorstandsmitglied Pembroke aus einem Schweizer Bergsanatorium holt. Ein Wildunfall fesselt Lockhart ans entlegene Spa mit düsterer Historie, wo dubiose Heilverfahren und Dr. Brennan regieren.
Von Gnaghi

Obwohl die Story von „A Cure for Wellness“ kaum mehr hergibt als ein B-Movie, gelingt es „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski einmal mehr, diese Genre-Versatzstücke visuell reizvoll zu verpacken. Er versenkt sich damit dermaßen in eine (selten überraschende, dafür umso mehr dräuende) Mystery mit Gothic-Touch, und das so ansprechend und hübsch hergerichtet, dass man die gängigen Komponenten kaum registriert.

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Der Nachtmahr

Avantgardistisch-unkonventioneller Phantastiktrip, in der ein Partyteen seiner Psychose in Form eines kleinen Monsters begegnet

Der Nachtmahr Cover

aka The Nightmare, Akiz (Achim Bornhak), D 2015
Kinostart: 26.05.2016
Story: Als nachts auf einem Rave Todesvisionen die 17-jährige Abiturientin Tina erschüttern, krebst künftig eine missgestaltete Kreatur um sie herum und leert den Kühlschrank. Im graduell ablaufenden Nervenzusammenbruch stößt sie das Wesen erst ab, nimmt es dann aber an, während Eltern und Freunde überreagieren.
Von Thorsten Krüger

Ein Berliner Partyluder erhält einen missgestalteten Doppelgänger, der aussieht wie Belial aus „Basket Case“, jedoch keine Menschen mordet, sondern ein harmloser Kühlschrankschreck ist, auf den erst die Protagonistin, dann alle anderen bestürzend hysterisch reagieren, worin die Tragik von „Der Nachtmahr“ liegt, der sich verwegen und experimentell in ausgefallener Form und Technik mit Teenage Angst auseinandersetzt.

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Parallels

Exzellente, fantasieanregende Science-Fiction-Mystery um vier Twens, die durch die „Lost“-Dimensionen springen

Parallels Cover

Christopher Leone, USA 2015
ohne deutschen Start
Story: Boxer Ronan folgt der Mailboxnachricht seines Vaters, dem er vor Jahren den Rücken kehrte. Mit seiner Schwester Beatrix und Nachbar Harry betritt er ein leerstehendes Hochhaus in der City – und landet in einer Parallelwelt, wo er Polly trifft, die mit dem Gebäude alle 36 Stunden in eine andere Welt springt.
Von Jochen Plinganz

Ein mysteriöses Gebäude ist das Tor zu unendlich vielen Parallelwelten, ähnlichen und fremden, und vier Mittzwanziger die Passagiere eines Trips ohne (rasche) Wiederkehr. Ursprünglich sollte „Parallels“ die Pilotfolge einer Netflix-Serie von Fox Digital werden, die ihn aber zum eigenständigen 83-Minüter umtauften. Das Spielfilmdebüt von Christopher Leone ist damit eine der interessantesten SciFi-Serien, die es nie geben wird.

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The Great Hypnotist

The Great Hypnotist Cover

Cui mian da shi, Leste Chen, CHN 2014
ohne deutschen Start

„I see dead people“ – ein Satz, den man ja noch nie in einer psychologisch-übernatürlichen Mystery gehört hat. Der Taiwanese Leste Chen, der 2005 den passablen Fluchhaushorror „The Heirloom“ entwarf und seit längerem in China dreht, wo auch „The Great Hypnotist“ entstand, vermengt „The Sixth Sense“ mit „Spellbound“ (dt: „Ich kämpfe um dich“) und „Inception“ zu einem grundsoliden, nicht immer überzeugenden Therapiesitzungs-Duell um Schuld, Verdrängung und Vergebung, bei dem die „Shutter Island“-Frage auftaucht, wer Arzt und wer Patient ist.

