Schlagwort-Archive: Thriller

This Is Your Death

„Network“ im Jahr 2017: Die böse Hochglanz-Satire aufs Trash-TV entfaltet soziales Gewissen und emotionale Wucht

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aka The Show, Giancarlo Esposito, USA 2017
ohne deutschen Start
Story: Nach einer Rettungstat in seiner Trash-Sendung gilt Moderator Adam als Held und erfindet eine Spielshow, bei der die Kandidaten Selbstmord begehen, um ihren Angehörigen einen Spendenbeitrag zu hinterlassen. Das Format wird ein Hit, nur Adams Schwester und Produzentin Sylvia wettern dagegen.
Von Max Renn

Im trügerisch properen „EDtv“-Hochglanzformat karikiert „Breakling Bad“-Akteur Giancarlo Esposito mit „This Is Your Death“ die schöne, gewissenlose Scheinwelt des zukünftigen Fernsehens. Dahinter wartet ein abgründiger Kern, der „Das Millionenspiel“ als Moral-Melodram anpackt und gegen den bedenkenlosen Zynismus eine wahre Rosskur wählt, die nach „Running Man“-Blutzoll emotional gleich doppelt heftig trifft.

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Radius

Elektrisierender Mystery-Thriller, der mit starker Stimmung, leiser Romantik und grauenvoller Enthüllung emotional heftig einschlägt

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Caroline Labrèche, Steeve Léonard, CDN 2017
ohne deutschen Start
Story: Sam läuft verletzt eine Straße im ländlichen Woodmore County entlang und kann sich an nichts erinnern. Alles in seiner Nähe stirbt binnen Sekunden, Menschen wie Tiere. Nur nicht eine Frau ohne Gedächtnis, die ihn angeblich kennt. Während die Polizei nach ihnen fahndet, wollen sie das tödliche Rätsel lösen.
Von Thorsten Krüger

Was das frankokanadische Regie-Pärchen Caroline Labrèche und Steeve Léonard („Lost Cause“) in ihrem Zweitling „Radius“ zeigt, ist einer der Überraschungsfilme des Jahres. Unter ihrer Gänsehaut-Regie geht das Schicksal zweier Seelenverwandter nahe: Der sorgfältige Plot mit beklemmender (Natur)Atmosphäre gewinnt stetig an Suspense, bis sich ein verstörender Twist samt Sci-Fi-Auflösung ins Gedächtnis gräbt.

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Das Belko Experiment

Stromberg als Splatter-Thriller: Greg McLean und James Gunn hetzen eine Büroabteilung aufeinander

Das Belko Experiment Cover

The Belko Experiment, Greg McLean, USA/CO 2016
Kinostart: 15.06.2017
Story: Als Computerfachmann Mike und seine Freundin Leandra zur Arbeit in den abgelegenen Bürokomplex der Belko Industries in Bogotá erscheinen, werden sie mit 80 Amerikanern in das streng bewachte Gebäude eingesperrt und von einer Durchsage aufgefordert, ihre Kollegen zu töten – oder sie sterben selbst.
Von Gnaghi

„Battle Royale“ im „High-Rise“-Office – das beschreibt „Das Belko Experiment“ hinreichend. Die Horrorschmiede Blumhouse und James Gunn („Guardians of the Galaxy“) finanzierten sein bereits älteres Skript, das den schwarzen, derben Humor seine frühen Filme („Slither“) bewahrt. Der Australier Greg McLean knüpft an seine Härte von „Wolf Creek“ an, was beider Stärken effektiv vereint zu einem heftigen B-Movie für Fans.