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Veil of Twilight

Nordische Mittelalter-Mord-Mystery in grandiosen Nebel- und Trollwäldern, aber mit unbefriedigend-eindimensionalem Ablauf

Veil of Twilight Cover

Skumringslandet, Paul Magnus Lundø, N 2014
ohne deutschen Start
Story: Als der schreibkundige Vilhelm 1348 aus Paris in sein norwegisches Heimatdorf Garsli zurückkehrt, ist sein verschwundener Bruder Ansgar wegen Hexerei von der Kirche exkommuniziert worden, die Hof und Mine übernommen haben. Der brutale Bergtor jagt ihn. Und eine Mordserie dezimiert die Einwohner.
Von Max Renn

Die norwegische Medieval Murder Mystery von Paul Magnus Lundø („Mengaloth“) verbindet den Mittellalterkrimi „Der Name der Rose“ mit dem mystischen Abenteuer „Der 13. Krieger“. „Veil of Twilight“ wählt dafür die Volksmärchenweise einer nordischen Saga, die er mit authentisch nachgebautem Dorf und düsteren Bergwäldern superb intensiviert, mit zu kurz kommender Story und Figuren aber wieder abwürgt.

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Roseville

Unschlagbar unheimliche bulgarische Horrormystery um eine gespenstische Naturkraft, die fünf Menschen in den Wahnsinn treibt

Roseville Cover

Vila Roza, Martin Makariev, BG 2013
ohne deutschen Start
Story: Herbst 1985: Die frisch verheirateten Vasko und Nadya fahren in die abgelegene Berghütte Roseville mitten im dicht bewaldeten Balkangebirge. Nur Gastgeber George, seine Vertraute Dora und der US-Fotograf Stephen sind vor Ort. Und eine alte kahle Eiche, die finstere Halluzinationen auslöst.
Von Thorsten Krüger

Bulgarien dient vielen internationalen Produktionen als beliebtes Billiglohnland („The Expendables 3“ und „Autómata“ entstanden hier letztens), der – angeblich – erste genuine Horrorthriller aus dem südosteuropäischen Staat hingegen erblickte erst vor Kurzem das Licht der Welt: Der sonst mit TV-Serien beschäftigte Martin Makariev bringt mit „Roseville“ keinen Schock-Snack, sondern stimmungsschwer dunkel-rätselhafte Phantastik an.

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Ich. Darf. Nicht. Schlafen.

Nicole Kidman überzeugt ungeschminkt in einem häuslich-privaten „Memento“-Psychothriller, in dem Wahrheit schmerzt und Lüge tötet.

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. Cover

Before I Go to Sleep, Rowan Joffe, GB/F/S 2014
Kinostart: 13.11.2014, DVD/BD-Start:26.03.2015, DVD/BD-Start: 26.03.2015
Story: Jeden morgen erwacht Christine und hat den Tag zuvor vergessen. Stets ist sie schockiert, wenn ihr Ben erklärt, dass sie kein Single Mitte 20, sondern 40 ist und mit ihm seit 14 Jahren verheiratet. Dann ruft ihr Therapeut Dr. Nash an und erinnert sie an ihr heimliches Videotagebuch, das Ben als Lügner entlarvt.
Von Gnaghi

Die von Ridley Scott produzierte Adaption des namensgleichen britischen Thrillerbestsellers (von Steve Watson 2011 verfasst), besucht Christopher Nolans „Memento“-Terrain wie eine unaufdringlich-bedachte, dunkle Ausgabe der Konzept-Komödie „50 erste Dates“. In perfekter Rhythmik enthüllt Rowan Joffe viele kleine und schließlich einen heftigen Twist, was die Identitäts-Mystery zum abgründigen Psychothriller zuspitzt.

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Interstellar

Universe of Love: Christopher Nolans kühnes Sci-Fi-Epos um die Rettung der Menschheit ist der Film des Jahres.

Interstellar Cover

Christopher Nolan, USA/GB 2014
Kinostart: 06.11.2014, DVD/BD-Start: 31.03.2015
Story: Auf einer dem Untergang geweihten Erde entdeckt Ex-NASA-Pilot und Farmersvater Cooper ein Geheimprojekt der Weltraumbehörde, die ihn für einen verzweifelten Versuch anwirbt, mit einer Wurmloch-Mission einen fremden Planeten zur Besiedlung zu finden. Dafür muss Cooper seine Tochter Murphy verlassen.
Von Thorsten Krüger

Im Kern handelt Nolans starbesetzter Autorenfilm im Blockbusterformat vom Überlebensinstinkt und anderen Wesenszügen der menschlichen Natur. In der sich im Science-Fiction-Gewand von „2001 – Odyssee im Weltraum“ kleidenden spirituellen Fantasy-Zeitreise to infinity and beyond verkündet eine epochale, mehr als alle Nolan-Erfolge zuvor emotional überwältigenden Symphonie: Liebe hält unser Universum zusammen.

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Wie ein weißer Vogel im Schneesturm

Seelische Abgründe in verträumtem 80er-Hochglanz: Shailene Woodley in einer freizügig-komischen Coming-of-Age-Mystery.

White Bird in a Blizzard Cover

White Bird in a Blizzard, Gregg Araki, F/USA 2014
DVD/BD-Start: 07.08.2015
Story: Eine US-Vorstadtsiedlung im Herbst 1988. Von einem Tag auf den anderen verschwindet Eve, die zuletzt schwer erträgliche Mutter der 17-jährigen Kat, spurlos. Als die polizeilichen Ermittlungen nichts ergeben, beginnt Kat eine Affäre und entwächst ihrem Umfeld. Nur Eves Geheimnis bleibt verborgen.
Von Thorsten Krüger

In seiner bislang reifsten Leistung stellt US-Indie Auteur und New-Queer-Cinema-Begründer Gregg Araki („Mysterious Skin“) zu genießerischem 80er-Look und sanften Synthiepophymnen sein Lieblingssujet vor, das sexuell freizügige Erwachsenwerden. Er verbindet Teen-Fantasien mit harten Gefühlsrealitäten zur extravaganten „Twin Peaks“-Version, aus der er High Camp und Komik kitzelt und dennoch das Authentische wahrt.

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Maze Runner

Erst originell, dann hanebüchen: Science Fantasy um erinnerungslose Teenager, die in einem Irrgarten ums Überleben kämpfen.

Maze Runner Cover

The Maze Runner, aka Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth, Wes Ball, USA 2014
Kinostart: 16.10.2014, DVD/BD-Start: 26.02.2015
Story: Ein Aufzug bringt Thomas, der sich nur noch an seinen Namen erinnert, auf eine große Waldlichtung, wo sich Dutzende anderer Jugendlicher bereits seit zwei Jahren selbst versorgen. Sie sind von den hohen Mauern eines Labyrinths eingeschlossen, dessen Monster schon einige Opfer gefordert haben.
Von Caroline Lin

Ein weitere annehmbare Teenie-Dystopie: Effektspezialist Wes Balls erster Regiejob setzt James Dashners YA-Fantasy von 2009 als High-Concept-Thriller um, breitet als visionäres Abenteuer (mal wieder) mit strukturellen Einflüssen von „Die Tribute von Panem“ (bzw. „Battle Royale“) ein großes Experiment mit Anleihen beim Minotaurus- und Orpheus-Mythos aus. Nur: Je mehr er enträtselt und erklärt, desto schlechter wird’s.

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Soulmate

Soulmate Cover

Axelle Carolyn, GB 2013
ohne deutschen Start

Das Spannendste an Axelle Carolyns selbst geschriebener Low-Budget-Geistergeschichte ist ein vorübergehendes BBFC-Verbot wegen des angeblich zur Nachahmung anregenden Pulsadernaufschneidens der Protagonistin im Prolog. Statt Schnittauflagen nachzugeben, entfernte Carolyn die Szene kurzerhand. Hätte sie nur die dialoglastigen Längen gleich mitgelöscht. Aber selbst dann würde es dem Debüt der bislang in „Doomsday“ und „Centurion“ aufgetretenen Nebendarstellerin noch an Überzeugungskraft mangeln.