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Sam Was Here

Summer of Sam: existenzieller Horror Vacui, der mit Terror in der Einöde einen unerklärlich-vielsagenden Paranoia-Trip entfesselt

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aka Nemesis, Christophe Deroo, F/USA 2016
ohne deutschen Start
Story: 1998 in der kalifornischen Mojave-Wüste: Vertreter Sam klingelt erfolglos an Trailertüren, als ein rotes Licht am Himmel erscheint. Zunächst begegnet er keinem Menschen, dann jagen ihn Vermummte mit der Waffe, weil ein gewisser Eddy im einzigen Radiosender gegen einen Kinderschänder namens Sam hetzt.
Von Thorsten Krüger

Bizarr, beunruhigend, bedrohlich, unerklärlich: „Sam Was Here“ (auch bekannt als „Nemesis“), das für ein Mikro-Budget in der US-Wüste entstandene Debüt des Franzosen Christophe Deroo, ist ein wahrer Glücksfall. In nur 72 Minuten verdichten sich Einflüsse von John Carpenter, David Lynch (vor allem „Inland Empire“) und Quentin Dupieux (speziell „Rubber“) zu einem spannungsgeladenen, angsteinflößenden Paranoia-Trip.

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Goldstone

Der humanistisch bewegende Thriller um Zwangsprostitution im Outback vereint meisterlich Film Noir und Western

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Ivan Sen, AUS 2016
ohne deutschen Start
Story: Der alkoholsüchtige Aborigine-Detektiv Jay besucht auf der Spur eines vermissten Mädchens die in der Wüste gelegene Grenzstadt Goldstone, die quasi Eigentum des ansässigen Tagebaukonzerns ist. Der naive Cop Josh entdeckt, wie Bürgermeisterin und scharf schießende Security vor seiner Nase mit Menschen handeln.
Von Max Renn

Vor Kurzem erst hatten wir „Last Cab to Darwin“ zu unseren Favoriten 2016 gekürt, nun folgt gleich ein weiterer Titel aus Australien: „Goldstone“ (nicht zu verwechseln mit dem Abenteuerdrama „Gold“ mit Matthew McConaughey), vereint meisterlich Film Noir, Krimi und Western zu einem sorgfältig aufgebauten Thriller über human trafficking, Menschenhandel mit chinesischen Zwangsprostituierten: stimmig, humanistisch, bewegend.

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A Cure for Wellness

Gore Verbinski verpackt attraktiv Genre-Standards, Märchenmotive und Psychomystery zum wohligen Gothic-Grusel

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Gore Verbinski, USA/D 2016
Kinostart: 23.02.2017
Story: Nachwuchsmanager Lockhart hofft auf einen Karrieresprung, wenn er für sein Finanzverbrecherkonzern Vorstandsmitglied Pembroke aus einem Schweizer Bergsanatorium holt. Ein Wildunfall fesselt Lockhart ans entlegene Spa mit düsterer Historie, wo dubiose Heilverfahren und Dr. Brennan regieren.
Von Gnaghi

Obwohl die Story von „A Cure for Wellness“ kaum mehr hergibt als ein B-Movie, gelingt es „Fluch der Karibik“-Regisseur Gore Verbinski einmal mehr, diese Genre-Versatzstücke visuell reizvoll zu verpacken. Er versenkt sich damit dermaßen in eine (selten überraschende, dafür umso mehr dräuende) Mystery mit Gothic-Touch, und das so ansprechend und hübsch hergerichtet, dass man die gängigen Komponenten kaum registriert.

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Boston

Die Chronik des Anschlags auf den Boston-Marathon als Suspense-Nägelbeißer mit herzerwärmender Das-macht-uns-stark-Botschaft

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Patriots Day, Peter Berg, US 2016
Kinostart: 02.02.2017
Story: Polizei-Sergeant Saunders hat am 15. April 2013 Dienst, als an der Ziellinie des Boston Marathon am Patriots Day zwei Bomben explodieren. FBI-Agent DesLauriers erkennt auf Terrorismus und fahndet nach zwei Attentätern, die sich Tage später auf der Flucht in Watertown eine Schießerei liefern.
Von Thorsten Krüger

Inzwischen ist die augenfällige Anhäufung amerikanischer Heldenstorys in dieser Saison mehr als bloßer Zufall. Peter Berg, der nach „Deepwater Horizon“ ein weiteres Mal Mark Wahlberg ins Gefecht eines Thrillers mit Message schickt, stemmt den Löwenanteil an einer Selbstvergewisserung, in der sich noch mehr als in den sonst ganz verschiedenen „Sully“ und „Hacksaw Ridge“ die Nation versammelt und enger zusammenrückt.