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At the Devil’s Door

Unheilvoller Indie-Schocker, der dämonische Besitzergreifungen von „Entity“ und „Das Omen“ zu nachhaltigem Schaudern vereint.

At the Devil's Door Cover

aka Home, Nicholas McCarthy, USA 2014
DVD/BD-Start: 28.01.2015
Story: Die junge Immobilienmaklerin Leigh soll für ein Ehepaar ein Anwesen mit dunkler Geschichte in Greenville verkaufen. Dort begegnet ihr eine verstörte Teenangerin, die ausgerissene Tochter der Besitzer, die von etwas Übernatürlichem besessen ist, das für Leigh und ihre Künstlerschwester Vera sinistre Pläne hegt.
Von Caroline Lin

Nicholas McCarthy, der sich mit dem bewährten, aber sachkundigen Haunted-House-Horror „The Pact“ vorstellte, baut sein dort angedeutetes Talent zu einer ungewöhnlich aufgezäumten Schreckensgeschichte aus. Wieder kaschiert er sein geringes Budget mit handwerklicher Souveränität und guten Darstellern (Catalina Moreno, „Maria voll der Gnade“), nutzt wenige, aber wirkungsvolle Effekte, um hintergründigen Schrecken zu erzeugen.

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How We Got Away with It

How We Got Away with It Cover

Jon Lindstrom, USA 2014
ohne deutschen Start

Als TV-Schauspieler verdingt sich Jon Lindstrom vorwiegend in Soaps und Serien („General Hospital“). Mit seinem Regiedebüt vollführt er einen kräftigen Satz nach vorn im Prestige. Gemeinsam mit den beiden Hauptdarstellern Jeff Barry („Company Men“) und McCaleb Burnett („Fast & Furious 4“) schrieb und produzierte er in Rochester direkt am Ontario See ein leises Reunion-Drama, das durch einen dunklen Twist zum unterschwelligen Thriller (mit Lindstrom als Detective) reift.

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Black Butler

Black Butler Cover

Kuroshitsuji, Kentarô Ohtani, Kei’ichi Sato, J 2014
DVD/BD-Start: 07.08.2014

Die Live-Action-Version von Yana Tobosos Manga-Reihe, die bereits zwei Animé-Serien und zwei Bühnenmusicals gebar, re-imaginiert das Franchise neu, was genauso grausam ist, wie es klingt, weil es weder bisherige Fans begeistert noch neue anspricht. Aus dem viktorianischen Schauer-London ist eine futuristische Fantasy geworden, aus dem androgynen Jungen ein Mädchen, Shiori Genpo (Ayame Gôriki, „Gatchaman“), Erbin eines Schlosses und durch einen Faustischen Pakt verbunden mit dem als ihr in schwarz gekleideter Butler auftretenden Dämon Sebastian (Hiro Mizushima, „Beck“). Nebenfiguren sind verschwunden, geblieben nur die übernatürlichen Fälle, nun in Asien anno 2020.

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Der Tod weint rote Tränen

Berauschend-exquisiter Kunst-Giallo der „Amer“-Schöpfer, die ein experimentierfreudiges, labyrinthisches Mysterium auffahren.

The Strange Colour of Your Body's Tears Cover

L’étrange couleur des larmes de ton corps, aka The Strange Colour of Your Body’s Tears, Hélène Cattet, Bruno Forzani, B/F/L 2013
DVD/BD-Start: 29.01.2015
Story: Der von einer Geschäftsreise aus Frankfurt heimkehrende Dan findet sein Brüsseler Apartment von Innen verriegelt vor. Von seiner Frau fehlt jede Spur. Hinter den Mauern des Hauses geht Merkwürdiges vor, glaubt Nachbarin Dora aus der siebten Etage, derweil Kommissar Vincentelli an Dans Tür pocht.
Von Gnaghi

So barock, wie ein formvollendetes Jugendstil-Gebäude nur sein kann, taucht das belgische Kreativteam Hélène Cattet und Bruno Forzani mehr denn je in einen reinen Rausch der Formen und Farben ein, um mit den Fetischen und Motiven des italienischen Giallo-Genres Kunst herzustellen. Ihr edel-psychedelischer, so flamboyanter wie desorientierender Stil gerät furios und längst nicht mehr so chloroformiert wie noch bei „Amer“.