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Allied

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Allied – Vertraute Fremde, Robert Zemeckis, GB/USA 2016
Kinostart: 22.12.2016

Robert Zemeckis hat einige Klassiker erschaffen, darunter „Forrest Gump“ und „Cast Away“ – mitunter aber auch Verzichtbares wie „Beowulf“ und „Polarexpress“. Irgendwo dazwischen liegt „Allied“, das die Spionagefront des Zweiten Weltkriegs in eine Liebesbeziehung verlegt. Es hilft dem romantischen Thriller allerdings wenig, im ersten Drittel als „Casablanca“ reloaded aufzutreten, eine Hommage mit Brad Pitt (wieder im Krieg nach „Inglorious Basterds“ und „Herz aus Stahl“) als Bogart und Marion Cotillard („Inception“) als Bergman.

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Nocturnal Animals

Modedesigner Tom Ford gelingt es nicht, großartige Schauspieler in divergierenden Erzählebenen in ein stimmiges Ganzes zu integrieren

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Tom Ford, USA 2016
Kinostart: 22.12.2016
Story: Die reich verheiratete, aber unglückliche Galeristin Susan erhält eines Tages ein Romanmanuskript von ihrem Ex-Mann, den sie damals aus Kalkül verließ. Die brutale Mär um Edward, der seine ganze Familie an ein Mördertrio verliert, schockiert und bannt sie – die Parallelen zur Realität sind Absicht.
Von Max Renn

Lange sieben Jahre nach seinem berührenden Geniestreich „A Single Man“ greift Modezar Tom Ford wieder zur Kamera und hat sich für seine exquisite Bild- und Ausstattungs-Kür „Nocturnal Animals“ die Vorlage „Tony & Susan“ von Austin Wright ausgesucht, bei der die beiden Erzähl-Ebenen jedoch wesentlich wirkungsvoller verschränkt sind als in Fords disparaten und bemühten, aber ziemlich leeren Prätentions-Thriller.

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Deepwater Horizon

Atemberaubend, authentisch, adrenalinstarrend: Mark Wahlberg in einem Katastrophentrhiller mit ärgerlicher Botschaft

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Peter Berg, USA 2016
Kinostart: 24.11.2016
Story: Im April 2010 verabschiedet sich Cheftechniker Mike von daheim, um auf die Ölbohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko zu fliegen. Gegen seinen und den Willen von Leiter Jimmy verlangt BP-Manager Vidrine trotz technischer Probleme volle Förderleistung. Kurz darauf explodiert die Bohrinsel.
Von Thorsten Krüger

Nach ihrem letzten Gemeinschaftsprojekt „Lone Survivor“ stand schwerstes Pathos zu befürchten, aber Peter Berg und sein Star Mark Wahlberg setzen ihr 150-Millionen-Budget für einen verblüffend realistischen und deshalb packenden, puren Katastrophenthriller ein, der fulminant und beeindruckend das Inferno auf der „Deepwater Horizon“ im April 2010 schildert. Allerdings bleibt ein äußerst schaler Nachgeschmack übrig.

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Don’t Breathe

Suspense auf Socken: kompromisslos-klaustrophobischer Low-Budget-Nägelbeißer vom „Evil Dead“-Regisseur

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Fede Alvarez, USA 2016
Kinostart: 08.09.2016
Story: White-Trash-Braut Rocky und zwei Komplizen wollen mit einem Raubzug das verrottete Detroit verlassen und haben sich mit einem blinden Irak-Veteran ein vermeintlich leichtes Opfer ausgesucht. Doch der einsame Mann ist keineswegs wehrlos und verwandelt sein altes Haus in eine finstere Todesfalle.
Von Thorsten Krüger

Mit einem Großteil des Produktionsteams seines hartgesottenen „Evil Dead“-Remakes (inklusive Hauptdarstellerin Jena Levy) legt der Uruguayer Regisseur Fede Alvarez einen kleinen, leicht schmuddligen B-Thriller nach. Was „Lights Out“ als übernatürlicher Horror nutzt, wendet „Don’t Breathe“ als Thriller menschlicher Verbrechen und Abgründe an: Dunkelheit. Ganz im Sinne des Vorbilds „Warte, bis es dunkel ist“ von 1967.

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Jason Bourne

Bourne Nr. 5: Der überwiegend fesselnde Actionthriller um den Ex-Agenten wirkt oft genug phrasenhaft und inhaltlich dünn

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Paul Greengrass, USA 2016
Kinostart: 11.08.2016
Story: Um die Folgen eines Hacks von Snowden-Dimensionen abzuwenden, lässt CIA-Direktor Dewey die Täterin töten und setzt Karrieristin Lee auf Jason Bourne an, der in Besitz der Daten gelangt ist, die Brisantes über das Agenten-Programm enthüllen. Bei der Todeshatz durch Europa kommen Lee Zweifel.
Von Thorsten Krüger

Im fünften Teil der 2002 ins Leben gerufenen Agenten-Reihe nach Robert Ludlum steht die Wiedervereinigung des Dreamteams Matt Damon als „Jason Bourne“ und Regisseur Paul Greengrass („Captain Phillips“) an, die im zweiten und dritten Auftritt Actionthriller-Maßstäbe setzten und die Verunsicherung der Post-9/11-Ära auf den Punkt brachten. Aber was damals Standards definierte, ist anno 2016 nur noch professionelle Routine.

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The Purge: Election Year

Stimmungsvolle US-Gesellschaftskritik per dystopischer Exploitation, die mit kräftigem Gewalteinsatz satirisch-subversiv austeilt

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James DeMonaco, F/USA 2016
Kinostart: 15.09.2016
Story: Senatorin Charlie kandidiert für das Amt des US-Präsidenten und will die „Purge“-Nacht, in der Verbrechen ungesühnt begangen werden dürfen, abschaffen. Leibwächter Leo hat alle Hände voll zu tun, als Charlies Widersacher ihr prompt ein Killerkommando schicken. Nun müssen sie die Säuberung überleben.
Von Max Renn

Nach der schwachen Fortsetzung „The Purge: Anarchy“ findet James DeMonacos dystopische B-Thriller-Reihe zu einem modus vivendi, der Polit-Horror-Satire mit den Wonnen des Exploitation-Kinos vereint. „The Purge: Election Year“ erzeugt mit Klassenkampf, Bürgerkrieg, Attentaten, Waffenwahn und Populismus-Wahlkampf ein monströses (Zerr?)Bild der USA, optisch wie weltanschaulich finster, ganz gegen das Establishment.

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Cell

Cell 2016 Cover

Tod Williams, USA 2016
ohne deutschen Start

„Cell“, die neueste Adaption eines Stephen-King-Romans (es handelt sich um „Puls“ von 2006), beginnt vielversprechend und kann in der rasanten Auftakt-Apokalypse mit Danny Boyles „28 Days Later“ und Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake mithalten: Ein Handysignal lässt alle, die gerade telefonieren zu Crazies werden und als Amokraser jeden abschlachten, der noch nicht zur Mordmaschine mutiert ist. Es herrscht Krieg und Chaos. Der gewaltbereite, rasende Mob – Folge eines Terroranschlags oder der nächste Schritt der Evolution?

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Verräter wie wir

Stellan Skarsgård und Ewan McGregor überzeugen menschlich in einer John-le-Carré-Adaption mit starker emotionaler Suspense

Verraeter wie wir Cover

Our Kind of Traitor, Susanna White, GB/F 2016
Kinostart: 07.07.2016
Story: Dima, Geldwäscher Nr. 1 für die Russenmafia, muss aus gutem Grund um das Leben seiner Familie fürchten und nutzt in Marrakesch die Zufallsbekanntschaft mit Lyrik-Dozent Perry, um mit dem britischen Geheimdienst MI5 einen Asyl-Deal einzufädeln. Als der scheitert, entschließt sich Perry zu helfen.
Von Jochen Plinganz

Die seit der Jahrtausendwende bereits fünfte Adaption eines Spionageromans von Altmeister John le Carré sitzt nicht mehr so unentschlossen zwischen den Stühlen wie zuletzt „A Most Wanted Man“, sondern findet unter Verzicht auf Action-Standards zu einem Thriller, der personell und emotional so gut funktioniert, dass es sich bei „Verräter wie wir“ um die wohl beste Verfilmung von le Carrés Post-Kalten-Kriegs-Werk handelt.