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Another Me

Effekthascherische Girlie-Mysteryversion von „Black Swan“ mit einer Prise (Asia-)Geistergrusel.

Another Me Cover

aka Another Me – Mein zweites Ich, Isabel Coixet, GB/SP 2013
Kinostart: 04.09.2014, DVD/BD-Start: 22.01.2015
Story: Seit Fays Vater an MS erkrankt im Rollstuhl sitzt, droht die Ehe an einer Affäre ihrer Mutter zu zerbrechen. Als Fay die Rolle der Lady Macbeth am Schultheater erhält, stellt ihr die neidische Monica nach. Gefährlicher noch ist Fays auch anderen erscheinende Doppelgängerin, die sich in ihr Leben drängt.
Von Gnaghi

„Wir sind hier nicht bei Hitchcock!“, empört sich die alte Kassandra Mrs. Brennan (Geraldine Chaplin). In der Tat nicht: Mit Overacting im „Psycho“-Modus geht der Versuch eines Teeniethrillers zwischen Zielgruppen-Hochglanz und rau-dunklem Teint auch als Telenovela-Psychodrama und Tussi-verliert-den-Verstand-Mystery durch. Eine reine stilistische Spielerei, die ernste Dramatik bemüht, aber kaum Substanz bietet.

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Mindscape

Von Jaume Collet-Serra produzierter psychologischer Thriller um einen paranormalen Detektiv in einer Mind-Fuck-Mystery.

Mindscape Cover

Jorge Dorado, SP/USA/FR 2013
Kinostart: 03.07.2014, DVD/BD-Start: 20.11.2014
Story: Aufgrund einer außergewöhnlichen Gabe kann John in die Gedanken anderer eindringen und als Erinnerungsdetektiv Mordfälle lösen. Als er die junge, hochbegabte und verstörte Patientin Anna therapieren soll, die wie seine verstorbene Frau heißt, gerät er in ein mörderisches Netz aus Lüge und Halluzination.
Von Jochen Plinganz

Wieder folgt ein kleiner Genrefilm Christopher Nolans Blockbuster „Inception“, der vor vier Jahren eine Mini-Welle lostrat. Das von Jaume Collet-Serra („Non-Stop“) finanzierte spanische Whodunit-Rätsel wählt nicht den SF-Politthriller-Ansatz eines „Dreamscape“ – er lockt auf das vertraute Terrain eines typischen Vertreters iberischer Psychothriller mit übernatürlichem Touch, in einer nur vermeintlich üblichen Mystery-Ware.

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Helpless

Der Suspense-Thriller um einen Mann auf der Suche nach seiner verschwundenen Verlobten berührt und verstört.

Helpless Cover

Hoa-cha, Byun Young-Joo, ROK 2012
ohne deutschen Start
Story: Kurz vor ihrer geplanten Hochzeit verschwindet Sun-young, die Verlobte von Moon-ho, auf einer Autobahnraststätte spurlos. Verzweifelt forscht der Veterinär mit Hilfe seine suspendierten Polizisten-Cousins nach ihr. Und entdeckt hohe Schulden, falsche Identitäten und eine Reihe ungeklärter Frauenmorde.
Von Caroline Lin

Byun Young-Joo („Ardor“) gelingt weit mehr als die südkoreanische Version von George Sluizers „Spurlos“. Ihre Adaption des Bestsellers „Kasha“ (1992, auf deutsch 2011 erschienen als „Feuerwagen“) der Japanerin Miyabe Miyuki ist einerseits handwerklich reif und ballastfrei, so spannend wie verstörend, zugleich aber auch ein zart-feinfühliges (Liebes)Drama um einen verlassenen Mann und die verborgene Tragödie einer Frau.

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Haunt

Independent-Geisterhorror, der qualitativ überrascht und einem sympathischen Teenpärchen einen bösen Fluch auf den Hals hetzt.