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Money Monster

George Clooney und Julia Roberts als Geiseln in einem Thriller, der satirisch Zeitkritik übt und der Gier-Gesellschaft den Spiegel vorhält

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Jodie Foster, USA 2016
Kinostart: 26.05.2016
Story: Der windige Showmaster Lee erteilt in seiner Börsensendung Aktientipps, durch die Kleinanleger Kyle sein Vermögen verloren hat. Deshalb stürmt er das Studio, legt Lee einen Sprengstoffgürtel an und verlangt Antworten. Produzentin Nancy lässt die Kameras laufen, die Polizei rückt mit Scharfschützen an.
Von Jochen Plinganz

Ein Wutbürger nimmt Geiseln und ist in Echtzeit live auf Sendung – ein lupenreines Thriller-Konzept, dessen psychologische Extremsituation viel mit dem koreanischen „The Terror Live“ gemein hat. Nur liefert „Money Monster“ trotz zunächst plakativer Gangart kein Börsen-Bashing. Statt simpler Antworten hält uns die spannende wie unterhaltsame Tour de Force den Spiegel vor und liefert ein Stück Zeit- und Gesellschaftkritik ab.

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Bastille Day

Idris Elba auf Terroristenjagd in Paris: Kompetentes Actionthriller-Entertainment, das vorgibt mehr zu sein, als es ist

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James Watkins, F/USA 2016
Kinostart: 23.06.2016
Story: Zoe bekommt kalte Füße, als sie im Büro der Nationalpartei in Paris eine Bombe platzieren soll. Da Taschendieb Michael diese klaut, explodiert sie dennoch. Danach zwingt CIA-Agent Sean den Gauner, mit ihm nach Zoe und den Hintermännern zu suchen, die zum Nationalfeiertag einen Anschlag planen.
Von Thorsten Krüger

Die Realität in Form von muslimischen Terroristen hat diesen überwiegend packenden und lange Zeit brisanten Actionthriller überholt, weshalb die Verschwörung einer Spezialeinheit, Bombenattentate Muslimen unterzuschieben, als zwiespältiger Anachronismus einen unangenehmen Hautgout entwickelt. Aber „Bastille Day“, benannt nach Frankreichs Nationalfeiertag am 14. Juli, fesselt dennoch bestens mit handwerklicher Klasse.

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Green Room

Punks vs. Skins: illuster besetzter, unerbittlicher Belagerungsthriller, der zum blutigen Todeskampf durchstartet

Green Room Cover

Jeremy Saulnier, USA 2015
Kinostart: 02.06.2016
Story: Als eine unbekannte Punkband bei ihrem Auftritt im Südstaaten-Hinterwald vor Skinheads die falsche Tür öffnet, werden sie Zeuge eines Mordes und in das Zimmer gesperrt, bis die Polizei wieder abgezogen ist. Im Anschluss macht sich die Nazi-Gang daran, den Musikern rund um Pat den Hals umzudrehen.
Von David McAllan

Erst on the road, dann in the room: Anton Yelchin („Star Trek“, „Odd Thomas“) steht abgerissenen Kneipenpunkern vor, die beim Ersatz-Gig an eine Bande krimineller Neonazis unter Führung von „X-Men“-Professor Patrick Stewart geraten, die skrupellos Menschen morden, um damit größere Verbrechen zu kaschieren. Dank Teppichmessern und Kampfhunden tut die Gewalt in den naturtrüben Bildern von „Green Room“ richtig weh.