Haunt Cover

aka Haunt – Das Böse erwacht, Mac Carter, USA 2013
DVD/BD-Start: 04.06.2014
Story: Als die Ashers in ein einsam zwischen den Bergen gelegenes Anwesen ziehen, in dem die drei Kinder der Voreigentümer Morello umkamen, beginnt der Spuk erneut. Der 18-jährige Evan lernt die geheimnisvoll-schöne Sam kennen und geht mit einem Jenseits-Empfänger der Bedrohung auf den Grund.
Von Gnaghi

Dem bislang nur mit einer Comicdoku in Erscheinung getretenen Mac Carter gelingt ein sehenswerter Haunted-House-Horror à la „Sinister“, „Insidious“ und „The Conjuring“, zwar eine Nummer kleiner, aber nicht weniger sorgfältig, stimmungsvoll und unheimlich. Mit Veteranin Jacki Weaver („Picknick am Valentinstag“) als Erzählerin und einziger Überlebender des „Morello Fluchs“ gewinnt er dem Szenario alter Schule eine selbstreflexive Note ab.

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Open Grave

Open Grave Cover

Gonzalo López-Gallego, USA 2013
DVD/BD-Start: 03.09.2014

Ein Mann erwacht knochenknackend nach Luft japsend zum Leben in einer Leichengrube, über ihm eine Gewitternacht – ein ideales Szenario, mit dem so viele B-Pictures gepitcht werden. Daraus könnte also ein „Cube“ oder „Saw“ werden. Gonzalo López-Gallego (Regisseur des üblen Blödsinns „Apollo 18“), der in seinem Low-Budget-Mystery-Horror-Drama Sharlto Copley („Elysium“) und den vielbeschäftigten Thomas Kretschmann („King Kong“) einsetzt, hält tatsächlich eine Dreiviertel Stunde Spannung durch Bedrohung und Rätselraten hoch.

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Zimmer 205 – Traust du dich rein?

Zimmer 205 Cover

205 – Zimmer der Angst, Rainer Matsutani, D 2011
Kinostart: 04.04.2013 DVD/BD-Start: 30.09.2013

Fader Mix aus Studentenmystery, Psychothrillerwahn, Kriminalfall und Geisterhorror, bei dem Rainer Matsutani („Nur über meine Leiche“, „666 – Traue keinem, mit dem Du schläfst!“) abermals unterstreicht, was für ein trostloser TV-Routinier er ist. Erschreckend (neben dem üblen Titel) ist an dem deutsche Remake des kassenträchtigen, künstlerisch aber wenig berühmten dänischen „Room 205“ bestenfalls die Einfallslosigkeit, mit der in kalten Bildern ein fürchterlich konstruiertes Isolations-Szenario mit unsympathischen Visagen heraufbeschworen wird.

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Odd Thomas

Geistreiche Geisterbahn mit Herz, die Stephen Sommers („Die Mumie“) als unwiderstehlichen Teenie-„Frighteners“ verpackt.

Odd Thomas Cover

Stephen Sommers, USA 2013
DVD/BD-Start: 02.12.2013
Story: Nomen est Omen: In Pico Mundo gilt Geisterseher Odd Thomas gilt als harmloser Freak, der in dem friedlichen kalifornischen Städtchen als Imbiss-Koch Freundin Stormy anhimmelt und mit den Seelen von Toten Mörder überführt. Als Fungus Bob und bösartige Kreaturen aufkreuzen, ahnt Odd eine Katastrophe.
Von Thorsten Krüger

Espritvoll-rasante Geisterbahn-Komödie, in der „Mumien“-Regisseur Sommers nach Motiven von Dean R. Koontz alle Register zieht, um eine bonbonbunte Teenie-Mystery mit einem unwiderstehlichen Traumpaar – „Chekow“ Anton Yelchin und die süße Addison Timlin aus „Californication“ – hinzulegen. So sieht ein leidenschaftlich mit Charme und Tempo betörender Crowd Pleaser aus, dessen Ende einem heftig das Herz bricht.

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