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Triple 9

Triple 9 Cover

John Hillcoat, USA 2016
Kinostart: 05.05.2016, DVD/BD-Start: 14.09.2016

Der Polizeicode 999, kurz „Triple 9“, bedeutet die Ermordung eines Kollegen. Die Copkiller sind aber nicht nur verkommene Verbrecher – sie sind selbst Polizisten in Atlanta und unterscheiden sich kaum von den Gangs und der Russenmafia, die sie in Gestalt einer Matriarchin (Kate Winselt als Ice Queen) zu Raubüberfällen zwingt. Ein idealistischer Neuzugang (Bens Bruder Casey Affleck, „Saints“) und sein Onkel, der drogensüchtige Ermittler Allen (Woody Harrelson überzieht als sleaziger „True Detective“), kommen ihnen auf die Schliche.

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The Hateful 8

QTs Winterwestern bietet Suspense und Spielfreude auf engstem Raum, schädigt sich aber mit Selbstgefälligkeit und Splatter-Unfug

The Hateful 8 Cover

The Hateful Eight, Quentin Tarantino, USA 2015
Kinostart: 28.01.2016, DVD/BD-Start: 30.05.2016
Story: Kopfgeldjäger Warren will im winterlichen Wyoming Verbrecherin Daisy schnappen, die sich in der Obhut eines beinharten Konkurrenten befindet. Sie alle müssen vor einem herannahenden Blizzard Zuflucht in einer einsamen Blockhütte suchen. Dort warten bereits fünf weitere Gestalten. Keiner traut dem anderen – zu Recht.
Von Jochen Plinganz

Passend zur achten Regiearbeit betitelt, verbindet „The Hateful 8“ Tarantinos ersten Western „Django Unchained“ (plus Samuel L. Jackson) mit seinem Regie-Erstling „Reservoir Dogs“ (für manche immer noch sein bester Film): Er sperrt Bluthunde in eine Hütte und sieht zu, wie sie sich gegenseitig zerfleischen. Aus dem Debüt sind auch Tim Roth (in der Christoph-Waltz-Rolle) und ein herrlich verschlagener Michael Madsen dabei.

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The Revenant

Leonardo DiCaprio kämpft sich durchs winterliche Indianerland: bildgewaltiges, authentisches Überlebensepos in einem wilden Kontinent

The Revenant Cover

aka The Revenant – Der Rückkehrer, Alejandro González Iñárritu, USA 2015
Kinostart: 06.01.2016, DVD/BD-Start: 19.05.2016
Story: Um 1820. Nach einem Indianerüberfall lässt Felljäger Fitzgerald den durch einen Bärenangriff schwerverletzten Trapper Glass zum Sterben in der Wildnis zurück und tötet seinen Adoptivsohn. Im einsetzenden Winter kämpft Glass ums Überleben und bahnt sich, verfolgt von Ree-Indianern, seinen Weg nach Süden.
Von Thorsten Krüger

Nach seinem Oscargewinner „Birdman“ beschreibt Alejandro González Iñárritu, der Erforscher menschlicher Extremsituationen, einen Überlebenskampf, der sich wie eine Neudefinition des Westerns als Männer-Survival-Marathon ausnimmt. Dass „The Revenant“ so gegenwärtig und authentisch ausfällt, liegt nicht nur am Volleinsatz der Darsteller, sondern vor allem an der sagenhaft brillanten Kamera von Emmanuel Lubezki.

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Die Vorsehung

Die Vorsehung Cover

Solace, Afonso Poyart, USA 2015
Kinostart: 31.12.2015, DVD/BD-Start: 03.05.2016

Beinahe geräuschlos nähert sich der mit namhaften Charakterstars gerüstete, dunkle Crime-Thriller „Die Vorsehung“, der im besten Sinne an „Das Schweigen der Lämmer“ und „Seven“ erinnert. Mit dem Unterschied, dass die bizarre Mordserie durch die hellseherische Intuition eines Psychiaters („Hannibal Lecter“ Anthony Hopkins wieder im Dienst des FBI) aufgeklärt wird. Der Mann mit dem Zweiten Gesicht findet im aus Mitleid mordenden Erlöser (selbstgerechte Jesus-Figur: Colin Farrell, „Saving Mr. Banks“) seinen Meister, ein Einfluss, der bis auf Cronenbergs „The Dead Zone“ zurückreicht.

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Unter dem Sand

Verschleppte Kindersoldaten graben im Akkord nach Sprengfallen: packende dänische Lektion in Deutschenhass und (In)Humanität

Unter dem Sand Cover

Under sandet, aka Land of Mine, Martin Zandvliet, DK/D 2015
Kinostart: 07.04.2016, DVD/BD-Start: 22.09.2016
Story: Mai 1945. Vierzehn zum Volkssturm eingezogenen Hitlerjungen müssen als Kriegsgefangene wie viele andere Deutsche die Strände Dänemarks von im Sand vergrabenen Landminen befreien – mit bloßer Hand, ohne Schutz und Verpflegung. Fast alle sterben unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Von Jochen Plinganz

Deutsche Opfer im Zweiten Weltkrieg? Eine Randnotiz, die in der hiesigen (cineastischen) Geschichtsschreibung kaum Platz hat, wo man sich darin überbietet, die eigene Schuld auszuwalzen. Dass die Rache der Sieger keineswegs ohne ausgiebige Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieb, macht dieses suspensegeladene Drama, das den Horror unter freiem Idyll-Himmel kurz nach der bedingungslosen Kapitulation schildert, eindringlich klar.

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James Bond 007 – Spectre

Bond Nr. 24: Fast schon ein Charakterdrama mit gelegentlichen Action-Ausbrüchen – souverän, aber kaum sonderlich mitreißend

James Bond 007 – Spectre Cover

Spectre, Sam Mendes, GB/USA 2015
Kinostart: 05.11.2015, DVD/BD-Start: 03.03.2016
Story: Als James Bond in Mexiko City einen Sprengstoffanschlag vereitelt, nimmt dies sein neuer Chef Denbigh zum Anlass, das Doppelnull-Programm zugunsten globaler Überwachungstechnik abzuschaffen. Mit der schönen Madeleine kommt Bond den Machenschaften einer Terrororganisation auf die Spur.
Von Max Renn

Der vierte Bond mit Daniel Craig könnte sein Letzter sein, wenn man seinen Interviewaussagen und der intimen Struktur von „Spectre“ folgt, der gegenüber dem Reboot „Casino Royale“ die Action fast eliminiert und das Charakterdrama wie zuletzt in „Skyfall“ ausweitet. Die Vollendung vieler Handlungsstränge schließt die Craig-Tetralogie ab, auch wenn „American Beauty“-Regisseur Sam Mendes keine emotionalen Beben auslöst.

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Sicario

Der War on Drugs in seiner erbarmungslosen Unmoral – eingebrannt in eine brillante Actionthriller-Tour-de-Force mit Star-Trio

Sicario Cover

Denis Villeneuve, USA 2015
Kinostart: 01.10.2015, DVD/BD-Start: 04.02.2016
Story: Nachdem FBI-Agentin Kate mit ihrem Team in Arizona ein ganzes Haus voll Toter entdeckt hat, meldet sie sich zu einer Task Force, die mexikanische Drogenkartelle bekämpft. Aber der undurchsichtige Matt und sein Vollstrecker Alejandro überschreiten alle Grenzen und folgen zudem eigenen Plänen.
Von Max Renn

Nach der Fieberfantasie „Enemy“ kehrt der kanadische Kunstfilmer Denis Villeneuve wieder zur packenden Moralthrillerlandschaft seines Hollywood-Debüts „Prisoners“ zurück. Inhaltlich überträgt „Sicario“ einen Narco-Krimi à la Don Winslow mit dem gnadenlosen Format eines „Gomorrha“ zu dem Hochspannungsstil und der moralischen Ambivalenz von „Zero Dark Thirty“, an den nicht nur ein Nacht-Einsatz erinnert.

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